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Der tiefe Fall Bayer Leverkusens

„Wir haben Scheiße am Fuß!“

Text: Lukas große Kloenne  Bild: Imago

„Wir haben Scheiße am Fuß!“

So überaus erfolgreich die Saison 2001/02 für Bayer Leverkusen verlief, so katastrophal verlief die darauf folgende Spielzeit. Leverkusen musste bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt bangen. Doch die Leverkusen erfuhren in dieser Spielzeit immerhin das, was ihnen im Jahr zuvor auf nahezu tragische Weise vorenthalten blieb: ein Happy End.



Doch der Reihe nach. Leverkusen kam nur schwerlich in die Saison hinein. Einige Gründe
für die Albtraum-Saison 2002/03 lassen sich schon in der Vorsaison finden. Leverkusen spielte die „Vize-Saison“ mit einem relativ kleinen Spielerstamm, so war die Belastung der Spieler außerordentlich hoch. Bayer absolvierte 34 Bundesligaspiele, sechs Partien im DFB-Pokal und 19 Matches in der Champions League, die damals noch zwei Gruppenphasen umfasste. Das machte summa sumarum 69 Pflichtspiele und war die maximale Anzahl von Spielen, die eine Vereinsmannschaft überhaupt bestreiten konnte. Dazu kamen für einen Großteil der Mannschaft noch diverse Länderspiele und für viele Spieler eine lange WM.

Ramelow–Babic–Bierofka-Balitsch statt Schneider–Bastürk–Ze Roberto–Ballack


Zur Vorbereitung auf die neue Saison stießen viele Nationalspieler somit erst spät hinzu. Der Urlaub war zu kurz, als dass die Spieler sich nach so einer Mammut-Saison hätten vollauf regenerieren können. Zudem verlor der Kader zur neuen Saison eindeutig an Qualität, da sich der Bayerkonzern entschloss, den Etat zurückzufahren. Für viel Geld verließen mit Michael Ballack und Ze Roberto zwei Eckpfeiler des Vorjahres das Team in Richtung München. Lautete das Mittelfeld in der Vorsaison noch Schneider – Bastürk – Ze Roberto – Ballack stand ein Jahr später mitunter die Formation Ramelow – Babic – Bierofka - Balitsch auf dem Platz. Zudem musste Kapitän Jens Nowotny auf Grund eines Kreuzbandrisses, den er sich im Champions League-Habfinale gegen ManU zugezogen hatte, noch mindestens bis zur Winterpause pausieren. Ulf Kisten hatte seine Karriere zwar noch nicht beendet, war de facto aber nur noch „Stand-By-Profi“. Somit fehlte die Achse Nowotny-Ballack-Kirsten nicht nur in sportlicher Hinsicht, sondern damit auch die gewachsene und in der Vorsaison unumstrittene Hierarchie im Team.

Der Leverkusener Top-Transfer war Jan Simak, der als Ballack-Ersatz geholt wurde. Mit großen Vorschusslorbeeren bedacht, kam der Tscheche mit der Empfehlung von 18 Toren und 19 Assists für 6,5 Mio. Euro vom damaligen Zweitligisten Hannover 96 zu den Rheinländern. Simak schoss beim durchwachsenen Saisonauftakt in Cottbus beim 1:1 auch gleich das erste Leverkusener Saisontor. Paul Breitner lobte die Leverkusener damals noch, dass sie sich mit Simak exzellent verstärkt hätten, und dieser das Potential habe, in die Rolle von Ballack zu schlüpfen. Soviel sei vorweggenommen: Simak konnte sich nicht wirklich durchsetzen und machte in der gesamten Saison in 22 Spielen enttäuschende drei Tore und gab einen einzigen Assist.

Nach dem 1. Spieltag belegt Leverkusen Rang acht der Tabelle. Es sollte die beste Platzierung in der gesamten Saison bleiben. Der erste Sieg gelang erst am 4. Spieltag mit einem 3:1 in Rostock. Den nächsten Dreier fuhr Leverkusen am siebten Spieltag ein, mit einem unansehnlichen 2:1 Heimsieg gegen den Tabellenführer Bayern München. Doch wer dachte, dass von da an alles seinen gewohnten Lauf nehmen würde und Leverkusen in der Tabelle nach oben klettert, der wurde in den folgenden Wochen eines besseren belehrt. Leverkusen schaffte es in der Vorrunde nie, zwei Spiele in Folge für sich zu entscheiden. Insgesamt gelang Bayer bis zur Winterpause nur fünf Siege in der Liga.



Ergänzung zu Heft #66 05 / 2007


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