Die Geschichte der Fußballfans

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Dienstagskolumne: Lässt der DFB den Ostfußball ausbluten? - Begnadigt Dynamo!


Dienstagskolumne: Lässt der DFB den Ostfußball ausbluten?

Begnadigt Dynamo!

Text: Frank Willmann  Foto: Imago

Unser Kolumnist Frank Willmann ist eigentlich ein lieber netter Mensch. Aber wenn er an die gealterten Entscheider beim DFB und deren Verhalten gegenüber den Fußball-Teams im Osten denkt, kann er ziemlich wütend werden. Und wenn ihr das nicht glaubt, lest es doch nach!

Die 11FREUNDE-Dienstagskolumne: Jede Woche machen sich Frank Willmann, Lucas Vogelsang, Titus Chalk und Frank Baade im Wechsel Gedanken über den Fußball, die Bundesliga und was sonst noch so passiert. Dass unser heutiger Kolumnist, der Buchautor und Ostfußball-Experte Frank Willmann überhaupt noch Zeit für eine Kolumne hat, ist ein Wunder. Sein neuestes Werk heißt »Zonenfußball« (»Verlag Neues Leben«.) Schrecken in Deutschland! In Bälde ruhet der Ball komplett, und blonde deutsche Maiden mit dicken Knarren hasten auf Brettern durch den Schwarzwal...

  • 21.12.2011 18:28:03 von GerdazM

    Bin gespannt wie Nürnberg bestraft wird... muss ja mindestens ein Ausschluss aus dem Pokal werden, nach dem Platzsturm gegen Fürth, oder???
  • 22.12.2011 09:04:16 von GonzoKoslovski

    @suppenteller
    Ich war da zu der zeit noch nicht dabei aber man "wollte" mit dem Westen fusionieren?
    Musste es nicht zwangsläufig dazu kommen, so von wegen Vereintes Deutschland = Vereinte Liga?
    Wäre es damals überhaupt möglich gewesen die Ligen getrennt zu halten?
    Verstehe es nicht wirklich warum man als Ostdeutscher nicht mal konstruktiv Kritik anbringen darf ohne dann gleich als Jammerlappen dazustehen. Klar immer nur die Schuld auf andere schieben ist wirklich bescheuert, aber so was ich bis jetzt immer so herausgefunden habe ist der Osten wohl nicht alleine Schuld an der Misere.
  • 22.12.2011 20:39:26 von dynapower

    @suppenteller

    Ein Kommentar der Deinem Usernamen gerecht wird..Respekt vor so viel Scharfsinn und geschichtlich fundierter Aufklärung. Also wenn jemals eine Fusionierung gewollt war, dann bestimmt nicht mit Pfeifen wie Dir. Seit wann bedeutet Freiheit "der stärkere nimmt alles"? Oh man, so ein Schwachsinn habe ich selten gelesen.
    Es geht doch in Wahrheit nicht um Ost oder West, es geht auch nicht darum die Schuldfrage für solche Vorkommnisse bei irgendwelchen Sesselfurzern in FFM zu suchen. Es müssen endlich Lösungen angestrebt werden, die den Vereinen mit problematischen Fanszenen in Ost UND West, weiterhelfen. Die Wurzel der Gewalt entspringt ja nicht bei den Vereinen, sondern treiben aus der Erde in der unserere gesamte Gesellschaft verankert ist. Die Gründe dafür sind vielschichtig!
    Was hat die tolle Task Force in FFM denn bis heute, außer einer tollen politischen Außendarstellung erreicht? Welche Ergebnisse wurden erzielt? Endlich alle an einen Tische..Funktionäre, Vereine, Polizei, Politiker und Fanbetreuer!!!
  • 22.12.2011 20:55:59 von Hotte80

    ich frage mich immer wieder, wieso immer nach frankfurt gezeigt wird, wieso immer wieder erwartet wird, das der dfb was unternimmt, sich was schlaues einfallen lässt. komisch, der eigene club bleibt immer erst mal schön aussen vor.
  • 29.12.2011 15:22:44 von suppenteller

    hey dynapower,

    extra angemeldet für die paar zeilen, suppenteller und suppenkasper durcheinander werfend und sich dann selber MachtMacht nennen, gratulation du sprachgenie!

    und kapitalismus bedeutet nicht freiheit des stärkeren, die schwächeren zu fressen? ich dachte solche basics hätte selbst die leninistische verfallsform des marxismus noch vermitteln können. das zumindest war die freiheit, die ein großteil 89/90 laut bejubelt und gefordert hat und sich dann irgendwann verwundert die augen rieb, als neben dem konsum auch die kehrseite auf einmal aufblitzte. welch überraschung, der ost fussball blutete aus. hätte man ja auch gar nicht ahnen können, darum jammert ja man bis heute rum. hat was von zauberlehrling, wobei gerade diejenigen die zuerst in leipzig ihre runden drehten noch etwas mehr durchblick hatten, als die ossimehrheit in ihrem nationalistischen taumel. die haben, neben anderen, durchaus frühzeitig auf die auswirkungen einer überstürzten vereinigung hingewiesen. das diese auswirkungen auch den ostfussball treffen werden, logisch.

    also bedankt euch bei euren mauerstürmern, die ihre eigenen henker herbeigesehnt haben und zeigt nicht mit dem finger immer auf die wessis oder nach FFM.

    tschüß, dein Dr. P.O. Lemik



    @GonzoKoslovski
    ja genau, die west-ost vereinigung wollte ja wohl die mehrheit. dass infolge dessen auch die fussballligen fusionieren und zwar unter dem diktat des westens, ist nur die logische folge, oder? und waren es nicht gerade auch die stars des ostfussballs, die nicht schnell genug in den westen kommen konnten?

    was mit dem ostfussball passiert ist, ist eine schweinerei, keine frage. aber so zu tun, als ob man daran keinen anteil hatte, wird langssam langweilig und peinlich.
  • 29.12.2011 15:57:21 von AntiMöller

    Naja, wir Westler leiden ja auch unter Schluchz-Reflexen ("Ouuuw! Farfan liebt Schalke gar nicht durchunddurch, sondern will einen besseren Vertrag, egal wo...")
  • 29.12.2011 16:34:50 von mehmetwirdankendir

    Als Wessi sag ich:

    Mehr Willi Lemkes, weniger Rolf-Jürgen Ottos.

    Wir waren zum größten Teil schuld. Aber wie Suppenteller erwähnte, nicht allein.

    Es wird vielen besser gehen, neimanden dafür aber schlechter.
  • 29.12.2011 19:40:31 von AntiMöller

    Willi Lemke, der Karrierist, hör ma uff!
  • 30.12.2011 08:07:54 von mehmetwirdankendir

    So weit ich weiß Anti, hat er den Rostockern den Kapitalismus erklärt und Uwe Reinders be- entsorgt.

    Telekolleg Lemke
  • 30.12.2011 09:05:09 von PittiTrueffelschwein

    So weit ich weiß Anti, hat er den Rostockern den Kapitalismus erklärt und Uwe Reinders be- entsorgt.

    Die Geschichte war trotz allem eher holprig. Man kann es den Westclubs wohl nicht vorwerfen, aber prinzipiell haben die Vereine, die den Ostclubs seinerzeit "den Kapitalismus erklärt haben" diese eher als Farmteams gesehen, deren ordentliche Jugendarbeit man sich seinerzeit sichern wollte. Selbst ein ruhiger und beinahe väterlicher Verhandlungspartner wie Rainer Calmund hat selber ja mal angedeutet, wie scharf die Westmanager auf die Osttalente waren. Allerdings waren diese wiederum, wie suppenteller sagt, ebenso scharf auf den Westen und die Kohle.

    Es war eben ne wechselseitige Geschichte. Der Westen ist nicht schuld, dass die Ostclubs so blind in den Kapitalismus gestolpert sind und der Ostclubs sind nicht Schuld, dass die Westvereine daraus auch irgendwie ihren nutzen ziehen wollten.
    Klar, man könnte jetzt "aus Prinzip" das Thema vertiefen, aber das ginge dann eher in diese Richtung.
  • 30.12.2011 09:57:17 von mehmetwirdankendir

    @ Pitti
    Danke für einen der wenigen differenzierten Beiträge zu diesem Thema.
    Tatsache ist, der Osten ist verramscht worden.

    Natürlich waren wir technologisch weiter. Nichtsdestotrotz hätten gewisse Dinge gefördert werden müssen. Die Treuhandanstalt war eine Bande dreckiger Lobbyistenschweine. Euphemistisch ausgedrückt.

    Und falls Besipiele gefordert werden:

    Die DDR war damals schon weiter was Kühlschränke angeht. Ich sag nur FCKW und so. Auf den Hund sind wir erst Jahre später gekommen.
  • 30.12.2011 10:16:02 von Gruni

    Die DDR war damals schon weiter was Kühlschränke angeht. Ich sag nur FCKW und so. Auf den Hund sind wir erst Jahre später gekommen.

    Vergiss den Trabant 601 nicht. Bei entspannter Fahrweise, also 80 km/h, nur 3 Liter Verbrauch. Ist heute der heilige Gral!
  • 30.12.2011 11:23:43 von AntiMöller

    ...und hat Sigmund Jähn nicht die Teflonpfanne erfunden?
  • 30.12.2011 11:26:43 von giselher

    Nicht zu vergessen: Das Ampelmännchen. Und die tolle Emanzipation. Jaaaa, die hatten schon was im Osten ....
  • 30.12.2011 11:32:15 von Jim Panse

    Apropos Ampelmännchen ... den Sinn des 'Grünen Pfeils' raffen manche immer noch nicht, dabei ist das mal was wirklich nützliches von düben.
  • 31.12.2011 02:36:27 von Walter Baseggio

    Ich bin kein Freund des Ostfußballs, aber wenn ich mir mal ansehe, dass nur zwei ostdeutsche Vereine in die Buli kamen zur Saison 1991/1992, Rostock und Dresden, dann frag ich mich schon, wie sehr die Ostclubs vom DFB verarscht wurden.

    Ich sag mal, 4-6 Teams aus dem Osten wäre ja wohl fairer gewesen.
    Zur Not hätte man auch ne Buli - Quali ausspielen können mit den 4-6 Ostteams und den schlechtesten westdeutschen Clubs.

    Hätte der DFB sich drüber hinwegsetzen müssen, wenn sich Clubs wie Bochum, Wattenscheid etc mokiert hätten, trotz sportlich erreichtem Klassenerhalt ne Art Quali spielen zu müssen.
  • 05.01.2012 14:03:09 von Statistikfreund

    @ 22.12.2011 09:04:16 von GonzoKoslovski
    [...]Ich war da zu der zeit noch nicht dabei aber man "wollte" mit dem Westen fusionieren?[...]
    Ja. Das war ab 1990 breiter gesellschaftlicher Konsens in der ehemaligen DDR. Es gab hinreichend Menschen, die eine "neue DDR" wollten und keinen "Beitritt". Aber sowohl die Voten der politischen/ gesellschaftlichen Player auf der Mikroebene (z.B. Demoteilnehmer) wie auch auf der Mesoebene (Verbände, Kirchen, Ministerialbürokratie) waren sich mit der Makroebene (politische Staatsführung) mehrheitlich einig beizutreten. Das sollte man mal so festhalten.

    [...]Musste es nicht zwangsläufig dazu kommen, so von wegen Vereintes Deutschland = Vereinte Liga?[...]
    Zwangsläufig nicht. Der DFV hätte -ähnlich den britischen Verbänden- auch erstmal Mitglied in der UEFA, FIFA bleiben können. Das ist ziemlich sicher überliefert und wurde seinerzeit auch so diskutiert.

    [...]Wäre es damals überhaupt möglich gewesen die Ligen getrennt zu halten?[...]
    Theoretisch also: ja.
    Aber auch "wir Fans" haben Anteil daran, dass es nicht dazu kam. Zum einen lag das daran, dass kaum noch jemand da war bzw. Interesse daran zeigte. Zum anderen daran, was dann in den Stadien veranstaltet wurde. Wohlgemerkt zu einer Zeit als Taylor-Report und bundesdeutsche Exekutive die Gewalt langsam aber stetig in den Stadien zu bekämpfen begann.

    Nicht zu vergessen: die "ominösen Westberater" und Sonnenprinzen, die wir Fans nicht ausreichend kontrollierten.

    Und genau HIER ist aber meines Erachtens das Versagen des DFB zu verorten: Er hätte dem Einhalt gebieten müssen, z.B. hätte er Zwangsverwalter bestellen müssen (zum einen wegen der Abschreckung, zum anderen gab es auch im Osten genügend, die sich nun die Taschen füllten).

    Ob das rechtlich möglich gewesen wäre? Nun ja: wenn der DFB gesagt hätte, ohne diesen "Verwalter" keine Lizenz, dann hätte damals keiner geklagt. Da bin ich mir sicher, es war eine andere Zeit. Und wenn dann der Übergang geschafft worden wäre, dann hätte das auch aufgehört.

    ABER: Nimm mal einen Verein wie Stahl Brandenburg. Mit ihrer 80er Mannschaft -und was war das für eine geile Elf!- hätten sie locker in der 2.BuLi gespielt. Aber es gab eben nur einen "2t-Ligatauglichen" Sponsor: das Stahlwerk. Und die hatten nach der Wende erstmal andere Sorgen, das war der Beginn vom stetigen Abstieg.

    Nur sei eben bemerkt, dass Brandenburg eine Stadt von 94.872 Einwohnern war (1988) und heute 71.778 Einwohner hat mit einer entsprechenden Wirtschaftsstruktur. Und wie viele Städte in den alten Ländern ähnlicher Kategorie gab/ gibt es, die mal einen Zweitligisten an den Start bringen konnten?

    Das besondere ist doch "lediglich", dass Stahl eben mal EC spielte, für eine solche Stadt schon einen repektablen Zuschauerschnitt hatte und so eben auch eine so ganz eigene Tradition hatte, die man aus verstehbaren Gründen in den alten Ländern nur schwer nachvollziehen konnte/ kann und somit auch schwerlich die Sentimentalität, die man als gelernter DDR Bürger dieser Thematik entgegenbringt, verstehen und lässt so mitunter die Sensibilität vermissen.

    30.12.2011 09:57:17 von mehmetwirdankendir
    [...]Tatsache ist, der Osten ist verramscht worden.[...]

    Ja. Jedem, den das interessiert, sei der Einigungsvertrag in seiner kommentierten Fassung als Lektüre empfohlen, wie die Abhandlungen Prof. Dr. Wolfgang Merkels zu diesem Thema, als auch die "Bilanz der Treuhand".

    Aber das ändert nichts daran:

    [...]Natürlich waren wir technologisch weiter.[...]
    Jein.
    Der Hauptgrund war, dass die durch das Computerzeitalter anstehenden Innovationen zwar erkannt und ausgeplant waren aber nicht finanziert werden konnte,-weshalb die DDR zwar nicht pleite im "betriebswirtschaftlichen", aber eben doch im "volkswirtschaftlichen Sinne" war: sie war nicht mehr in der Lage sich adäquat und vor allem in der Breite zu regenerieren und technologisch Anschluss zu halten, wie sie es hätte tun müssen.

    Ich z.B. hatte bei einer Firma gelernt in Thüringen, die schon seit den 1960er Jahren Maschinen u.a. für England herstellte und in den 1980er Jahren schon so etwas wie state of the art war. Heute ist sie es immer noch-aber nur weil die englische Vertriebsfirma Mutterhaus wurde und Anfang der 1990er Jahre richtig Geld in die Hand nahm -was im Werk aus den unterschiedlichsten Gründen nie und nimmer da gewesen wäre-, um im Computergesteuerten Maschinenzeitalter anzukommen. Und als dann Osteuropäer -vor allem Russen- wieder konvertierbares Geld in der Tasche hatten, war die Firma endgültig gerettet. Dieses "Glück" hatten nicht alle bzw. u.a. diese "Durststrecke" überstanden nicht alle.

    Das beste Bsp. zur Illustration ist meiner Ansicht nach Simson Suhl: Sie waren unangefochten Marktführer im RGW für Kleinkrafträder, dazu war man eine Hausnummer in Südostasien sowie in Zentralasien mit China. Sie verkauften 1989 200000 Kleinkrafträder, 1991 noch 5000. Es ging ja dann noch irgendwie weiter, bis eben auch gravierende Managementfehler dazu führten, dass endgültig Schluss war.

    Einen "Fehler" will ich Dir einmal aus meiner Sicht skizzieren, der diese ganze Problematik skizziert:
    1. Simson konnte (und musste) jeder halbwegs technisch begabte 16jährige selbst reparieren. Bei den Nachwendemodellen war das nicht mehr der Fall.
    Damit wollte man die Vertragswerkstätten -die das ähnlich dem Autohausmodell forderten- bzw. das Vertriebsnetz stärken-außerdem ist das bei Yamaha, Honda, usw. Standard.

    2. Man glich sich zwangsläufig den Preisen von "westlichen" Kleinkrafträdern an, weil jede Menge Schnickschnack verbaut wurde, teils aus gesetzlicher Verpflichtung, teils weil es nachgefragt wurde.

    Problem: warum sollte man jetzt noch Simson kaufen, wenn es preislich keinen Unterschied gibt, man nichts mehr selbst dran machen konnte und Yamaha/ Honda eben einfach besser waren? Und nun: warum hätten Yamaha/ Honda einen Konkurrenten bzw. eine Produktionskapazität aufbauen und durchfüttern sollen für einen Markt, der erst (wieder) entsteht?

    Ähnliches kann man z.B. schreiben über SKET in Magdeburg-und bitte die Küchenherdherstellung war der "Rest, sprich die zwangsweise Konsungüterproduktion, SKET war schon ein qualitativ und quantitativ hochwertiger Player im Schwermaschinenbereich.

    [...] Nichtsdestotrotz hätten gewisse Dinge gefördert werden müssen. [...]
    Jein.
    Sicher war/ ist es zu verurteilen, was die Treuhand tlw. vom Stapel lies, dass Hermes-Bürgschaften tlw. bewusst nicht vergeben wurden, usw.

    Aber grundsätzlich ist auch mal folgendes zu bedenken: Einmal angenommen, es wären alle Firmen durch management by out privatisiert wurden. Dann hätte man in Konkurrenz zum richtigen Weltmarkt treten müssen. Und da war eben der Teil des Marktes, der in den 1990er Jahren Geld einbrachte, aufgeteilt und die neuen Märkte hatten entweder kein konvertierbares Geld bzw. zu wenig konvertierbares Geld, bzw. wollten die "neuen Produkte"-siehe Bsp. Simson.

    5 Sachen zum Schluss:
    1. Es ist mir grundsätzlich egal, ob ein Westdeutscher die unmittelbare Zeit/ Lage im Osten vor und nach 1990, meine Biographie, usw. nachvollziehen will. Es interessiert mich nicht, was dieser darüber denkt, wie er das bewertet, wenn er mit belehrendem Duktus vorgeht. Letzteres meint dieser oftmals können zu dürfen, weil er ja gewonnen hat oder aus intellektuell unredlichen Gründen, aber er kann es ohne interessiertes Nachfragen genau so wenig, wie ich es im umgekehrten Fall könnte.

    2. Selbsterklärte Könner aus dem Westen, Sonnenkönige, Abzocker aus dem "Westen": alles richtig, aber: Vieles im Osten haben wir Ostdeutschen höchstselbst versaut.

    3. In die Geschichte zu blicken, sie aufzuarbeiten ist richtig und wichtig, die gemachten Fehler zu erkennen und zu benennen ebenfalls. Aber wer meint so ein toller Typ zu sein, um den Protagonisten von einst heute die Welt erklären zu müssen und zu können, dem schreibe ich: Nachmachen! Besser machen!

    Nun gut, das ist schwerlich möglich, aber etwas Empathie dafür, was das für eine Zeit war und das es eben schon eine Herausforderung war, sich Knall auf Fall in einer gänzlich neuen Zeit/ in einem gänzlich neuen System zurechtfinden zu müssen, erscheint mir nicht verkehrt.

    4. Sozioökonomische Lage in den Neuen Ländern hin oder her: NIEMAND, niemand zwingt die Fans von Hansa, BFC, Dynamo Dresden, usw. gewalttätig zu sein und regelmäßig durch unakzeptables Verhalten aufzufallen. Niemand!

    5. Sozioökonomische Lage im Osten hin oder her: Niemand verbietet einem hart zu arbeiten oder beim Empfang von Transferleistungen, trotz einer zugegeben gewissen mitunter auszumachenden Perspektivlosigkeit, einfach mal eine Grundzufriedenheit darüber zu haben, dadurch nicht verrecken zu müssen, wie das in weiten Teilen der Welt -auch der "zivilisierten und westlichen"- der Fall ist.

    Mit Verlaub und allem Verständnis für sozialwissenschaftliche Erklärungsmodelle: Armut in jeglicher Hinsicht muss nicht in politische Radikalisierung, muss nicht in Neid, muss nicht in Gewalt, muss nicht in eine "wir wurden zu Verlierern gemacht"-Rhetorik münden und in politischen Extremismus schon dreimal nicht.
  • 24.01.2012 13:48:31 von Yvy

    geht hier noch was ?

    die mauer im kopf scheint bei den ehemaligen DDR-Bürgern noch präsent, bei uns in der ehemaligen BRD eher nicht

    hört sich vielleicht profan an, aber nachdem Kohl, als die Wende quasi fast vollzogen war, plötzlich auf den Zug aufsprang und sich als "Kanzler der Einheit" feiern ließ (obwohl er wie gesagt nichts damit zu tun hatte), haben damals alle die "Ossis" gewarnt, bei der nächsten Wahl nicht die CDU zu wählen, da die Gefahr groß sei, über den Tisch gezogen zu werden.

    Statt sich zu informieren, haben viele (völlig ahnungslos) geantwortet "wir wählen keine SPD, da steht ein "S" für "sozialistisch" davor.

    Tja, selber schuld, kein Mitleid
  • 24.01.2012 17:30:14 von oberhofer

    Was soll hier noch gehen? Dein Beitrag, Yvy, ist unbedeutend, aber ich bin Dir zu Dank verpflichtet, dass Du den Fred hochgeholt hast, und ich so den Beitrag des werten Statistikers lesen konnte.

    Wow! Und Applaus. Ganz grosser Sport!

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