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Die Freiburger Angst vor der Europacup-Belastung
Walter Baseggio Offline
Dabei seit: 15.03.2007
DEUTSCHE KLUBS UND DIE EUROPA LEAGUE
Freiburger Ängste
von Philipp Selldorf

Beim SC Freiburg geht die Angst um. Nur noch ein Drittel der Runde steht aus,
und wenn bis zum letzten Spieltag keine Besserung eintritt, dann muss der
Klub nächste Saison im Europacup antreten. Die Verantwortlichen warnen vor
furchtbaren Folgen: Die zusätzlichen Belastungen seien 'problematisch', sagt
Sportdirektor Dirk Dufner und erinnert daran, dass der Sportclub zweimal
abgestiegen ist, nachdem er sich im Uefa-Cup hatte verdingen müssen.


Demzufolge herrscht jetzt sicher große Erleichterung bei Hannover 96, Bayer
Leverkusen und Borussia Mönchengladbach. Endlich befinden sich die
Mannschaften nicht mehr in dieser mörderischen Mühle wie in den vergangenen
Wochen, als sie von den sadistischen Terminplanern der Deutschen Fußball
Liga ständig in den Spielrhythmus Donnerstag-Samstag gezwängt wurden. So
würden die Europa-League-Teilnehmer von der DFL für ihren sportlichen
Erfolg 'bestraft', befand Bayer-Idol Rudi Völler. Gladbachs Sportchef Max
Eberl nannte die engen Ansetzungen 'eine Katastrophe' und sah die
'Wettbewerbsfähigkeit der Vereine in Gefahr'. Lucien Favre, der
Borussia-Trainer, sagte zwar, dass er erst mal gar nichts sagen werde, aber
das hat die Leute von der DFL umso mehr beunruhigt. Er werde sich später
äußern, das werde dann 'interessant', hat Favre diabolisch lächelnd
angedroht.


Und wie oft haben die gebeutelten Gladbacher und Leverkusener während dieser
Saison donnerstags im Europacup und samstags in der Bundesliga spielen
müssen? Richtig: Einmal.


Wer also jetzt richtig in Schwierigkeiten steckt, das ist der VfB Stuttgart.
Erstens hat er es versäumt, sich aus dem kräfteraubenden Akkordbetrieb im
Europacup zu verabschieden. Zweitens muss er am Samstag - nur 44 Stunden nach
dem 2:0-Sieg in Genk - zuhause gegen Nürnberg spielen. 'Wir sind damit,
glaube ich, die einzigen, die es zweimal erwischt hat', verkündete Trainer
Bruno Labbadia. Okay, Hannover hat er zwar vergessen (erwischt es ebenfalls
zum zweiten Mal), dafür hat Labbadia aber charakterstark hinzugefügt: 'Wir
wollen nicht jammern.' Und: 'Wir nehmen es, wie es kommt.' Und: 'Das ist
definitiv Wettbewerbsverzerrung.' Wer war es noch mal, der nicht jammern
wollte?


Es ist natürlich die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, dass ein
Spielrhythmus, der nur zwei Tage Pause lässt, sportmedizinisch schwierig bis
bedenklich ist. Aber das ist zufälligerweise der Grund, warum die
DFL-Terminplaner versucht haben, die Extrabelastungen so gerecht wie möglich
auf die vier Europa-League-Starter zu verteilen.


Nun hat sich das Problem zum Glück erledigt. Jetzt darf man sich wieder
darum sorgen, dass der frühe K.o. der drei Klubs womöglich ein sportliches
Schwächezeichen ist und die gute Platzierung in der Uefa-Fünfjahreswertung
gefährdet. Und Leverkusen, Hannover und Mönchengladbach können sich
endlich auf die Bundesliga konzentrieren - und auf den Kampf mit Freiburg um
die Teilnahme an der nächsten Europacupsaison. (Quelle: SZ vom SA,
23.Februar)
rumpler Offline
Dabei seit: 10.12.2009

Ich finde, da wird auf mehreren Ebenen dramatisiert:

Zunächst einmal ist es doch klar, dass es bei den Spielansetzungen in allererster Linie um Geld geht - Geld, welches die TV-Rechteinhaber dafür zahlen, dass möglichst viele Beknackte wie wir einschalten und zwar am liebsten jeden Abend in der Woche. Und Geld, welches die Vereine natürlich zum größten Teil bekommen möchten.
Andrerseits wundert mich immer wieder diese "sportmedizinische" Argumentation der Belastung. Ich will ja nun gar nicht anfangen von den (nord)amerikanischen Profiligen NFL, NBL und NHL die ihre jeweiligen Saisons aus kommerziellen Gründen komprimiert und quasi hintereinander geschaltet haben, denn die sind ja eh alle gedopt und bei uns gibt es sowas ja nicht und im Fußball bringt Doping ja auch gar nix.

Jahr für Jahr zu kämpfen um in die "internationalen Tabellenplätze" zu gelangen um dann rumzuflennen ist genauso erbärmlich wie das teatralische fünffache Abrollen und winselnd Wälzen nach einem Foul. Beides wird vermutlich heute standardmäßig ab der E-Jugend trainiert.

MrSpinalzo Offline
Dabei seit: 19.07.2011

Das Drama, sofern es denn eines ist, liegt doch einzig in der Ansetzung. 
Könnte man doch auch Dienstags und Mittwochs ab 19:00 als CL-Vorprogramm abwickeln.

Walter Baseggio Offline
Dabei seit: 15.03.2007

Ich weiß gar nicht, was die Freiburger haben: Wenn sie sich qualifizieren, haben sie Mehreinnahmen und sind auch für künftige Zugänge attraktiver. Wenn du zu Spieler XY sagst, "hey, wir kicken in der EL" dann wird er eher kommen, als wenn du gegen den Abstieg spielst. Denn der Spieler will ins Schaufenster gestellt werden und dafür eignet sich die EL ja dann ganz gut.

Die Ansetzungen sind einzig das Problem. Da bin ich bei Spinalzo!