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Die Nummer 1, das rätselhafte Wesen - Mensch, Lehmann!
Olivares Offline
Dabei seit: 19.05.2007
Dieser Artikel ist gut! - Ist es aber nicht so, dass sich eine neue
Torwartdebatte als logische Konsequenz aus der DERZEITIGEN Situation
"unserer" Nummer 1 und 2 entwickeln musste. Es kann doch wohl nicht wahr
sein, dass ein Nationaltrainer bedingungslos hinter seinen beiden Torhütern
steht, obwohl die Nr. 1 im Verein zuletzt fragwürdige Leistungen abliefert
und dazu noch an Verletzungen laboriert und die Nr. 2 (Timo Hildebrand)im
Verein sowieso nur auf der Bank sitzt.
So etwas ist traditionell wohl nur bei der deutschen Nationalmannschaft
möglich. Es erinnert mich an das jahrelange Festhalten an Sepp Maier, Toni
Schuhmacher und Bodo Ilgner, die allesamt auch dann noch in der
Nationalmannschaft "gesetzt" waren, als sie längst ihren Leistungszenit
überschritten hatten und sich sowohl im Verein als auch in der
Nationalmannschaft serienweise Patzer leisteten. Auch zu deren Zeiten standen
in der zweiten Reihe mehrere gute Torhüter, die leider niemals zum Zug
kamen, weil sie nach dem endgültigen Abtritt der Platzhirsche selbst zu alt
waren (zu Zeiten Maiers waren dies z.B. Norbert Nigbur, Bernd Franke,
Wolfgang Kleff und Dieter Burdenski; zu Zeiten Schuhmachers u.a. Uli Stein).
Und heute kann ich den Groll eines Tim Wiese sehr gut verstehen. Auch wenn
mir persönlich Wiese, sein Auftreten und seine Erscheinung extrem
unsympathisch sind, hat er duchaus recht, wenn er sich verärgert zu Wort
meldet (leider wenig diplomatisch und eher polternd). Denn es wäre wirklich
an der Zeit, noch rechtzeitig vor der EM die Torwartfrage nochmals zu
überdenken. Aber da verhält sich Löw in bester Tradition von
Bundestrainern wie Schön, Derwall, Beckenbauer und Vogts: Die Nr. 1 bleibt
die Nr. 1, Punkt, aus, basta. Der einzige, der hierzulande jemals eine Nr. 1,
die sich für den Allerbesten hielt, vom Thron gekippt hat, war Jürgen
Klinsmann im Falle Oliver Kahn. Dabei war Lehmann der Nutznießer, der nun
selber an dem Punkt angekommen ist, wo ich eine neue Torwartdebatte für
durchaus sinnvoll erachte. Es geht nicht um Personen, sondern um Leistung -
und die fehlt bei Lehmann in letzter Zeit nunmal. Und das nicht erst seit den
Patzern in den beiden ersten Arsenal-Punktspielen dieser Saison - bereits
vergangene Saison konnte man Lehmann nicht unbedingt Fehlerfreiheit
attestieren.
Ganz köstlich übrigens auch der Gedanke im Artikel, dass Jobhopper Lahm
wohl auch im Tor eine gute Figur abgeben würde... Das wäre endlich mal ein
kleiner Torwart, der beweisen könnte, dass man auch heutzutage als Keeper
keine Höhen- und "Breitenmaße" wie ein teutonischer Eichenschrank haben
muss. Denn selbst in der deutschen Nationalmannschaftsgeschichte findet sich
tatsächlich ein Torhüter mit 1,70 m Grüße und schmächtiger Figur: Rudolf
Raftl. Wenngleich er seinerzeit nur wenige Einsätze in der
(Reichs-)Nationalmannschaft vorweisen konnte, so zählte er zumindest
jahrelang bei Rapid Wien zu den Leistungsträgern. Ein Erfolg, der z.B. einem
Gerhard Heinze verwehrt blieb, der mit seinen höchstens 1,75 m zuerst beim
VfB Stuttgart und später beim MSV Duisburg zwar wie ein Weltmeister von
Pfosten zu Pfosten hechtete, von Helmut Schön und Jupp Derwall aber mit dem
Hinweis auf seine Körpergröße ignoriert wurde...
Passend hierzu sei Enver Maric, ehemaliger jugoslawischer Nationalkeeper (WM
1974!) und heutiger Torwartcoach bei Hertha BSC, zitiert, der da einmal
sagte: Es gibt keine großen und kleinen Torhüter, sondern nur gute und
schlechte!