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Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

Das machen doch eigentlich nur Champions. Glanzlos spielen und trotzdem gewinnen. Und nun? Die Schlussfolgerung? Nein, nur die Erkenntnis, die ebenso wenig neu ist: Im Fussball kann sich in kürzester Zeit alles verändern. Und die Konkurrenz staunt.

Also, die Faust war geballt und das Durchatmen tief, nachdem der zehnte Punkt im vierten Spiel im Sack war. Denn das Spiel war qualitativ überschaubar. Mir hat nicht gefallen, das sich der HSV offenbar doch sehr nach dem Gegner gerichtet hat, aufgrund der erwarteten Fürther Kampfstärke eher abwartend und reagierend aus der eigenen Kompaktheit heraus. So etwas ging in den letzten Monaten selten auf.

Diesmal aber doch. Weil die Mannschaft sich in den letzten vier Wochen entwickelt hat, sich auch als Mannschaft präsentiert, mit einer Stamm-Elf ohne häufige Wechsel, mit dem spielstarken Herzstück Badelj und Arslan auf der Doppel-Sechs, mit Abwehrspielern, die in dieser Grundordnung zunehmend sicherer werden und mit einer neu gewonnenen offensiven Effektivität.

Und weil die Fürther die Punkte angeboten haben. Ich hätte schon mehr Gegenwehr erwartet, in einem Heimspiel, in dem man eigentlich die Punkte mitnehmen muss. Nur mit Einsatzwillen, der aber teilweise etwas übereifrig, ohne offensive Qualität, zudem mit einigen schwachen Freistößen aus Strafraumnähe, die der HSV völlig unnötig auflegte, war Adlers Tor nicht gefährdet. Er musste im ganzen Spiel nur zweimal ernsthaft eingreifen.

So wird es für Fürth in der Liga nicht reichen.

Und wir hoffen jetzt mal, dass sich bis zum nächsten Spiel, während der Länderspiele oder im Training, niemand verletzt, und sehen uns morgen ganz entspannt an, was unsere neue, und zitternde, unmittelbare Konkurrenz aus Hannover und Leverkusen auf dem Platz zeigen kann.

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

“Sowas darf uns nicht passieren.”, ließ sich Heiko Westermann in geübter Weise vernehmen. Genau so, wie wir ihn so oft erzählen hörten. Aber, upps, diesmal ging es gar nicht um den HSV. Naja, die Nationalmannschaft wird sich ganz sicher für die WM qualifizieren, und so war das Schmunzeln beim Ausgleich fast logisch. Und die 11Freunde haben die Fankurve gesponsert? War ja das bezeichnende Spiel dafür mit dem schnellen und tiefen Fall.

Nun gut. Rudi Kargus 76 auf der Bank, Uli Stein 86 auf der Bank und nach hause geschickt. Das hat uns schon zwei Titel gekostet. Eigentlich müsste Jogi wissen, was zu tun ist. Aber so waren jetzt erst mal nur elf HSVer mit ihren Nationalmannschaften unterwegs, van der Vaart und Badelj leicht angeschlagen, bis Sonntag sollte es aber reichen. Also weiter geht’s, mit Mut und Überzeugung gegen den VfB.

Dem genau das zu fehlen scheint. Wie dem HSV zu Saisonbeginn, Mut und Überzeugung. Kein Allgöwer mehr dabei, kein Asgeir, und vor allem kein Günther Schäfer.

Wie noch vor 26 Jahren. Trotzdem waren sie, und wären auch mit dem verletzten Allgöwer, chancenlos im Volkspark, am 10.10.86.

10. Spieltag 86/87

HSV - VfB Stuttgart 2:0

HSV: Stein, Kaltz, Jakobs, Plessers, Homp (53. Hinz), Kroth, Jusufi, Okonski, von Heesen, Schmöller (75. Dittmer), Gründel, Coach: Ernst Happel


VfB: Immel, Schäfer, Buchwald, Zietsch, Beierlorzer (53. Bunk), Schröder, Hartmann, Sigurvinsson, Müller (46. Nushöhr), Merkle, Klinsmann, Coach: Egon Coordes

1:0 von Heesen (28.), 2:0 Schmöller (31.)

Einer stand im falschen Team. Der Ur-HSVer Michael Schröder wechselte vor der Saison zum VfB, ein zumeist unterschätzter Spieler, aber äußerst wertvoll als defensiver Mittelfeldmann oder auch mal als Innenverteidiger, zudem torgefährlich. 83-85 18 Bundesligatore, er traf auch im Weltpokalfinale 83 beim 1:2 n.V. gegen Gremio Porto Alegre. Siebenmal spielte er für die U21, kam damit auf ebenso viele Einsätze wie Reinhold Mathy, Thomas Broich oder Bastian Schweinsteiger. Und dann gab es mit ihm eine Szene, die ich nie vergessen werde. Dazu fällt mir auch heute nur ein Wort ein: Hacketts Law. UEFA-Cup-Achtelfinale 84/85 gegen Inter mit Rummenigge. Der beim Hinspiel im Volkspark traf, der HSV aber nach Toren von Schröder und von Heesen mit einem knappen Vorsprung ins San Siro fuhr und dort mit einer couragierten Leistung auf bestem Wege ins Viertelfinale war. Kaum mehr als zehn Minuten waren noch zu spielen und plötzlich war die Welt aus den Fugen. Der unberechtigste Handelfmeter der Fussball-Geschichte. Schröder soll mit der Hand am Ball gewesen sein. Er war nicht mal in Ballnähe. Kein HSVer war in Ballnähe. Doch dieser Referee aus South Yorkshire pfiff. Keith Hackett. Als wollte er sein kurze Zeit später erscheinendes Manuskript mit obigen Namen pushen. Unfassbar. Der große Ire Liam Brady traf vom Punkt zum einzigen Tor des Spiels, kurze Zeit später Abpfiff und nur noch entsetztes Schweigen.

Rummenigge traf im Viertelfinale noch zweimal in Müngersdorf, im Halbfinale gegen Real war dann Schluß. Keith Hackett hingegen trieb auch danach noch Unwesen, fragt mal bei den Hammers nach:

http://www.dailymail.co.uk/sport/football/article-1351524/Hammers-legend...

Später wurde Hackett Schiri-Boss der Premiere League. Manchmal verstehe ich die Engländer nicht. Obwohl. Kutzop-Handelfmeter und dann Ober-Schiri. Über Volker Roth müssen wir auch nicht sprechen. Übrigens. Hacketts Law. Käuflich zu erwerben bei amazon.co.uk. Für einen Penny.

Noch unverständlicher, dass dieser Mann 53. wurde. Bei der Wahl zum weltweit besten Schiri des letzten Vierteljahrhunderts. Was solls. Zum Ranking hätte ich noch andere diverse Anmerkungen. Aber das ist ein anderes Thema.

http://www.iffhs.de/?21e43c03f32b00f31c13f32b17f7370eff3702bb1d20bb6e08

Michael Schröder ist heute nach langen Scouting-Jahren Nachwuchs-Chef beim HSV.

Er war also 86/87 nicht mehr im Team, als der HSV eine hervorragende Saison spielte. Die letzte mit Happel (“Sechs Jahre HSV sind genug. Möchte nicht, dass meine Enkel immer von Opa Hamburg sprechen.”), der zum Abschluss noch mal Vizemeister und Pokalsieger wurde.

Der Sieg gegen den VfB war nur eine Etappe auf dem Weg zur Herbstmeisterschaft vor den Bayern. Tja, Heinz Gründel fehlte die komplette Rückrunde verletzt und so reichte es am Ende nicht ganz für Happels Pressing mit seiner zweiten HSV-Spieler-Generation. Obwohl gerade in der Rückrunde zwei Franken sich ins Rampenlicht spielten. Ein Ex-Clubberer. Manfred Kastl, der von 80-82 dort bei den Junioren seine Tore schoss und der Club zuließ, dass er 84/85 in der drittklassigen Bayernliga für die SpVgg Fürth 17mal traf, damit nur drei weniger als der Augsburger Kalle Riedle, zwei mehr als der Spielertrainer vom SV Heidingsfeld, Werner Lorant. Er schoß in der Rückrunde 86/87 zehn Tore für den HSV, weswegen er gemeinsam mit Kalle Riedle in der deutschen U21 stürmen durfte, im Team mit seinem Kumpel Didi Beiersdorfer, mit dem er gemeinsam aus Fürth in den Norden zog.

Beide waren erheblich beteiligt am Pokalsieg. Noch nicht im Achtelfinale, an das sich heute kein Paulianer mehr erinnern kann. Denn das eigentlich namhafte Team war völlig chancenlos in der Besetzung: Ippig, Gronau, Wenzel, Demuth, Kock, Studer (Zander), Beermann, Dahms, Bargfrede, Klaus (Gerber), Golke. Dreimal von Heesen, zweimal Schmöller, einmal Jusufi, 6:0.

Willi Reimann stellte danach Thomforde ins Tor, der Zweitliga-Elfte schaffte noch die Relegation, in der allerdings ein Pole die Aufstiegshoffnungen zerstörte. Roman Wojcicki traf am Millerntor mit dem ersten seiner wohl drei wichtigsten Elfmetern seiner Karriere und der FC Homburg blieb oben.

Im Viertel- und Halbfinale traf Kastl dann jeweils zu den 1:0-Siegen, am Böllenfalltor und im Volkspark gegen Gladbach, im Finale war es Beiersdorfer, der zum wichtigen Ausgleich gegen die Stuttgarter Kickers vollendete.

Beiersdorfer schaffte es sogar noch ins Team der auf Jahre hinaus Unschlagbaren. 91 schlug er mit acht Weltmeistern, Sammer und Doll in der EM-Quali Belgien mit 1:0. Es blieb sein einziges Länderspiel, weswegen die Serie reißen musste. Denn im Spiel danach wurde er vom heutigen Boulevard-Journalisten ersetzt, dessen Gegenspieler Ian Rush die 0:1-Niederlage in Wales verantwortete.

Und dann? Kastl wurde Meister mit dem VfB, Beiersdorfer mit Werder.

Und nun? Sorry, VfB. Wir brauchen die Punkte selbst. Wir sind anders. Wir lassen uns ein 4:0 nicht mehr nehmen.

Hotte80 Offline
Dabei seit: 11.07.2007

4:0 geführt und nicht gewonnen. Das ist keineswegs neu. Auch Eintracht Braunschweig schaffte das Kunststück einen solchen Vorsprung zu verspielen:

26.12.1957, Oberliga Nord, Weserstadion Bremen

Nachholspiel vom 1. Spieltag.

Nachdem es am Spieltag zuvor, dem nominell 19. der Saison 1957/58, beim Spiel gegen TuS Bremerhaven zu Tumulten kam, wurde der HSV für das folgende Heimspiel mit einer Platzsperre belegt. Ausgerechnet gegen den hartnäckigen Verfolger aus Braunschweig!

Bruske (8.), Thamm (32.), Meyer (40.), Thamm (44.), so die Reihenfolge der Torschützen bis zur Halbzeit. Tatsächlich, so glauben zu diesem Zeitpunktl sicherlich alle, die Strafe wirkt sich nachteilig aus für den HSV.

Zehn Minuten sind gespielt in Hälfte Zwei und wer anderes als Uns Uwe lässt mit seinem zweiten Treffer in diesem Spiel wieder Hoffnung aufkommen, nachdem er bereits unmittelbar nach Wiederanpfiff zunächst nur für eine scheinbare Ergebniskosmetik gesorgt hatte. Nacheiner vollen Stunde dann ist es dem Weltmeister von '54 Jupp Posipal vorbehalten den Anschluss herzustellen. Mit dem nächsten Treffer lässt sich der HSV ein wenig Zeit. Klaus Stürmer sorgt in der 70. Minute für den Ausgleich. Nicht so lange warten müssen die HSV-Anhänger auf die endgültige Wende, in der 73. Minute sorgt Uwe Reuter für das 5:4. Den krönenden Abschluss besorgt schließlich wieder Uwe Seeler: 6:4 in der 88. Minute.

Ein Meilenstein zum erneuten Gewinn der Norddeutschen Meisterschaft

Und was lernen wir letztlich daraus? 

Richtig: Das erste "Wunder von der Weser" schaffte der HSV!

alterzabo Offline
Dabei seit: 18.02.2010

Trifon, danke. Mal wieder alle Wendungen genutzt, um zum Ziel zu kommen. Goude Worschdhaud*

 

 

 

*sehr hohe Anerkenung im Fränkischen

mehmetwirdankendir Offline
Dabei seit: 19.12.2010

Bargfrede? Ist der jetzige von Werder etwa der Sohn?

Und wer ist der heutige Boulevardjournalist? War leider knapp vor meiner Zeit. Helmer?

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

Wie recht du hast, Hotte. Und Danke, das hatte ich nicht auf dem Schirm.

Kurz aber noch zur Ergänzung, warum es denn zu Tumulten und der Platzsperre am Rothenbaum kam. Der Braunschweiger (!) Schiri Walter Höfel hatte sich erdreistet, aus fadenscheinigen Gründen Uns Uwe vom Platz zu stellen. Da konnten die Fans natürlich nicht anders, als dies nach dem Spiel noch einmal genauer beim Schiri zu hinterfragen.

@ mehmet

Bargfrede? Ist der jetzige von Werder etwa der Sohn?

Exakt. Der Hansi ist der Papa vom Philipp. Hatte sich seinerzeit bei Werder nicht durchgesetzt, dann aber ein paar gute Jahre am Millerntor.

Helmer?

Helmer. Den mochte ich damals nicht. Und heute immer noch nicht.

alterzabo Offline
Dabei seit: 18.02.2010

Helmer. Den mochte ich damals nicht. Und heute immer noch nicht.

wenig verwunderlich, dass ich mich dem anschließe...

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

“An der Elbe werden Wunder wahr.” Manche Wunder dauern bekanntlich etwas länger und so wurde es noch nichts mit dem CL-Platz und wir müssen uns wieder hinten anstellen. Vier ganze Punkte zwischen Platz 4 und Platz 15, es wird die erwartete enge Saison.

Was nach den Heimspielen gegen Dortmund, in einem vermeintlich chancenlosen Spiel, und Hannover, gegen einen spielerisch übermächtigen Gegner, ebenso nach dem Spiel in Gladbach dazwischen, überwunden zu sein schien, nämlich nicht den Siegeswillen mit Leidenschaft von der ersten Minute an zu zeigen, war heute wieder als Rückfall nicht zu übersehen, so, wie es sich in Fürth schon andeutete.

Kompliment an den VfB. Wie es so häufig ist, wenn es mal geknallt hat, explodiert plötzlich die Leistung. Obwohl, explodiert ist die Leistung sicher nicht, sie haben das genutzt, was der HSV anbot. Mit Präsenz, Wille und guter Taktik. Laufstark, ständig Überzahl in Ballnähe, Überlegenheit in der Zentrale mit vielen gefährlichen Pässen zwischen die Viererkette, die obendrein nicht verhindert wurden. Sie hätten mehr Tore machen müssen.

Begünstigend, dass beim HSV die Zentrale nicht stattfand. Was in erster Linie an Badelj lag, der offenbar nicht fit war und nicht hätte spielen dürfen. Wenn du auf der Sechs spielst, musst du fit sein. So war er traurig anzusehen, da er in den bisherigen Spielen ausnahmslos überzeugt hatte. Daran ändert auch sein Lattentreffer nichts. Spätestens nach einer halben Stunde hätte Fink korrigieren müssen,  ihn runternehmen und Jiracek oder van der Vaart zurückziehen. Eher van der Vaart. Denn von alleine war van der Vaart, wie schon in Fürth, nicht bereit, die Wege zu gehen, um sich hinter der Spitze aus seiner persönlichen Umklammerung zu lösen. Auch er  wirkte, wie eigentlich schon die ganze Saison, nicht völlig austrainiert. Gelingt es ihm nicht, mit entscheidenden Offensiv-Aktionen zu glänzen, fällt es ins Gewicht. Er muss sich in die Form bringen, die Wege gehen zu können. Und sich nicht nur darauf verlassen, dass er irgendwann im Spiel mit ein oder zwei Aktion über die Punkte entscheidet. Als Symbol-Figur ist er unverzichtbar und hat die Wende eingeleitet, doch jetzt gilt nur noch aufn Platz.

Dass das Spiel tief in der zweiten Hälfte noch nicht entschieden war, lag nur am VfB und so blieb es bis zum Ende offen. Die Stuttgarter konnten ihr Tempo zwar nicht durchhalten, doch  es reichte dann, mit konzentrierter Defensivarbeit souverän zu bleiben. So hatte der HSV in der zweiten Hälfte nur zwei Torchancen im Strafraum, ansonsten blieben nur Fernschüsse. Hat nicht gereicht.

Es wird tabellarisch eng bleiben, vielleicht bis Saisonende. Das lässt Möglichkeiten offen. Also weitermachen, immer weiter. Nächste Woche drei Punkte aus Augsburg. Am Freitag. Die nächste Chance auf Platz vier.

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

So, die Zeit ist reif. Für den CL-Platz. Wenn auch erst mal nur als one-night-stand. Aber, nun gut. Beginnt nicht alles irgendwie erst mal mit einem one-night-stand? Bis man sagt, ja, das will ich noch mal. Am besten ganz oft.

Die Zeit ist auch reif für unseren Beister nun endlich in der Startformation zu stehen, um mit seiner unberechenbaren Offensivstärke Spiele zu entscheiden. Eigentlich auch für Scharner, doch Fink wird ihn leider noch nicht für Mancienne bringen. Mancienne hat sich etwas gefangen, doch Scharner wird wertvoller. Er macht auch auf dem Platz mal den Mund auf und kann im Zweifelsfall mitreißen.

Im Zweifelsfall. Wenn es so lethargisch zugeht wie zuletzt. Oder so lethargisch wie  beim einzigen Duell bisher in Augsburg, welches am 05.05. diesen Jahres für den grandiosen 15. Platz sorgte.

34. Spieltag 11/12

FC Augsburg - HSV 1:0

FCA: Jentzsch, Verhaegh, Sankoh, Langkamp (66.Sinkala), Ostrzolek, Hosogai, Callsen-Bracker (59. Ndjeng), Baier, Bellinghausen (70. Davids), Koo, Rafael, Coach: Jos Luhukay

HSV: Neuhaus, Diekmaier, Westermann, Bruma, Aogo, Tesche, Skjelbred (71. Rincon), Sala (66. Son), Töre, Berg (71. Petric), Guerrero, Coach: Thorsten Fink

1:0 Koo (35.)

Das letzte Spiel für unseren Südländer, für Petric und auch für Töre. Paolo kommt zurecht bei Corinthians, dem Copa-Libertadores-Sieger, traf bisher zweimal in zehn Spielen für den aktuellen Tabellensiebten, dessen Saison allerdings bei 25 Punkten Rückstand auf Fluminense eher überschaubar verläuft. Sein alter Kollege Petric bleibt verletzungsanfällig, kam für Fulham bisher fünfmal zum Einsatz über ca. sechzig Minuten, traf dabei dreimal. Während Töre in Kazan, ich weiss nicht. Sieht nicht gut aus, wochenlang auf der Bank, gerade zweimal im Einsatz, beim zweitenmal Rot. Heute gegen Baku wieder neunzig Minuten auf der Bank, hoffentlich bekommt er noch die Kurve.

Und Jarolim, der nach seinem würdigen Abschied in Augsburg nicht mehr spielte, fand auch noch einen neuen Arbeitgeber. Er trägt jetzt das seltsame Trikot vom FC Evian und kämpft in Frankreich gegen den Abstieg.

http://www.etgfc.com/wp-content/uploads/2012/09/A19-RD.jpg

Naja, Frankreich und seltsame Farben. Also Lille. Also die Bayern in Lille. Was ist das eigentlich für eine grelle Farbe auf den weißen Trikots? Orange? Telekom-Magenta? Ribery und Müller scheint es zu gefallen. Sie zeigen her: Die Schuhe müssen zu den Streifen passen. Mannmannmann. Das ist ja wie der neue Auftrag an die Bocks und Gieselmanns: Die Texte müssen zu Schland passen. Gibt es eigentlich noch Hoffnung?

Da ist wahrscheinlich die Hoffnung für die Augsburger größer, die Klasse zu halten. Was, bei allem Respekt, schon fast unmöglich ist. Gut, sie haben Werder geschlagen, klar. Normal. Aber sonst?  Kompakt bleiben und irgendwie die Null halten. Nein, wird nicht reichen.

Daniel Baier scheint noch der beste Mann zu sein. Der ja einen berühmten Papa hat, den Jürgen. In Nürnberg geboren, aber nie für den Club aktiv. Stattdessen im Kölner DFB-Pokalfinale 83 mit Fortuna gegen den FC beim 0:1 durch Litti knapp am Titel vorbei, später ein Erstliga-Jahr für 96. Ein weiterer Papa eines Augsburgers stand ein Jahr zuvor im Pokalfinale, gab und versuchte wie immer alles, köpfte Bayerns Mittelstürmer blutig, doch am Ende hielt Gegenspieler Dieter Hoeneß die Trophäe über den Turban: Alois Reinhardt, der Clubberer. Sohn Dominik, der es mittlerweile kaum noch auf die Augsburger Bank schafft, machte es hingegen besser, Pokalsieger mit dem Club gegen den VfB. Alois Reinhardt zog später weiter nach Leverkusen, gewann 88 mit Sir Erich, mit Cha und Tita den UEFA-Cup und wurde sogar Nationalspieler. Stand auf dem Feld, als Icke gegen Wales in der WM-Quali treffen musste und traf und so das Team zur WM90 schoss. Kurz vor der Kader-Nominierung verletzte sich Reinhardt dann, wurde nicht rechtzeitig fit und sodann machte Franz statt seiner Paul Steiner zum Weltmeister.

Trotzdem schrieb Reinhardt auch weiter Fussball-Geschichte, 91/92. Die Bayern in Not, Kohler ging zu Juve, Auge hörte auf. Siebter Spieltag, nur Platz neun. Abwehr-Experimente mit Berthold und Ziege als Libero. Sie holten tatsächlich Reinhardt von der Leverkusener Ersatzbank. Kurze Zeit später entließ Uli Hoeneß Freund und Coach Jupp Heynckes nach einem 1:4 gegen die Stuttgarter Kickers, Sören Lerby übernahm und wir konnten weiter über den Bayern-Fussball schmunzeln. Bzw. entsetzt sein beim 2:6 in der zweiten UEFA-Cup-Runde in Kopenhagen, als die Dänen von der "Mickymaus-Truppe" spotteten. Und Lerby nur entgegnen konnte :"Ja, dat is, man muß sage, wenn man so was sieht, dann muß man die Spielers und, die Trainer auch, Verantwortung, was jetzt los ist, dat is brutal, natürlich." 60.000 Zuschauer kamen ins Olympiastadion im Herbst/Winter, zusammengerechnet in den Heimspielen gegen Leverkusen, KSC, Düsseldorf und Dresden. Toni Schumacher wurde zusätzlich geholt und letztlich auch der Retter, der den Abstieg verhinderte: Jan Wouters. Ribbeck löste später Lerby ab, der nie wieder eine Mannschaft trainierte, am Ende Platz zehn. Alois Reinhardt kam nur auf fünf Spiele, war damit aber Mitglied dieser legendären Bayern-Saison.

Aber das ist über 20 Jahre her. Diese Saison kann noch die unsere werden. Also Volldampf in Augsburg, die Serie vor der Länderspielpause soll kein Quickie bleiben.

UND, 11FREUNDE, WISST IHR EIGENTLICH WIE BESCHISSEN MÜHSAM ES IST, DIESEN GANZEN MIST IN DAS LÜDDE TEXTFELD ZU HAUEN.

bsg Offline
Dabei seit: 18.11.2010

Kannst doch groß ziehen, das Feld.

Ansonsten hat Trifon wieder herrlich geliefert! Mach dich endlich selbständig, bevor das Schiff hier definitiv untergeht.

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

Ach, kann man groß ziehen...

WARUM SAGST DU MIR DAS NICHT VORHER. Danke.

bsg Offline
Dabei seit: 18.11.2010

Ich kann dir ja nicht alle Probleme von der Kippenspitze ablesen.

Tenac Offline
Dabei seit: 15.04.2012

Du hast das immer in diesen Minikasten gequetscht ohne die Übersicht zu verlieren? Hut ab. Aber nicht nur dafür, auch für die ganzen Zusammenhänge die ich entweder vergessen oder nie gewußt hab.

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

Vierter. Lange haben wir also nicht gebraucht, um nach der desaströsen letzten Saison und dem verpatzen Start in dieser den Deutschen Meister zu überflügeln. Wo soll das noch hinführen? Gibt es Grenzen?

Aber was ist da eigentlich los, dass es auch in Augsburg nicht möglich war, von Beginn an entschlossen und konzentriert zu sein? Der FCA war aggressiver und spritziger, einzig die Mittel ernsthaft torgefährlich zu werden, fehlten. Trotz der großen Unsicherheiten im HSV-Spiel der ersten Stunde.

Die auch nicht wirklich weniger wurden, nachdem unser Sonny wieder eiskalt abschloss. Ich habe nie an seinen Torjäger-Qualitäten gezweifelt. Trotzdem: Die zurückhaltende Spielanlage insgesamt gefällt mir weiterhin nicht. Heute reichte die bescheidene Leistung, denn Augsburg war nach dem zweiten Tor endgültig geschlagen. Ich bin mir sicher, der FCA steigt ab.

Aber das zweite Tor. Ein Traum, die lange Ballstafette durchs Mittelfeld. Arslan. Badelj. Son. van der Vaart. Und Rudi, unser zweiter Torjäger. Die können ja eigentlich richtig gut fussballspielen.

Van der Vaart hat sein bestes Spiel nach seiner Rückkehr gemacht. Vor allem in der schlechten ersten Halbzeit hat er sich gezeigt, ist die notwendigen Wege gegangen und hat Verantwortung übernommen, weil er als Vorbild als erster in die Zweikämpfe gekommen ist, auch defensiv. Ist eigentlich nicht sein Spiel, doch  er hat die Notwendigkeit erkannt und ist voran gegangen. Und Badelj war es, der die Minuten vor dem 2:0 das Kommando übernahm und das Tempo anzog, das war gut.

Ansonsten drei Punkte und das Warten auf die Bayern in der nächsten Woche.

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

Kaum ist es das erste Mal kalt, schon verlieren die Bayern. Nein, das ist natürlich Unsinn. In Minsk gegen Borisov waren es schließlich noch deutlich über zehn Grad. Daran liegt es also nicht, auch wenn einige Bayern bei der kleinsten steifen Brise ihre Arbeitskleidung unbedingt mit den doch eigentlich hinderlichen Strumpfhosen und Handschuhen ergänzen müssen.

Also, Nieselregen, sieben Grad. So die Vorhersage für Samstag zum Anstoß. Kommt wie ihr seid, zieht an was ihr wollt. Das, liebe Bayern, ist unser Wetter.

Ich hoffe jetzt, dass die Leverkusen-Taktik nicht zum Vorbild genommen wird, nochmal werden die Bayern sich nicht selbst schlagen. Stattdessen gehe ich davon aus, dass Fink selbstverständlich das Video von der ersten halbe Stunde vom letzten Heimspiel gegen die Bayern vorspielen wird. Die besten dreißig Minuten der letzten Saison. Also mutig und offensiv die wackelige Bayern-Abwehr unter Druck setzen. Von der ersten Sekunde an.

Und dann wird es höchste Zeit, das Lied der Bayern-Krise anzustimmen. Wofür heute bekanntlich schon das eine oder andere nicht gewonnene Spiel ausreicht, unterstützt durch berechnende und unberechnende mediale Bedienung der Leitungsebene.

Krise. Manche wird also überzeichnet, mancher findet den Weg heraus. Andere wiederum dürfen es gar nicht merken: Den 11Freunden  scheint von den überstellten G+J-Projekt-Verantwortlichen eingetrichtert zu werden: Ganz ruhig, et läuft. Die Bayern hingegen standen im Herbst 74 noch ganz anders zu diesem Begriff:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41599812.html

Udo Lattek wurde also als amtierender Deutscher Meister und Europacupsieger seines Amtes enthoben, es folgte mit dem Professor, der gerade begonnen hatte, als Nationaltrainer in den USA Entwicklungshilfe zu leisten, ein ganz anderer Trainer-Typ: Dettmar Cramer. über den seine Frau sagte: "Der redet über Fussball, bis auch der Letzte am Boden liegt." Er durfte knapp drei Jahre bleiben, brachte die Bayern in der Liga aber nicht wieder in die Spur, es blieb auch 76/77 nur der Kampf um den letzten UEFA-Cup-Platz, der am 01.04.77 nach einem leistungsgerechten Ergebnis im Volkspark schon verloren schien.

28. Spieltag 76/77

HSV - Bayern München 5:0

HSV: Kargus, Kaltz, Ripp, Nogly, Hidien, Zaczyk, Magath, Memering, Steffenhágen, Reimann (58. Keller), Volkert, Coach: Kuno Klötzer

Bayern: Maier, Andersson, Beckenbauer, Schwarzenbeck, Gruber, Horsmann (63. Kirschner), Roth, Kapellmann, Torstensson (67. Önal), Künkel, Rummenigge, Coach: Dettmar Cramer

1:0 Zaczyk (19.), 2:0 Reimann (22.), 3:0 Memering (55.), 4:0 Volkert (67.), 5:0 Steffenhagen (73.)

Zweieinhalb Wochen zuvor trennten sich die Wege der beiden Kontrahenten im Europacup. Im Viertelfinale des Pokalsieger-Cups erreichte der HSV souverän gegen MTK-VM Budapest das Halbfinale, nachdem in der Runde zuvor die so stark eingeschätzten Schotten von Heart of Midlothian bezwungen wurden. Das Fachblatt titelte am Donnerstag nach dem Hinspiel im Volkspark noch "Reicht das 4:2?", im Bewusstsein, dass die Hearts in der ersten Runde noch Lok Leipzig mit 5:0 aus ihrem Tynecastle schossen,  doch die Mannschaft setzte manche Ansicht von Peter Krohn, "Wir müssen auswärts nicht schön spielen. Unsere Trikots sind schön genug.",  nicht um, und ließ in Edinburgh ein 4:1 folgen. Trotz bereits tiefer Gräben zwischen Krohn und Klötzer und einem 1:3 im Halbfinalhinspiel bei Atletico Madrid, wurde das Rückspiel nach einem frühen Sturmlauf 3:0 gewonnen, im Finale gegen Titelverteidiger RSC Anderlecht dann der erste Europacupsieg nach Toren von Volkert und Magath eingefahren. Kuno Klötzer bleibt nach Happel, mindestens auf einer Ebene mit Branko Zebec, der verdienteste HSV-Coach.

Im übrigen hätte er fast noch den Club-Abstieg 69 verhindert, einzig, er kam zu spät. Sechs Spieltage vor Ende übernahm er den Tabellenletzten, gewann gleich dreimal, dann zwei Remis, schließlich der Abstieg nach einem 0:3 in Köln. Im Team mit Zaczyk und Volkert. Und mit wem noch? Mit dem erfolgreichsten Dänen der Bayern-Geschichte. Der nach dem Club-Abstieg noch ein Jahr in der Regionalliga spielte, dann zu den Bayern wechselte, um je dreimal Meister und Europacupsieger zu werden: Johnny Hansen.

Dabei zweimal Europacupsieger mit Dettmar Cramer. Denn so schlecht es in der Bundesliga lief, so erfolgreich blieben die Bayern international, auch wenn sie sich durch einige Runden irgendwie mogelten. Noch unter Lattek musste 73/74 in Atvidaberg nach einem 1:3 das Elfmeterschiessen herhalten und zum Dank wurde kurze Zeit später der beste Schwede, Conny Torstensson, verpflichtet, der im weiteren Verlauf des Wettbewerbs für die Bayern gegen Ajax-Bezwinger ZSKA Sofia und im Halbfinale gegen Ujpest Budapest jeweils zweimal traf. Im nächsten Jaht genoss Torstensson landsmännische Unterstützung durch Björn Andersson , der beim knappen Weiterkommen gegen Ararat Eriwan (2:0,0:1) erstmals international für die Bayern spielte. Im Finale gegen den häufig überhart auftretenden Englischen Meister Leeds United trat ihm der Waliser Terry Yorath kurz nach Anpfiff das Knie kaputt, sodass er erst ein knappes dreiviertel Jahr später wieder auf dem Platz stehen konnte.

Nach dem dritten Cup-Sieg in Folge, 76, traf man dann im Folgejahr im Viertelfinale vor dem Liga-Auftritt beim HSV auf Dynamo Kiew und eine Ära wurde beendet. Das 1:0 im Hinspiel reichte nicht,
obwohl wir ein absolutes Novum erleben durften. Sepp Maier hielt einen Elfmeter. Als Peter Gruber seinen Gegenspieler Oleg Blochin einmal mehr nur durch Foul stoppen konnte und Blochin selbst gegen Maier verlor. Kurz vor Spielende konnte Maier einen zweiten Elfmeter dann nicht mehr stoppen und obendrein führte ein Freistoss, wieder Gruber an Blochin, wenige Augenblicke später zur Entscheidung.

So musste zumindest ein UEFA-Cup-Platz her, es wurde am Ende Platz sieben. Was aber reichte, weil der HSV als Sechster den Europacup gewann und der Fünfte den DFB-Pokal, der 1.FC Köln.

Und sonst? Der Philosoph mit der linken Klebe: Udo Horsmann. Was Mao für Breitner war Seneca für Horsmann. Der etwas andere linke Verteidiger ackerte acht Jahre für die Bayern, bis er 84/85 den Club wieder in die Bundesliga führen wollte. Der Club stieg tatsächlich auf, befand sich jedoch erst nach der Oktoberrevolution 84, die von Präsident Schmelzer niedergeschlagen wurde, auf dem richtigen Weg. Denn nach durchwachsenem Start und Unstimmigkeiten über die Methoden von Coach Heinz Höher boykottierte die Mannschaft das Training, woraufhin die ausgemachten Rädelsführer, die erfahrenen Udo Horsmann, Rudi Kargus, Horst Weyerich und Stefan Lottermann, dazu die jungen Manfred Walz und Detlef Krella, fristlos entlassen wurden. Das erste Spiel danach wurde zwar noch verloren, als Höher ein Team mit einem Durchschnittsalter von 20,4 ins Rennen schickte, doch die jungen Wilden um Dorfner, Reuter, Eckstein und Grahammer wurden am Ende fast sensationell Zweitligameister.

Viele Jahre später wurde Udo Horsmann wieder von den Bayern engagiert, als Schreiner für Borde.

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.udo-horsmann-schreinert-fuer-...


So, ihr Bayern. Ihr wisst noch gar nicht, wie steif die Brise für euch wird am Samstag im Volkspark. So warm könnt ihr euch gar nicht anziehen. Wir gewinnen, keine Frage.

mehmetwirdankendir Offline
Dabei seit: 19.12.2010

Bitte, Bitte, Bitte, Bitte, Bitte, Bitte, Bitte mach so weiter, trotz Relaunch, trotz der ganzen Scheiße hier. Auch wenns gegen Bayern ging: Wie immer unterhaltsam und einnehmend. Vielen Dank!

bsg Offline
Dabei seit: 18.11.2010

Dem Wunsch schließ ich mich zu 110% an.

Auch wenn du diesmal wahrlich schwitzen musstest, da man die Box nicht mehr groß ziehen kann . . . sollten wir uns jemals über den Weg laufen, ich müsste dich in Bier bezahlen für die Unterhaltung, die ich hier geboten bekomme.

alterzabo Offline
Dabei seit: 18.02.2010

schließe mich dem Lob und Dank vollumfänglich an.

Hansen hatt ich überaupt nicht auf der Platte, Gnade der späten Geburt.

Aber an den Spieleraufstand kann ich mich noch gut erinnern, der hat in Nürnberg über das rein sportliche hinaus damals für großes Aufsehen gesorgt, gab es eine solche Ungeheurlichkeit doch bis dato nicht. Weyerich war neben Horsmann auch ein Typ, den die linke Szene gerne für sich vereinnahmen wollte. Aber die Achtziger waren keine Zeit mehr für Revolte, wie wir auch aus anderen Bespielen wissen.

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

Danke für die Rückmeldungen. Geschichten hat die Liga ja zur Genüge zu erzählen, doch etwas längeres in das kleine Textfeld zu kritzeln, ist schon sehr mühsam. Würde mich nicht wundern, wenn das Textfeld demnächst auf 40 Zeichen begrenzt wäre, und man müsste sich weitere Zeichen erst durch Klicks erkaufen. Quasi personal clickrate for lettercredits, oder wie auch immer sie es nennen würden, also ist klar, moderne Bindung der community.

Unmöglich? Ich halte nichts mehr für unmöglich. Aber gut, ich will jetzt nicht wieder aufregen.

Ich habe mich auch nicht allzu sehr über das HSV-Spiel aufgeregt, die Niederlage muss man akzeptieren. Fink hatte die Taktik umgestellt. Grundsätzlich bin ich kein Freund davon, die Taktik derart eklatant für ein Spiel umzustellen, sowas geht auch meistens nicht gut. Und zeigt ganz deutlich, "wir richten uns nach dem Gegner und besinnen uns nicht auf unsere Stärken". Es kann ja nur für dieses eine Spiel vorgesehen gewesen sein, also Mittelstürmer raus, zusätzlichen Sechser rein, gegen den Ball van der Vaart als Spitze, dahinter Fünfer- und Vierer-Reihe, um im Mittelfeld mit Überzahl das Spiel der Bayern zu unterbinden. Das hat defensiv eigentlich funktioniert. Zwar wurden die Bayern mit jeder Minute dominanter, doch echte Gefahr strahlten sie nicht aus. Wie oft musste Adler in der ersten Halbzeit eingreifen? Einmal? Zweimal? Offensiv allerdings gab es mit dieser Taktik keinen Weg, keine Mittel, sodass ich schon früh dachte "geht es gut, wird es bestenfalls ein 0:0, oder wir würgen doch irgendwie einen Standard rein". Das Gegentor vor der Pause hatte mit der Taktik nun nichts zu tun, Konter nach eigenem Eckball, zweimal nicht in den Zweikampf gegangen. Da muss man den Konter verhindern und die Gelbe Karte mitnehmen.

Und dann wieder Umstellung zur zweiten Halbzeit. Da wird das Team eine Woche auf die neue Taktik vorbereitet, die dann wieder umgeschmissen wird. Haben sie nicht hinbekommen, Unordnung auf dem Platz, dazu offenbar auch Kopfmüdigkeit, das Spiel war schnell entschieden. Wobei die Bayern in der Phase ihre Klasse gezeigt haben, das war eiskalt und unmissverständlich.

Beister und Son. Das hat mir gar nicht gefallen. Gepresst in diese Defensiv-Taktik, Position halten in der Fünfer-Reihe. Passt nicht. Zumindest phasenweise müssen sie von der Leine dürfen, um überhaupt mal die Chance zu bekommen, ihre Stärken zu zeigen.

Bei Bayern war für mein Verständnis neben Mandzukic, der nur beschäftigte, ansonsten kaum einen Stich bekam, erneut Philipp Lahm der schwächste. Schon seit Monaten zu beobachten, dass er selten seine Normalform erreicht, was aber wenig auffällt, wenn das Team überzeugend gewinnt. Fällt die letzte Verteidiger-Bastion? Ich sehe ihn im übrigen als Linksverteidiger deutlich stärker als rechts.

Ok, Spiel abhaken. Wir hatten einen katastrophalen Saisonstart, jetzt wieder zwei Heimspiele in Folge verloren, und trotzdem nur drei Punkte Rückstand auf einen CL-Platz. Unfassbar, wie ausgeglichen die Liga ist.

mehmetwirdankendir Offline
Dabei seit: 19.12.2010

Ich sehne mich deiner..

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

Jaja, Real Madrid. Wird es nicht mal wieder Zeit, dass die Königlichen, sorry, die Galaktischen, sich mit dem HSV messen sollten? Man mag es kaum glauben, aber das Duell gab es erst einmal im Europacup, auf dem Weg ins Landesmeister-Finale 80. Pirri, Camacho, Stielike, Juanito, Santillana. Sie waren vielleicht noch nicht die Galaktischen, auf jeden Fall die Königlichen, aber vor allem eines: chancenlos. Das 5:1 im Volkspark setzte Maßstäbe. Tja, das einzige Duell. Haben die Glück gehabt, die Spanier.

Ok, ein klein wenig muss der HSV für ein neues Duell auch noch beitragen und endlich aufhören mit diesem "Wir sind nicht gut genug." vom Saisonbeginn oder diesem "Wir sind in diesem Jahr nicht besser als Platz 9" von dieser Woche, Thorsten Fink. Vielleicht mal bei Christian Streich in die Lehre gehen. der nie aufhört, zu erwähnen "Ohne Mut erreichst du nichts". Christian Streich. Bei dem sollten noch ganz andere in die Lehre gehen. Stichworte: ehrlich und authentisch.

Auch 00/01 konnte Real also dem HSV in der Champions League erfolgreich aus dem Weg gehen. Im Weg für den Champions-League-Platz der Vorsaison stand auch damals der SC Freiburg. Warum? Sie waren Bundesligist, kämpften wie alle anderen um Punkte und erwarteten am 18.03.00 im Dreisamstadion den HSV.

25. Spieltag 99/00

SC Freiburg - HSV 0:2

Freiburg: Golz, Müller, Diarra, Dreyer (82. Günes), A. Zeyer, Kohl, Ramdane (70,. Bruns), Weishaupt, Kobiashvili, Ben Slimane (56. Sellimi), Iashvili, Coach: Volker Finke

HSV: Butt, Hertzsch, Hoogma, Panadic, Groth, Gravesen, Kovac, Cardoso (88. Ernst), Mahdavikia (46. Doll), Präger, Bäron (71. Fischer), Coach: Frank Pagelsdorf

0:1 Cardoso (27.), 0:2 Cardoso (53.)


Der Sieg ließ die Hoffnung lebendig, die Bayern und die Leverkusener noch einzuholen, doch es blieb am Ende bei Platz drei. Vierter wurden im übrigen die Sechziger, mit Torschützenkönig Martin Max, mit Marco Kurz, mit Weltmeister Icke Häßler und den Deutschen Meistern Harald Cerny und Ned Zelic. Die in der Champions-League-Quali auf Leeds United, gecoacht von Gunners-Legende David O`Leary, trafen, mit 1:2 und 0:1 unterlagen, während Leeds bis ins Halbfinale vordrang und dort an Valencia scheiterte.

Was haben die Sechziger und Leeds gemeinsam? Sie stiegen 2004 aus ihren ersten Ligen ab, Leeds zwischendurch sogar in die dritte Liga. Beide Legenden wissen: Der Weg zurück ist mühsam.

Immerhin sind sie Legenden. Das wäre Jörg Butt beim HSV sicher auch gerne geworden. Er war auf dem besten Wege dahin, doch mit seinem späteren unrühmlichen Wechseltheater machte er sich vieles kaputt. Er war in jener Saison bester Torschütze beim HSV, neun Tore gemeinsam mit Präger und Yeboah. Neun Elfmetertore, zudem hielt er vier von fünf. Von 98 bis 06  konnte er sich in jeder Saison als Elfmeter-Torschütze auszeichnen, insgesamt 26 Bundesligatore. Dieser Rekord wird auch die nächsten 50 Jahre noch halten. Am meisten freute er sich allerdings auf alte Damen. Denn in der Champions League traf er für drei unterschiedliche Clubs gegen Juve. Für den HSV beim 4:4, für Leverkusen im Finaljahr in der zweiten Gruppenphase beim 3:1 zum wichtigen 1:0 und dann natürlich für die Bayern. Die 09/10 das letzte Gruppenspiel in Turin gewinnen mussten und Butt mit dem Ausgleich die Wende einleitete, damit van Gaal rettete und den Bayern die ganze Saison.

Und wer holte Butt zum HSV? Frank Pagelsdorf. Ein Typ. Schnörkellos, häufig mürrisch dreinblickend, großes Herz, Gerechtigkeitsfanatiker. Mit seiner Art könnte der Hannoveraner (!) sich auch als Holsteiner qualifizieren. Nach seiner Spielerkarriere orientierte er sich dann streng an George Foremans Weisheit "Habe mal zwei Wochen Diät gemacht. Das einzige, was ich verloren habe, waren zwei Wochen." Aber er war ein richtig guter Fussballer, technisch starker Mittelfeldstratege, mit häufig verzweifelter Leidenschaft. Akteur des vorletzten zweistelligen Ergebnisses der Bundesliga-Geschichte, als er Bielefeld im Westfalen-Stadion in Führung schoss und sein Keeper Olli Isoaho nach einem 1:1- Halbzeitstand nach der Pause zehn Treffer kassierte. Fünf Gegentreffer von Manni Burgsmüller, der als viertbester Bundesliga-Schütze aller Zeiten nur drei Länderspiele vorweisen konnte. Allesamt vor der WM 78, der Lange nahm ihn jedoch nicht mit. Er war schlichtweg zu unbequem, kritisierte die Lage um die Militärjunta in Argentinien, welche damals von den Medien fast gar nicht beachtet wurde. Da half Helmut Schön die Begründung für die Nicht-Nominierung des 19-jährigen Karlheinz Förster ("zu jung") eine ebensolche gegen Burgsmüller zu finden: "zu alt". Und konnte so das zweite Alt/Jung-Thema elegant lösen, zwischen dem schönen (aber nicht studierten Bock) Hansi Müller und Opa Beer: Er nahm beide.

Nach der 11:1-Saison in Dortmund zog Manni Burgsmüller weiter: Zum Club. Er forcierte, dass auch Rüdiger Abramczik folgte. Doch letztlich reichte es nicht, was auf dem Platz geboten wurde. Abgeschlagen stieg der Club ab.

Und weil wir nun auf Tuchfühlung bleiben wollen, gibt es keine Wahl. Drei Punkte aus Freiburg. Scharner wird spielen. Für Mancienne. Ich bin gespannt.

Was bleibt? The last dance?

http://www.youtube.com/watch?v=5aR4wULbPOs&feature=related

littledesaster Offline
Dabei seit: 19.05.2012

Trifon, vielen Dank für eine erneut sehr lebendig geschilderte Geschichte aus der reichhaltigen Historie des HSV. Und des Fußballs. Dein Fred ist definitiv einer, den es hier noch zu besuchen und zu verfolgen lohnt. Keep going, please!

zance Offline
Dabei seit: 03.08.2011

Trifon, Klasse Abriß und danke für das Foremanzitat. Deine Artikel lassen mich den HSV immer aufmerksamer verfolgen.

Redondo71 Offline
Dabei seit: 19.11.2008

Sehr, sehr informativ und lesenswert - wie immer! Der Rückblick auf die taktische Ausrichtung von letztem Samstag (und die Kehrtwende) bringt´s auf den Punkt.

Wie alt war Manni Bürgsmüller denn 78? Google sagt, dass er in diesem Jahr 29 wurde (Erich Beer wurde 32). Bemerkenswert, dass ein "echter Typ" wie Burgsmüller, nach denen sich heute doch alle sehnen, in den 70ern wegen Individualität, Unangepasstheit und eigener Meinung nicht berücksichtigt wurde. Lag sicher auch am "Langen".

Laut Kicker feiert Aogo sein Comeback in der Startelf; darf man auch drauf gespannt sein, wie auf das Debut von Scharner. Bei Freiburg fehlen mit Ginter und Flum zwei wichtige Spieler, daher könnte es für einen Punkt des HSV reichen,

Hotte80 Offline
Dabei seit: 11.07.2007

Pffff... Kackarsch!

Redondo71 Offline
Dabei seit: 19.11.2008

Mag ja sein, dennoch halte ich Freiburg für die bessere MANNSCHAFT, und der HSV kann auch nicht wieder so ein unglaubliches Glück haben wie im letzten Jahr, als er mit dem erfolgreichsten Trainer der Vereinsgeschichte ein 2:1 errang.

Die Siege in Augsburg und Fürth waren schmeichelhaft, diesmal reicht es halt höchstens für einen Punkt.

littledesaster Offline
Dabei seit: 19.05.2012

Mein Tipp sacht 1:1 - also hat Redondo Recht!

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

Ihr macht mich fertig.

Nun ja, gewinnen, verlieren. Mal gewinnt man, mal verliert man. Ein ganz normaler Vorgang. Vielleicht nur nicht für die Bayern, bei denen eine Niederlage gleich eine hausgemachte Staatstragödie auslöst. Trotzdem. War das heute nun ein gewonnener Punkt oder deren zwei verlorene? Ich weiß es nicht und bleibe in meiner unwirschen und ungewohnten Unschlüssigkeit. 

Es war ein starkes Spiel vom HSV. Erstmals seit Wochen wieder von Beginn an entschlossen und konzentriert, zudem hoch und aggressiv agierend. Damit kamen die Freiburger überhaupt nicht klar, machten viele ungewohnte Fehler im Aufbau. Es fehlte nur die Effektivität, das Tor. Die Doppelchance Son und Beister hätte das typische Tor des Tages sein können.

Scharner? Er hat in den 35 Minuten wohl mehr geredet als Mancienne in seinen ganzen Einsätzen zusammen, hat zu Beginn richtig gut zum Spiel beigetragen. Umso dusseliger die Aktion zu Gelbrot, zumal gar nicht notwendig. Er kommt wieder und wird noch helfen.

Müßig, zu philosophieren, was gewesen wäre. Dann Beister zu opfern, war logisch, eine Kopfentscheidung. Hätte der Bauch entschieden, wäre er vielleicht geblieben, anstelle Sons. Denn Beister hatte besser ins Spiel gefunden, zwar gewohnt ungestüm, doch nach einer halben Stunde dachte ich noch "heute ist er dran, heute entscheidet er das Spiel."

Aber auch mit zehn Mann war der HSV ebenbürtig, ließ in der zweiten Hälfte nur drei Torchancen zu, wobei Westermann ein richtig gutes Spiel machte. Habe ihn häufig kritisch gesehen, doch zur Zeit ist er eine Bank und völlig zurecht im Nationalmannschaftskader. Auch Badelj und der sich in der zweiten Hälfte fallenlassende van der Vaart haben mich überzeugt, es fehlte einzig eine Offensivkraft für den enscheidenden Punch.

Drei Auswärtsspiele in Folge ohne Gegentor, immerhin. Wir werden erst am Ende sehen, ob wir diesen einen Punkt noch ehren können.

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

Tja, der Happel, aus bekanntem Anlass. Zitieren mag man ihn immer gerne: "Es gibt keinen besten Trainer der Welt. Es gibt nur gute und schlechte Trainer. Leider ist das Verhältnis zwischen gut und schlecht nicht optimal. Vielleicht 4:1 für schlecht.“

Nu ja, Fink? Gut oder schlecht? Ich bin bisher nicht zufrieden. Zu unmutig. Auch nach einem Jahr in Hamburg noch nicht angekommen. Seine Interviews, nein, die höre ich nicht gerne. Naja gut, vielleicht findet er noch den Weg.  Tuchel? Wenn ich jetzt an Mainz denke. Zu gewöhnungsbedürftig. Nein, falsch ausgedrückt. Ihm fehlt was. Etwas, was ihn mir sympathisch machen könnte. Dabei mag ich den Fussball, den er spielen lässt. Oder versucht, spielen zu lassen, und dabei aus seiner Mannschaft sehr viel herausholt. Gerade in den Heimspielen gelingt es immer mal wieder, wie schon in der letzten Saison, Spiele ganz früh zu entscheiden. Mit ganz hohem Spiel hält er das Geschehen von der eigenen, manchmal ziemlich wackeligen Defensive, fern. Was auswärts hingegen nur selten gelingt. Gut, in Bremen, da waren sie zeitweise sehr dominant. Aber, Bremen, wissen wir, müssen wir nicht drüber reden. Bezeichnend für die Mainzer Auswärtsschwäche, dass sie in Bremen tatsächlich noch verloren.

Ich mache mir keine Sorgen für den Samstag. Denn Mainz haben wir sogar mit einer ganz anderen Mannschaft geschlagen, am 29.01.05.

19. Spieltag 04/05

HSV - Mainz 05 2:1

HSV: Pieckenhagen, Schlicke (63. Benjamin), van Buyten, Reinhardt (75. Lauth), Klingbeil, Madavikia, Wicky, Beinlich, Moreira (46. Takahara), Mpenza, Barbarez, Coach: Thomas Doll

Mainz: Wache, Abel, Friedrich, Noveski, Rose, Gerber (70. Kramny), Babatz, Balitsch (66. N. Weiland), da Silva (78. D. Weiland), Teinert, Auer, Coach: Jürgen Klopp

1:0 Barbarez (32.), 1:1 Auer (40.), 2:1 Lauth (80.)

Mpenza. Lauth. Takahara. Durchpusten. Nein, reicht nicht. Naohiro Takahara, Der dritte Japanaer der Bundesliga, nach Kazuo Ozaki, in den Achtzigern fünf Jahre auf der Alm, dabei Vorreiter für heutige Modeerscheinungen, wie zu sehen,

http://www.nw-news.de/_em_daten/_nw/2010/10/14/101014_1708_ozaki.jpg

und, natürlich, nach Yasuhiko Okudera, Double-Gewinner mit Kölle. Double-Gewinner Kölle, Zeiten gabs, Konopka, Prestin, van Gool. Also Takahara, der dritte, und was für einer. Im Januar 03 zum HSV gekommen, als Japanischer Fussballer des Jahres, als Torschützenkönig und damit als Meistermacher des dritten und bis heute letzten Titels von Jubilo Iwata, zwischendurch sogar kurz bei Boca gespielt und getroffen. Jo. Seine Bilanz beim HSV: 97 Spiele, 13 Tore, mindestens 150 leichtfüßig vergebene Torchancen. Beim Erleiden der Letzteren fühlte ich mich stets den Ostafrikanern sehr nah, denn im Sinn hatte ich nur noch die Bedeutung seines Namens auf Kiswahili: Will kacken.

Naja, ok, Andere scouten Takashi Usami und behandeln den armen Kerl dann wie einen Braafheid.

Aber genau so wie die Bayern merkwürdig scouten, wenn es um junge, noch nicht übermäßig bekannte Spieler geht, haben die Mainzer mal jemand überraschend verpflichtet. Einen echten europäischen Star, Rene Vandereycken als Coach. 2000, ein Jahr bevor Klopp übernehmen durfte. Warum allerdings, verstehe ich bis heute nicht. Aber das ist unwichtig.

Vandereycken hatte die große Zeit des belgischen Fussballs mitgeprägt. Als der RSC Anderlecht von 76-78 in drei Jahren im europäischen Pokalsieger-Cup nur gegen den HSV verlor und zweimal den Cup gewann, spielte er beim FC Brügge, der in diesen drei Jahren, mit Happel, belgischer Meister wurde, 76 erst in den UEFA-Cup-Endpielen gegen Liverpool zu schlagen war. Nachdem Brügge in einem dramatischen Halbfinale tatsächlich den HSV, den kommenden Vizemeister und Pokalsieger, schlug, durch ein Eigentor von Kaltz kurz vor Schluss. Ein Jahr später besiegte Vandereycken mit Brügge im Landesmeistercup Real Madrid im Achtelfinale und traf dann auf die Gladbacher Fohlen, sah nach einem 2:2 in Düsseldorf schon wie der sichere Sieger aus, bis Udo Lattek im bis dahin torlosen Rückspiel kurz vor Schluss den Matchwinner einwechselte. Den 18-jährigen Wilfried Hannes, als Mittelstürmer, der tatsächlich eine lange Flanke an der Straufraumgrenze knapp vor Brügge-Keeper Jensen erreichte und so der Ball über die Linie trudelte.

77/78 war es dann Vandereycken selbst, der seinen Club ins Landesmeister-Finale schoss. Er entschied das Halbfinal-Rückspiel gegen Juve durch sein 2:0 in der Verlängerung im heimischen und heutigen Jan-Breydel. Gegner im Finale waren wieder die Reds, die im Wembley durch Kenny Dalglish 1:0 gewannen.  So musste Happel noch fünf Jahre warten auf seinen zweiten Triumph im Landesmeister-Cup.

Tja, und Vandereycken stand zwei Jahre später wieder im Finale. Im Finale der Europameisterschaft, die 1980 erstmals in einem richtigen Turnier ausgespielt wurde. Und er traf im Finale gegen Toni Schumacher, doch unser Hotte holte uns den Pokal.

Nebenbei: Belgien war für Deutsche eigentlich schon immer angenehm. Gerade in den 70ern. Drei Deutsche wurden dort Torschützenkönig, 70 Emma für Beerschot, ein Jahr später Erwin Kostedde für Standard Lüttich und, jaja, auch für Standard Lüttich sieben Jahre später Harald Nickel.

Der ganz große Erfolg blieb dem Rene also verwährt. Da wollte er zumindest noch mal in der Bundesliga spielen und heuerte so 86 bei Bernd Hoss an, bei Blau-Weiß 90 Berlin. Nun gut, 18 Punkte holte man und stieg ab. Immerhin erlebte er einen historischen Moment auf dem Platz. Er wohnte der Einstellung des höchsten Club-Sieges der Bundesliga-Geschichte bei, 7:2, zwar als Verlierer, ok, aber niemand kann immer gewinnen. Zuvor gewann der Club schon einmal 7:2, gegen die anderen Berliner, Tasmania 1900.

Wir werden am Samstag hingegen wieder erfolgreich sein. Rene hält, Rudi trifft.

Trifon Ivanow Offline
Dabei seit: 22.07.2009

Die Punkte sind im Sack, wir mischen weiter mit. Aber die Art und Weise, Junge Junge.

Mainz spielte erwartet hoch und machte das Feld sehr eng, doch ohne offensive Aggressivität. Die hatten Respekt, sah man schon an der Aufstellung, ein Kreativer geopfert, dafür mit Kirchhoff ein Innenverteidiger im Mittelfeld. Wirkte, als wollten sie auswärts unbedingt etwas mitnehmen, einen Punkt sichern mit wenig Risiko.

Tja, der HSV hatte den Schwerpunkt auch in der Defensive, der alles andere untergeordnet wurde. Er blieb tief, bei Ballbesitz langsames Nachrücken und bei Verlust schnellstens wieder in die defensive Grundordnung. So spielt man eigentlich, wenn ein Coach im Abstiegskampf neu übernimmt und man die letzten Spiele die Hütte voll bekam. Und nicht in einem Heimspiel gegen einen höchstens gleichwertigen Gegner, wenn der Saisonverlauf die Chance bietet, um die internationalen Plätze zu kämpfen.

So blieben die Offensivspieler auf beiden Seiten fast ohne Aktion, auch beim HSV, obwohl man doch hätte wissen müssen, dass die Mainzer defensiv Probleme bekommen, sofern man Druck erzeugt.

Und sie taten uns den Gefallen, dann doch noch den entscheidenden Fehler zu machen. Aber auch nur, weil uns der Linienrichter half. Beide jungen Linienrichter waren für mein Verständnis nicht überzeugend, machten Fehler bei Abseits- und Foulentscheidungen und konnten dem ebenfalls jungen Schiri, der mir eigentlich ganz gut gefiel, wenig helfen.

Aber das Tor hätte nicht fallen dürfen. War Abseits beim Pass von Badelj auf Beister zuvor, keine Frage. Und Beisters Strafraumball, den wollten die Mainzer einfach nicht haben. Gut nur, das Son ein Torjäger ist und durchlief, trotz geringer Chancen auf den Ball.

Ansonsten nur gut die Defensive, die den Mainzern keine wirkliche Chance zustand. Offensiv muss sich das Spiel jetzt aber wieder dringend entwickeln. So glücklich werden wir so schnell nicht wieder gewinnen.

Aber, Moment, warum eigentlich nicht. Wir greifen jetzt oben an, die nächsten Gegner sind auch nur Fallobst.

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