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Reaktionen auf den Artikel »Der große Red-Bull-Bluff«
11freunde Offline
Dabei seit: 19.01.2012

In der aktuellen Ausgabe von 11FREUNDE bezeichneten wir den Retortenklub RB Leipzig als »schallende Ohrfeige für die Fußballkultur«. Die erwartbare Folge: Schnappatmung in Leipzig. Ein Überblick.

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van Gool Offline
Dabei seit: 08.02.2010

Tadellose Artikel zum Thema - top.

Marketing at its best - in den Osten gehen, gucken, verführen, ins Bett schleifen, einmal kraftvoll durchnudeln, den Verein(sgedanken und 50+1) anschließend in die Tonne kloppen, den Werbe-Ramsch installieren und die beifallklatschende, desillusionierte Ost-Seele auf rechts drehen und in lauter kleine, seelig grinsende Litfaßsäulen verwandeln.

Endlich kann man mitspielen und, passend zum Thema, "heute bin ich König" ...

RBL ist 'ne Zumutung und Werbehure mit lauter kleinen Werbehuren im Schlepptau - auflösen und abschaffen.

Oder in einer separaten Liga spielen lassen, wo man sich mit seinesgleichen zusammentun und das geneigte Publikum bespaßen kann.

Und ja, dem Zufall überlässt RB garantiert auch hier nichts - wenn man sich den empörten, sachfremden und doch auch irgendwie verstörenden ... :-GRINS) ... Müll ansieht, der hier z.T. gepostet wird ... 

Nicht dass ich Vereinen wie Dresden, Aue, Cottbus, etc., etc., etc. groß anhängen würde, aber es sind VEREINE ... und auch aus dem Osten ... und eben KEIN beschissener Werberamsch.

  

         

markjaap Offline
Dabei seit: 13.06.2003

Also den Kommentar aus dem Blog vert et blanc als unqualifizirt zu bezeichnen finde ich falsch. Gerade die neueste Replik ist mir näher als der durchaus gut recherchierte Artikel zu RB. Ihr wolltet eine niveauvolle Debatte: http://vert-et-blanc.net/2014/they-cant-relax-with-modern-football/ - jetzt soll 11Freunde da antworten. Ich sympathisiere bestimmt nicht mit Leverkusen, Hoffenheim,Wolfsburg und RB Leipzig. Aber aufgrund mangelnder "echter" Fans kann man einem professionellen Fußballverein nicht die Existenz absprechen. Die Leverkusenisierung des des Bundesligafußball hat u.a. auch dazu geführt, dass viele sich in Stadien trauen und vor allem Väter mit Kindern gerne un doft hingehen.

Nach einem Jahr in Italien muss ich konstatieren, dass das eine gute Entwicklung, also ein guter Einfluss war. In ein Stadion wo man mit Kleingeld beworfen wird, wenn man zu nahe am falschen Block sitzt, geht kein Vater gerne mit seinem Sohn hin. Trotzdem darf man aber auch mal durchaus kritisch betrachten, wenn bei Wolfsburg-Leverkusen, also einem vermeintlichen Bundesliga-Spitzenspiel ein Drittel des Stadions leer bleibt, weil Retortenclubs keine Herzblutfans haben. Die Bundesliga lebt auch von der Stimmung - wieviele solcher hochprofessioneller und vor allem auf Marketing getrimmte Betriebs- und Produktclubs verträgt die Liga? Jetzt drei oder vier solcher Mannschaften in der Liga zu haben... okay. Aber dann noch RB Leipzig und dann noch...? Wollen wir eine Stadionkultur und wenn ja, wie bekommt man die trotz solcher Clubs auch in Zukunft derart stimmungsvoll hin. Die Frage ist berechtigt!

pepinio2007 Offline
Dabei seit: 13.09.2009

Wilkommen im Leben

Freunde der Südsee,

auch ich lese "Euer Schmierblatt" seit der Nr. 1 und freue mich immer noch jeden Monat , wenn ich es in meinem Briefkasten finde und wenn Ihr 3 Hefte mehr verkaufen könnt, gönne ich Euch dies von ganzen Herzen.

Bisher habe ich mich aus jeder Diskussion rausgehalten, da ich der Meinung bin, dass Berichte nie zu 100% objektiv sein können. Der RB Bericht ist vielen wohl zu direkt, grundsätzlich steht dort zwar nichts Neues, aber wohl auch nichts Falsches drin. Es ist so ein bisschen wie bei Hitzlsberger, dessen Outing zwar ausdrücklich zu begrüßen war, bei der folgenden Diskussion hat mich dann aber doch  der ganze Hype empfindlich gestört. Verwundert, dass man sich in diesen Zeiten und in diesem Land überhaupt zu Sexualität, Religion o. ä. bekennen muss, führte es dann dazu, dass Leute, die dieses Outing kritisch gesehen haben, als homophob oder was weiß ich beschimpft wurden. Manchmal kam es mir so vor, dass man sich entschuldigen muss, nicht schwul zu sein. Ich weiß natürlich, dass es nicht so ist, aber eigentlich dürfte dies alles heutzutage gar kein Thema mehr sein. 

Obwohl ich diese ganze Kommerzialisierung im Fußball alles andere als toll finde, frage ich mich die ganze Zeit, was so schlimm an RB sein soll? Zunächst gibt da ja mal jemanden, der viel Geld in die Hand und kalkulierbare Risiken in Kauf genommen hat. Auch der eine oder anderen Rückschlag wurde akzeptiert und dieses Projekt langfristig angelegt, mit dem Ziel viel kostenlose Aufmerksamkeit zu erzielen und bei Zielerreichung zudem viel Geld verdienen zu können. Wenn ich das richtig verstehe ist es Red Bull auch relativ egal wer, wann ins Stadion kommt. Niemand beklagt sich oder fällt gar dem Steuerzahler zur Last. Sehr konsequent! Einzig, dass man nicht weiß wohin Mateschitz wirklich will, verunsichert ein wenig - geht aber auch niemanden etwas an! Also alles ganz legitim, auch ein FC Bayern ist bereit für die Creme de la Creme der Bundesliga viel Geld zu bezahlen und hat sich damit für lange Zeit gesichert, weltweit eine Vormachtstellung im Fußball inne zu haben. Vor allem aber hat man dort geduldig und vernünftig gewirtschaftet und auch hier ist die Konsequenz die, dass man künftig sehr viel Geld verdienen wird, zudem weltweit hofiert wird und den nötigen Respekt entgegengebracht bekommt.

Bundesligisten, ob mit oder ohne Tradition, ob mit oder ohne Geldgeber, sind nun mal Wirtschaftsunternehmen in einer freien Marktwirtschaft. Vor 20 Jahren noch wie Trinkhallen geführt, haben alle aufgrund der Summen die im Umlauf sind schnell dazu gelernt und sich mittlerweile auch so aufgestellt. Wenn also Dein Verein absteigt, alle um Dich rum weinen und zetern, dass das nun wirklich unglücklich und nicht nötig war, überlegt sich irgendwo im Hintergrund ein Entscheidungsträger Deines Vereins, der Tradition für ein Marketingkonzept hält,  vor allem, wie er mit weniger Fernsehgeld zurechtkommen soll und die Abfindung für den kurz zuvor entlassenen Trainer aufbringen kann.     

Nun bekommt man seinen Verein ja nun mal in die Wiege gelegt und ich will auch nicht undankbar sein. Als Essener habe ich in Kindertagen tolle Aufstiegsrunden und die Bundesliga erleben dürfen, über das was danach kam, hüllt man lieber den Mantel des Schweigens. Eigentlich ein Verein dem es selbst in Liga 4 oder sogar 5 nicht an Fankultur, Originalität, Tradition und Unterstützung mangelt. Andererseits kann mein 12 jähriger Sohn damit so gar nichts mehr anfangen. Interessant zu beobachten was passiert wäre, wenn sich Herr Mateschitz entschieden hätte, Essen statt Leipzig für sein Projekt auszuwählen - ab wann hätten die Traditionalisten und Hardcore-Fans wohl angefangen beim "Adiole" statt RWE, RBE zu singen? Alternativ hätten aber auch die ortsansässigen Fa. EVONIK oder die RWE AG "Eier zeigen" und ein ähnliches  Projekt starten können, statt Leverkusen oder Dortmund die Kohle hinterher zu schmeißen. Einige hätten dann zwar Ihre Eitelkeiten hinten anstellen müssen, für die Bürger einer Stadt wie Essen, wäre dies jedoch ein Gewinn gewesen und meinem Sohn hätte ich wahrscheinlich kein Bayern oder Barcelona Trikot kaufen müssen. Wäre ich jedoch z. B. in Miami zur Welt gekommen, müsste ich stundenlang zum Baseball und nach 30 Jahren würde morgens wach und der Verein wäre einfach nach so z. B. nach Seattle verkauft worden.           

Ergo: Passt Tradition überhaupt noch in unsere Zeit und kann man sich das überhaupt leisten? Auch wenn es pervers klingt, müssten sich bestimmte Regionen nicht sogar bei Mateschitz, Hopp, VW oder Bayer bedanken, dass sie sich, warum auch immer, für Fußball interessieren und  Ihre erwirtschafteten Milliarden nicht irgendwo anders auf der Welt ausgeben? Fortschritt? Nein, eher Rückschritt in Richtung "Brot und Spiele", damit waren ja die Römer auch schon erfolgreich, nur dass sich nun die Finanziers privatisiert haben und deshalb auch besser auf Ihr Geld aufpassen. Gerne wird auch vergessen, dass genau diese Sponsoren stark in Nachwuchsförderung und Breitensport investieren. Ich werde leider das Gefühl nicht los , dass bei aller ehrbarer Kritik auch immer ein wenig Neid und Missgunst mitschwingt. Ich jedenfalls kann gar nicht anders als  neidisch zu sein. CR7 verliert 4:3 an der Hafenstrasse - wer will denn dann noch nach dem wie oder warum fragen?

Warum hören wir denn nicht auf den Fußball ständig unnötig intellektualisieren zu wollen und so unendlich wichtig zu nehmen? Weil es um viel Geld geht oder auch weil es übergreifend verdammt viel Spaß macht?!

Wer von uns hätte sich vor 20 Jahren vorstellen können, dass sich mal sowas wie "Fußballkultur" entwickeln könnte, aber die ganze Kommerzialisierung hat uns wohl Gott sei Dank da hingetrieben. und wenn nun eben die Fußballkultur kommerzialisiert wird, dann ist das eben so. Ich jedenfalls bin gerne bereit die Kösters und Redelings dieser Welt zu unterstützen  und auch auf meinem nächsten Argentinien Away Trikot wird Maradona stehen, aber ist das wirklich schon schützenswertes Kulturgut oder werde ich  jetzt alt und auf positive Art so ein Ewiggestriger, der sich nur noch an den verklärten Geschichten von früher erfreuen kann und stolz ist dabei gewesen zu sein, obwohl er in Wirklichkeit damals nur beiläufig davon gehört hat?!    

Ich weiß nicht, wann ich aufgehört habe Traditionen an Vereinen festzumachen, denke aber, dass muss wohl mit Sitzplätzen, Modefans und Sky zu tun haben. Samstags, autowaschend "Sport und Musik" mit neun Bundesligaspielen zu hören scheitert ja schon daran, dass dies heute öffentlich verboten ist und mit Sky Go am 33. oder 34. Spieltag in die Waschstraße zu fahren ist nun mal nicht das Gleiche und wenn wir ehrlich sind wollen wir das heute ja auch gar nicht mehr.  Heute holt man Samstags seine Kinder mit dem Auto von der Oma ab und hätte man mich 1973 gefragt, hätte ich das auch besser gefunden. Da ich 1953 und 1955  ja auch noch nicht auf der Welt war, ist Tradition für mich vor allem Geschichten über Typen wie Walter Frosch oder Nobby Fürhoff zu lesen, im Stehen Bier aus Pappbechern zu trinken und leckere Bratwürstchen im Gummibrötchen zu essen. Andererseits hat, bei dem heute üblichen Ballgeschiebe, so eine warme VIP Lounge auch Ihren Reiz, vor allem nachdem 6., 7. Pils und so ein fieser Herbstsamstag mit Sky ist auch nicht das Schlechteste.  

Bin auf dem besten Weg mich fußballerisch komplett zu neutralisieren. Da gewinnt eine mit 600 Mio. Euro verschuldetet Truppe aus Spanien bei einem, zur Religion hochsterilisierten "deutschen Meister der Herzen" mal eben 6:1. Für mich einfach nur ein netter Fußballabend, bei dem ich noch nicht mal Schadenfreude empfinden kann. Oder nennt man das schon Globalisierung? Es stört mich auch nicht mehr, wenn die Bayern im nächsten Jahr schon im Januar Deutscher Meister werden und ab Platz 2 die Abstiegszone beginnt.             

Also auch wenn die Hoffnung zuletzt stirbt, werden wir alle die Entwicklungen nicht aufhalten können, d. h. noch stromlinienförmiger, noch gefilterter, vorsichtiger, noch kommerzieller und vor allem noch weiter weg von der Basis. Leider wird es auch irgendwann keine lustigen Geschichten von früher mehr geben. 

Etwas abgedriftet, schwer frustriert, weiß ich mittlerweile gar nicht mehr was ich mitteilen wollte, ob ich jetzt für oder gegen Red Bull sein soll und warum sollte Manchester United nicht auch mal für ein paar Jahre in der MLS antreten, oder Angela Merkel am Sky Experten Tisch....Tolle neue Welt!

Aber by the way: Ein Bericht über den rot weißen "Jahrhundertspieler" ist längst überfällig!   

Gruß aus dem Pott

pepinio2007

 

Hrub Horstesch Offline
Dabei seit: 27.05.2013

Ah, mein Lieblingsthema Fußballkultur. Lustig find ich, dass die Fußballkulturrevolutionäre so empfindlich reagieren, wenn ihnen der Kapitalismus in diesem Sport so deutlich vor Augen geführt wird. Was unterscheidet RB Leipzig von AllianzAudiTelekomBayernMünchen, Gazprom 04, Bayer Leverkusen, Signal-Iduna-Lüdenscheid? Fußballkultur kann es erst wieder geben, wenn die Kuh gemolken ist, Europapokalspiele ohne hymnische Überhöhung stattfinden und keine blöden Ultras jede noch so langweilige Partie zur Sensation machen wollen. Im Tennis hat es nach Bobbele und Steffi nicht so lange gedauert, bis der Sport wieder denen gehörte, die sich für den Sport interessieren und nicht denen, die ihren Chauvinismus Wochenende für Wochenende zu Schau stellen müssen.