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tuberkulose Offline
Dabei seit: 27.09.2012

Du hattest dir natürlich noch ein bisschen was dazugereimt...gefährliche Weise ..Meinungsfreiheit..

rumpler Offline
Dabei seit: 10.12.2009

Korreliere doch jetzt einfach mal dein

Opfer einer Mehrheitsgesellschaft

und

Die Keule die ihr hier schwingt macht mich ein bisschen ratlos.

plus

... es auch übertrieben finden. Tu ich auch.

mit der mir und dem Geier unterstellten Wut und vermeintlichen Angst vor Minderheitendiktatur.

...

Nennst Du das dann ernsthaft Sensibilisierung für die vermeintliche Verletzung der Gefühle von MInderheiten?

Womit auch noch einmal mein Punkt herausgestellt wäre:

Ich werfe den hier (so schön verunglimpfend) als käsebleiche Hildesheimer*Innen betitelten "Störer*Inne*n nämlich zunächst einmal vor, gegen das Zitieren (!) einer Martin Luther King Rede (sic!) mit hysterischem Gekreische vorzugehen weil sie (und nicht die Minderheit) vermeintlich ihre Gefühle verletzt sehen und nicht die der durch sie ungefragt bemutterten Minderheit.

rumpler Offline
Dabei seit: 10.12.2009

Nur mal so eine Meinung:

Ich finde diese Diskussion überflüssig. Kein Wort ist per se ein Tabu-Wort. In der Zeit der Sklaverei, die in dem Film beschrieben wird, wurde nun mal auf diese Weise über Schwarze gesprochen. Wenn du diese Zeit authentisch darstellen willst, aber gerade dieses Wort meidest, ist das unehrlich.

von hier: http://www.berliner-zeitung.de/magazin/interview-mit-samuel-l--jackson-i...

ProfessorBolz Offline
Dabei seit: 30.12.2010

ich komm nicht mehr auf die letzte Seite.

Jetzt aber.

ProfessorBolz Offline
Dabei seit: 30.12.2010

Jetzt also doch Argumente...

Es waren aber einige Schwarze Personen anwesend, unter anderem auf dem Podium. Insofern ist das, was die Hildesheimerinnen getan haben eventuell solidarisch. Mal ehrlich, glaubst du ernsthaft die Position ist eine mit der man sich in dieser Gesellschaft profilieren kann? Selbst in linken Kreisen (wie die taz gerade beweist) gilt die konsequente N-Wort-Schreib-und-Sprechweise als radikal. Was spricht denn gegen Solidarität? Über die hereinrufenden betroffenen Personen beschwerst du dich also nicht?

Auf die MLK-Zitate wird in dem von mir verlinkten Artikel eingegangen. Kurz: auch er war kein Papst, und wurde viel für die Verwendung kritisiert. Außerdem unterscheiden sich die N-Worte im englischen und deutschen.

Zu deinem BZ-Link: Es geht nicht um Tabus, sondern um die bitte um Rücksichtnahme.

Der erste Teil deines Posts erschließt sich mir nicht. Bezweifelst du, dass Schwarze Personen in Deutschland, durch die Bank weg nahezu täglich Erfahrungen mit Rassismus machen?

rumpler Offline
Dabei seit: 10.12.2009

Bezweifelst du, dass Schwarze Personen in Deutschland, durch die Bank weg nahezu täglich Erfahrungen mit Rassismus machen?

Keineswegs.

Was spricht denn gegen Solidarität?

Nichts.

Über die hereinrufenden betroffenen Personen beschwerst du dich also nicht?

Sagen wir mal, deutlich weniger.

Auf die MLK-Zitate wird in dem von mir verlinkten Artikel eingegangen. Kurz: auch er war kein Papst, und wurde viel für die Verwendung kritisiert. Außerdem unterscheiden sich die N-Worte im englischen und deutschen.

Ganz genau. Und deswegen habe ich dieses Beispiel herausgesucht. Ich bin sicher, es gibt sehr viele Beispiele und Möglichkeiten die sog. N-Worte, also Neger/Nigger zu finden bzw. einzusetzen und es dürfte klar sein, dass sich dies im normalen Sprachgebrauch verbietet. Jedoch ist es doch entscheidend wichtig, ob dies als Zitat (Mr. Kings Buch), Provokation (Mr. King zu seiner Zeit, ein "Hiphoper" heute) oder z.B. in der Diskussion (s.o.) bis hin zur sprachlichen/literarischen/künstlerischen (Wörterbuch, Wikipedia, Astrid Lindgren, Ottfried Preussler, Quentin Tarantino) oder historischen Betrachtung geschieht.

Mir verschwimmen sonst insbesondere eben in jenen historischen und sprach(wissenschaft)lichen Diskursen durch solcherlei Zensur ganz klar Positionen und nicht zuletzt (oder vor allem?) auch die originalgetreue Wiedergabe von Quellen. 

Also kurz gesagt: PRO Rücksichtnahme aber CONTRA Tabus.

(und PRO Entspannung und Normalität aber CONTRA diametraler Positionierung, denn ganz am Ende der Kette sollte man vielleicht auch (falsch) erlernte Ausdrucksweisen und Sprachgewohnheiten nicht völlig außer Acht lassen, also Entwicklung zulassen anstatt revolutionieren zu wollen wo (noch) kein Rückhalt zu finden ist - siehe wieder Samuel L Jackson und dessen Aussagen zu seiner radikal-kämpferischen Vergangenheit die hier eben doch ganz gut passen denke ich)

suppenteller Offline
Dabei seit: 05.07.2010

2.) Gegen Leute, die historische Quellen und Kinderbücher (ver)fälschen wollen.

Kinderbücher darf man durchaus modernisieren, ist Literatur, die Ilias ist ja auch zigmal an die aktuellere Sprache angepasst worden. Gerade bei Kinderbüchern macht das noch viel mehr Sinn oder erwartet jemand von Neunjährigen eine kritisch-reflektierte Lektüre? Das funktioniert sicher bei Alexander von Humboldts Reiseberichten oä, aber das lesen wohl die wenigsten Kinder. 

Bei reinen historischen Quellen wird es allerdings lächerlich, mal auf die Spitze getrieben: Soll man die Reden Goebbels entschärfen, weil in denen Minderheiten unerträglich angegangen werden?

Das ist meiner Meinung nach auch eins der Kernprobleme dieser Art von Linken, die gesellschaftliche Probleme vor allem als linguistische begreifen wollen: Sie halten die Widersprüche nicht aus, sie lassen sich verrückt machen. Die Welt und ihre Sprache ist halt etwas komplexer, als eine Einteilung in "Weiße" und "People of Color", was zwangsläufig zu dichotomen Weltbildern von Gut und Böse führt. 

Ich scheiter aber auch schon daran zu kapieren, was daran besser wäre beim Zitieren einer M.L. King Rede statt dem Originalwort nun N-Wort oder andere Platzhalter einzufügen. Mag sein, dass mache Leute dies selbst in so einem Kontext verletzt (abseits davon sind sie sowieso nicht akzeptabel), aber die Benutzung von N-Wort macht das nicht? Jeder weiß dann doch sofort, dass eigentlich an dieser Stelle ein entsprechendes beleidigendes Wort stehen würde. Das ruft dann keine schmerzhaften Erinnerungen hervor? Die betroffenen Personen kann das dann einfach ausblenden, obwohl jedem sofort der Kontext klar ist? Was soll das denn für billige Küchenpsychologie sein?

rumpler Offline
Dabei seit: 10.12.2009

die Ilias ist ja auch zigmal an die aktuellere Sprache angepasst worden.

Homers Ilias kannte man allerdings nie als ein geschriebenes Werk sondern als eine mündlich überlieferte Dichtung, die sich durch bekannte Personen, Orte und Ereignisse in Verbindung mit einem festen Versmaß überliefert hat. Insofern liegt da natürlich ein permanenter Wandel im Sinne einer "Aktualisierung" nahe.

Aber das nur nebenbei. Ansonsten stimme ich Dir zu.

Warum nicht Martin Luther King zitieren und ihn dann "politisch Korrekt" oder sagen wir lieber zeitgemäß reflektieren?

Nehmt auch mal das Beispiel des allseits bekannten "Überpiepsen", welches man aus dem US-amerikanischen Rundfunk und Fernsehen kennt. Da wird meines Erachtens das gesagte (oder doch nicht gesagte?) geradzu pointiert.

ProfessorBolz Offline
Dabei seit: 30.12.2010

Aber es will doch niemand Quellen zerstören, die bleiben doch alle erhalten. Und klar wissen alle was King eigentlich gesagt hat (es war, soweit ich weiß, übrigens "Negro"). Das was der Moderator gemacht hat, ein Provokateur uiuiui, stößt vielen Schwarzen hart auf. Ich hab mal eine Liste gelesen von deutschen Büchern der letzten Jahre, die alle im Titel das N-Wort enthalten, obwohl es mit dem Inhalt offenbar wenig zu tun hat. Das wirkt, als Provokation, offenbar verkaufsfördernd. Der gleichen Methode ("Huahua, er hats schon wieder gesagt, geil") bediente sich Deniz Yücel, indem er Zitate verwendet die hochfrequentiert immer wieder diese Beleidigung beinhalten. Das ist Unterhaltung auf dem Rücken einer Minderheit ausgetragen.

Um mal die Atmosphäre darzustellen: http://www.taz.de/uploads/images/684x342/_WB_6057.jpg (wie hyperlinkt man hier nu eigentlich)

Ich finde das unglaublich und frage mich wie man da ernsthaft diskutieren will.

Hier auch noch der Briefwechsel, ausgehend von Frau Otoo, die auf dem Podium war und dann ging:

http://neu.isdonline.de/tazlab-2013-stellungnahme-seitens-der-taz-leitun...

Lest es euch doch mal unbefangen durch.

Mein Punkt ist, dass ausschließlich die Diskriminierten die Deutungsmacht haben sollten was diskriminierend ist, und ihnen dann vorzuwerfen sie übertrieben setzt die Diskriminierung nur fort und ist nebenbei ein beliebter Reflex eigene Privilegien (endlich) nicht mehr hinterfragen zu müssen, weil es ja die "Gegenseite" ist die diskursunfähig ist.

tuberkulose Offline
Dabei seit: 27.09.2012

Mein Punkt ist, dass ausschließlich die Diskriminierten die Deutungsmacht haben sollten was diskriminierend ist,

Gerade das halte ich für gefährlich und so nicht umzusetzen. Ein Widerspruch in sich, wenn man bedenkt, das in manchen Fällen nicht klar ist, inwiefern eine Diskriminierung vorliegt. Wie kann also der Diskriminierte(?) über deren Schweregrad entscheiden? Ich kann mich also jederzeit selbst in eine Opferrolle pressen mit der Begründung, es stünde niemandem anders zu, darüber zu urteilen. Man kann ja nicht davon ausgehen, dass jemand in so einem Fall, gerade wenn er Opfer von Diskriminierungen ist, die Angelegenheit immer objektiv betrachten kann.

Anders ausgedrückt kann natürlich jeder für sich selbst entscheiden, was er persönlich als diskriminierend empfindet. Nur kann man das persönliche Empfinden eines einzelnen nicht universell auf die Allgemeinheit übertragen.

ProfessorBolz Offline
Dabei seit: 30.12.2010

Nein, du hast recht, es geht nicht um einzelne. Es geht um diskriminierte Gruppen, Minderheiten. Und das ist soziologisch erstaunlich gut nachzuvollziehen.

tuberkulose Offline
Dabei seit: 27.09.2012

Aber wer bestimmt, wo diese Gruppen anfangen und aufhören. Und wer definiert sie?

Das funktioniert nicht. Ich kann mir doch nicht selber ein bestimmten Status einräumen, den ich mir selbst zurechtlege und den nur ich definieren kann. 

rumpler Offline
Dabei seit: 10.12.2009

Das ist Bild im Hintergrund ist übrigens der Titel einer Satire(!) Zeitschrift.

Der Blog von Frau Otoo ist halt genauso einseitig wie Yücels Kolumne.

Ein paar Kritikpunkte meinerseits in Kürze:

- warum sich unter 1.) über "kein Horar" beklagen, später dann sagen, man wolle ja gar keins aber wenigstens eine Entschädigung für die notwendige Kinderbetreuung (die es ja dann auf nachfassen auch gab). Für Teilnahme auf Podiumsdiskussionen sollten keine Honorare bezahlt werden (außer natürlich an Steinbrück).

- die mangelnde Vorbereitung auf Ihre person scheint mir etwas empfindlich beurteilt. da sie schlecht erreichbar zu sein scheint (wie sich ja auch aus dem briefwechsel mit der pohl ergibt), könnte man auch proaktiv ein vita-papier einsenden (ist m.e. eine normale vorgehensweise, so kenne und handhabe ich das jedenfalls)

- die schärfste inhaltliche kritik ihrerseits lese ich aus der tatsache heraus, dass während einer diskussion über den gebrauch böser n-worte eben diese n-worte zitiert und sogar auf powerpoint-folien eingeblendet werden.

- warum auf die eingeräumte möglichkeit einer gegendarstellung (übliche vorgehensweise im blätterwald) zunächst beleidigt verzichten und dann doch wieder zustimmen?

also ganz ehrlich, ich lese viel entgegenkommen und entspanntheit der taz-seite und viel beleidigtsein und etwas koketterie auf seiten frau otoos

tja, und die deutungsmacht für die grundlage einer debatte einer einzigen seite zu überlassen halte ich für nicht besonders zielführend im sinne einer weiterführenden diskussion.

rumpler Offline
Dabei seit: 10.12.2009

Zur Aufheiterung des Threads hier mal was schöneres:

http://www.welt.de/geschichte/article115695555/Das-Eiserne-Kreuz-ein-deu...

ProfessorBolz Offline
Dabei seit: 30.12.2010

Aber wer bestimmt, wo diese Gruppen anfangen und aufhören. Und wer definiert sie?

Nenn mir doch mal ein Beispiel, das deutlich macht, dass wir hier wirklich ein Problem der Grenzziehung haben. Ich halte das für ziemlich praxisfern.

Das ist Bild im Hintergrund ist übrigens der Titel einer Satire(!) Zeitschrift.

Richtig, und niemand will denen ihre Satire verbieten. Ich sehe ich jetzt aber ein, dass du einfach nicht verstehst, dass der Kontext in dem ein beleidigendes Wort genannt wird, für die Beleidigten egal ist um sich beleidigt zu fühlen (die fühlen sich ja nicht absichtlich so). Ich fühl mich durch eigentlich gar nichts beleidigt, kann das aber sehr gut nachvollziehen. Und dass eine ernsthafte Diskussion unter Ignorieren der sich beleidigt fühlender Teilnehmer nicht möglich ist, hab ich bereits erwähnt.

rumpler Offline
Dabei seit: 10.12.2009

Ich sehe ich jetzt aber ein, dass du einfach nicht verstehst, dass der Kontext in dem ein beleidigendes Wort genannt wird, für die Beleidigten egal ist um sich beleidigt zu fühlen.

Richtig, da fehlt mir völlig der Zugang.

suppenteller Offline
Dabei seit: 05.07.2010

Um mal die Atmosphäre darzustellen: http://www.taz.de/uploads/images/684x342/_WB_6057.jpg

der Chefredakteuer der Titanic war auf dem Podium, aber mit Satire hast Du es ja scheinbar nicht so, selbst wenn sie einen hier (Roberto Blanco, die Verkörperung eines ewig grinsenden Sarotti-Mohrs) nur so anschreit. 

Nein, du hast recht, es geht nicht um einzelne. Es geht um diskriminierte Gruppen, Minderheiten. Und das ist soziologisch erstaunlich gut nachzuvollziehen.

Und die Minderheiten werden dann anhand dem bombigen Kriterium Weiße vs POC definiert? Das ist ja lächerlich und geradezu ein Minderheitenfetisch. Aber passt zu diesem Sprachpolizeigehabe, statt gesellschaftliche Strukturen anzugehen die Minderheiten erst produzieren, soll ein ewiger Eiertanz um den Sprachgebrauch gemacht werden, als ob dieser einer gesellschaftlichen Veränderung vorausgehen würde. Statt ethnische Zuschreibungen aufzulösen oder zumindest zu unterlaufen, soll jeder sauber in eine Schublade eingeordnet werden, die dann eben auch über die Wertigkeit seiner Debattenbeiträge entscheidet. Willkommen im Ethnozoo.

Dieses ganze durchschimmernde Täter-Opfer Schema hat was von irgendwelchen Antiimp-Gruppen aus den 70ern, als der Bewohner der "3. Welt" per se gut und das revolutionäre Subjekt war. Genau diesen simplen antikolonialen Gestus (ist ja scheinbar eh der Knackpunkt für alles: der europäische Kolonialismus (von anderen wird ja nicht geredet)) hat man jetzt halt akademisiert und Sprache ist auf einmal der Schlüssel zu allem. 

PS: während ich das schrieb, gabs schon neue Beiträge, entschuldigt die teilweise Redundanz.

giselher Offline
Dabei seit: 06.10.2009

... dass der Kontext in dem ein beleidigendes Wort genannt wird, für die Beleidigten egal ist um sich beleidigt zu fühlen (die fühlen sich ja nicht absichtlich so).

Wie wärs denn mal mit (temporär) "aushalten"? Zumindest im Rahmen einer Podiumsdiskussion, mithin einem öffentlichen Austausch divergierender Standtpunkte.

Und dass die Sprach-Diktatur nicht selten die Grenze zur Lächerlichkeit überschreitet, möge folgende Fundstelle belegen:

Denn als (er) im Abschlussplenum von Opfern des Rassismus sprach, wurde er mit Verweis auf »herrschaftssensible Sprache« von einer »kritischen Weißen« belehrt, dass es »negativ von Rassismus Betroffene« heißen müsse.

ProfessorBolz Offline
Dabei seit: 30.12.2010

Statt ethnische Zuschreibungen aufzulösen oder zumindest zu unterlaufen, soll jeder sauber in eine Schublade eingeordnet werden, die dann eben auch über die Wertigkeit seiner Debattenbeiträge entscheidet. Willkommen im Ethnozoo.

Wieso du hier ein Entweder-Oder konstruierst ist mir ein Rätsel. Und, suppe, du weißt ganz genau dass es hier nicht um einen Ethnozoo geht. Sag mir wo du das herausliest.

Niemand definert Minderheiten von außen.

Mit dem Begriff "Sprachpolizei" unterstellst du erneut, dass diejenigen die über Sprache nachdenken die Macht hätten (wie die Polizei) Abweichungen zu sanktionieren und das ist eben nicht der Fall.

Auch um Täter-Opfer-Schemata geht es nicht. Die, die sich selbst als Opfer definieren, und als Täter vor allem Strukturen ausmachen, anstatt, wie die Mehrheitsgesellschaft, ausschließlich kleinere Gruppen von Neonazis, diejenigen aktivieren sich um eben keine Opfer mehr sein zu müssen.

ProfessorBolz Offline
Dabei seit: 30.12.2010

Sprach-Diktatur

schon wieder. Ihr peilts nicht. IHR übt eine Sprachdiktatur aus, ihr sagt das alles MUSS unveränderlich bleiben und seid dabei locker in der Mehrheit.

giselher Offline
Dabei seit: 06.10.2009

IHR übt eine Sprachdiktatur aus

Nene, ich will eben gerade nicht, dass etwas verboten wird. Schon gar nicht - und darum gehts hier ja - das wörtliche Zitieren aus historischen Quellen, das spöttische Veralbern via Satire, die Wiedergabe des Absurden.

Oben (ich glaube von suppenteller) wurde es am Beispiel der Himmler'schen Reden schon mal deutlich: Wenn der von z.B. "Drecksjudentum" gesprochen hat und man dies heute auffem History-Channel dokumentiert, wird sicher der ein oder andere Jude zusammenzucken, Angstgefühle wieder hoch kommen lassen, beleidigt sein. Deshalb aber zu "überpipsen" (rumpler hat daraufhingewiesen), kann doch nicht die Lösung sein.

...und seid dabei locker in der Mehrheit.

Ist ja in einer Demokratie nicht das schlechste, sonne Mehrheit. Kann man auch als Minderheit mal anerkennen ...

suppenteller Offline
Dabei seit: 05.07.2010

Und, suppe, du weißt ganz genau dass es hier nicht um einen Ethnozoo geht. Sag mir wo du das herausliest.

hier konkret? nirgendwo. im gesamtbild dieser verschwurbelten post-strukturalistischen theorien aber überall. da wird ja auch kritik an barbarischen praktiken in verschiedenen teilen der welt zu rassismus und das man das als weißer etc gar nicht kritisieren könne und dürfe. purer kulturrelativismus.

Mit dem Begriff "Sprachpolizei" unterstellst du erneut, dass diejenigen die über Sprache nachdenken die Macht hätten (wie die Polizei) Abweichungen zu sanktionieren und das ist eben nicht der Fall.

habe gut gelacht beim lesen. ich habe diese strömungen in aktion erlebt, die können sehr wohl sanktionieren und macht ausüben, im kleinen rahmen, klar, aber das zu negieren ist ja wohl nicht dein ernst. allein der hinweis es heiße "negativ von rassismus betroffene" ist ein gutes beispiel für sprachpolizei. sorry, die welt ändert sich nicht ein stück, wenn akademikerblagen mit ihrem schlechten gewissen eine neue, zumeist lachhafte sprache einüben. das ist das rattenfängertum der postmoderne.

Auch um Täter-Opfer-Schemata geht es nicht. Die, die sich selbst als Opfer definieren, und als Täter vor allem Strukturen ausmachen, anstatt, wie die Mehrheitsgesellschaft, ausschließlich kleinere Gruppen von Neonazis, diejenigen aktivieren sich um eben keine Opfer mehr sein zu müssen.

Ja die AntirassistInnen dieser Welt haben nur darauf gewartet, dass ihnen jemand was über rassistische Strukturen erzählt. Davor gabs ja zuvor auch überhaupt kein Bewußtsein und keine Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft und ihrem Rassismusverständnis! Dieser Eifer mit dem behauptet wird, man habe hier das Rad neu erfunden, setzt ein ziemlich dickes Brett vorm Kopf voraus.

ProfessorBolz Offline
Dabei seit: 30.12.2010

Gisel, es geht nicht um Verbote, historische Quellen sollen nicht vernichtet werden und Satire darf alles. Ich gebs auf.

Und suppe, dass du jetzt mit Kulturrelativismus daherkommst, zeigt einfach in was für Klischees du denkst. Hat mit der Diskussion gar nichts zu tun.

Ich bin übrigens kein Akademikerblag und meine Sprache wurde von gewissen Diskursen geändert. Dass das nichts bringt bezweifel ich. Es ist zum Beispiel erwiesen, dass bei Berufsbeschreibungen typisch männlicher Berufe sich nach dem Lesen mehr Mädchen interessieren, wenn bei der Beschreibung geschlechtergerechte Sprache benutzt wird. Ein anderes Beispiel lieferst du selbst, indem du lakonisch schriebst man solle jetzt * statt _ machen, da so auch Personen einbezogen werden die sich keinem Geschlecht zuordnen (können). Ja, die gibt es. Tauchen in der Öffentlichkeit aber nicht wirklich auf. Kann man sich drüber lustig machen, aber frag die doch mal (gibt es auch interessante Blogs). Noch ein Beispiel, dass die Anregung man solle nicht mehr Selbstmord sondern Suizid schreiben, sich schon recht gut durchgesetzt hat, in Wechselwirkung mit der veränderten Stellung der Gesellschaft zu diesem Thema.

Was dein letzter Absatz sagen soll... kein Plan. Dass alles schon gedacht wurde? Wer sagt denn es wurde hier das Rad neu erfunden.

Ich will euch allen nicht unterstellen, dass es der alleinige Anlass für eure Auffassung ist, aber ihr habt alle miteinander echt schlechte Erfahrungen mit "Poststrukturalist*innen" gemacht, wa?

suppenteller Offline
Dabei seit: 05.07.2010

Und suppe, dass du jetzt mit Kulturrelativismus daherkommst, zeigt einfach in was für Klischees du denkst. Hat mit der Diskussion gar nichts zu tun.

Nein? So wie Stalinismus wahrscheinlich nichts bei einer Diskussion über den Realsozialismus zu suchen hätte.

Ein anderes Beispiel lieferst du selbst, indem du lakonisch schriebst man solle jetzt * statt _ machen, da so auch Personen einbezogen werden die sich keinem Geschlecht zuordnen (können). Ja, die gibt es. Tauchen in der Öffentlichkeit aber nicht wirklich auf. Kann man sich drüber lustig machen, aber frag die doch mal (gibt es auch interessante Blogs).

Man muss keineswegs jeden vorhandene Lebensentwurf mitdenken oder präsentieren, man muss ihn noch nicht mal kennen, um Ausgrenzungen zu verhindern. Mich interessiert auch gar nicht wie Transgender-Latinos mit einer Vorliebe für linksgedrehte Joghurtkulturen leben, ist mir schnurzpiepegal. Aber ich lass jeden sein Leben in all seinen Formen so leben, wie die das mögen, ohne es kennen oder mitdenken zu müssen. Aber ich streite für eine Gesellschaft, in der jede/r ohne Angst verschieden sein kann. Aber dafür braucht es etwas mehr als eine neue Sprachpraxis von ganz schwer betroffenen Leuten mit Minderheitenfetisch. Aber feier du ruhig, dass Mädchen jetzt auch Automechaniker werden, ein Riesenschritt auf dem Weg zur Emanzipation!

Und die Blogs? Kenn ich, findet man zb Perlen an Texten, in denen erklärt wird wie es ganz schlimm verletzend für Homos ist, wenn sich Hetero-Paare in der Öffentlichkeit küssen. Weil sie dann ja vorgeführt bekommen, dass sie das nicht so einfach können. Ich fühl mich schon ganz elend, ich privilegiertes Schwein. Bald fahre ich kein Auto mehr, denn das ist Rassismus. Denn wenn auch alle Chinesen auf einmal ein Auto hätten, würde unser Planet das nicht lange verkraften.

Ich will euch allen nicht unterstellen, dass es der alleinige Anlass für eure Auffassung ist, aber ihr habt alle miteinander echt schlechte Erfahrungen mit "Poststrukturalist*innen" gemacht, wa?

Genau, rein persönliches Problem von uns....

Es gibt kaum etwas, bei dem einen ein größeres künstlich aufgeblähtes, verschwurbeltes Gesabbel unter kommt, als bei der Lektüre von Büchern aus dieser Denkschule. Gehirnfick par excellence, aber immer mit dem ganz großen radical chic Gestus. Ich sagte es schon, wiederhole mich aber gerne: Rattenfänger.

http://www.elsewhere.org/pomo/  (F5 drücken für neue Perlen des PoMo-Sprechs) 

ProfessorBolz Offline
Dabei seit: 30.12.2010

Bald fahre ich kein Auto mehr, denn das ist Rassismus. Denn wenn auch alle Chinesen auf einmal ein Auto hätten, würde unser Planet das nicht lange verkraften.

Mit diesem Wissen weniger Auto zu fahren würde erst einmal reichen, denn das wäre vor allem auch eins: LOGISCH.

Aber dieses Beispiel zeigt ganz gut (auch dass mit den öffentlichen Heten-Performances, die widerum ja keiner verbieten will, sondern nur Bewusstsein schaffen. Ich hatte das vorher einfach nicht so auf dem Schirm.), dass wir uns hier wohl nicht näher kommen werden.

Ach ja und das mit dem Kulturrelativismus hab ich in dem Zusammenhang einfach nicht verstanden. Wenn es mich weiterbringt, erklärs mir doch kurz.

giselher Offline
Dabei seit: 06.10.2009

... aber ihr habt alle miteinander echt schlechte Erfahrungen mit "Poststrukturalist*innen" gemacht, wa?

Nö. Ich weiß nicht mal, ob ich überhaupt einen oder eine kenne. Aber darum gehts hier doch gar nicht.

Nochmals zum Ausgangspunkt: In einer öffentlichen Podiumsdiskussion versucht ein Diskutant (der Moderator), aus einer historischen Quelle zu zitieren, in der das Wort "negro", mithin: "Neger" verwendet wird. Teile der Zuhörerschaft versuchen dies zu verhindern - durch organisierten Lärm, Beschimpfungen, durch grenzhysterische Einwände (demonstratives Ohrenzuhalten u.ä.).

DAS, und nur das, war der Ausgangspunkt der Diskussion.

Mir ist in diesem Zusammenhang schnuppe, ob die Quelle (Martin Luther King) irgendeine moralische Strahlkraft hat oder nicht. Ebenso wenig interessiert, ob die Zuhörerschaft weiblich/männlich, weiß/schwarz/bunt, akademisch gebildet/strunzdumm/vielleicht beides  oder sonstwas ist.

Mich stört halt nur, dass die Freiheit, öffentlich zu zitieren, beschnitten werden soll. Und insbesondere mit der Begründung, man fühle sich "beleidigt". Punkt.

Noch eins: Der hier beleidigt alles und jeden, der ihm vor die verbale Flinte läuft. Liest aus "Mein Kampf". Nimmt jedes im deutsprachigen Raum bekanntes Schimpfwort für Mehr- und Minderheiten vorsätzlich verletzend in den Mund. Wie reagieren die Hildesheimerinnen denn auf den? Verbieten?

(Hier ist jetzt vieles redundant und schon geschrieben. Nehmts als einen Versuch, nochmal auf des Pudels Kern zu kommen ...)

ProfessorBolz Offline
Dabei seit: 30.12.2010

Gille, also von dir fühl ich mich langsam nu n bisschen verarscht. Da ich aber übermäßig höflich bin erklär ichs noch mal: Niemand will verbieten, es wird nur drum gebeten auf seine Sprache zu achten. Und je mehr du jetzt Keulenworte wie "Freiheit beschneiden" verwendest, desto mehr bestätigst du mein Argument von oben. Verstehst du was ich schreibe?

Und zu SS (höhö):Das eine sollte eine Diskussion sein, das andere soll Kunst sein. So einfach

tuberkulose Offline
Dabei seit: 27.09.2012

Das eine sollte eine Diskussion sein, das andere soll Kunst sein.

Wo ist bitte der Unterschied ob in Kunst oder in Zitaten welcher Art auch immer kontroverse Sprache verwendet wird? Die von dir angesprochenen Minderheiten fühlen sich schließlich ob der blossen Verwendung beleidigt. Sollte sich deine Kritik dann nicht an diejenigen richten, die diese Sprache verwenden, um damit ausschließlich, auf "Diskussionsebene" versteht sich, zu provozieren?

giselher Offline
Dabei seit: 06.10.2009

Niemand will verbieten, es wird nur drum gebeten auf seine Sprache zu achten ... Und wenn mans nicht tut - und sei es, umzu zitieren, eine Diskussion anzuregen, qua Provokation zuzuspitzen - dann wird man angeschrien, ausgegrenzt, mundtot gemacht?

Hör doch auf mit "gebeten". Wenns das wäre, nur das, gäbs die ganzen Diskussionen nicht.

Wenn - wasweißich - ne Frau, die schlechte Erfahrung mit einem Verwaltiger gemacht hat, im smalltalk darum bittet,  das Thema zu wechseln, kein Problem, wird gemacht. Wenn jüdische Mitbürger darum bitten, dieses oder jenes Symbol nicht zu verwenden, weil es sie an den Holocaust erinnert, läßt mans halt. Oder, drittes Beispiel, wenn ein Homo-Kumpel bittet, in seiner Gegenwart keine Schwulenwitze zu reißen, wo ist das Problem? Macht mans halt nicht.

Alles kein Ding. Nennt man "Höflichkeit". Oder - neudeutsch - "Empathie".

Das Kernwort ist "bitten". Genau das tun die oben beschriebenen Hildesheimerinnen aber nicht. Die konstruieren irgendwelche hanebüchenen, verquackten pseudo-historischen "Begründungen", warum man "Neger" nicht sagen DARF. Und "Opfer des Rassismus" auch nicht. Und und und ...

Das geht dann schnell an die Grenze zum "verbieten". Und wenn die irgendwo, und sei es nur in einem kleinen soziotop wie einer Diskussionsrunde, die Mehrheit haben, tuns die auch.

Da kannste Dich noch so sehr hin und her winden ...

mehmetwirdankendir Offline
Dabei seit: 19.12.2010

Das heißt im Umkehrschluss also Minderheiten sollen immer schön buckeln und betteln und sich in die Opferrolle begeben? Jedes mal aus neue?

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