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"TSV 1488 München" vorerst verhindert
UrmelAusmEis Offline
Dabei seit: 04.01.2004
Weil über die Hintergründe der DFL-Bedenken gegen den vermeintlichen 1860-Investor bisher vergleichsweise wenig berichtet wurde, hier der Versuch einer Aufklärung.


Die Regularien der DFL bezüglich externer Investoren schreiben u.a. vor, dass

1.) über 50% des Eigentums an der Fußballabteilung in Vereinsbesitz bleiben müssen ("50+1"-Regel), weil nur damit auch eigentumsrechtlich sichergestellt ist, dass

2.) der Investor keine Einflussnahme auf die Vereinspolitik oder das oparative Geschäft nehmen darf. Sprich, der Verein (bzw. die Fußballabteilung) muss alle Entscheidungen vollkommen autonom treffen können.


Nun sind beim TSV 1860 München an nur einem Tag zwei Ereignisse zusammengetroffen: Ein Investor hat sich bereit erklärt, 7 Mio. Euro in die Fußballabteilung (KGaA) zu investieren, und es wurde mit Micky Stevic ein neuer Sportdirektor eingestellt.
So weit, so legal - könnte ja Zufall sein.

Da jedoch bekannt ist, dass Stevic und die Köpfe der Investorengruppe seit langem sehr enge persönliche Kontakte pflegen, die Schwarzer-Gruppe in den Medien sogar als der "von Stevic mitgebrachte Investor" bezeichnet wurde, muss man nur 1 und 1 zusammenzählen, um zu erkennen, dass der Investor mit der Installierung "seines" Sportdirektors direkten Einfluss auf die Politik der KGaA gehabt hätte. Nicht nur, weil der Sportdirektor einer von zwei Geschäftsführern der Abteilung ist, sondern auch, weil praktisch jede den Spielbetrieb betreffende Entscheidung über seinen Schreibtisch läuft.

Noch verfänglicher, dass Investor und Verein auf die Frage nach dem Masterplan unisono erklärt haben, die Investition der Schwarzer-Gruppe solle sich idealerweise über eventuelle Wertsteigerungen bei Spielertransfers rechnen.

Spätestens jetzt muss man doch Bauchschmerzen kriegen: Nicht, weil man vielleicht moralische Bedenken gegen den "Menschenhandel" im Profi(t)fußball hat. Sondern, weil die höchste Instanz der KGaA, die über Transfers entscheiden kann, Spezl derjenigen ist, die an den Transfers profitieren. Stevic könnte quasi Verträge mit sich selbst abschließen, er würde zwei Herren diesen, und nur er selbst wüsste, wessen Interessen er eigentlich gerade vertritt.

Genau das also, was die DFL verhindern will - und in meinen Augen verhindern muss.


Übrigens, am Rande: Sofern der Investor nicht innerhalb von x Jahren (ich glaube, x=2) seine Inverstitionen - natürlich plus Zinsen - zurückbekommen hätte, hätte der TSV seine Schulden durch die Übertragung von Anteilen an der KGaA tilgen müssen. Kalkuliert wurde, dass diese 7 Mio. - sofern 1860 zu dem Zeitpunkt in der zweiten Liga spielt - etwa 20% der KGaA entsprächen.

Damit könnte sich 1860 München schon in zwei Jahren nur noch zu rund 80% selbst gehören - für popelige 7 Millionen.
Daher auch das plötzliche Geschwafel vom "Aufstieg 2010". Nur als Erstligist glaubt der Verein, die 7 Mio. irgendwie wieder hereinholen zu können.
Absurd, dass die Löwenfans trotzdem alle über die böse DFL schimpfen und gar eine rote Verschwörung wittern!


Abschließend, weil oft der Vergleich mit den Bayern gezogen wird:
Als vor einigen Jahren adidas 10% der FC Bayern Fußball AG erworben hat, wurde dem neuen Miteitseigentümer ein Platz im Aufsichtsrat zugesprochen. Damit hat die adidas AG keine Möglichkeit, irgendwelche Entscheidungen des FC Bayern zu erzwingen oder zu blockieren.

Wenn überhaupt, dann sind die Vorgänge mit dem Versuch osteuropäischer Investoren zu vergleichen, CZ Jena zu "übernehmen". Auch dort sollte ein Teil der Entscheidungsgewalt beim Miteigentümer liegen.
madcynic Offline
Dabei seit: 24.08.2006
Kontra: Der SG Dynamo Dresden ist ein Darlehen von der Stadt gewährt worden. In den Bedinungen des Darlehens hat sich die Stadt auch das Recht gesichert, Personalentscheidungen abzusegnen. Dass die Stadt dieses Recht auch nutzt, lässt sich gut an der relativ langen Zeitspanne zwischen dem Finden eines neuen Hauptgeschätsführers durch den Verein und dessen Amtsantritt ablesen.

Die 50+1 Regel garantiert, dass der potentielle Investor nicht den alleinigen Einfluss auf den Verein hat - den Majorität bestimmt. Wenn 1860 20% der Anteile verkaufte, hätte der Verein immer noch 80% der KGaA in Eigenbesitz, wäre also immer noch allein beschlussmächtig.

Die Übernahme in Jena scheiterte daran, dass seitens des Investors ein 2., gleichberechtigter Geschäftsführer gewünscht war, was die 50+1-Regelung unterlaufen hätte.
Aber es ist auch völlig unerheblich, da nicht die DFL Einspruch gemeldet hat, sondern der Verein von sich aus handelt, wie man (http://www.11freunde.de/bundesligen/117812hier) nachlesen kann.
UrmelAusmEis Offline
Dabei seit: 04.01.2004
"Wenn 1860 20% der Anteile verkaufte, hätte der Verein immer noch 80% der KGaA in Eigenbesitz, wäre also immer noch allein beschlussmächtig."

Aber ich hab oben doch explizit geschrieben, dass Stevic einer von 2 Geschäftsführern geworden wäre. Also:

"Die Übernahme in Jena scheiterte daran, dass seitens des Investors ein 2., gleichberechtigter Geschäftsführer gewünscht war, was die 50+1-Regelung unterlaufen hätte."