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The Doors Geschichte
ElBuitre11 Offline
Dabei seit: 26.11.2011

Wir sind hier am Besoffen Am Bierstand, nicht wahr. Irgendwie fehlt mir das.
Also sollte hier zum Gedenken an den großen Ray Manzarek ein Thread her, mein ich. ;-)

Zumindest bis hier eh alles geschlossen sei. Denn ich denke bzw. setze irgendwie vorraus, das jeder noch weiß wie sie oder er das erste mal Kontakt mit den Doors hatte und darüber was erzählen könnte.

Man sollte nicht gleich selbst anfangen, oder? Sorry.

Mein erstes Mal war über einen Freund der Zeugen Jehovas. Er hat mit den Nachbarschaftsjungen und mir immer aufs Garagentor eines der Nachbarn gekickt. Immer ohne Schuhe, immer der erste, der reingerufen wurde. So in den Pausen haben wir über den Alltag geredet, er über sein Verzicht auf nahezu alles, was damals Spass machte. Geschenke, Geburtstag, Weihnachten, Turtles und v,a, Musik. Meistens quatschten wir so mit versteckten Kippen aufm Buckel, er fraß saures Gras, um sich vor den Eltern nicht zu verraten und danach kickten wir weiter.
Er hat keinen glücklichen Eindruck gemacht, am meisten belastet hat ihn die aufgezwungenen Besuche in der Umgebung. Meiner Meinung nach konnte er weder mit der Religion noch mit diesen anstrengenden Pflichtbesuchen was anfangen und so kam er bei uns rum und wir quatschten lieber über Musik als über Scheißpapier, die Bibel, saurer Regen oder was sonst so anstand.
Er hat mir da auf ner BASF Kasette Doors vorgespielt. Vom Vadder geklaut, der die Dinger hütete wie der heilige Gral. Warum, ist ja klar. Mein damaliger Kumpel fand die Kassette im Haus und brachte sie rüber. Und wir hörten Ray Manzarek und es war diese unglaublich geile Mucke und auch die minimale Rebellion gegen den Quatsch, das den Moment zu dem machte. Der Kumpel haute ein paar Monate von zuhause ab, hab nie wieder was von ihm gehört, aber im Laden hab ich mir die The Doors, die allererste, gekauft. Und an das unfreie Leben gedacht und die Musik schätzen gelernt.

Mach et ma gut, Ray.

suppenteller Offline
Dabei seit: 05.07.2010
ElBuitre11 Offline
Dabei seit: 26.11.2011

Oh je, wundert sich die Internationale Linke noch, dass Orientierung, Lehren der Zeit abhanden gekommen sind, wenn man sich solcher Gelehrten annehmen muss? Diese Arroganz, das Aufbauen eines sich selbstgerechten Konstrukts auf einem einfachen Fehler, den jeder sehen kann und der durch seine Korrektur die ellenlange Schwafelei auf einen Absatz verkürzen würde?

".. denn diesen jungen Leuten war ihr Leben lang weisgemacht worden,
von Filmen und Büchern, vom Fernsehen und vom Radio, dass die Sixties die Zeit waren, aus der alles Wesentliche herrührte.."

Klar, das war sein erfundener, unerfahrener und junger Lehrling (ein allzu oft gelesenes Situatiönchen) vor unserer Zeit, aber es steht symbolisch für den großen Fehler seiner eingestaubten Gedanken: wenn ich Doors höre, meine Gefühle dabei habe, die ich nicht wie er als Allweisheit hinstelle (Lady Gaga, alter! Lady Gaga!), dann negiere ich nicht zeitgenössische Musik/Kunst, es gibt keinen Wertkomplex, den er für sein eigenen unbedingt zu pflegen braucht. Es ist ein zeitloses Gefühl, dass sich durch Generationen drängt und nicht eingeordnet werden soll und wird.

Von mir aus mag er sich an der Werbeindustrie abarbeiten, wie er es nur ganz kurz tut, um nicht den Moment zu verlieren, er habe die Zeit wirklich nachempfunden, er stehe auf diesem Podest, der es ihm möglich macht uns Unwürdigen zu erzählen, wie kulturlos wir seien, wenn wir uns an alte Musik erfreuen. Die ist sicher für jedes hohle Revival zu haben.

Wir, die einfach nur schöne, freie, gute Musikempfindung beim Hören empfinden, mögen eventuell keine Goldwaage daran legen?

Aber er darf alles:

"Denke ich heute an die Doors – an die unzähligen Male, die ich ihr Debütalbum abgespielt habe, an die paar Male,
die ich ihre späteren Alben abgespielt habe, an die Dutzend Male, die ich sie live auf der
Bühne erlebt habe –,
so erinnere ich mich vor allem an den aufregenden Kick, mich wie ausgewechselt zu fühlen,
wie ein völlig anderer Mensch.
Es war ein Gefühl, das Ian McEwan in »The Innocent« eingefangen hat, einem Roman,
der mit dem Fall der Berliner Mauer endet. Darin beschreibt er,
was ein junger Mann mehr als 30 Jahre zuvor empfand,
als er in Berlin zum ersten Mal »Heartbreak Hotel« hörte
und der Song für ihn »nichts als Einsamkeit und Verzweiflung zum Ausdruck brachte.
Seine Melodie kam auf leisen Sohlen daher,
seine Düsterkeit wirkte auf komische Weise übertrieben.
Das Selbstmitleid des Songs hätte Leonard eigentlich zum Lachen bringen müssen.
Doch es bewirkte etwas anderes: Er fühlte sich weltklug, tragisch, irgendwie größer.«"

Ich würde die Musik so nie beschreiben. In keinem offiziellem Text. Das ist alles zu speziell. In Hinsicht der Tatsache, dass er anderen versucht solch Empfinden madig zu machen, ist dieses Zitat entlarvend. Nur als Kind der 60er sei es erlaubt sowas zu empfinden.

Also läufts so: es gibt jemanden, der erzählt einem erstmal, warum man etwas lieber nicht macht. Dann erzählt dieser einem, dass er davon ganz viel Ahnung besitzt, weil er nämlich nen Grund hat Experte zu sein. Er belässt es dabei nicht mehr nur beim Tip, sondern beginnt schließlich damit es einem zu verbieten. Und fällt dann zurück auf seine Expertise. Hat damit seine Legitimation für all den Quatsch.

Vergessen wurde während all der Zeit: warum der andere das überhaupt gemacht hat.

Tut mir echt leid: dieser Text ist grauenvoll.

bataplummy Offline
Dabei seit: 28.10.2010

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