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Mit dem Herz in der Hand
ch_lohmann Offline
Dabei seit: 22.06.2014
“Gewinnen wir heute gegen Amerika?” Der grauhaarige Mann, der nicht nur
die Unterarme mit verblassten Knasttättowierungen zugepflastert hat, drückt
mit der linken Hand seine Zigarette aus und zündet sich mit der Rechten
gleich eine Neue an. Sein übergewichtiger Tischnachbar kratzt sich den
verschwitzten Nacken und rückt die fleckige Sparkassen-Schirmmütze zurecht:
“Vielleicht unentschieden”, entgegnet er unsicher und beißt von seiner
Leberkäs´semmel ab. Der Senf quillt auf allen Seiten heraus. Fußballfieber
sieht anders aus.
Die Dorfjugend dagegen pilgert schon am frühen Nachmittag Richtung
Festplatz. Ein Bierzelt ist noch vom Volksfest übrig geblieben und heute
Schauplatz der entscheidenden Partie gegen die USA. Ein DJ versucht dem
jungen Publikum mit Fußballschlagern einzuheizen: “Soooooo, und jetzt
probieren wir es nochmal. Alle, die irgendwie Deutschland sind, stehen auf!
Wir wollen ein Foto machen.” Der Gassenhauer “Fußball ist unser Leben”
dröhnt aus den Boxen und die Teens bleiben sitzen. Auch mit “You´ll never
walk alone” können sie wenig anfangen. Unter die Deutschlandtrikots
mischen sich schwarz-rot-goldene Tops und Miniröcke. Bauchfrei oder
Jahrgangsshirt der 10a ist angesagt. Fußball ist sexy. Fußball ist Party.
Die mit Lederhosen und karierten Hemden bekleideten Kellner kontrollieren
Personalausweise. Nur wer 16 ist, darf eine Maß bestellen. Als die
Aufstellung verkündet wird, ist das Gekreische bei “unserer Nummer fünf,
unserem Hübschen, dem Martin … äh … Matthias … ich meine natürlich
Mats” am größten. Bei der Nationalhymne stehen alle auf den Bierbänken.
Einige legen sich pathetisch die rechte Hand aufs Herz oder – wovon sie
schon seit der siebten Klasse geträumt haben - um die Schulter der
Klassenkameradin und singen voller Inbrunst mit. Wenn man gerade seine
Mittlere Reife bestanden und schon literweise Gerstensaft getrunken hat,
begeistert man sich schnell. Als das Spiel beginnt, beruhigt sich das Zelt
wieder. Ballzirkulation in Recife, an den Tischen zirkulieren die Maßkrüge.
Ich sitze am mexikanischen Tisch. Hier ist Currywurst Trumpf und das
Durchschnittsalter jenseits von Miro Klose. “Die spielen zu langsam”,
kritisiert ein Latino aus Veracruz grinsend und beißt genussvoll in seine
Wurst. Die Gespräche drehen sich um die Grillparty am Sonntag, wenn Mexiko
auf Holland trifft. Kaum einer hebt den Blick zur Leinwand, um die mehr oder
weniger intensiven Bemühungen der Spieler zu beobachten. Beim Halbzeitpfiff
ist das ganze Zelt erleichtert. Endlich pinkeln gehen! Das Spiel läuft schon
wieder mehrere Minuten, al s der DJ von Partymusik auf die einschläfernde
Stimme des ZDF-Kommentators umschaltet. Ich habe den Eindruck, die meisten
hätten lieber weiter “Fiesta Mexicana” gehört. Gelächter im Zelt, als
zwei US-Boys zusammenrasseln und liegenbleiben wie Kegel beim Bowling. Das
Spiel ist so aufregend wie ein vierstündiges Baseball-Match oder die
Drittelpause beim Eishockey. Als das 1:0 für Deutschland fällt, übergeben
sich die ersten Partygäste hinter dem Zelt. Im Geiste höre ich schon die
Interviews nach Spielende. Löw wird seiner Mannschaft “eine högschd
konzentrierte Leistung” attestieren, Kapitän Lahm sich x-mal über Kinn
und Hinterkopf streichen und den Teamgeist im Allgemeinen sowie das
Verschieben im Besonderen loben. Ob Deutschland Weltmeister wird? Nicht
einmal die höflichen Mexikaner fragen noch danach. Das deutsche Team hat
schon einmal mehr Angst und Schrecken verbreitet.
kevin luz Offline
Dabei seit: 05.02.2006

was ist das denn für eine gequirlte scheiße?

grantiggerd Offline
Dabei seit: 25.06.2014

ohne punkt und komma ;))