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Zum Interview mit dem tüchtigen Museumsbesitzer Marcel Wedow aus Tabarz
hans Klemm Offline
Dabei seit: 04.11.2013
Fußballmuseum- welche Bedeutung hat es eigentlich?

Dieser Gesprächspartner aus Thüringen ist ein richtiges Juwel für die
Präsentation der Fußballtradition in ganz Deutschland, einfach sehr
interessant!

Er bestätigte u.a., dass ein Museum eigentlich nur mit viel Geld entstehen
und aufrecht erhalten werden kann. Das mit seinem im Juli 2010 eröffneten
„Kleinobjekt nicht zu vergleichende andere Beispiel war die
Grundsteinlegung des bereits 2009 vom damaligen DFB-Generalsekretär, W.
Niersbach mit den begleitenden Worten „ ….das es woanders sonst nicht
gibt“ bekannt gegebene Prestigeobjekt in Dortmund. Dieses sollte bereits im
Juli 2011 eingeweiht werden. Der Baubeginn erfolgte aber erst danach, im
September 2012 nach einer Planungszeit von fünf (!) Jahren und dem
Spatenstich prominenter Vertreter von Sport, Politik und Wirtschaft Da war
der ehemalige Verkünder des Baues gerade zum Präsidenten des DFB
aufgestiegen. Nach der nunmehr für 2015 (!) vorgesehenen Eröffnung der
„schwebenden Wunderkiste“ am etwas umstrittenen Standort sind bei einem
erwarteten Besuch von durchschnittlich 250 000 Besuchern pro Jahr ca. 2,5
Millionen Euro Betriebskosten eingeplant. Auf einer Fläche von 6.000m²
sollen in diesem „Jahrhundertwerk“ Fußballgeschichten aus Ost und West
unseres Landes für die Fans von alt und jung nochmals in Erinnerung gebracht
werden.

In einer ganz anderen Dimension wurden dagegen zuvor im Thüringer
Urlauberort Tabarz die Weichen gestellt. Hier griffen M. Wedow mit seinen
Eltern und engsten Freunden zu Hacke, Schaufel und Spaten und schafften etwas
Außergewöhnliches für jeden jüngeren und älteren Fußballfreund. Das
"kleine Fußballmuseum" entstand in mühevoller Handarbeit!
Nach der Fertigstellung und dem Bekanntwerden des "DFB-Museumsmonsters" in
Dortmund meldeten sich eine Befürworterin und dessen verärgerter Besitzer,
Marcel Wedow, in einem jeweiligen Kommentar bereits in diesem Magazin mit
einem jeweiligen Leserbrief zu Wort. Völlig zurecht bemerkten beide damals,
dass nicht ansatzweise eine Unterstützung für das damals „kleine
Museum“ von außen (z.B. TFV) zu bemerken war.

Es gibt allerdings einen klaren Unterschied zu den vielen Schatzkammern in
den Katakomben der riesigen Bundesligastadien in Deutschland. Während die
großzügig mit öffentlichen Mitteln und von Sponsoren unterstützten
Vereine, die aber vornehmlich nur an ihre eigenen Erfolge aus vergangenen
Zeiten erinnern möchten, bat der ehrenamtlich agierende
„Museumsdirektor“ mit seinen tüchtigen Eltern, die eigentlich die
wichtigsten Initiatoren waren, um weitere Unterstützung, die mit der
Gründung eines gemeinnützigen Vereines, „Fußballzeitreise e.V“. mit 13
Mitgliedern im Mai diesen Jahres einen weiteren Schritt nach vorn erreichte.

Nach den Anfängen erweiterte er vor Jahren mit seiner Familie und Freunden
den aus den Nähten platzenden Ausstellungsraum auf 22 m ² im ehemaligen
Bungalow auf häuslichem Gelände. Seine dort ausgestellten Präsente aller
Art von bekannten Fußballer aus allen Teilen des Landes brachte er von
seinen Reisen mit und könnte zu jedem Exponat eine Geschichte erzählen.
Einladungen von sich interessierenden Patienten sozialer Einrichtungen, aber
auch eigene Vorträge sowie Gesprächsrunden mit ehemaligen Nationalspielern
mit multimedialer Begleitung, die seit diesem Sommer auch im eigenen
umgebauten „Garagenkino“ möglich sind, nimmt er gerne an. Er fühlt sich
allerdings nicht als Autogrammjäger! Seine Gäste, zu denen bereits auch
schon mehrere Fernseh-Teams gehörten, staunen deshalb immer wieder, wie er
sein Hobby als Berufstätiger in Feierabend- sowie Wochenendtätigkeit und
Einzelkämpfer ohne kaum spürbarer finanzieller Unterstützung hinbekommt.

In einer Zeit, wo der Fußballsport zumindest in den obersten drei Ligen der
Bundesliga längst nicht mehr „die schönste Nebensache der Welt“ ist,
verleiht er seinen immer wieder staunenden Gästen heimatliche und sportliche
Gefühle aus der Vergangenheit, wo man auch erfahren kann, wie kläglich die
damaligen Gewinnausschüttungen als Weltmeister waren…...

So konnte ich auch einmal als Gast bei einem seiner Vorträge in einem
Thüringer Klinikum dabei sein und höre fast heute noch das Raunen der
Zuschauer , als er von seinen mehrfachen Besuchen bei seinem besonders
großen Vorbild und Weltmeister von 1954, Ottmar Walter, Gattin und früheren
Sekretärin berichtete. O. Walter ist leider in diesem Jahr verstorben. Nun
gibt es aus dieser Zeit nur noch zwei Weltmeister!

Ehe ich weiter schwärme, sollten sich die Neugierigen Fans auf der Website
www. Fußballzeitreise.de“ einmal umsehen und bei nächster Gelegenheit das
Tabarzer Museum persönlich besuchen !