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Rechtsextreme stören Stadioneröffnung

Und niemand guckt hin

Text: Ayla Kiran  Bild: Ayla Kiran/11 FREUNDE

Und niemand guckt hin

Die Einweihung des Magdeburger Stadions war eigentlich als Auftakt der großen Kampagne „H!N-Gucken – Für ein demokratisches und tolerantes Sachsen-Anhalt“, einer Aktion gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gedacht gewesen. Unter anderem war von den PR-Strategen der Landesregierung die Enthüllung eines publikumswirksamen Banners angekündigt worden. Das auffälligste Banner entrollten dann allerdings nicht die Helfer im Stadion, sondern rechtsextreme Zuschauer. Vor 15000 Zuschauern wurde ein großflächiges Plakat mit der eindeutigen Aufschrift „Jedes System kann man abschalten – Nationaler Sozialismus jetzt!“ präsentiert.

Inszenierte Provokation
Dies geschah während der Ansprachen des sachsen-anhaltinischen Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer (CDU) und des Landtagspräsidenten Dieter Steinecke anläßlich der Präsentation der Kampagne gegen Rechts. Erst nach 20 Minuten wurden Banner und Bannerträger aus dem Stadion entfernt. Eine Reaktion auf den Banner gab es weder von Seiten der Zuschauer, noch von anwesenden Politikern und Sportfunktionären. Auch Franz Beckenbauer und „Sportstudio“-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, die als Gäste geladen waren, befanden sich zu dem Zeitpunkt auf dem Rasen.

Vieles spricht dafür, dass es sich bei dem rechtsextremen Banner um eine sorgfältig inszenierte Provokation eines größeren Netzwerks handelt, und nicht um die Tat einzelner. Die Gruppe hatten sich strategisch günstig in die obere Ecke der Südkurve zwischen den bunten Mix aus Familien und Schaulustigen plaziert, fernab der Magdeburger Fußballfans – und gegenüber des als „erste öffentlichkeitswirksame Aktion“ angekündigte, großflächige „H!N-Gucken!“ -Banner der Landesregierung.

"Das hat eine neue Qualität"
Am Donnerstag kam es zu einem weiteren Zwischenfall: Während eines Benefizkonzerts, das im Rahmen der Kampagne „H!N-Gucken!“ im Festsaal des Magdeburger Landtags stattfand, entrollte eine Gruppe von Männern vor der Bühne ein Transparent mit der Aufschrift „Wir lassen uns nicht kriminalisieren“, während im hinteren Teil des Saals Flugblätter mit dem Logo der Jungen Nationaldemokraten, der Jugendorganisation der rechtsextremen NPD, auf die Zuschauer geworfen wurde. CDU-Fraktionschef Jürgen Scharf sprach daraufhin von einer „gezielten Überraschungsaktion.“ Auch der Fraktionschef der Linkspartei.PDS im sachsen-anhaltinischen Landtag, Wulf Gallert, zeigte sich geschockt. „Dass sie sogar im Sitz des Ministerpräsidenten Angst verbreiten, das hat eine neue Qualität.“

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Die sachsen-anhaltinische Landesregierung war in den letzten Monaten wegen ihrer beschwichtigenden Haltung gegenüber diverser rechtsextremer Übergriffe mehr und mehr in die Kritik geraten. Insbesondere Ministerpräsident Böhmer war vorgeworfen worden, er behandle Angriffe wie in Pömmelte, Pretzien und Parey als Taten Einzelner, und nicht als ernstzunehmendes, strukturelles Problem. Die Grünen hatten Böhmer scharf kritisiert, und bezeichneten die Kampagne als „Alibi-Aktion ohne ernsthaftes Bemühen.“

„Rund um den Fußballsport gibt es ein extremes Potenzial an Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz,“ hatte der Vereinspräsident des 1.FC Magdeburg, Volker Rehboldt, im Vorfeld der Stadioneröffnung eingeräumt. „Auch unser Verein hat ein Zuschauerpotenzial, das sehr rechtslastiges Gedankengut vertritt. Der 1.FC Magdeburg braucht keine Leute von Rechts!“

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Impressionen von diesem denkwürdigen Tag in Magdeburg findet Ihr in unserer Bildergalerie.



Ergänzung zu Heft #63 02 / 2007




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