Hans Meyer: Woher kommt er? Wohin geht er?
Die Pfade des Dinosauriers
Text: Maximilian Hendel Bild: Imago

Sobald Hans Meyer vor Kameras, Mikrofone oder die schreibende Zunft tritt, ist dieses Lechzen der versammelten Journaille nach den zum Kult avancierten, charakteristischen Sprüche fast zu greifen. Im gefühlten Rhythmus eines zuverlässigen Maschinengewehrs werden jene im Handumdrehen abgeschossen. Jeder einzelne für sich beansprucht die vermeintlich zitierfähigsten Aussagen in seinen Notizblöcken und Aufnahmegeräten zu sehen und zu hören, um sich am nächsten Tag mit den großen Lettern Meyerscher Losungen schmücken zu dürfen. Ob und wie ernst er in diesen Momenten seine geistigen Ergüsse nimmt, weiß der Großvater von acht Enkeln nur selber. Vor allem weiß er diese rhetorische Waffe geschickt einzusetzen. Einzig offensichtlich sind die bis in die Nasen einziehenden drei Beilagen: Sarkasmus, Ironie und zutiefst schwarzer Humor.
Mindestens genauso blitzartig wie beantwortete Reportererkundigungen, stieg er im September 1999 als Erbe des eher glücklosen Rainer Bonhof am Mönchengladbacher Bökelberg ein. Die Borussia war anno dazumal frisch in die Grauzone des Zweitligaalltags abgerutscht. Bis dahin war Meyer lediglich Freunden der Callmundschen Abgrasung zum Opfer gefallenen DDR-Fußballlandschaft und Allwissenden der Szene ein Begriff.
Am 3.November 1942 erblickte Hans Meyer in Briesen, Kreis Bilin (heutiges Tschechien – Bílina), das Licht der Welt. 1945 flüchtete seine Familie ins thüringische Roßleben an der Unstrut.
Lehrjahre beim „Trainer-Grafen“
Seine aktive Karriere führte ihn von der BSG Motor Dietlas über Suhl schlussendlich für 30 DDR-Oberliga-Spiele zum FC Carl Zeiss Jena, wo der Manndecker Mitglied des Meisterkaders 1968 und 1970 war. Es schlossen sich sein Diplom an der DHfK (Deutsche Hochschule für Körperkultur) in Leipzig und die Lehrjahre als Assistent des Jenaer „Trainer-Grafen“ Georg Buschner an. Als 28-jähriger Frischling der Oberliga-Trainergilde wurde er 1971 Nachfolger von Buschner. Zum Schauplatz des Höhepunktes seiner Jenaer Jahre geriet am 13. Mai 1981 das Düsseldorfer Rheinstadion im Finale des Europapokals der Pokalsieger. Carl-Zeiss glitt der Cup durch die Lappen (1:2 gegen Dinamo Tiflis), was ihn Jahre später dazu veranlasste, in gewohnter Manier zu Protokoll zu geben: „Ich bin heute noch nicht darüber weg, dass wir damals das Europacup-Finale in Düsseldorf verloren haben. Aber zum Glück reißen sie das Rheinstadion jetzt ab.“
Ergänzung zu Heft #70 09 / 2007
---
News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: 1. FC Nürnberg, Borussia Mönchengladbach, Carl Zeiss Jena, Hertha BSC Berlin





