25 Jahre nach dem Horrorfoul
»Es war kein Unfall«
Text: Rainer Kalb Bild: Imago

Es geschah an jenem 8. Juli. Genauer gesagt: Am 8. Juli 1982, vor einem Vierteljahrhundert also. Es geschah beim WM-Halbfinale Frankreich gegen Deutschland in Sevilla. Es geschah in der 57. Minute. Patrick Battiston, damals noch Spieler bei AS St. Etienne, war erst sieben Minuten vorher für Bernard Genghini eingewechselt worden. Er erhielt einen Steilpass aus dem Mittelfeld und eilte allein auf das deutsche Tor zu. Deutschlands Torhüter Toni Schumacher stürmt aus seinem Kasten, springt, als er sieht, dass er den Ball nicht mehr erreichen kann, Battiston an. Noch in der Luft dreht Schumacher ab und rammt Battiston den Ellbogen unter das Kinn. Ein übles Foul, das im Stadion keiner gesehen hat - auch Schiedsrichter Corver aus den Niederlanden nicht, denn alle Augen folgen gebannt dem Lauf des Balles.
Erst später, als das Fernsehen die Szene in einer Endlosschleife immer wieder zeigt, wird die Brutalität bewusst, auch wenn Schumacher sich viel später zu rechtfertigen versucht, er habe sich abgedreht, um ihn nicht mit seinen Knien zu verletzen. Battiston verliert das Bewusstsein, muss auf einer Trage vom Platz gebracht werden. Michel Platini hält die Hand seines Freundes, läuft neben der Trage mit bis zum Spielfeldrand. Gefühllos sagt Schumacher nach dem Abpfiff über einen Sportkameraden, der zwischen Leben und Tod hing und dem er bei seiner Aktion zwei Zähne ausgeschlagen hatte: "Unter Profis gibt es kein Mitgefühl, aber ich zahle dem Battiston die Jackettkronen."
"Es war kein Unfall"
Der Satz empörte fast noch mehr als die Aktion an sich. Patrick Battiston, der mittlerweile das Ausbildungszentrum des Erstligisten Girondins Bordeaux leitet, erinnert sich 25 Jahre später: "Ich glaube immer noch, dass es ein gewolltes Foul war und kein Unfall. Allerdings glaube ich nicht, dass er mich so schwer verletzen wollte. Es ist paradox: Natürlich hätte ich es lieber gehabt, dass mein Schuss, der knapp am Pfosten vorbei rollte, zu unserer 2: 1-Führung ins Tor geht als vom Platz getragen werden zu müssen. Andererseits muss ich mit dem milden Altersblick von heute sagen: Dieses Foul hat mich bekannter gemacht als ich es als Fußballer je geworden wäre."







