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GRMBLF-Arena, Beitrag von Philipp
georgttv Offline
Dabei seit: 08.02.2012
Hallo Philipp, danke für Deinen interessanten Ausflug in die wundersame Welt der Stadiennamen. Dabei muß ich aber eine kurze Korrektur anbringen. In Innsbruck stand das „Tirol Milch Stadion“, von auswärtigen Fans gerne auch Joghurt-Stadien genannt. Inzwischen gibt es das „alte“ Tivoli nicht mehr und das „neue Stadion“, u.a. Austragungsort von EM-Spielen trägt den stolzen Namen „Tivoli Stadion Tirol“. Das Tirol bezieht sich dabei auf den Werbepartner „Tirol Werbung“. Anbei einige Infos die Du auch im Buch „Fußballtempel“ findest.



Tivoli Stadion Tirol

FC Wacker Innsbruck



Es herrscht Stille im Stadion, die Matchuhr steht längst auf 90 Minuten. Roland Kirchler zieht aus rund 30 Metern ab und verfolgt wie 15.000 andere Augenpaare die Flugbahn des Balles. Die Hände der Fans recken sich nach oben, um den Torjubel zu zelebrieren und ihn über die Grenzen des Stadions tausendfach in die Stadt zu tragen. Doch das Leder, das alle schon im Tor gesehen haben, streift nur die Latte. Ungläubig starren die Fans auf das Spielfeld.

Das Stadion ist ein Ort des Erfolgs und der Niederlage, des Jubels und der Enttäuschung. Auch das Tivoli, Heimstätte des 1913 gegründeten Traditionsvereins FC Wacker Innsbruck, hat Emotionen unterschiedlichster Art gesehen. Denn unterhalb des Bergisels und der daran vorbeiführenden Autobahn fanden nicht nur die schwarz-grünen Kicker, sondern auch die österreichische Nationalmannschaft sowie das erfolgreiche American-Football-Team der Swarco Raiders Tirol eine Spielstätte.

Die wechselhafte Geschichte des FC Wacker Innsbruck spiegelt sich auch in seinen vielen Stadien wider. Vom Wackerplatz in der Wiesengasse, über das ursprüngliche Tivoli neben dem gleichnamigen Schwimmbad, dass von 1953 fast ein halbes Jahrhundert die Tiroler Fußballherzen höher schlagen ließ, bis zum neuen Stadion am jetzigen Ort neben dem Sportkomplex der Olympiaworld. Rekordbesuche, Kantersiege und Meistertitel stehen ebenso in seiner Geschichte wie Niederlagen, Spielabbrüche und Abstiege.

Der Spatenstich für das »Tivoli-Neu« erfolgte m 17. Februar 1999. Das alte Stadion musste einer Anlage mit Kindergarten, Altersheim und zahlreichen Wohnhäusern weichen. Finanziert wurde der Neubau mit Geldern der Stadt Innsbruck, dem Land Tirol und Republik Österreich. Im Eröffnungsspiel behielt der FC Tirol als regierender Meister am 8. September 2000 vor offiziellen 13.996 Fans mit 1:0 gegen Rapid die Überhand. Es folgt eine äußerst bewegte Epoche der Vereinsgeschichte: Millionenschulden ließen den Verein 2002 in den Konkurs schlittern. Die Präsidenten Martin Kerscher und Othmar Bruckmüller sowie Manager Robert Hochstaffl hatten es mit der ordentlichen Betriebsführung nicht so genau genommen und mussten sich dafür später vor Gericht verantworten. Nach der Neugründung erlebte das Tivoli Rekordbesuche in der Regionalliga, beim Relegationsspiel um den Wiederaufstieg in den Profifußball gegen Schwechat passierten 14.000 Fans die Stadiontore. Der FC Wacker Innsbruck, wie der Verein nun wieder hieß, marschierte zurück in die höchste österreichische Liga, stieg erneut ab und wieder auf. Das Fassungsvermögen des neuen Tivoli belief sich zunächst auf 17.000 Plätze, wobei ein Stehplatzbereich auf der Nordtribüne erst durch entsprechende Initiativen der organisierten Fangruppen geschaffen wurde. Für die UEFA-EURO 2008 wurde die Kapazität auf 32.000 Plätze erhöht. Auf seiner Nord-, Süd- und Westseite erhielt das Stadion einen zweiten Rang, der nach dem Großereignis wieder zurückgebaut wurde.

Um die Jahrtausendwende stand das Tivoli auch im europäischen Rampenlicht. AC Fiorentina wurde mit 3:1 besiegt, der VfB Stuttgart mit 1:0. Unvergessen bleibt das Aufeinandertreffen mit Lok Moskau am 22. August 2001, in der sich die eingangs erwähnte Szene zutrug. Entschieden wurde das Duell erst im dritten Anlauf, nachdem das Rückspiel aufgrund eines Fehlers des Schiedsrichters wiederholt werden musste. Der niederländische Referee Mario van der Ende hatte einen russischen Spieler trotz zweier Karten nicht des Feldes verwiesen. Im Wiederholungsspiel führte der FC Wacker nach der 1:3-Auswärtsniederlage mit 1:0. Wäre Kirchlers Schuss ins Tor gegangen, hätte der FC Tirol die Gruppenphase der Champions League erreicht. So blieben die ganz großen internationalen Momente auf die EURO 2008 beschränkt, als die Fans aus Russland, Schweden und Spanien im vollen Tivoli für eine besondere Atmosphäre sorgten.

Wie die meisten modernen Arenen ist auch das Tivoli mehr als nur ein Fußballstadion. Auf der Ostseite ist ein Bürotrakt angebaut, am Westende befinden sich der Vereinssitz des FC Wacker und die Kabinen. Die organisierten Fangruppen des Klubs wie die »Verrückten Köpfe«, »Wacker Unser« und »I Furiosi Innsbruck« haben ihre Heimat auf der Nordseite des Stadions, die Gästefans sind im Süden untergebracht. Die Osttribüne wird gerne als Familientribüne bezeichnet, während auf der Westtribüne die VIP-Gäste Platz finden. Zum Tivoli-Areal gehören außerdem zwei Trainingsplätze, ein Kunstrasenplatz sowie eine kleine Leichtathletikanlage samt Tribüne, auf dessen Rasen die Amateurmannschaft des FC Wacker seine Heimspiele austrägt.

Die Verwaltung des Tivoli-Stadions obliegt der Olympiaworld Innsbruck GmbH, zu je 50 Prozent in Besitz des Landes Tirol und der Stadt Innsbruck. Zum Sportkomplex gehören zudem die Olympiahalle, die Tiroler Wasserkraft Arena, die Eisschnelllaufbahn, das Landessportzentrum Tirol, die Bob-, Rodel- und Skeletonbahn. Der FC Wacker Innsbruck ist im Stadion nur Mieter im Stadion, was immer wieder zu heftigen politischen Diskussionen führt. Denn die Miete ist hoch und die Vermarktungsmöglichkeiten im Stadion sind genauso eingeschränkt wie die gestalterischen Freiheiten. So durfte der FC Wacker Innsbruck bis dato nicht einmal die Schalensitze Schwarz-Grün einfärben.

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