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Sag zum Abschied leise „Bay-ern!"
mehmetwirdankendir Offline
Dabei seit: 19.12.2010

"München - Als das Spiel gelaufen war, weil Bayern 3:1 führte, kümmerten sich die 6500 Gladbacher Fans nicht mehr um das Geschehen unten am Rasen, sie wurden persönlich. Zum Leidwesen von Uli Hoeneß. Im „eigenen Reich” musste er sich derbe Gesänge anhören. „Hoeneß in den Knast!” oder „Steht auf, wenn ihr Steuern zahlt!”

Nur zur Erinnerung: Bayern hatte ein Heimspiel gegen Mönchengladbach. Dass man bei der Stadionplanung vor der Eröffnung 2005 nicht daran gedacht hat, dass die akustische Wirkung der Auswärtsfans sich dort oben in der Nordkurve unter dem Dach gewaltig erhöht – geschenkt. Das Problem ist ein anderes: Die knapp 65000 Bayern-Sympathisanten in der Arena sind zu ruhig. Weil der Stimmungsmotor Südkurve zuckelt, nicht mal mehr Halbgas geben kann. Durch die neu eingerichtete elektronische Zugangskontrolle per Drehkreuzen zum Unterrang der Südkurve blieb das Zentrum der Stimmung, die Blöcke 112/113, recht leer – und stumm. Ein Auswärtsspiel. Nur noch Auswärtsspiele? „Ich habe damit gerechnet, es waren zu wenige Stimmungsbereite in der Kurve”, sagt Wolfgang Salewski, der Mediator im Streit zwischen Ultras und Verein, in dem es seit Jahren um Kartenzuteilung, Pyrochtechnik und Choreographien geht.

Der ehemalige Polizeipsychologe hielt sich am Freitagabend im Südkurvenbereich auf. Salewski zur AZ: „Es war relativ ruhig und entspannt. Die Ultras haben mir gesagt: ,Es beginnt eine neue Zeitrechnung. Schade!’ Aber es gab keine Konfrontationen, nichts Bösartiges.” Ein Zeichen der Resignation? Doch warum, so fragten sich Stadionbesucher und TV-Zuschauer, blieben die Blöcke direkt hinter dem Süd-Tor so leer? 2100 beträgt nun die maximale Kapazität für 112/113, laut Vereinszählung gingen 1635 Fans in die Blöcke, andere blieben hinter den Drehkreuzen. Im oberen Bereich der Kurve standen die Fans enger – nicht nur wegen der besseren Sicht, auch, so glaubt man bei Bayern, um das Bild einer nicht gefüllten Kurve zu bekommen. Als passende Optik zum Schweigen. Insgesamt kamen 300 Fans weniger in 112/113, als Karten verkauft wurden.

Wie kann das sein? Lag es an der Urlaubszeit? Am Schauerwetter? An der Staugefahr wegen U-Bahn-Teilsperrung? Womöglich, dass manch Jahreskartenbesitzer sich nicht nach Fröttmaning bequemte. Kurios auch: Rund 50 Karten wurden nicht mal verkauft! Denn: Für Jugendliche unter 21 Jahren gab es 100 Tageskarten, abzuholen an der Säbener Straße. Weil sich die meisten derer allerdings aus dem neuen Online-Kontingent von 300 Tickets bedienten, die es ab Montag (7 Uhr) auf der Bayern-Homepage zu bestellen gab, fehlte wohl das Interesse. Ungewohnte, neuartige Abläufe – bis zum Nürnberg-Heimspiel (24.8.) wohl behoben. Ein weiterer Grund für die Leere: Karten für die Blöcke 112/113 kann man nicht wie alle anderen Jahreskarten auf der Ticket-Börse Viagogo kurzfristig verkaufen, lediglich persönlich weitergeben.

Und die Stimmung? Künftig unvermeidlich mau, weil Blöcke-Schmuggler nicht mehr in den Kern der Kurve kommen? „Es gibt einen permanenten Fandialog – und fertig. Wenn dann 200 bis 300 meinen, sie müssten ruhig bleiben, dann kann man das nicht ändern”, sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, „wir können niemanden zwingen, uns anzufeuern.” Die Ultras oder der „Club Nr.12”, die Vereinigung der aktiven Bayern-Fans, werfen dem Verein die „gezielte Zerschlagung der aktiven Fanszene im Stadion” vor. „Es gab Versuche aus der Nordkurve, aber die haben keine Übung”, sagt Vermittler Salewski, „im Süden müssen sich stimmungsbereite Leute erst finden. Das wird wieder. Erstmal geht es noch ein paar Spiele so weiter.” Ärgerlich, vor allem für Uli Hoeneß. "

Quelle: Abendzeitung; Patrick Strasser, 12.08.2013 11:31 Uhr

mehmetwirdankendir Offline
Dabei seit: 19.12.2010

Kaum zu glauben:

Vorbild in Sachen Fandialog ist Leverkusen. Deren Verantwortliche setzten sich mit der aktiven Fanszene auseinander und brachten eine einvernehmliche Lösung zustande: Den Eckblock wieder hinter das Tor zu verlagern.

Damit hat der FC Bayern trotz der Ausweitung der Zuschauerkapazität auf 71.000 Plätze das kleinste Stehplatzkontingent der Liga. Nicht einmal in Relation, sondern auf die Anzahl der reinen Stehplätze bezogen.

Traurig und beschämdend zugleich.

Wer sich den Unterstützern aus ganz Deutschland anschließen will, den verweise ich sehr gern auf folgenden Link:

https://www.openpetition.de/petition/online/freiheit-fuer-die-kurve-mehr-stehplaetze-in-der-alianz-arena

300 gleich 14.000? Ja Herr Rumenigge. Fußball ist wahrlich keine Mathematik.

Cantona 7 Offline
Dabei seit: 20.05.2010

du darfst den fehler nicht machen und bayern mit irgendeinem verein in sachen fandialog, fanarbeit und sonstigen fantechnischen dingen zu vergleichen. du weißt genau so gut wie ich, das die verantwortlichen unseres vereins von anfang an das ziel hatten, kritisches sowie zahlungsschwaches publikum aus der arena zu kicken.

sicherlich is es mega hilfreich das die presse so drauf anspringt und der druck irgendwann eine reaktion seitens des vereins hervorrufen wird. ob die nun positiv oder negativ (wobei noch negativer kaum geht) sein wird, wird sich zeigen.

du warst sicherlich beim derby in der HGK? die stimmung dort hat alle begeistert, presse, fans und auch die spieler. ich frage mich ob das vorgedrungen ist zu kalle und uli, kalle war ja zumindest mit seinem sohn dort....

mehmetwirdankendir Offline
Dabei seit: 19.12.2010

Der FC Bayern schikaniert seine Fans, Dortmunds unaussprechlicher Neuzugang ist fit und Frank Rost sorgt auch im Handball für Chaos. Alles Wichtige zum 2. Spieltag

Welches Spiel dürfen Sie auf keinen Fall verpassen?

Frankfurt gegen Bayern.Zum Saisonauftakt musste Pep Guardiola noch auf die beiden Neuen verzichten, mit denen er seine Fußball-Idee umsetzen möchte. Nun sind Thiago Alcántara und Mario Götze dabei. Für die Frankfurter Eintracht, die am ersten Spieltag von Hertha BSC mit 6:1 verhauen wurde,, könnte das böse ausgehen. Einiges los sein dürfte auch auf den Tribünen: Die Frankfurter Fans gehören ohnehin zu den stimmgewaltigsten der Liga. Die anwesenden Bayern-Fans werden ihnen ein gutes Echo sein. Sie freuen sich derzeit besonders auf Auswärtsspiele, weil sie zu Hause gar nicht mehr erwünscht sind. Die Südkurve kämpft um Ihr Überleben. Seit dieser Saison hat die Münchner Arena den kleinsten Stehplatzbereich der Liga. Drehkreuzkontrollen verhindern nun, dass sich Ultras in den Blöcken der Südkurve sammeln, die dafür eigentlich keine Tickets haben. Vorher wurde das geduldet. Dazu passt, dass der FC Bayern für den Dialog mit seinen Fans schon vor längerer Zeit einen Mann namens Wolfgang Salewski engagiert hat. Sein früherer Job: Anti-Terror-Experte.

Von Sören Maunz und Victoria Reith
Quelle: Die Zeit, 16. August 201313:43 Uhr

Clint Billton Offline
Dabei seit: 09.06.2013

Mal off topic: Soll ja viele Menschen geben, die beim Neubezug einer Wohnung das Schloss nicht austauschen. Jetzt ist so ein Schloss ja nicht unbedingt ganz billig. Legt also den Schluss nahe, dass der Vermieter selbiges nicht nach einmaligem Gebrauch wegwerfen wird.

Also: Kopie machen und einfach mal ausprobieren. Meistens passt es dann irgendwann eine Etage tiefer.

mehmetwirdankendir Offline
Dabei seit: 19.12.2010

"Es ist ein Drama. Schon lange. Jüngst wurde es zu einer Tragödie, die sich nun scheinbar in ihrem letzten Akt befindet: Der Überlebenskampf der Münchner Südkurve.

Man muss sich in der Vergangenheit nicht intensiv mit Fankultur beschäftigt haben, um zu erkennen, dass man sich an der Isar Schritt für Schritt einer roten Linie genähert hat. Man muss Fankultur allerdings schon mit vollkommener Ignoranz und Gleichgültigkeit begegnen, um nun fröhlich über diese rote Linie hinweg zu latschen.

Was gerade in München passiert, ist ein beispielloser Eingriff in autark gewachsene Fanstrukturen. Es ist eine Operation am offenen Herzen, ohne Patientenverfügung und Vollnarkose. In chirurgischer Nüchternheit wird das Herz kurzerhand entfernt. Ein paar tiefe Einschnitte, dann ist Ruhe. Grabesstille.

Wo kein Herz, da kein Leben, keine Lebendigkeit. Operation gelungen, Patient tot! Sekt-Stößchen auf der Teppichetage.

Ausverkauft. Passt schon.

Dass als Folge nur noch Gästefans in der heimischen Touristenattraktion den Ton angeben – geschenkt! Die Hütte ist voll. Alles zahlende Kunden, alles richtig gemacht.

Das Aufsprengen des Stimmungsblocks in der Allianz-Arena durch die neue Drehkreuz-Selektierung und Kartenkontingentierung ist nicht die Konsequenz einer Nacht-und-Nebel-Aktion. Diese finale Eskalation hatte sich angekündigt, steht sie doch am Ende eines langjährigen und zermürbenden Grabenkampfes zwischen Vereinsführung und aktiver Fanszene.

Der Grund ist simpel. Moderne Fanarbeit ist komplex, anstrengend und bisweilen ermüdend, da sie sich nahezu ausnahmslos über dialogische Kompromissbereitschaft vorwärts bewegt. Nicht immer passt die subkulturelle Renitenz der Ultras in den renditeorientierten Business Plan der kickenden Wirtschaftsunternehmen.

Allerdings hat man in der Bundesliga mittlerweile tatsächlich erkannt, dass gerade die aktiven Fans für einen der wichtigsten "unique selling points" im europäischen Vergleich sorgen: die authentische Stadionatmosphäre auf den Stehrängen.

Die Erkenntnis kam spät und etablierte sich nicht ohne Konflikte, aber sie ist de facto real. Und so funktioniert in den meisten Klubs der konstruktive Austausch zwischen Klubführung und Fanbasis mit fachkompetenten Fanbetreuern. Es ist ein Wechselspiel zwischen Zuckerbrot und Peitsche, ein Spiel mit klaren Regeln und Sanktionen. Aber es ist akzeptiert und funktioniert.

Fragwürdiges Signal

Nicht so in München. Ein Fanbetreuer existiert bestenfalls auf dem Papier. Als Vermittler haben die Bayern mit Wolfgang Salewski lieber mal einen Terrorexperten engagiert. Als handle es sich bei der Südkurve um ein Rollfeld in Mogadischu. Unmissverständlicher und verstörender kann Symbolik kaum sein.

Beim FC Bayern scheint es per se an einem Mindestmaß an Grundwissen über eine gewandelte Fanlandschaft zu mangeln. Ob Ultra oder nur engagierter Fan, ob Familienvater oder Stadiontourist – es fehlt an Differenzierung bei der Frage, wer denn da überhaupt für diese "außergewöhnliche Atmosphäre" (Werbetext für Business-Seats in der Allianz-Arena) bei einem Fußballspiel Verantwortung übernimmt.

Das Stadion ist chronisch ausverkauft. Also ist alles in Butter. Zum Singen könne man ja niemanden zwingen, erklärt Karl-Heinz Rummenigge in achselzuckender Polemik. Dabei kennen sie sich mit Zwang als fanpolitisches Stilmittel in München eigentlich recht gut aus. Dass sich Gesang als Grundlage einer beeindruckenden Stadionatmosphäre traditionell aus freiwilliger Leidenschaft heraus entwickelt und sich eben diese Leidenschaft nun komplett aus der Arena verabschiedet, scheint niemanden nachdenklich zu stimmen.

Im Gegenteil. Zufriedenheit macht sich breit, denn alles läuft nach Plan. Den akustischen Terror aus lautstarken Gesängen und rhythmischen Klatscheinlagen hat Terrorexperte Salewski erfolgreich bekämpft, die "Taliban der Fans" (Maischberger) werden zerschlagen. Zündler, Pyro-Gegner aus dem Ultrà-Lager, aktive Allesfahrer - Differenzierung erscheint zu mühsam.

You only sing, when you're winning?

Da der Rest des Stadions traditionell nur jene Stimmung konsumiert, die die Südkurve erst kreiert, ist jetzt also endgültig Ruhe im Karton.

Für Salewski geht das ok und ist auch "keine Überraschung". Der "Fanexperte" des FC Bayern versucht erst gar nicht, die offiziell avisierte Zerschlagung des Münchner Stimmungsblocks zu Gunsten einer neuen Südkurve zu leugnen. Das gehe aber nicht von jetzt auf sofort: "Wir brauchen eine Übergangszeit, um den gesamten Block neu zu organisieren."

Dankbarkeit für jahrelange Treue und aufopferungsvolle Unterstützung quer über den Globus, für fantastische Choreografien im In- und Ausland? – Fehlanzeige. Im Gegenteil. Zur Krönung verlieren genau diese treuen Allesfahrer und Dauerkartenbesitzer im Kollektiv nun auch das Vorkaufsrecht für Auswärtsspiele in Pokal und Champions League.

Für Salewski und den FC Bayern ist die Gleichung zur Perforierung der aktiven Fanszene ebenso simpel wie erschreckend naiv: "Neue Leute, neue Lieder, dann baut sich da wieder was auf."

Herz raus, Klatschpappe rein: fertig ist Fan-Frankenstein!

Man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, dass diese radikale Zäsur nicht ohne Echo bleiben wird. Die aktive Fanszene in Deutschland wird über die Gräben der Rivalität springen und sich mit den Münchner Exilanten solidarisieren.

Die Profis des FC Bayern werden somit die Konsequenzen dieses grotesken "Coups" im eigenen Stadion am lautesten zu spüren bekommen und ergo ausbaden müssen. Nicht nur durch übellaunige Gästefans, die den Ton angeben, sondern eventuell auch durch eine neue Südkurve.

Schließlich werden Zeiten kommen, in denen der Ball auf dem Rasen nicht mehr richtig rund laufen will und die zahlenden Kunden ihren für München berüchtigten Unmut zum Ausdruck bringen: über die Lippen durchs Fingerglied auf die eigene Mannschaft.

Und dann ist da plötzlich niemand mehr, der aus dem Süden lautstark gegen die Pfiffe ansingen mag."

Quelle: Eurosport, 14.08.2013

Text: Michael Wollny

kevin luz Offline
Dabei seit: 05.02.2006

presseschau galore?

mehmetwirdankendir Offline
Dabei seit: 19.12.2010

"Dem FC Bayern München sind die Anhänger in der Südkurve schon lange lästig. Nun versucht der Klub sie aus dem Stadion zu treiben.

Okay, Benfica Lissabon hat noch ein paar tausend Mitglieder mehr, aber das ist auch nur eine Frage der Zeit, bis der FC Bayern nicht nur der aktuell erfolgreichste und festgeldkontomäßig stabilste Klub ist, sondern auch der mit den weltweit meisten Vereinsmitgliedern. Er ist aber auch: der Klub mit der miesesten Stimmung im Stadion, Triple-Sieg hin oder her.

Von dem alten Schmähgesang „Keine Stimmung, keine Tore: FCB!“ ist zumindest Teil eins gültiger denn je. Seit Jahr und Tag werden die Fans des Rekordmeisters von jedem noch so dünn besetzten Gästeblock niedergesungen – ein Armutszeugnis. Schon in den 70ern klagte Franz Beckenbauer über das „Opernpublikum“ im weitläufigen Olympiastadion.

Auch in der Fröttmaninger Fußballarena ist man von einer Hexenkesselatmosphäre wie in Dortmund oder in Mainz Lichtjahre entfernt. Einzig ein paar hundert Unentwegte in der Südkurve ließen sich, umgeben von all den erfolgsverwöhnten Kurzzeitfans, nicht vom wahren Anhängertum abbringen – bis zum ersten Spiel der neuen Saison. Da blieb der harte Kern, die Stimmungszentrale des Klubs, einfach zu Hause.

Da, wo sonst zehn von zehn Fangesängen angestimmt wurden, klaffte bei der Premierenpartie am vergangenen Freitag gegen Borussia Mönchengladbach (3:1) ein Loch. In den Blöcken 112 und 113 stehen normalerweise 2.100 Menschen mit hohem Rotanteil in ihren Klamotten und mit reichlich Bayern-Blut im Herzen. Doch zum ersten Punktspiel dahoam seit dem historischen Triple-Gewinn passierten nur 1.635 Fans die Drehkreuze.

Ja, richtig gehört: Der FC Bayern hat den Zugang zu Herz und Bauch des Klubs mit Drehkreuzen geregelt. Der Verein moniert seit vielen Jahren, dass zu viele Fans in gewissen Blöcken der Südkurve stehen, die dort gar nicht stehen dürften, sondern sich eigentlich ganz woanders niederlassen müssten.

Die Fanklub-Dachorganisation „Club Nr. 12“ spricht nun von einer „bewussten Zerschlagung der aktiven Fanszene“, da der Kern der Stimmungsmacher durch die nun strikte Platzzuteilung gespalten wurde. Man habe „nicht den Eindruck, dass der FC Bayern mit den Fans, die die vergangenen Jahre Stimmung gemacht haben, in die Zukunft gehen möchte“.

Der Streit zwischen Südkurve und Klub schwelt wie gesagt schon länger. Hoeneß und Co. missfallen pyrotechnische Auswüchse und auch so manch unbequemes, weil kritisches Plakat. Der Verein hat in dem ehemaligen Torwart Raimond Aumann zwar einen Abteilungsleiter für Fan- und Fanklubbetreuung im Sold, zu sehen oder sprechen ist der jedoch nie.

Vor ein paar Jahren hat man nun einen Mediator installiert: Prof. Dr. Wolfgang Salewski, Polizeipsychologe, Psychologe der GSG 9, Berater der Kanzler Schmidt und Kohl, Verhandlungsführer bei der Entführung der „Landshut“ 1977 in Mogadischu.

Seine Analyse der Südkurvenproblematik: Es gebe 600 sogenannte Stimmungsaktive und etwa genauso viele Situationsaktive – gar kümmerliche Zahlen, wenn man an die 20.000 Mann starke gelbe Wand in Dortmund denkt.

Doch auf die 600 oder 1.200 Krakeeler glaubt Salewski gut verzichten zu können, spricht von einer Übergangszeit und formuliert im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung folgendes Ziel: „Den gesamten Block neu organisieren: neue Leute, neue Lieder. Dann baut sich da wieder was auf.“ Dass dabei ein Stück Fankultur kaputtgeht, nimmt man wohl in Kauf."

Quelle: taz; 17. 08. 2013 Kolumne Press-Schlag

Text: Thomas Becker

mehmetwirdankendir Offline
Dabei seit: 19.12.2010