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Über allen Rängen ist Ruh

Bitte jubeln Sie leise!

Text: Rainer Hennies  Bild: Imago

Bitte jubeln Sie leise!

Als Schlager-Barde Tony Marschall die Textzeile "Heute hau´n wir auf die Pauke" mit großem Erfolg in einen seiner Schunkel-Hits einbaute, dachte er sicher nicht an die Fans des deutschen Frauenfußball-Meisters Turbine Potsdam. Doch gerade für die Turbine-Anhänger klingt dieses Lied mittlerweile wie Hohn, denn das Benutzen von Pauken, Trommeln, Trompeten und sonstigen lärmverursachenden Utensilien ist den Fans wegen eines schwebenden Gerichtsverfahrens verboten. Im Karl-Liebknecht-Stadion gilt seit kurzem das Motto "Jubeln und Anfeuern light".

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Was die Fans der Potsdamerinnen wie auch die Anhänger des Oberligisten SV Babelsberg tief betrübt, freut einen zugezogenen Anwohner der 8000 Zuschauer fassenden Arena. Er war es nämlich, der mit seiner Hartnäckigkeit dafür gesorgt hat, dass die Potsdamer die Stadionordnung auf Grund der unsicheren Rechtslage ändern ließen. Wer jetzt noch mit Lärminstrumenten im "Karli" auftaucht, dem droht Stadionverbot.

Darf der Schiri bald nur noch husten?

"Das ist eine echte Provinzposse", schimpft Babelsbergs Geschäftsführer Andreas Hechel, und sein Potsdamer Kollege Bernd Kühn kann sich angesichts des Lärmverbots nur noch beißender Ironie bedienen: "Bald wird auch die Schiedsrichterpfeife zum Lärminstrument erklärt und der Referee darf nur noch husten." Dabei ist die Ironie Kühns angesichts der Beanstandungen durch den Stadion-Nachbarn noch nicht einmal weit hergeholt. Die von ihm erzwungene sonntägliche Mittagsruhe darf von den beiden Klubs nur innerhalb eines strengen Stundenkontingents gestört werden. Nicht ohne Hintergrund mussten die Turbine-Spiele schon oft genug vormittags um 10.00 Uhr angepfiffen werden. Schließlich sind dem Nachbarn, der private Schallmessungen auf seinem Balkon durchgeführt hat, auch die Stadiondurchsagen zu laut. Doch nicht nur der Lärm plagt den Anwohner. So mussten die Vereine den Bratwurstgrill verlegen, weil die Gerüche störten. Auch der Dampf aus den Duschen wurde bereits vom Nachbarn beanstandet. Das Flutlicht darf sowieso nur 18 Stunden pro Jahr genutzt werden. Der Anwohner hatte zudem durchgesetzt, dass in die Lichtmasten ein Gelenk eingebaut wurde. Sie dürfen nur bei Benutzung ausgefahren werden, um den Blick vom Flatow-Turm zum Weltkulturerbe Babelsberger Park nicht zu beeinträchtigen.

Sie lassen sich das Feiern nicht verbieten

Die Fans der Potsdamerinnen ("Die Adler") wollen sich nun die ständigen Beanstandungen des Nachbarn nicht mehr gefallen lassen. "Im Schnitt kommen 1000 Fans zu den Heimspielen, und wir wollen uns die Stimmung nicht kaputtmachen lassen. Auf Dauer geht es so nicht weiter. Wir wollen beim DFB-Hallencup am 20. Januar in Bonn auf das Problem aufmerksam machen", kündigt Adler-Boss Mark Köhler an. Welche Blüten die Posse um das "Karli" mittlerweile treibt, wurde beim jüngsten Turbine-Heimspiel deutlich. Als eine einsame Kuhglocke zu hören war, schritt Geschäftsführer Kühn sofort ein, um die Anfeuerung zu unterbinden: "Die Familie hatte auch noch zwei Rasseln dabei. Und die zwölfjährige Tochter hatte gerade ihr Erspartes in eine neue Trommel investiert. Das sind kleine Dramen."




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