Seite 1 / 1
Wie die Polizei mit Fußballfans umgehen sollte - Das Ende der Eskalation
Wie die Polizei mit Fußballfans umgehen sollte
Das Ende der Eskalation
Text: Christoph Biermann und Ron Ulrich Foto: Julian Röder
Krasse Einzelfälle und statistische Irrtümer verzerren das Bild in der Fan-Debatte im Fußball. Denn entgegen aller Behauptungen gibt es keine Gewaltwelle. Nun müsste die Polizei abrüsten und intelligenter mit den Fans umgehen.
Am kommenden Wochenende findet in Berlin der Fankongress 2012 statt. Der Grundgedanke lautet: »Wie schaut der Fußball in der Zukunft aus und welche Rolle spielen die Fans dabei?« Am Samstag und Sonntag wird es Podiumsdiskussionen und Workshops zu Themen wie 50+1, Pyrotechnik, Anstoßzeiten, Selbstbestimmung in der Kurve, Soziale Verantwortung, Eintrittspreise etc. geben. Diskussionsteilnehmer sind u.a. Martin Kind (Präsident von Hannover 96), Jonas Gabler (Autor von »Die Ultras«), Dirk Grosse (Sky Deutschland AG), Holger Hieronymus (Geschäftsführer DFL), Hendrik Große Lefert (Sicherheitsbeauftragter DFB) oder Kevin Miles (Football Supporters Federation). Weitere Infos findet...
-
13.01.2012 13:45:48 von Cantona 7
»Wir versuchen, Verständnis für die Fan szene zu haben. Uns geht es darum, Gästefans auch wirklich als Gäste zu behandeln«, sagt Einsatzleiter Bernd Kirschning.
ich erinner mich da gern an das auswärtsspiel der bayern vor 2 jahren in berlin...34. spieltag und die meisterschaft war schon eingetütet. Die anwesenden Polizisten empfingen uns auf ne total freundliche art und weise, es gab gespräche zwischen fans und polizisten und uns wurden sogar zigaretten angeboten vom ein oder anderen beamten. alles in allem wars für beide parteien ein schöner und angenehmer nachmittag.
man kann aus dem artikel klar entnehmen das es auch anders gehen kann, das es natürlich bei einigen ultra gruppen gewaltbereite gibt, denen es egal ist ob die anwesenden polizisten eher den "kumpeltyp" geben oder nich, is mir auch klar...
trotzdem sollten sich manche kollegen aus anderen bundesländern mal ein beispiel daran nehmen, denn meine erfahrungen aus mehreren jahren als fan der vorallem auswärtsspiele besucht und das ganze auch mit anderen vorzeichen und reaktion der polizisten kennt zeigen mir, das oftmals die beamten einfach total überfordert sind und bei dem ein oder anderen polizisten auch gelegentlich ein "hooligan" potential zu erkennen ist.
ich habe zwar schon einige spiele besucht, bin aber trotzdem noch nie in ne schlägerei zwischen fans und beamten geraten oder habe bei einer mitgewirkt. Jedem der in der kurve steht ist es jedesmal selbst überlassen ob er da mitmischen will oder nicht, deswegen finde ich diese kategorisierung der fans im block einfach total übertrieben. ob die beamten auch jedesmal wirklich die einzelnen personen richtig in ihre kategorie einstufen A,B,C halte ich auch für fragwürdig, ich denke da geht es auch mehr um "habe ich schon öfter bei spielen gesehen, also muss er auch bei den schlägern mit dabei sein"
-
15.01.2012 17:56:06 von schnelli
Das hört sich ja alles ganz toll an mit "Jörg" und seinen besonnenen Cops in Hannover und ich weiß auch das selbst mit meiner Eintracht dort auswärts alles entpannt läuft.
Nur wie passt diese beworbene Besonnenheit zu dem berühmten Pfefferspray-Einsatz im Oktober im Hannoveraner Block?
Waren das von auswärts angereiste oder doch nur das angestaute Ergebnis der Deeskaltionsstrategie bei den gewaltbereiteren Hannoveraner Einsatzkräften, die sonst nur Raum- statt Manndeckung dürfen?
Das Ganze gibt doch ein völlig widersprüchliches Bild ab....
-
03.02.2012 10:21:05 von Ballanitis
Die Schlüsselstellen in diesem bemerkenswert differenzierten Beitrag sind die, in denen die faktisch auftretenden (“Einzel”-)Fälle von Gewalt, die Verantwortung der Einsatzleiter und die Aufmerksamkeitsbeanspruchung erlebnisorientierter Jugendlichere behandelt werden.
Zum 1.: Es gibt Szenen wie in Frankfurt, in Rostock, in Berlin und sonstwo. Immer wieder. Ob diese als Einzelfälle oder anders deklariert werden, kann dahinstehen. Faktisch kann man diese Fälle nicht verhindern, da sie, wie richtig bemerkt, überfallartig geschehen. Daran ändert keine Polizeipräsenz etwas.
Zum 2.: Die Verantwortung der Einsatzleiter führt zu einer Beharrung auf althergebrachten Manpower-Strategien. Keiner will sich hinterher nachsagen lassen, seine Gefahrenprognose sei falsch gewesen und Straßenschlachten seien aufgrund seiner falschen Einschätzung und Gefährdungsanalyse zustande gekommen. Ganz im Gegenteil wird in der Regel sogar noch eine Kräftereserve gebildet, um für die über die meistens schon ans Hysterische grenzenden Prognosen hinausgehenden Eventualitäten gerüstet zu sein – ein Zurüstung, die beispielsweise bei der Love Parade in Duisburg unterlassen wurde, da dort die Einschätzung auch nicht von der Polizei vorgenommen wurde; die durfte dann nur die Ad-hoc-Suppe auslöffeln, die die vorher maßgeblichen Behörden für gerade mal lauwarm erklärt haben. Aaaaber das nur am Rande.
Zu 3.: Fakt ist ebenfalls, dass Körperverletzungsdelikte zwischen Fan und Fan in der Regel zwischen den sogenannten Kategorie-A-Fans unter Alkoholeinfluss begangen werden. Die B-kategorisierten Fans a.k.a. Ultras begegnen sich in der Regel auf weiter Flur nicht unbewacht, unkontrolliert, ungeschützt, ungegängelt, unbevormundet (je nach Blickwinkel) durch die Polizei, und hier kann man jetzt anfangen zu diskutieren. Verhindert diese Polizeipräsenz Körperverletzungen? Oder verhindert sie nur Körperverletzungen zwischen Ultras und nimmt dafür in Kauf, dass die Ultras Polizisten verletzt oder umgekehrt (je nach Blickwinkel), um sich in Flaschenwürfen und Böllerwürfen bahnbrechendes Gockelgehabe beider Ultraseiten zu unterbinden, einzudämmen? Man wird das nie erfahren, denn Ultras werden bis auf weiteres geschlossen zum Stadion begleitet werden, solange sich die Gruppierungen beim Anmarsch begegnen. Kein Einsatzleiter wird das Experiment wagen, Ultras unbegleitet zum Stadion zu lassen; das Hannoveraner Beispiel wird ja explizit unter der Prämisse der räumlichen Trennung durch die zeitgemäße Gestaltung der Anmarschwege relativiert, wovon Vereine mit Stadien, die in den 70ern angelegt wurden, nicht profitieren können (siehe Dortmund). Fraglich ist, ob das ganze Drum-herum-Polizeie sein muss. Um die Gast-Ultragruppierung zum Stadion zu begleiten, genügt stets eine Hundertschaft. Dann braucht man noch ein bisschen Verkehrsregelung und das war’s. Das Verhältnis “Problemfans” (wie gesagt mit immer nur vermutetem und nur selten erahnbarem Potential) zur Gesamtzuschauerzahl sollte sich in den Mannzahlen der Polizei widerspiegeln.
Gewisse der Masse geschuldete Marodierungserscheinungen lassen sich nie verhindern, sie sind wohl Teil einer geduldeten Gesamtkultur (man beachte nur die youtube-Videos zu Dortmund-Dresden, wo Vermobbungstendenzen mit entsprechendem Fehlverhalten bei allen Klientels der Anreisenden während des Marschs vom Parkplatz bis zur Nordtribüne zu beobachten sind). Es ist doch beruhigend, dass sich eine der ordnungsfanatischsten Gesellschaften, die immer noch eine Demokratie ist, sich solche Kontingenzereignisse mit Chaospotential leistet und gönnt.
-
03.02.2012 10:34:44 von Ballanitis
Zu ergänzen wäre noch, dass im Grunde all diese Diskussionen natürlich einen überproportionalen Fokus - analog zu der Aufmerksamkeitserheischung der Ultras - auf die - sagen wir es doch einmal - faktisch winzigen Fangruppierungen richtet, die etwa in Dortmund 0,8 Prozent aller Stadionbesucher ausmachen, Gästeproblemfans inklusive. Die restlichen stets anwesenden 78.000 Zuschauer nehmen die Polizei nicht einmal am Rande und dann höchstens als Verkehrsposten wahr. Ich lasse mir da gerne widersprechen, aber sowohl die Polizei als auch die Ultras halten natürlich ihre Wahrnehmung für absolut richtig. Fragt man Otto Normal, hat der von den Minoritätenbefindlichkeiten von Polizei und Ultras nichts mitbekommen. Es wird ihm aber im TV einzubleuen versucht, dass die Gefahr zunehme. Trotzdem kommt er weiterhin ins Stadion - Oppa, Mutti, Vatter, Kind, ja, und auch die Kutten und anderen 20.000 auf der Süd, die sich für die wahreren Fans halten, übertroffen nur von den wahrsten aller Fans, und die und die Polizei bestimmen dann die öffentliche Diskussion.
-
03.02.2012 10:35:59 von AbteilungAttacke
Zunächst: Sehr interessanter Artikel, vielen Dank dafür.
Aber in der Thesenkette "Weniger Polizei - weniger Gewalt" gibt doch ein paar Stellen, die erklärungsbedürftig sind.
Vor allem die Stelle, wo die gesteigerte Körperverletzungsrate bei Polizeibeamten in Zusammenhang mit der Radikalisierung von Pazifisten durch Schikane gebracht wird, müsste man mir nochmal genauer erläutern.
Am Besten wie einem fünfjährigen.
Und möglichst ohne sätze wie "Wo gehobelt wird, fallen auch Späne".
Seite 1 / 1









