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Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

Manchmal hat man ja so eine Ahnung. Auch wenn man weiß, gerade weil die Jahre so an einem vorüberziehen, dass man mit Ahnungen manchmal völlig daneben liegen kann.  Aber Ahnungen, oder sollte ich sagen, Eingebungen, sie kommen. Ganz einfach. Man kann sich nicht wehren. Vor dieser Saison hatte ich die Eingebung, dass der HSV, auch wenn nun wirklich niemand dran glaubte, eine gutes Jahr haben wird. Begann nach Saisonstart schon zu zweifeln und dachte "Du Dösbaddel, das war wohl nichts", aber jetzt, jaha, wir sind in der Spur und ich bin mir sicher, wir werden eine gute Geschichte schreiben.

Wenn ich nun an den nächsten Gegner Fortuna Düsseldorf denke, ist es, klar, zwangsläufig, an die ereignisreiche Saison 78/79 zu denken, in der es sooo knapp war (der Abstand zwischen Daumen und Zeigefinger ist kaum zu erkennen), dass die Geschichte der Bundesliga, ach was, des Deutschen Fussballs und überhaupt alles, eine ganz andere Wendung genommen hätte.

Warum? Uli Hoeneß. Jaja, genau der. Uli Hoeneß wollte zum HSV. Und zwar unbedingt. "Für den HSV würde ich sogar umsonst spielen.", ließ er sich nicht nur einmal vernehmen, nachdem die Bayern ihn aufgrund seiner vorhergehenden Verletzungen nicht mehr wollten. Netzer holte ihn, er durfte mittrainieren, der Vertrag war unterschriftsreif, doch Uli bekam Schiß, er verweigerte die letzte sportmedizinische Untersuchung des lädierten Knies. Ohne Test kein Vertrag.

Stattdessen blieb er in Bayern, ging zum Club.

http://www.glubberer.de/h/hoeness__uli/hoene__vertrag.jpg

Nun ja, er kam nur elfmal zum Einsatz, bis sein Knie endgültig streikte.

Wäre er ansonsten jemals aus Hamburg zurückgekehrt? Wäre es nicht logisch gewesen, er wäre bei Netzer in die Manager-Lehre gegangen? Wäre er heute Bierbrauer in Hamburg? Und SPD-Wähler? Die Bayern Zweitligist?

Ich habe da so eine Ahnung.

Aber auch ohne Hoeneß baute Neu-Manager Netzer sein Meister-Team, holte stattdessen Hermann Rieger von den Bayern, Jimmy Hartwig von Sechzig, Horst Hrubesch aus Essen. Und natürlich Branko Zebec, den Diktator. Lautern mit Feldkamp und der VfB mit Sundermann konnten lange Zeit mithalten, doch eine Siegesserie im Frühjahr 79 endete mit der Meisterschaft am vorletzten Spieltag auf der Alm.

Die erste nach 19 Jahren. Was sind schon 19 Jahre.

Natürlich war schon in der Hinrunde die Düsseldorfer Fortuna kein Stolperstein und am 21.10.78 wurden die Punkte aus dem Rheinstadion sicher mitgenommen.

10. Spieltag 78/79

Fortuna Düsseldorf - HSV 0:2

Fortuna: Woyke, Brei, Zewe, Zimmermann, Baltes, Fanz (63. Bommer), Weikl, K.Allofs, Lund (70. Zimmer), Günther, Seel, Coach: Hans-Dieter Tippenhauer

HSV: Kargus, Kaltz, Nogly, Buljan, Hidien, Hartwig, Keegan, Memering, Reimann, Hrubesch, Wehmeyer, Coach: Branko Zebec

0:1 Kaltz (21., Elfmeter), 0:2 Reimann (90.)

Trotzdem war es nach der Meisterschaft 1933 die wohl beste Phase in der Geschichte der Fortuna, die die Vorsaison unter Dietrich Weise als Fünfter abschloss und als unterlegener Pokalfinalist gegen Double-Gewinner Köln im Pokalsieger-Cup antreten durfte. Mit einem neuen Coach. Der 35-jährige Hans-Dieter Tippenhauer beerbte Weise, sorry, Dr. Tippenhauer muss es natürlich heißen, der erst kürzlich promovierte.

http://www.nwzonline.de/fussball/ex-trainer-traegt-jetzt-doktorhut_a_1,0...

Er führte die Fortuna auf Platz sieben und zum Pokalsieg im Finale gegen Hertha, jaja, die Geschichte mit Kliemann und Seel, und im Europacup, da war es sensationell.

Sie starteten gegen Universitatea Craiova, was gleichfalls der Auftakt von mehreren Duellen deutscher Mannschaften gegen dieses rumänische Team war, mit dem Höhepunkt aus rumänischer Sicht, dem Sieg im UEFA-Cup-Viertelfinale 83 über Lautern. Und denkt man an Craiova, Craiova Maxima, wie sie sich nannten, denkt jeder, der die Zeit begleitete, sofort an einen Spieler: Rodion Camataru, die zweifelhafte Legende, der seinen Club zu Meisterschaften schoss, sich dann aber 86 zum Geheimdienst-Club Dinamo Bukarest wechseln ließ, mit dem erhaltenen Versprechen "Drei Jahre bei uns, dann darfst du in den Westen wechseln". Zu Zeiten des Ceausescu-Regimes duellierte sich Dinamo mit dem Militär-Club Steaua, ebenso der Club von Ceausescu-Sohn Valentin, erbittert. Die Ceausescu-Begünstigungen für Steaua gipfelten in eine Serie von 104 ungeschlagenen Spielen der rumänischen Meisterschaft von 86-89, und dem unwürdigen Pokalfinale 88,

http://www.betshoot.com/blog/steaua-vs-dinamo-the-eternal-derby-of-1988/

zudem gewannen sie 86 den Europa-Cup der Landesmeister. Chancenlos dagegen hatte Dinamo eine andere Idee, international Aufmerksamkeit zu erzielen. Sie wollten aus Camataru 87 den erfolgreichsten Torschützen Europas machen. Im Kampf um den Goldenen Schuh lag Rapids Toni Polster fast uneinholbar in Front, kam am Ende auf 39 Treffer. Doch Camataru wurde in den letzten sechs Meisterschaftsspielen zu drei Toren gegen Corvinul Hunedoara (3:3), dreien bei Otelul Galati (3:3), zweien gegen Flacara Moreni (2:3), vieren bei Sportul Bukarest (4:5), fünfen gegen Jiul Petrosani (6:2) und dreien bei Rapid Bukarest (3:4) geleitet, machten insgesamt 44, was ihm und damit Dinamo die Ehre einbrachte.

Erst viel später wurde dies aufgedeckt und Polster bekam nachträglich und zusätzlich diesen Schuh.

Die Fortuna konnte also trotz zweier Camataru-Gegentreffer die erste Runde überstehen (4:3, 1:1), schlug dann Aberdeen (3:0, 0:2). Manche sprachen im weiteren Verlauf von Losglück, doch Gegner muss man einfach nur nehmen, wie sie kommen. Servette Genf (0:0, 1:1) und Banik Ostrau (3:1, 1:2) wurden dann erfolgreich genommen und plötzlich stand die Fortuna im Finale. Gegen Barca. Die zuvor Titelverteidiger RSC Anderlecht und Ipswich Town ausschalteten, ebenso wie im Halbfinale, jaja, die große belgische Zeit, den SK Beveren mit Jean-Marie Pfaff.

Und Barca hatte eine große Mannschaft. Migueli. Der Tarzan. Eisenharter, zudem spielstarker Vorstopper. Damals aktueller Spanischer Fussballer des Jahres, was er 85 noch einmal wiederholte. Der Puyol der 70er und 80er, oder vielleicht müsste man sagen, Puyol ist der Migueli der heutigen Generation. Ein Traum von einem Abwehrspieler, dem auch ein Schlüsselbeinbruch nicht am Finale hinderte. Asensi. Die Lunge. Was man damals noch nicht wusste, darf man heute mit Überzeugung sagen: Eine gelungene Mischung aus Busquets und Xavi. Rexach. Der dribbelstarke Außen in seiner 14.Saison. Nicht nur Legende, ein Barca-Mythos. Dazu Neeskens und als zweiter Ausländer zur Saison anstelle von Cruyff geholt, mit der Empfehlung des Goldenen Schuhs, 41 Treffer für Rapid, und der Hauptverantwortung für die Schmach von Cordoba: Hans Krankl. Der in seiner ersten Barca-Saison gleich spanischer Torschützenkönig wurde.

Und gegen dieses Team sollte die Fortuna nun bestehen? Eigentlich hoffnungslos. Ich kann mich noch sehr gut an den Tag des Finales, das live im Fernsehen übertragen wurde, erinnern, als ich nach eigenem Training noch ein Pokalspiel auf dem Sportplatz sah, das in die Verlängerung und ins Elfmeterschiessen ging, dadurch erst zur Halbzeit zuhause war und nicht glauben konnte, dass es 2:2 stand. 

Verpasst hatte ich das vielleicht einzige Brudertor der Fussballgeschichte, als Klaus und Thomas Allofs das Leder, damals war es noch Leder, gemeinsam über die Linie drückten und auch den gehaltenen Neeskens-Elfmeter von Jörg Daniel, der endgültig Wilfried Woyke verdrängt hatte. Auch in der zweiten Hälfte erwies sich die Fortuna als gleichwertig und zwang den großen Favoriten in die Verlängerung. In der die Fortunen, geschwächt durch die verletzungsbedingten Ausfälle der Abwehr-Recken Dieter Brei und Gerd Zimmermann, den offenen Schlagabtausch knapp mit 3:4 verloren. Großes Spiel.

Zu Saisonbeginn im Düsseldorfer Kader noch Detlef Szymanek. Der in den ersten beiden DFB-Pokalrunden auf dem Platz stand und damit zum Pokalsieg beitrug. Jenen Pokalsieg, den er im Verlauf des Wettbewerbes unbedingt zu verhindern versuchte. Denn nachdem seine Konkurrenz im Fortuna-Sturm übermächtig schien, wechselte er zum Club. Nicht nur, dass er in seinem ersten Bundesligaspiel für den Club gleich seine ehemaligen Düsseldorfer schlug, auch im DFB-Pokal-Halbfinale traf er auf seine alten Mitstreiter, unterlag erst nach Verlängerung mit 1:4. Er stieg dann mit dem Club ab, direkt wieder auf, wechselte zu Schalke, um auch hier ab- und direkt wieder aufzusteigen .

Was wird aus der Fortuna in dieser Saison? Sie werden noch einiges an Punkten benötigen. Sonst läuft es auf die Relegation hinaus. Gegen Hertha?

Punkte werden sie am Freitagabend natürlich nicht bekommen. Denn wir werden die Gelegenheit nutzen, vorzulegen, und damit Hannover und Werder für den Rest der Saison hinter uns zu lassen. Nur so eine Ahnung.

AntiMöller Offline
Dabei seit: 05.08.2008

Wunderbarer Vorbericht wieder, danke für die Erinnerungen!

Und da ich den Namen Gerd Zimmermann lese: warum verfügt kein einziger der heutigen Profis (außer Herthas Ronny), über einen mörderisch harten Schuß mehr?

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

Weil es mit diesen eiernden Plastikbällen nicht mehr so wichtig ist. Aber du hast recht. Zimbo mit seinen Weitschüssen und Elfmetern.

In Düsseldorf war der Ball nicht schuld.

Es setzt sich fort. Und heute ging es nicht gut. Für mich ist Fink nach wie vor ein Thema. Mag vielleicht nicht entscheidend gewesen sein, dass er Berg für Rudnevs hat spielen lassen, doch alleine die Begründung war für mich hanebüchen. Er habe Düsseldorf tief stehend erwartet und Berg sei der bessere Strafraumspieler. Ich habe Düsseldorf vor allem kämpferisch erwartet, weswegen du eigentlich auch vorne jemanden benötigst, der gegenhält, sich reinhauen kann und nie aufgibt.

Fünf Minuten sah es gut aus, dann begann Fortuna die Zweikämpfe aufzunehmen und kaufte dem HSV den Schneid ab, weswegen offensiv kaum noch etwas lief.

Es wirkte so, als sei die Mannschaft darauf eingestellt gewesen, den Ball locker in die gegnerische Hälfte zu spielen und nur ein Weg gefunden werden musste, ein Abwehr-Bollwerk zu bezwingen. Und nicht auf einen Gegner zu treffen, der jeden Punkt dringend benötigt, zwar spielerisch deutliche Defizite aufweist, aber in einem Heimspiel in jeder Ecke des Platzes alles gibt und das Spiel sogar gewinnen will.

Dies wurde offenbar erst mit dem 0:1 erkannt und damit zur zweiten Hälfte. Das gewonnene Selbstvertrauen und die Leidenschaft der Düsseldorfer war dann durch diesen HSV nicht mehr zu bezwingen.

Wann kann Fink endlich die Mannschaft so einstellen, dass man erkennen kann, sie ist überzeugt und will gewinnen. Und wann kann Fink der Mannschaft endlich vermitteln, dass in dieser Saison durch die enge Tabellenkonstellation sehr viel möglich ist. Gibst doch nicht. Gerade wenn die anderen anfangen, sich vor uns zu fürchten, dürfen sie uns wieder auslachen.

bsg Offline
Dabei seit: 18.11.2010

Gerade wenn die anderen anfangen, sich vor uns zu fürchten, dürfen sie uns wieder auslachen.

CHOSEN FEW machts möglich!

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

Huub kommt. Und das darf er jederzeit gerne. Ich mag diesen Kauz, den ich auch gerne auf der HSV-Bank sehen würde. Naja.

Auf Schalke, also, haben die Schalker auf den Tribünen sich eigentlich jemals mit ihm gefreut? Mit dem Huub-Torjubel? Linke Hand in die Tasche, rechter Arm nach oben, das Handgelenk schwingt rhythmisch. Also, das rechte Handgelenk jetzt. Haben sie nicht?  Hmmm, Im Volkspark werdet ihr keine Gelegenheit bekommen, das wisst ihr.

Obwohl die Schalker wieder hoch hinaus wollen. Wie so häufig. Schon in den Siebzigern liefen die finanziell immer Knappen trotz zweier Vize-Meisterschaften  dem ganz großen Erfolg hinterher, und als 1980 Abramczik und Rüßmann zum BVB wechselten, dazu noch Tanne Fichtel und Helmut Kremers den Verein verließen, wurde es auch sportlich so eng, dass die Liga nicht gehalten werden konnte.

Mit Klaus Fischer ging dann eine weitere Identifikationsfigur, mit Kurt Jara ein weiterer teurer Spieler. Kurt Jara, der lange Zeit in der Bundesliga überragende Duisburger konnte auf Schalke allerdings nicht zeigen, wofür Pele ihn einst als "Mozart am Ball" bezeichnete. 1971, bei seinem Länderspieldebut für Team Austria vor 130.000 Zuschauern in Sao Paulo, 1:1 durch Tore von Jara und Pele, der sein vorletztes Länderspiel bestritt.

Nach dem Abstieg wurde Rudi Assauer Manager und dachte zunächst nur an den BVB. Für den er sechs Jahre spielte und 1966 als erstes deutsches Team einen Europacup gewann. Im Finale gegen Shanklys Liverpool, die mit Ian Callaghan, der elf Jahre später gegen Gladbach den Landesmeister-Cup gewann, und mit Roger Hunt, nach Ian Rush zweitbester Torschütze der Reds-Geschichte und kurze Zeit später als Sturmpartner von Geoff Hurst Weltmeister, klarer Favorit, doch Schalke-Legende Stan Libuda und Siggi Held trafen für den BVB. An Letzteren erinnerte er sich nun Assauer und holte ihn als Coach. Dazu den zweifachen Deutschen Meister Norbert Janzon von den Bayern als neuen Kapitän.

Und tatsächlich. Schalke stieg vor Hertha wieder auf, konnte sich zudem durch großen Zuschauerzuspruch finanziell etwas erholen, und wollte in der Bundesliga nach den Sternen greifen.  Mit neuen Säulen im Team, die man im Rückblick nie zuerst mit den Königsblauen in Verbindung bringen würde. EM 80-Kapitän Enatz Dietz, Werner Lorant und Jochen Abel würfelten das Aufstiegsteam durcheinander, zudem wurde Norbert Nigbur kaltgestellt, der nur durch seine Verletzung vor der EM 80 den Weg für Toni Schumacher als Nummer Eins bei Jupp Derwall freimachte. Die neue Nummer Eins bei Schalke hieß Walter Junghans, immerhin gemeinsam mit Janzon zweimal Meister und zeitweise Nummer zwei hinter Toni Schumacher, aber bereits längst im Formtief, welches er in fünf Jahren Gelsenkirchen nicht wirklich überwand.

So stand Schalke vor dem Hinrunden-Finale auf dem vorletzten Platz. Wuttke wurde dann aus Gladbach zurückgeholt, der in seinem ersten Spiel nach Rückkehr zwar überzeugte, mit seinem Team am 11.12.82 im Volkspark aber erwartet deutlich unter die Räder kam.

17.Spieltag 82/83

HSV - Schalke 04 6:2

HSV: Stein, Kaltz, Hieronymus (61. Rolff), Jakobs, Wehmeyer, Hartwig , Groh, Magath, Milewski, Hrubesch (90. Bastrup), von Heesen, Coach: Ernst Happel

Schalke: Junghans, Kruse, Dietz, Stichler, Schipper (72. Janzon), Lorant, Clute-Simon, Opitz, Geier (63. Tüfekci), Wuttke, Abel, Coach: Siggi Held

1:0 Magath (5.), 2:0 Hrubesch (26.), 2:1 Wuttke (30.), 3:1 Wehmeyer (56.), 4:1 Milewski (71.), 5:1 von Heesen (74.), 6:1 Hrubesch (77.), 6:2 Wuttke (82.)


Da konnte nur noch ein Wunder helfen. Also holte Assauer den Wundermann und entließ Siggi Held. Was soll man sagen. Jürgen Sundermann schaffte das Wunder und sicherte durch das 1:0-Siegtor durch Manfred Drexler (was macht eigentlich Wolfgang Kraus?) bei den Bayern am vorletzten Spieltag noch die Relegation. Mehr war nicht drin. In der Relegation war Bayer Uerdingen mit Coach Tippenhauer dann zu stark.

Und Jürgen Täuber war erleichtert. Denn der zweikampfstarke Verteidiger, älterer Bruder von Torjäger Klaus, ließ sich tatsächlich, nachdem er 78 mit dem Club auf-, 79 ab- und 80 wieder aufstieg, 80/81 nach Schalke verleihen, kehrte nach dem Abstieg aber zurück, durfte daher den weiteren Schalke-Abstieg aus der Ferne beobachten, und spielte bis zum Club-Abstieg 84 noch drei Jahre erste Liga.

Klaus Täuber hingegen verließ den Club nach fünf Jahren und kehrte nicht zurück. Er war wesentlich beteiligt am Aufstieg der Königsblauen 84, wurde 85 mit 18 und 86 mit 16 Toren jeweils Fünfter der Torjäger-Liste und schoss Leverkusen 88 zum UEFA-Cup-Sieg.

Die Schalker wussten 82/83, dass sie am vorletzten Spieltag bei den Bayern gewinnen mussten, denn am letzten Spieltag kam die wohl beste HSV-Mannschaft aller Zeiten ins Parkstadion. Und weil Werder einfach nicht locker lassen wollte, war zur Titelverteidigung ein Sieg notwendig.

Nachdem der HSV nur zehn Tage zuvor den größten Erfolg der Vereinsgeschichte einfuhr, als im Finale von Athen Happel mit seinem Pressing Juve teilweise an die Wand spielen ließ und das knappe 1:0 den Spielverlauf nicht wirklich wiedergibt. Und Juve war Favorit, mit sechs Weltmeistern in der Startelf, mit Platini und Boniek, und natürlich mit einem der größten Italiener überhaupt, Roberto Bettega, der die WM 82 durch Verletzung verpasste. Juve schaltete im Viertelfinale Titelverteidiger Aston Villa aus und im Halbfinale das Überraschungsteam Widzew Lodz mit dem jungen Roman Wojcicki, das ihrerseits in der Runde zuvor sensationell gegen die Reds gewann. Während der HSV im Viertelfinale zeigte, dass man auch Dynamo Kiew ausschalten kann, ohne dass Spannung aufkommt, Lars Bastrup traf auswärts dreimal zum 3:0-Sieg. Das Halbfinale gegen San Sebastian machte ein gewisser Bakero dann allerdings sehr spannend. Genau jener Bakero, der in Kaiserslautern heute noch für ungute Träume verantwortlich ist. Den nach einem 1:1 in Spanien glich er zehn Minuten vor Ende beim Rückspiel im Volkspark zum gleichen Ergebnis aus, doch unser Tommy von Heesen erzielte dann noch den Siegtreffer.

Aber nochmal Lars Bastrup. Zwei Jahre lang ganz starker Sturmpartner von Horst Hrubesch. Beide verließen den HSV nach Saisonende. Hrubesch bekam vier Tage nach dem Finale seinen würdigen Abschied aus dem Volkspark, als er in seinem letzten Heimspiel beim 5:0 gegen den BVB zweimal traf und dann seine Auswechslung bekam, während Bastrup nach dem Finale nicht mehr spielen konnte. Warum? "Fussball ist nichts für Ballerinas." und  "Nach dem Spiel wird er wissen, wer ich bin." sind nur zwei typische Aussagen eines Italieners, vor dem viele Respekt hatten. Er wurde Weltmeister: Gentile. Im Finale schlug er, nicht geahndet von Schiri Rainea, Bastrup ins Gesicht und brach ihm den Kiefer.

Im übrigen spielte Bastrup bereits 75-77 in der Bundesliga  für Kickers Offenbach. Mit wem zusammen? Mit Siggi Held und Norbert Janzon.

Bastrup konnte also nur zusehen, wie am letzten Spieltag 82/83 Hrubesch in seinem letzten HSV-Spiel traf, wieder Wuttke jedoch ausglich, aber dann es war es der künftige Vize-Weltmeister, unser harter Arbeiter, Wolfgang Rolff, der vor Junghans natürlich nicht die Nerven verlor und eiskalt einschob. Europacupsieger und Meister. Und noch nicht mal dreißig Jahre her.

So. Morgen gilts mal wieder. Nach der Katastrophe von Düsseldorf. Wie Huub schon richtig feststellt."Das ist das Schöne am Fußball, man bekommt gleich wieder eine Chance." Diese Chance ist sehr gleich.

Van der Vaart verletzt. Son verletzt. Ok. Beister. Er machts. Spielt auf der rechten Seite, hoffe ich. Und zieht nach innen, trifft endlich den Ball mal richtig. Das reicht. Unsere Null wird stehen und Huub beide Hände in der Tasche lassen.

Walter Baseggio Offline
Dabei seit: 15.03.2007

Haha, ohne van der Vaart habt ihr doch keine ernsthafte Chance. Aber ich beglückwünsche dich zu deiner Leidenschaft. Macht Spaß hier mitzulesen.

MarcRamone Offline
Dabei seit: 11.03.2009

Besten Dank für Artikel und Leidenschaft auch von mir! Du hättest nur nicht unbedingt Walter Junghans erwähnen müssen, bei den Erinnerungen falle ich ja fast vom Stuhl! Da muss ich mich erstmal wieder berappen. Das läuft ja fast schon unter Täuschung mit nicht regelkonformen Mitteln! 

Aber juht, konzentriere ich mich wieder darauf die Spielvorfreude wieder Oberhand gewinnen zu lassen.

Walter Baseggio Offline
Dabei seit: 15.03.2007

Hab ich mir doch glatt Holsten kaltgestellt für heute Abend. Nennt mal wohl schlechtes Omen. Und der HSV trifft auch schon den Pfosten. Na toll...

Tenac Offline
Dabei seit: 15.04.2012

Trifon, wenn ich irgendwas zu sagen hätte dann würdest Du schon längst ein eigene Kolumne hier auf 11freunde.de haben.Die ganzen Namen die ich als Kind in den achtzigern teilweise nur aufschnappte und schon längst wieder vergessen habe werden von Dir immer detailiert in die zeitlichen Zusammenhänge gefügt. Wunderbar.

MarcRamone Offline
Dabei seit: 11.03.2009

Holsten ... das war es dann wohl ... Sieht ja momentan gar nicht gut aus. Ich meine nicht das Spiel, das ist gut, da passiert einiges, aber da fehlt noch ein Tor! 10 Min. sind ja noch ...

MarcRamone Offline
Dabei seit: 11.03.2009

Und im Moment kann ich Spielzüge nur erahnen. Der Kutter mit der Pratensendung in Halbzeit Eins war wesentlich besser, schient aber im Hafen abgesoffen zu sein ... schlimm, ganz schlimm sowas.

MarcRamone Offline
Dabei seit: 11.03.2009

Oh man, was hat S04 überflüssig schon Punkte liegen lassen. Das rächt sich nach so Spielen wie diesen, bei denen man sogar mal mit einer nicht überflüssigen Niederlage rechnen kann.

Abpfiff, abhaken, vergessen.

Walter Baseggio Offline
Dabei seit: 15.03.2007

So langsam aber sicher werd ich grantig. In Hamburg und Hoffenheim verlieren geht ja mal gar nicht. Peinlich!

Mal überdenken, ob ich mir ne Vertragsverlängerung von Stevens immer noch so sehnlich wünsche. Unnerstall raus! Ist nichts persönliches, aber Unnerstall hat nicht die Klasse für die Buli. Bemerkenswert, was er für nen Rüffel vom Papa bekommen hat.

@ Trifon: Glückwunsch! Warst im Stadion ?

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

Danke Tenac.

Und Huub musste nicht nur, wie erwartet, die Hände in der Tasche lassen, er verkroch sich auf der Bank. Aber nee, nichts gegen Huub.

Was für ein Spiel. Am Ende war es wieder Adler, der gegen den Freistoß von Fuchs die eigentlich schon sicheren Punkte nochmal festhalten musste und festhielt.

Vielleicht muss man im Nachhinein sagen, dass der Ausfall von van der Vaart für das HSV-Spiel heute sogar förderlich war. Klar, seine Verpflichtung war unbezahlbar und er ist nach wie vor ein wichtiger Mann, aber nicht der alleinige Faktor auf dem Platz. Das wird zwar gerne in der oberflächlichen Wahrnehmung rauf und runter geschrieben, und von allen weitererzählt, aber natürlich ist es falsch, und ehrlicherweise sind seine Leistungen bisher durchschnittlich.

Fink hat heute gut aufgestellt. Die schwächelnde Offensive mit zwei Stürmern gestärkt und im Mittelfeld mit Aogo und Skjelbred zu Badelj und Arslan dafür gesorgt, dass dort vier Akteure spielen, die mit dem Ball umgehen können. Das machte sich bezahlt, solange die Luft reichte, die insbesondere bei Skjelbred und Aogo relativ früh ausging.

Schalke ließ es zu, dass der HSV zu Beginn agieren konnte und mit den ersten Chancen Selbstvertrauen gewann, dass im Laufe des Spiels nicht mehr verloren ging. Hätte Schalke allerdings mit einem Konter getroffen, wäre es schwierig geworden.

Entscheidend war, dass der HSV zu Beginn der zweiten Hälfte noch zulegen konnte und in Führung ging. Badelj, für mich der beste Mann auf dem Platz, der zunächst für Sicherheit und Ruhe sorgte, setzte dann auch offensive Akzente, die Vorbereitung zum 1:0 war nichts anderes als Weltklasse. Und Beister. Er war einfach dran. Irgendwann musste er doch mal einen Ball richtig treffen. Eine Befreiung für ihn. Der hat soviel Potential, ich hoffe, er kann es in den nächsten Wochen bestätigen.

Und dann wollte der HSV. Wollte. Unbedingt diese Führung verteidigen und gewann Überlegenheit in den Zweikämpfen. Genau wie die Aktionen zum 2:0 gewollt wurden.

Mein Gott Rincon, der machte es nochmal unnötig spannend. Aber Adler hielt und Badelj krönte sein Spiel.

Vier Punkte auf Schalke, nur sechs auf den Champions-League-Topfavoriten. Und wir haben insgesamt noch nicht mal eine gute Saison gespielt. Wir werden erst noch gut.

rumpler Offline
Dabei seit: 10.12.2009

Haha, ohne van der Vaart habt ihr doch keine ernsthafte Chance. 

Statistikfreund Offline
Dabei seit: 18.06.2009

Hallo Trifon,

ich wollte nur kurz durchgeben, dass ich Deine Kolumnen noch sehr rege lese. Danke für Dein großes Fußballkino!

bsg Offline
Dabei seit: 18.11.2010

Bleib online, Statistiker. Der nächste Teil im Epos folgt wahrscheinlich in wenigen Minuten. Alternativ kannst du auch noch ein wenig Lethal Weapon 4 auf Vox schauen.

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

War Schalke jetzt ein Maßstab?  Schalke? Wann haben die eigentlich zuletzt gewonnen? Kann sich daran jemand erinnern? Also, außer gegen Werder. Werder kann ja nicht zählen. Und Champions League, naja, längst schwächer als die Bundesliga.

Da sollten wir nun auch nicht viel Zeit verschenken und Schalke noch vor der Winterpause einholen.

Jansen fällt jetzt erstmal aus, van der Vaart noch länger, Arslan gesperrt. Ein ganz normaler Herbst. Unser Kader ist stark genug, Ilicevic scharrt schon, auch Son könnte wieder, alles gut für Wolfsburg.

Bezüglich Wolfsburg habe ich eine ganz andere Befürchtung.  Dass der besonnene Klaus Allofs dort mit den enormen Möglichkeiten etwas aufbauen kann und wir sie mittelfristig dauerhaft in der Spitzengruppe sehen. Na gut, mittelfristig. Sonntag ist erstmal kurzfristig. Und das ist gut so.

Allofs hatte bisher überall Erfolg, ok, eine Ausnahme, als Coach in Düsseldorf 98/99, da stieg er aus der zweiten Liga ab, bzw. musste als Letzter kurz vor Saisonende an Peter Neururer übergeben. Das war genau zehn Jahre, nachdem Horst Hrubesch ein Jahr Coach in Wolfsburg war, dritter in der drittklassigen Oberliga Nord wurde. Hrubesch in Wolfsburg. Machte mir den VfL auch nicht sympathischer. Im übrigen stieg Wolfsburg erst 92 in die zweite Liga auf, mit Uwe Erkenbrecher. Etwas gewagt könnte man heute sagen, dass er mit seiner Art von damals vielleicht irgendwo zwischen Klopp und Tuchel passt. Erkenbrecher war im übrigen zuletzt in Indonesien beim CF Papua tätig. Ging dann aber schnell wieder, als die Super League Konkurrenz von Premier League bekam und erstmal gar nicht gespielt wurde.

http://www.thejakartapost.com/news/2011/12/01/chaos-persists-isl-vs-ipl-...

Mittlerweile sieht es so aus.

http://www.indonesianpremierleague.com/category/indonesian-premier-league/


Aber sonst der Allofs. Die letzte große Düsseldorfer Zeit als Spieler geprägt, Torschützenkönig 78/79 vor den Schalkern Fischer und Abramczik, vor Keegan und Toppmöller. Vizemeister und Pokalsieger mit Köln, 84/85 wieder Torschützenkönig, vor Völler, Bruder Thomas und Allgöwer.

85/86 das international dann wohl größte Jahr von Allofs. Mit dem FC sorgte er für Furore im UEFA-Cup, während die übrigen deutschen Mannschaften sich nur mit Grausen erinnern mögen. Außer Lok Leipzig natürlich, die in der zweiten Runde Milan fast in die Knie zwangen. In jener Saison, in der Lok DDR-Vizemeister wurde, also eigentlich Meister, zu dem aber der BFC Dynamo in jener Zeit stets befohlen wurde. Mit Grausen deshalb, weil in der ersten Runde für Werder Schwarzmeer Odessa zu stark war und der HSV gegen Sparta Rotterdam das schwächste Jahr unter Happel einläutete. In einem furchtbaren Spiel unterlag man im Hinspiel 0:2, was im Rückspiel gegen das Team um Danny Blind und einem gewissen Louis van Gaal im Mittelfeld egalisiert wurde. Im Elfmeterschiessen trafen dann Blind und van Gaal, Michael Schröder hingegen nicht, ausgeschieden. Es war das Jahr, als die Gladbacher unter Heynckes im Achtelfinale das 5:1 gegen Real herschenkten , weil die braunen Unterhosen nach dem Rückspiel wohl auch nach dem dritten Waschen noch nicht sauber waren, und so hatte der FC aus deutscher Sicht die volle Aufmerksamkeit.

Mit Allofs und Bein als Hauptakteure wurde im Achtelfinale Hammarby (1:2, 3:1), im Viertelfinale Sporting Lissabon (1:1, 2:0) bezwungen. Im Halbfinale traf Allofs dann fünfmal, gegen die Belgier, gegen Zulte-Waregem (4:0, 3:3), dort spielte ein gewisser Armin Görtz, den die Kölner dann gleich verpflichteten. Und dieser Görtz wurde Nationalspieler, als Linksverteidiger vor der EM 88. Spielte bei seinem Debüt gegen die Schweiz (1:0) im Team mit zwei Clubberen, eigentlich mit dreien. Reuter und Schwabl. Dazu Dorfner. Und der Eckes auf der Bank. Die Clubberer schwämmten in die Nationalmannschaft. Aber die Bayern hatte ihre Hand drauf. Reuter ging nach der Saison zu den Bayern, Schwabl war von den Bayern gekommen und kehrte 89 zurück, Dorfner war schon wieder dort, bis er 90 beim Club fortsetzte. Nur der Eckes ging seinen eigenen Weg.

Aber zur EM, da nahm der Franz dann die ´Bayern. Dorfner durfte mit, Reuter und Schwabl nicht. Auch Görtz nicht, Franz nahm Pflügler. Aber Eckstein war dabei, genau wie Wuttke und Gunnar Sauer.

Und der FC stand 85/86 im UEFA-Cup-Finale. Gegen Real. Klaus Allofs brachte die Kölner im Bernabeu zwar in Führung, doch beim 1:5 gegen Valdano, Santillana, Juanito und Co. waren sie letztlich chancenlos und konnten die Königlichen beim 2:0 im Rückspiel nicht mehr gefährden. Allofs blieb mit neun Treffern die Torjäger-Krone. Und war damit einer von 14 Deutschen, denen dies im UEFA-Cup gelang. Und zwar 66 Konietzka (1860) und Thielen (Köln) mit 7, 72 Bründl (Braunschweig) mit 10, 73 Heynckes (Gladbach) mit 12, ebenso 75 mit 10, 78 Dieter Hoeneß (Bayern) und Nickel (Gladbach) mit 7, 89 Gütschow (Dresden) mit 7, 90 Götz (Köln) und Riedle (Werder) mit 6, 91 Völler (Rom) mit 10, 94 Schmitt (KSC) mit 8, 95 Kirsten (Leverkusen) mit 10, 96 Klinsmann (Bayern) mit 15, dazu noch für deutsche Clubs 79 Simonsen (Gladbach) mit 9, 08 Toni (Bayern) mit 10, 10 Pizarro (Werder) mit 12 und 12 Huntelaar (Schalke) mit 14.

Bei der folgenden WM war es Allofs, der trotz der eigentlich gesetzten, aber angeschlagenen Rummenigge und Völler, die deutsche Mannschaft in der holprigen Vorrunde durch sein 1:1 gegen Uruguay und sein 2:1 gegen Schottland ins Achtelfinale schoss. Aber was heißt holprige Vorrunde, die ganze WM war holprig, mit Ausnahme des Halbfinals gegen Frankreich, weil, ja so war es, Wolfgang Rolff Platini kaltstellte.

Wie er damals so war, der Allofs, suchte er dann nochmal eine ganz neue Herausforderung, ging 87 nach Frankreich, zu Olympique Marseille, wo bereits Karlheinz Förster spielte, der nach der WM 86, gerade 28 geworden, nach 81 Länderspielen nicht mehr für Deutschland spielen wollte.

In der ersten Saison wurde er Vizemeister hinter Monaco, wo Mark Hateley und Glenn Hoddle mittlerweile kickten, wurde mit 13 Toren Vierter der Torjägerliste, die zu jener Zeit Club-Kamerad Papin dominierte. Ein Jahr später kam einer der Größten aller Zeiten hinzu, Eric Cantona, und mit ihm wurden Allofs und Förster Französischer Meister. Trotzdem ging Allofs dann nach Bordeaux, wurde wieder Vizemeister hinter Marseille und zum besten ausländischen Spieler der Liga gewählt. Dann holte ihn Otto und er blieb in Bremen hängen.

Und jetzt? Er wird am Sonntag nicht mitspielen, das ist gut. Köstner, der sich im übrigen auch deutscher Meister und UEFA-Cup-sieger nennen darf, 75 mit Gladbach, hat in den letzten Jahren gute Arbeit im Nachwuchsbereich der Wolfsburger geleistet. Wofür? Niemand hat den Sprung in die erste Mannschaft geschafft. Warum? Es war nicht gewollt. Wird sicher künftig anders.

Aber jetzt gilt nur der Sonntag. Und es gilt den gerade aufgenommenen Schwung zu behalten, wie schon am 23.08.09, als wir nach einem furiosen 4:1 gegen den BVB beim deutschen Meister ebenso furios weitermachten.

3. Spieltag 09/10

VfL Wolfsburg - HSV 2:4

Wolfsburg: Benaglio, Riether, Simunek (38. Madlung), Barzagli, Schäfer, Ziani (46. Martins), Josue, Gentner (82. Dejagah), Misimovic, Dzeko, Grafite, Coach: Felix Magath

HSV: Rost, Boateng, Rozehnal, Mathijsen, Aogo, Trochowski (67. Castelen), Jarolim,Ze Roberto, Elia (90. Tesche), Guerrero (76. Berg), Petric, Coach: Bruno Labbadia

0:1 Guerrero (3.), 0:2 Elia (7.), 1:2 Misimovic (52.), 2:2 Martins (56.), 2:3 Petric (75.), 2:4 Castelen (90.)

Auf gehts. Am Sonntag die Punkte 21 bis 23.

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

Danke Statistikfreund,

eigentlich bin ich nur noch fassungslos, was aus dieser Website geworden ist und wollte vor kurzem hier gar nichts mehr schreiben. Die Resonanz hat mich allerdings überrascht und beeindruckt. Und natürlich freuts mich auch, wenn mein Kram hier gefällt.

Und was ist mit dir? Mit deinen Geschichten?

alterzabo Offline
Dabei seit: 18.02.2010

Meine Honneurs hattest Du schon.

bsg Offline
Dabei seit: 18.11.2010

Diese ersten Minuten am frischgebackenen Freitag mit dir, Trifon. Ich will sie nicht missen müssen.

Sirre Offline
Dabei seit: 12.09.2007

Musste hier kurz in einen Van der Kroft - Furor verfallen

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

@ Sirre

Van der Kroft. Immer diese Holländer. Hier ein, wie ich finde, guter Artikel.

http://www.spiegel.de/sport/fussball/drama-in-madrid-gladbachs-gestohlen...

Und wir? Alles gut.

Ich freue mich auf die Rückrunde. Denn obwohl der HSV das Spiel heute hätte gewinnen können, war es ein sehr gutes Zeichen, am Ende nicht verloren zu haben.

Es war in Wolfsburg einzig die fehlende Luft der Mittelfeld-Akteure in der zweiten Hälfte, die das Spiel hat kippen lassen. Aber das die Luft fehlte, ist nachvollziehbar. Skjelbred, der mir, wie schon gegen Schalke, in der ersten Hälfte mit seiner Beweglichkeit und Spielfreude sehr gut gefallen hat, fehlt einfach die Spielpraxis. Warum eigentlich, wenn man ihn so sieht. Er sollte keinesfalls in der Winterpause verkauft werden, sondern mit der Rückrunden-Vorbereitung hart an seiner Physis arbeiten, dann wird er ein guter Bundesliga-Spieler. Daran arbeiten sollten auch Aogo, dem nach seiner Auszeit merklich die Kondition fehlt, und auch Badelj, der ja anstelle einer entsprechenden Saison-Vorbereitung noch Dinamo Zagreb durch die Champions-League-Quali führen musste. Das dritte Bundesligaspiel in einer Woche ging somit in der zweiten Halbzeit noch über seine Kräfte.

Zudem musste Beister zu Beginn der zweiten Hälfte passen, nachdem er schon früh im Spiel angeschlagen war.

Trotzdem hätte Beister gleich nach Wiederanpfiff das 2:0 machen müssen, dann wäre das Spiel entschieden gewesen. Aber egal. Er hat wieder getroffen und wird eine Riesen-Rückrunde spielen.

Ja, das 2:0 wäre die Entscheidung gewesen, denn diesen Wolfsburgern hätte ich nicht zugetraut, dann noch zurück zu kommen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sie noch in den Kampf um die EL-Plätze werden eingreifen können. Sie haben mich, trotz des außergewöhnlichen Potentials von Diego, spielerisch enttäuscht, wirkten auch als Mannschaft nicht homogen. Eher bieder, nur über Wucht und ständiges Flankenschlagen in den Strafraum, deswegen drauf aus, Ecken und Freistöße heraus zu holen.

Wenn die Statistik stimmt, waren es 35 hohe Flanken in den HSV-Strafraum. Da kann es durchaus passieren, dass eine einen Abnehmer findet und durchrutscht. Aber es war eben nur eine. Mancienne und Westermann haben dabei einen Bomben-Job gemacht. Dass die Flanken in der zweiten Hälfte nicht verhindert wurden, lag nun mal an der schwindenden Kraft. Kraft ist aber trainierbar.

Die erste Halbzeit hatte der HSV durch Spielstärke dominiert und durch hohe Laufbereitschaft die Wolfsburger zu vielen kleinen Fehlern gezwungen. Es hat nur das zweite Tor gefehlt.

Insgesamt passt der Trend. Nun am Freitag die ganz wichtigen drei Punkte gegen Hoffenheim, danach prüfen, was in Leverkusen geht, und idealerweise mit allen Mann unverletzt in die Rückrunden-Vorbereitung gehen.

Und unbedingt an dieser Taktik mit Raute und zwei Stürmern festhalten. Das war eine gute Maßnahme von Fink. Beister kann neben Rudnevs seine Stärken besser einsetzen, weil mehr Freiheiten. Son als Alternative. Auch das Spiel von van der Vaart wird profitieren, wenn er zwei Leute vor sich hat. Badelj auf der Sechs, dann haben wir mit Jiracek, Aogo, Skjelbred, Arslan, Ilicevic und Rincon alle Möglichkeiten für die übrigen Mittelfeld-Positionen. Hinten sind wir mittlerweile sowieso sicher, da muss ich bei Mancienne noch Abbitte leisten, diesen Leistungssprung hätte ich ihm nicht mehr zugetraut. Bruma kann als Alternative alles spielen und Scharner ist auch noch da. Ha. Wir haben eine gute Mannschaft.

Auf Kurs.

Zottelkralle Offline
Dabei seit: 02.05.2011

les auch immer gern mit, also bitte weiter machen!

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

Also wenn man die deutschen Mannschaften so im Europacup sieht, Dortmund und Schalke ungeschlagen Gruppensieger in der Champions League. Hannover. Gladbach. Wir haben in der Liga Dortmund und Schalke geschlagen, auch Hannover, Gladbach zumindest lange Zeit dominiert. Ist klar, kann man nicht vergleichen, Bundesliga und Europacup. Trotzdem. Da wollen wir auch wieder hin. Selbst der VfB ist trotz Slapstick-Nummer gegen Molde noch im Wettbewerb. Das können wir auch.

Und mit einem Sieg am Freitag gegen Hoffenheim sind wir zunächst wieder in der gewünschten Zone und damit schon einmal gut positioniert für unsere überragende Rückrunde.

Babbel ist Geschichte in Hoffenheim. Deshalb spare ich mir eine Geschichte über ihn. Obwohl. Wäre er nicht ein Mann für den, äh, also, wenn Hecking zu Werder, weil Schaaf zu Allofs. Ok, Gedanke aufgehoben, nee, verworfen.

Aber was ist da eigentlich los in Hoffenheim? Was ist  in dieser Saison passiert?

Der Versuch einer Ursachenforschung.

Ich halte es nicht für einen Fehler, dass Babbel vor Saisonstart die EL-Qualifikation als Ziel ausgegeben hat. Im Gegenteil. Hohe Ziele anstatt Understatement zur Alibisicherung im Misserfolgsfall höre ich für mein Verständnis zu selten, daher gut. Was Babbel aber offenbar nicht gelang, vielleicht sein größter Fehler, ist, zu vermitteln, dass ganz harte Arbeit ansteht, um ein solches Ziel zu erreichen. Stattdessen war die Euphoriewelle nach einer vermeintlich guten Saisonvorbereitung in Verbindung mit den allseits als hochkarätig angesehenen Neu-Verpflichtungen, womöglich Grund genug, anzunehmen, man sei bereits reif für den internationalen Wettbewerb. Ein reiner Selbstläufer.

Auf der Schlüsselposition im Tor spielt Tim Wiese seine vielleicht schwächste Saison. Er gehört noch zu der Generation der aggressiv ehrgeizigen Torhüter, die ja mittlerweile abgelöst scheint von einer eher ruhigen und sachlichen. Er war ja fast besessen davon, die Nummer Eins im Nationalteam zu werden, was ihn sicher auch angetrieben hatte. Vor der Saison wurde er von Jogi ausgebootet, muss für ihn unglaublich enttäuschend gewesen sein.  Nun fehlte ihm dieser Antrieb. Hinzu kam die Tatsache, dass er mit 30 noch einmal einen großen, den bestdotierten Vertrag seiner Karriere bekam, was sicher seine eigene Perspektive und seinen Ehrgeiz etwas verschob.

Dass Wieses Berater Roger Wittmann eine besondere Rolle spielt, glaube ich nicht. Sieht man sich die Liste der von seiner Agentur betreuten Spieler an, ist ein Einfluss im Mannschaftsgefüge, wie seinerzeit vom schwarzem Abt, nicht anzunehmen.

http://www.transfermarkt.de/de/rogon-sportmanagement-gmbh--co-kg/details...

Eine Rolle mag die fehlende Fan-Kultur und Medien-Aufmerksamkeit in Hoffenheim spielen. Die Spieler werden im Erfolgsfall nicht geliebt, bei Misserfolg nicht an den Pranger gestellt. Das mag man sehen, wie man möchte. Es ist aber zu wenig Leben in der Bude. Man gewinnt und fährt nach Hause. Man verliert und fährt nach Hause. Dadurch wird man nicht gezwungen, wie in fast allen anderen Vereinen, sich mit seiner Leistung in einer breiten Öffentlichkeit auseinander zu setzen. Die Gefahr einer gewissen Gleichgültigkeit wird groß. Ein Beispiel dafür ist Marvin Compper. Ein großes Innenverteidiger-Talent, war Nationalspieler, spielte nach der EM 08 im Freundschaftsspiel gegen England. Was ist aus ihm geworden? Er spielt in Hoffenheim. Er spielt immer. Aber wo ist seine Leistung? Wo ist sein Antrieb? Wurde er jemals dazu gebracht, sich öffentlich damit auseinander zu setzen und damit seine Leistung wieder heraus zu kitzeln?

Dazu verstehe ich die Ordnung auf dem Platz nicht. Salihovic. Ein Mann mit einem solchen linken Fuß ist eine richtige Waffe. Wird diese Waffe eingesetzt? Er hatte nicht einmal mehr einen Stammplatz. Spielt er, dann zumeist auf der Sechs und muss sich auf dem ganzen Platz aufreiben. Das ist doch  nicht sein Spiel. Den muss man doch in Position bringen, den direkten Abschluss suchen oder zumindest einen Stürmer final einsetzen zu können. Ein richtiger Sechser fehlt hingegen. Da ist auch ein Rudy überfordert. Zwar ein Talent, doch fehlt noch die Ausstrahlung und Überzeugung, ein Bundesliga-Team lenken zu können.

Es sind weitere Talente da. Volland, Firmino. Von denen halte ich viel. Joselu ist eine gute Ergänzung. Wenn aber die Ordnung fehlt, verpuffen die Möglichkeiten dieser Talente.

Also m.E. einige Dinge, die Babbel nicht im Griff hatte. Und selbst hatte er mit der Verpflichtung von Müller eigentlich keine Chance mehr. Er geht mit einer Doppel-Funktion in die Saison und tritt auch so gegenüber den Spielern auf. Dann übernimmt ein Neuer (nein, nicht der Manu, der Andi) den höherwertigen Teil seiner Funktion und Babbel ist dem unterstellt. Eine Degradierung. Die keinem Spieler verborgen bleibt. So etwas kann nur funktionieren, wenn der Neue sich auf einer Ebene sieht, und damit den Coach stärkt. Doch für Müller war es selbst wohl die letzte Chance in der Bundesliga, so dass er sich entsprechend positioniert und damit Babbel die Stellung im Gefüge genommen hat. Es gab doch mal so einen irrwitzigen Fall in Rostock. Da mustert Coach Pagelsdorf den alternden Rene Rydlewicz aus, der deswegen stinksauer ist. Kurze Zeit später wird Rydlewicz zum Sportlichen Leiter und damit zu Pagelsdorfs Chef ernannt. War klar, dass er Pagelsdorf dann entließ.

Diese Punkte mögen dazu geführt haben, dass in Hoffenheim einige Prozente fehlen und sie jetzt genau dort stehen, wo sie stehen, obwohl der Kader absolut konkurrenzfähig ist. Es reicht dann eben nur zu Siegen gegen Hannover und Schalke. Was insgesamt natürlich nicht ausreicht.

Aber sie sind nicht abgeschlagen Letzter und könnten daher relativ schnell den Anschluss herstellen.

Nun also erstmal mit Frank Kramer.

Der macht gerade seine Fussball-Lehrer-Ausbildung. Zusammen mit Jörg Böhme, den ehemaligen Schalker Nationalspieler und vielleicht künftigen Co-Trainer von Mike Büskens bei den Knappen. Der als 20-jähriger beim Club 94/95 zum Klassenerhalt in der zweiten Liga beitrug, dabei in 16 Spielen lediglich sechsmal Gelb und einmal Rot sah. Auch zusammen mit Ante Covic, heutiger Hertha-Co-Trainer, der ein Jahr nach Böhme von den Clubberern aus Stuttgart geholt wurde, den Zweitliga-Abstieg aber nicht verhindern konnte und dann zu Hertha weiterzog. Mit nur 40 Gegentoren stiegen die Clubberer damals ab. Neben Covic im Team auch der spätere zweifache Deutsche Meister Robert Kovac, der auch zweimal kroatischer Meister wurde mit Dinamo Zagreb, im Team mit dem Weltklasse-Mann Milan Badelj. Und wer wurde nicht nur zweimal zusammen mit Kovac Deutscher Meister, sondern insgesamt sechsmal, und stand ebenfalls in jener Saison im Club-Team? Sami Kuffour. Und noch ein späterer Deutscher Meister: Frank Baumann. Beim Lehrgang im übrigen auch Havelse-Coach Andre Breitenreiter, Jörn Großkopf von Paulis Zweiter und Ramazan Yildirim, dessen VfB Lübeck leider wieder Insolvenz anmelden musste.


Der Frank Kramer ließ in Hoffenheims Zweiter bislang offenbar ziemlich erfolgreich Offensiv-Fussball spielen. Bin da schon sehr gespannt, wie er am Freitag im Volkspark ausrichten wird. Naja, ausrichten, wie auch immer, wird er nicht viel können.

Wie auch schon nicht Ralf Rangnick, am 04.04.09, als wir mit einem sicheren Sieg auf den zweiten Platz sprangen.

26. Spieltag 08/09

HSV - TSG Hoffenheim 1:0

HSV: Rost, Benjamin (46. Boateng), Gravgaard, Mathijsen, Aogo, Pitroipa (87. Rincon), Jarolim, Tavares, Jansen, Guerrero (13. Trochowski), Olic, Coach: Martin Jol

Hoffenheim: Hildebrand, Beck, Nilsson, Compper, Janker (84. Fabrizio), Teber (77. Terrazzino), Salihovic, Eduardo, Obasi, Sanogo (68. Wellington), Ba, Coach: Ralf Rangnick

1:0 Pitroipa (28.)

Tja, acht Spieltage vor Ende also Platz zwei hinter den punktgleichen Wolfsburgern. Unser Martin Jol hätte ein großer Holländer werden können. Als Verteidiger war er 78/79 auch einige Spiele für die Bayern aktiv, hatte aber ebenso wenige Chancen auf einen Stammplatz wie die Bayern insgesamt in jener Saison gegen den Deutschen Meister HSV.

Im April 08/09 war er als Coach sogar noch auf dem Weg zum Triple. In der Liga konnten wir allerdings nach Hoffenheim nur noch Hannover, klar, und Bochum vor dem letzten Spieltag schlagen, sodass wir als Sechster nach Frankfurt fuhren und unser 35-maliger Nationalspieler, Piotr Trochowski, mit einem unglaublichen Ball in letzter Sekunde aus einer gefühlten Drei-Meter-Abseitsposition zum 3:2-Sieg noch den fünften und damit letzten EL-Platz vor dem BVB sicherte.

In der EL hatten wir im April das Achtelfinale schon überstanden. Als unser Südländer, unser Paolo, sein vielleicht größtes Spiel für den HSV machte. Nach einem mühsamen 1:1 im Volkspark gegen Galatasaray, war im Rückspiel nach Gegentreffern von Kewell und Baros in der zweiten Hälfte  das Schicksal längst gegen uns, als es dann aber unser Paolo war, der innerhalb von drei Minuten sich zweimal den Ball nahm, einfach abzog und traf. Olic setzte noch einen Konter und wir hatten auch in Istanbul gewonnen. Im Viertelfinale gegen Manchester City traf Paolo dann im Hin- und Rückspiel (3:1, 1:2). City, damals noch gecoacht von Mark Hughes, aber schon mit dem Ex-HSVer Kompany, mit Robinho und dem ganz feinen Techniker Elano.

Das Halbfinale gegen Werder schenkten wir dann her, genau wie das Halbfinale im Folgejahr gegen Fulham, mit dem wir zusätzlich das Finale to huus vergaben. Alles Gründe nur zu wiederholen: Da wollen wir wieder hin.

Wir kommen da wieder hin. Auch wenn nun Beister ausfällt. Unser Sonny ist wieder dran. Wir lassen Hoffenheim im Keller.

bsg Offline
Dabei seit: 18.11.2010

In der EL hatten wir im April das Achtelfinale schon überstanden. Als unser Südländer, unser Paolo, sein vielleicht größtes Spiel für den HSV machte.

Streich das "vielleicht", lieber Trifon! In dieser Zeit hatte Guerrero seine beste Phase überhaupt im Trikot des HSV. Gefühlt hatte er in diesen 4-6 Wochen in jedem zweiten Spiel nen Doppelpack hingelegt.
Und das Spiel in Istanbul war sensationell, ein schönes Comeback.

Und das man den Jol nicht mehr wollte nach der Saison, zumindest nichts für seinen Verbleib tat und ihn mehr oder minder vergraulte, werde ich nie verstehen. Da hat zu dieser Mannschaft gepasst und ihr ein Gesicht gegeben.

zance Offline
Dabei seit: 03.08.2011

Trifon, Deine Ausblicke sind ganz groß. Der Bogen den Du heute wieder schlägst, ich stehe auf damit die Verbeugung tiefer wird. so hätte es Heinz Florian Oertel formuliert.

Danke für Deine Einstimmungen auf die Spieltage.

Zottelkralle Offline
Dabei seit: 02.05.2011

dank dir,

hab lang nicht mehr an Trochowskis Tor gedacht werds aber hoffendlich auch schnell wieder vergessen.

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

Soll erfüllt. Platz sechs. Da können wir uns in aller Ruhe am Wochenende ansehen, ob  jemand wagt, an uns vorbeizuziehen. Und wie nervös die noch vor uns platzierten Frankfurter und Schalker nun geworden sind.

Unterm Strich reichte heute eine durchschnittliche Leistung, um sicher die Punkte einzufahren. Nach zerfahrenen ersten Minuten gelang es dem HSV, den Ball sicher im Mittelfeld zirkulieren zu lassen, blieb konzentriert und ging dabei gegen die tief stehenden Hoffenheimer wenig Risiko ein. Als wartete man auf die sich ergebende Torchance. Als die kam, schlug Rudnevs gleich zu, allerdings doch begünstigt durch nicht bundesligataugliche Gegenwehr.

Lam, der tatsächlich den linken Verteidiger gab, fügte sich in die Ballstafetten ordentlich ein, war defensiv kaum gefordert. Das war der HSV in der zweiten Hälfte im Grunde fast gar nicht mehr. Fast unverständlich, wie tief, und dabei passiv, die Hoffenheimer auch nach dem Rückstand blieben, eigentlich, als würden sie führen. Es ist zwar völlig normal, dass ein neuer Coach in einer solchen Tabellen-Situation zunächst den Fokus auf die Defensive setzt, doch derart leblos und uninspiriert hätte ich es nicht erwartet. Trotz des knappen Ergebnisses vor dem 2:0 habe ich den Sieg nie gefährdet gesehen.

Dabei musste der HSV kein hohes Tempo gehen, sodass diesmal auch keine konditionellen Defizite sichtbar wurden. Rudnevs erfüllt immer mehr die Hoffnungen, ein Top-Stürmer der Bundesliga zu werden, jedes Tor gibt ihm weiteres Selbstvertrauen. Und Badelj, er musste nicht großartig glänzen, einmal mehr wurde aber seine Chef-Rolle deutlich. Er bestimmt das Tempo, er spielt die öffnenden und gefahrbringenden Pässe, immer mit Auge und Technik, auch wenn heute nicht jeder Pass ankam. War auch gar nicht notwendig.

Souveräner Sieg, der Trend geht weiter nach oben.

Da darf das Team nun mit guter Laune ins warme Brasilien fliegen, um beim alten Weltpokalfinal-Rivalen Gremio Port Alegre diese Stadion zu eröffnen.

http://arena.gremio.net/#!/home

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

So, der Gute-Laune-Trip nach Brasilien ist überstanden.

Jaja, Tokio im Dezember 83. Die beiden besten Vereinsmannschaften der Welt spielen um den Weltpokal. Wobei der HSV im Jahr eins nach Hrubesch und Bastrup mit deren Nachfolgern Schatzschneider und Wuttke eine schwierige Hinrunde in jener Saison spielte. Gerade Wuttke. Vom Talent her hätte er 100 Länderspiele haben können, es wurden gerade vier. Gegen Shilton traf er dabei mal sensationell mit dem Außenrist, im Team übrigens mit dem späteren Vize-Europameister und heutigem Pauli-Retter Michael Frontzeck. Aber sonst? Er selbst gab mal die Begründung:" Gar nicht so unübel, was der Happel über mich gesagt hat: Zauberer am Ball, Gassenjunge im Kopf."

Als Hinrunden-Fünfter flog der HSV also nach Tokio und stand doch kurz davor, erster europäischer Sieger seit 76 zu werden, nachdem Michael Schröder mit seinem 1:1 die Verlängerung erzwang. Doch Renato Gaucho machte sich unsterblich.

http://www.youtube.com/watch?v=t1ddn0XfII8

76? Letzter europäischer Sieger?  Alfred Arbinger. Mit seinen Bayern gegen Cruzeiro Belo Horizonte.

Nach dem Weltpokalfinale 83wurde der HSV als beste Rückrundenmannschaft punktgleich Vizemeister hinter dem VfB. Fünfter, dann beste Rückrundenmannschaft.

Fünfter können wir auch jetzt schon mal werden, mit einem Sieg in Leverkusen. Müssen wir über Leverkusen sprechen?  Wir sollten. Auch wenn es dort bisher kein Brimborium gibt, und bei den üblichen Meldungen "Lewandowski zu Bayern?" der Sascha gar nicht gemeint ist. Obwohl er Coach des aktuellen Zweiten ist. Zusammen mit Hyypiä kann er daher die Unauffälligkeit genießen und sich auf seine gute Arbeit konzentrieren. Ansprechender Fussball wird gespielt, den Kießling und den Castro hat er wieder hinbekommen. Nur den Schürrle noch nicht, der auf dem Weg zum absoluten Top-Spieler etwas hängt.

Der Kießling geht nun auch schon bald auf die 30 zu, was der Grund sein mag, warum der Jogi ihn ignoriert. Seinerzeit war es Auge, der ihn vor knapp zehn Jahren als Club-Trainer erstmals in einem Bundesligaspiel einsetzte. Kurz vor Saisonende 02/03 bei der 0:4-Niederlage im Volkspark, was den Abstieg näher brachte und daher auch das letzte Spiel von Auge beim Club bedeutete. Er aber zwei Wochen später bereits in Leverkusen auf der Bank saß, weil dort nach dem 1:4 im Volkspark Thomas Hörster gehen musste.

Stefan Kießling musste 16 Monate auf sein zweites Bundesligaspiel warten, 04/05 beim 3:4 im Volkspark. Denn zuvor musste nach dem Abstieg mit dem Club erst wieder der Aufstieg gelingen, den er dann selbst am drittletztes Spieltag mit seinem 4:3 in Osnabrück sicherstellte.

Wohin sein Weg in dieser Saison mit der Werks-Elf führt, bleibt allerdings offen. Bei der Ausgeglichenheit in der Liga kann es schnell Richtung Platz sechs oder sieben gehen.

79 beim Aufstieg der Leverkusener mit Coach Willibert Kremer und Weltmeister Dieter Herzog war es auch noch offen, nein, eigentlich gar nicht vorstellbar, dass sie bis heute einen Teil der Bundesliga-Geschichte prägen sollten. Zu Beginn kämpften sie bieder in zweiten Tabellenhälfte, und so war es auch völlig normal, dass sie in einer bewegenden HSV-Saison am 09.05.81 im Haberland-Stadion mit dem Standard-Ergebnis, das es bis heute sechsmal gab, gegen den Vize-Meister nichts holen konnten.

30. Spieltag 80/81

Bayer Leverkusen - HSV 1:2

Leverkusen: Bockholt, Klimke, Gelsdorf, Posner, Bruckmann, Hörster (74. Herzog), Hermann, Glowacz (71. Gniech), Vöge, Ökland, Szech, Coach: Willibert Kremer

HSV: Koitka, Kaltz, Beckenbauer, Jakobs, Hidien, Groh, Buljan, Hartwig, Magath, Reimann, Dreßel, Coach: Aleksander Ristic

1:0 Glowacz (7., Elfmeter), 1:1 Hartwig (17.), 1:2 Magath (47.)

Netzer holte den Franz zurück in die Bundesliga, der sich in seinem ersten Jahr auch sportlich gut einfügte, im zweiten Jahr allerdings nach gerade mal zehn Spielen am Ende lediglich seine persönliche Bilanz um eine Meisterschaft erweitern konnte. Meistermacher Zebec wurde zwei Tage nach der Herbstmeisterschaft entlassen, nachdem er einmal mehr während der Pressekonferenz mit seinem gebrochenen Deutsch das Lallen nicht mehr überspielen konnte, sein Co, der spätere König Aleks, übernahm.

Mit ihm schied der HSV im DFB-Pokal aus, trotz 36 Toren in fünf Spielen. 11:1 gegen Wormatia Worms, 7:3 bei Arminia Hannover, 11:0 gegen RW Frankfurt. Im Achtelfinale gegen den VfL Bochum, der fast alle seine Legenden aufbot, den Tiger, den Ata, Bast, Tenhagen, Woelk und Abel, setzte es ein klares 4:1, bei dem im übrigen der schnellste Postbote gegen den ausdauerndsten, also Kurt Pinkall gegen Joschi Groh, klar den Kürzeren zog. Überhaupt der Groh, Die Lunge mit den hängenden Stutzen. Warum spielte der eigentlich nie für Deutschland?

Und im Viertelfinale ging es an die Hamburger Strasse. Zum Verein, der sich vielleicht bald wieder Erstligist nennen darf. Zur Braunschweiger Eintracht. Die auch in jener Saison den Aufstieg schafften, im letzten Jahr der damaligen Zweiten Liga Nord. Als Vizemeister hinter Werder bezwangen sie in der Relegation die Offenbacher Kickers mit Kutzop, Bein und Walter Krause. Coach in Offenbach? Goldköpfchen Franz Brungs, der den Club bekanntlich 68 zur Meisterschafft schoss, und mit seinem Weggang zur Hertha wohl  eine Abstiegslunte anzündete. Wäre der Club sonst dauerhaft in der Spitzengruppe geblieben? Mit Erfolgen im Europacup? Und niemals Relegations-Weltmeister?

Für die Braunschweiger war es der direkte Wiederaufstieg. In der Vorsaison wurden sie abgeschlagen Letzter, was auch Uli Maslo nicht verhindern konnte. Der später auf seine ganz eigene Art, gerne als komplizierter Feldherr karikiert, was er ungewollt unterstützte ("Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: der Trainingsplatz stand unter Wasser. Die gute: es ist keiner ertrunken.") zum Pauli-Kult beitrug, als er ein Team um Eisen-Dieter, Meister Pröpper, dem Gerdl und Leo Manzi erfolgreich coachte. Er übernahm im Braunschweiger Abstiegsjahr von Heinz Lucas, der in jener Saison nach einem frühen 0:8 in Köln, ständig als 0:8-Trainer tituliert, keine Chance mehr hatte.

Für wenige Minuten hatte ich den Uli Maslo 79/80 als Braunschweig-Coach schon vergöttert. Es war ein enger Meisterschaftskampf zwischen dem HSV und den Bayern, die zwei Spieltage vor Ende die gleiche Punktausbeute und Tordifferenz aufwiesen. Nach einem dusseligen 1:2 in Leverkusen (!) vom HSV hatten die Bayern vor dem Finale dann zwei Punkte Vorsprung. Ok, wir hatten einen Joker, mussten nur gegen Schalke spielen, was auch ein leichtes 4:0 ergab, während die Bayern, nunja, zuhause gegen Absteiger Braunschweig vor einer hohen Hürde standen. Am Spieltag hatte ich zur gleichen Zeit selbst ein  Spiel, und ich erinnere mich sehr genau, wie nach dem Schlusspfiff bei uns irgendeiner rief "Braunschweig hat gewonnen. Braunschweig hat gewonnen." ... Am liebsten suchen die den heute noch.

Im Pokal-Viertelfinale 80/81 reichten dann die Wettbewerbs-Tore 34 bis 36 nicht, 3:4 n.V beim kommenden Erstliga-Aufsteiger um Franke, Worm, Grobe, Merkhoffer und natürlich Hasse Borg.
Die knappe Halbfinal-Niederlage in Lautern konnte das Maslo-Team dann verschmerzen, der Aufstieg wog natürlich viel schwerer.

In der parallelen Zweiten Liga Süd sorgte eine Mannschaft für Furore, die in den Folgejahren eine gewisse Tragik entwickelte. Sie wurden als Aufsteiger Vierter, verpassten damit knapp die Bundesliga-Relegation, schafften aber ebenso knapp den Klassenerhalt. Wegen des Qualifikationsmodus für die eingleisige Zweite Liga, die die Ergebnsisse nicht nur aus jener Saison, sondern auch der Vorjahre, berücksichtigte, war der vierte Platz notwendig, um Zweitligist zu bleiben.

In den ersten fünf Jahren der eingleisigen Zweiten Liga wurden sie dreimal Vierter, einmal Fünfter, verpassten damit jeweils hauchdünn den Bundesliga-Aufstieg: Hessen Kassel. In den Jahren unter Rudi Kröner, Jörg Berger, und auch einem Jahr unter Timo Konietzka, war es insbesondere ein Spieler, der für jene Zeit in Kassel stand: Keeper Hans Wulf. In den beschriebenen sechs Zweitliga-Jahren verpasste er nicht ein Spiel. Heute fährt er Taxi in Kassel, nachdem er sich als Spielotheken-Besitzer verzockt hatte. Was aber bleibt, sind seine 440 Zweitliga-Spiele, die viertmeisten nach den Aachenern Willi Landgraf, Jo Montanes und dem Freiburger Charly Schulz.

Wir können uns natürlich jetzt auch verzocken, aber, jaja, wir wollen mehr. Wer will schon Siebter werden? Wir wollen es nicht bleiben. Uns reicht das Standard-Ergebnis in Leverkusen. Beister ist wieder fit, erweitert die Möglichkeiten, ansonsten gibt es wenig Anlass, an System und Aufstellung etwas zu verändern.

Die Werks-Elf liegt uns, drei Punkte.

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