Blitzinterview mit Imke Ankersen
»Es menschelt zu wenig«
Text: 11Freunde Bild: Imago
Während Kollege Jürgens am Morgen (6:52 Uhr) des 11Freunde-Monatsinterviews noch Panik-Transfers tätigt, bewahrt HSV-Groupie Imke Ankersen die Ruhe. Mit gewiefter Taktik und unaufgeregten Transfers pirscht sie sich in Richtung Tabellenspitze.
Frau Ankersen, nach einem verpatzten Saisonstart läuft es für Sie nun recht passabel. Was ist passiert?
Na ja gut, ich mein, also äh, ja es ist doch so: Als Arbeitsloser hat man einfach wirklich keine Zeit für solchen Spielkram. Da ist man von morgens bis abends im Stress und muss den Wursteinkauf fürs Abendbrot planen. Deshalb war ich die ersten sechs Spieltage nicht aktiv. Aber jetzt als europaweit agierender Young Professional habe ich zwischen stundenlangen Meetings und spontanen Nachtschichten endlich Zeit und Muße, dem Spiel mit dem nötigen Ernst zu begegnen. Gerade wegen des miserablen Starts bin ich jetzt hoch motiviert, den verkopften Raabestraßenjungs ein wenig ans Bein zu pinkeln.
Zur Spitzengruppe können Sie bisher dennoch nicht aufschließen. Welche Fehler haben Sie gemacht?
Einen ganz klaren Mädchenfehler. Ich habe die Aufstellung erst am Freitag nach dem Yogalates-Kurs und der Kundalini-Meditation geändert, als das erste Match des Spieltages schon angepfiffen war. So konnte ich die elf Punkte meiner polnischen Neuverpflichtung nicht kassieren. Sie kennen ja mein Sturmproblem und können sich vorstellen, wie schmerzhaft das war.
Welcher Spieler enttäuscht Sie maßlos?
Ich will ganz ehrlich mit Ihnen sein: so richtig mag ich keinen von meinen Jungs. Das ist bis auf wenige Ausnahmen eine reine Gurkentruppe. Von Kunert etwa hatte selbst ich als HSV-Groupie vor der Saison noch nie was gehört. Aber gerade das Laienhafte gefällt mir so gut, da fühl ich mich wohl, das erinnert mich an meine Anfänge in einer weitestgehend talentfreien Zone: der Kreisliga Harburg. Dort habe ich als Bierträger und Gästebepöbler meine ersten zaghaften Schritte im Business gemacht.
Ihr größter Coup...
...ist noch in Planung, so etwas will schließlich gut vorbereitet sein. Aber da werden sich noch einige umgucken. Ich war schon immer gut im Sprint.
Wo liegen Ihre Stärken?
Ganz klar im Tippspiel, wo ich gerade meinen einzigen Mitspieler, den überaus geschätzten Herrn Börner abgehängt habe.
Holen Sie sich Inspiration bei Ihren Kontrahenten?
Nein, man muss sagen, dass es nur wenig menschelt in dieser Liga. Was mich antreibt sind allein Schadenfreude und Missgunst. Inspirieren könnte mich lediglich der Apitius, aber auch nur weil der bei 11Freunde so ein schönes Profilbild hat.
Was macht Teilzeit-Manager Gereon Detmer richtig? Er steht mit einem Mannschaftswert von 14.000 vor Ihrem Team.
Gut, der Detmer, der ist einfach ein bisschen zu schön für diese Welt. Der braucht sich gar nicht groß anstrengen. Dem fliegen die Herzen und die Punkte einfach so zu. Aber mal im Ernst, so weit ich das verfolgt habe, ist der Kölner Möhrenfresser auf dem Transfermarkt ähnlich aktiv wie ich. Vielleicht liegt aber genau hierin das Geheimnis seines Erfolgs. Feste dran glauben, dass aus Scheiße Gold wird, ohne das man welches dafür ausgeben muss. Ein anderer Erklärungsversuch ist natürlich, dass er mit Jarolim eine echte Bank im Mittelfeld hat. Man kann sagen, was man will, aber auf den Burschen ist immer Verlass.
Sie haben mit Kunert, Scherz, Galm und Baier mehrere Spieler im Kader, die bislang nicht eine Minute gespielt haben. Haben Sie die Funktion des Transfermarktes noch nicht entdeckt?
Das ist mal wieder so eine typische Journalistenfrage, Herr Bock! Da haben Sie sich doch sicher väterlich ins Fäustchen gelacht, als Sie das notiert haben. Aber ich muss sagen, mal wieder sehr schlecht recherchiert. Denn wenn sich Ihre Praktikanten mal richtig informiert hätten, wäre Ihnen aufgefallen, dass ich mich tatsächlich schon einmal auf den Transfermarkt verirrt habe und mir den Miro gekauft habe. Gut, das war kein wirkliches Sympathiegeschäft, denn ich mag eigentlich keine Memmen. Aber an dem Tag gab es nun mal keinen anderen Stürmer und da darf man dann nicht zu wählerisch sein.
Herr Jürgens röhrt täglich seine Neuverpflichtungen durchs Büro. Zuletzt holte er sich die große Unbekannte Patrick Paauwe. Ihre Meinung zu diesem Harakiri-Transfer?
Gut, es ist klar, dass Jürgens ein Herz für alte Säcke hat. Das muss man verstehen. Vielleicht behält er Recht und hat tatsächlich ein Riesengeschäft gemacht. Aber wenn Sie mich fragen, »muskuläre Probleme« wird der Routinier am vergangenen Spieltag nicht zum letzten Mal gehabt haben. Also der Paauwe jetzt. Spielt der Jürgens überhaupt noch?
Ihr Wunschspieler?
Ich habe ja nichts gegen den Gerry Tremmel, meinen Cottbusser Schlussmann. Und die arme Sau bekommt in der richtigen Liga schon genug Bälle in die Fresse, da kann ich ihn nicht auch noch virtuell abschießen. Aber irgendwie hätte ich doch lieber einen richtig schön wahnsinnigen Torwart wie etwa den schwedischen Rekordnationalspieler Thomas Ravelli. Für mich als Kind die Mischung aus Faszination und Grauen. Der hält aber inzwischen laut Wikipedia Schweden keine Bälle mehr, sondern Motivationskurse in Unternehmen.
Frau Ankersen, glauben Sie nach dieser Comunio-Saison auch einen echten Bundesligisten managen zu können?
Hoffenheim wäre trotz meines gesunden Misstrauens aus zwei Gründen interessant für mich. Erstens könnte Dietmar mir als frischgebackener SAP-Beraterin bei einem Bierchen erzählen, was er sich bei bestimmten R/3 Komponenten gedacht hat. Zweitens wäre die TSG wahrscheinlich einer der wenigen Vereine, die sich so etwas Revolutionäres wie eine Frau als Managerin überhaupt trauen würden. Die Italiener sind uns da ja schon um einiges voraus.



