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02.11.2011

Libuda schießt den BVB zum Europapokalsieg

Der 10000-Mark-Treffer

Text: Martin Kaluza  Bild: Imago

An dieser Stelle erzählen wir von Toren, die uns entzückten. Diesmal widmen wir uns dem Hebertor, mit dem der bis dahin völlig indisponierte Stan Libuda Borussia Dortmund als erste deutsche Manschaft zum Europapokalsieg schießt.

Libuda schießt den BVB zum Europapokalsieg - Der 10000-Mark-Treffer


Es sah nicht so aus, als sollte der 5. Mai 1966 der Tag des Stan Libuda werden. Seine Dribblings wollten nicht gelingen, seine Pässe kamen nicht an, und auch seine Flanken landeten meistens beim Gegner. Diesmal gab es keinen »Matthews-Trick« und keinen »Garrincha vom Schalker Markt«. Noch dazu hatte der Trainer Willi Multhaup Libuda und seine Mitspieler am Vorabend beim Zocken erwischt und gedroht: »Wenn Ihr morgen verliert, zahlt jeder 10000 Mark Strafe.« Die Strafe zu vermeiden, würde nicht einfach werden. Der Gegner war der FC Liverpool und ging als Favorit in die Begegnung.



Ein wichtiges Spiel: Dortmund stand im Finale des Europapokals der Pokalsieger. Es sollte der Tag des Stan Libuda werden. Der BVB hatte – in Person des Möbelfabrikanten und Spielausschussvorsitzenden Heinz Storck – Libuda erst zu Beginn der Saison mit einer Eichengarnitur vom Erzrivalen Schalke 04 weggelockt. Zunächst hatte Libuda im neuen Verein einen schweren Stand, und die Presse meinte bei seinem Debüt gegen Braunschweig sogar zu erkennen, dass seine Mitspieler ihn regelrecht geschnitten hätten. Doch mit Libuda, und vor allem dank des kongenialen Sturmduos Siggi Held und Lothar Emmerich, hatte Dortmund im Europapokal Sofia, Atlético Madrid und zuletzt West Ham ausgeschaltet. Nun, im Finale in Glasgow, waren die Liverpooler klarer Favorit.

Dunkle Wolken am Himmel

Auch für Willi Multhaup, der zuvor Werder Bremen zur Meisterschaft geführt hatte, war es die erste Saison beim BVB. Multhaup war das, was man heute wohl einen guten Psychologen und Motivator nennen würde. Damals hieß es: Er redete den Spielern ein, der BVB sei ein europäischer Spitzenverein und sie müssten sich vor niemandem verstecken. Vor wichtigen Partien holte er die Spielerfrauen ins Hotel, was besonders den für seine Eifersucht bekannten Libuda beruhigte. Allerdings galt Multhaup unter den rauen Ruhrpott-Fußballern auch als schräger Vogel. Er studierte die Tagespresse bevorzugt mit Monokel. Dabei war er nicht gerade ein Kind aus dem gehobenen Bürgertum, was seine Angewohnheit vielleicht erklärt hätte (seine Eltern hatten ein Fischgeschäft und benutzten Zeitungen vor allem zum Einwickeln). Vor dem Anpfiff gegen Liverpool sagte Multhaup seinen Spielern so knapp wie entschieden: »Meine Herren, wir wollen unsere Haut so teuer wie möglich verkaufen.« Liverpools Trainer Bill Shankly kündigte vor dem Spiel an, man werde nicht nur dieses Finale, sondern im nächsten Jahr auch noch das der Landesmeister gewinnen.

Über dem Stadion hingen an diesem Tag dunkle Wolken. Von den 135000 Plätzen, die der Hampden Park damals hatte, war gerade einmal ein Drittel belegt. Einige Fans aus Liverpool hatten in der Nacht vor dem Spiel die Torpfosten rot umlackiert. Aus Dortmund waren 4000 Schlachtenbummler angereist. Doch am Fernseher kamen 40 Millionen hinzu.

Libuda erzählt: »Mit dem linken Auge bemerkte ich das leere Tor!«

Von Beginn an bestimmten die Favoriten aus Liverpool das Spiel. Die Borussia tat, was man als Underdog tut: Die Mannschaft stellte sich hinten rein und wartete auf Konter. So verging die erste Halbzeit, so begann die zweite. Völlig überrascht schauten sich denn auch sechs Liverpooler Spieler an, als Held in der 61. Minute das 1:0 für Dortmund schoss. Nur sieben Minuten später glich Hunt für die Reds wieder aus, zwar hatte der Linienrichter Abseits angezeigt, doch das Tor zählte. Die englischen Fans stürmten auf den Platz, als hätten sie das Finale bereits gewonnen. Von Libuda war bis dahin nichts zu sehen gewesen. Kurz vor Schluss der regulären Spielzeit konnte er sich einmal schön durchsetzen – nur war diesmal Held nicht mitgelaufen, die Flanke ging ins Leere.


weiterlesen [1] [2]



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Kommentare

  • User
  • 11.02.2010 20:40:53 Kirk77

    Über gut dreißig Meter fliegt die Kugel in hohem Bogen auf das Tor der Liverpooler zu und senkt sich schließlich, bis er knapp unter die Torlatte passt. Ron Yeats, der riesige Stopper der Reds, der bis dahin fast jede Flanke Libudas abgefangen hatte, sah das Unheil kommen. Mit verdrehtem Hals und ausgestreckter Hand versucht er noch, den Ball vom Kasten fernzuhalten, rast aber nur noch mit ihm ins Tor.

    Ich will ja nicht kleinlich sein, aber als ich mir eben das Tor angeschaut habe, war ziemlich klar zu erkennen, dass der Ball nicht "knapp unter die Torlatte passte", sondern am Pfosten landete, von dort an den Körper des englischen Abwehrspielers und dann erst ins Tor prallte.

  • User
  • 13.09.2011 12:42:58 Yvy

    Wer nicht kleinlich sein will, sollte es auch nicht sein.

  • User
  • 13.09.2011 12:50:24 AntiMöller

    Mit so einem Avatar bist DU doch für die Scheißstimmung verantwortlich, Yvy!

  • User
  • 22.09.2011 20:37:34 bataplummy

    An Gott kommt keiner vorbei, außer Libuda. Noch Fragen?

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