Seine schönsten Entlassungen
Peter Neururer comes alive
Text: Ayla Kiran Bild: Imago

"Wer Peter Neururer einen längerfristigen Vertrag gibt, kann sich auch gleich unter die
kalte Dusche stellen und die Geldscheine zerreißen. Das ist auch nicht billiger, härtet aber ab und hält gesund." Journalist Andreas Frank fand harte Worte zu Neururers Abgang bei Hannover 96. Dies begründete sich nicht nur auf Peter Neururers berühmt-berüchtigte Verbalbissigkeit, sondern vor allen Dingen auf dessen stolze Arbeitsbilanz: 12 Trainerstationen im Profifußball, zehn davon wurden "im gegenseitigen Einvernehmen" beendet. Wir dokumentieren sie für Euch: Die schönsten Entlassungen des Peter Neururer.

September - November 87: Cheftrainer Rot-Weiß Essen
"Das letzte Mal, dass ich so hoch verloren hab, war gegen meinen Bruder im Tipp-Kick." Einer von vielen legendären Sätzen des Peter N., hier gefallen nach einer 0:7-Niederlage. Ob dem Präsidium das Armageddon-Ergebnis nicht passte, oder doch vielleicht der nassforsche Ton? Fragen über Fragen, doch nur eine Antwort: Danach mußte Neururer gehen.
April 89 - November 90: FC Schalke 04
Es begann als eine Liebesgeschichte, bei der alle Zeichen auf Glück standen. „Für Schalke würde ich von Aachen aus zu Fuß laufen!“, glühte Neururer, nachdem man ihn von der Alemannia freigekauft hatte. Mit 33 Jahren war er damals einer der jüngsten Fußballlehrer der Bundesligageschichte. Nach dem 4:1-Sieg über Blau-Weiß 90 Berlin, der den Verbleib in der 2. Liga bedeutete, stürmten hunderte Fans das Spielfeld und trugen „Retter“ Peter Neururer auf den Schultern bis vor die Kabine. „Nach Hochzeit und Geburt meines Kindes ist das der größte Tag in meinem Leben“, jubilierte der Trainer.
Im Siegestaumel schenkte Christa Paas, Präsident Eichbergs Lebensgefährtin, Neururer sogar ihren Porsche. Dieser hatte nämlich immer wieder von Eichbergs Turbo geschwärmt. Und der Präsident hatte in Bierlaune versprochen: „Wenn wir die Klasse erhalten, bekommst Du den Wagen.“ Nach der Rettung rief Christa Paas durch den Saal: „Jetzt sollst Du Deinen Porsche haben.“
In der folgenden Saison 90/91 stand man am 17. Spieltag auf dem 2. Aufstiegsplatz. Dennoch wurde Neururer völlig überraschend im November entlassen. Grund, so munkelte man, war die Eitelkeit des Schalker Präsidenten Eichberg, der den Trainerposten mit dem weltmännischen Aleksander Ristic schmücken wollte. Die Fans protestierten, beim Spiel nach der Bekanntgabe Neururers Entlassung blieb ein Block in der Nordkurve leer. Es half nichts: Neururer musste den FC Schalke, seine "Herzensangelegenheit", um es mit einem anderen Trainerphantom der Liga zu sagen, verlassen.
März - Mai 91: Hertha BSC Berlin
Seinen kürzesten Traineraufenthalt hatte Peter Neururer 1991 in Berlin. Ganze zwei Monate lang trainierte er das Team von Hertha BSC Berlin in der 1. Bundesliga. Die ungute Bilanz: Zehn Niederlagen und zwei Unentschieden in zwölf Spielen.
Juli 91 - Juni 93: 1. FC Saarbrücken
Nach seiner Entlassung beim 1. FC Saarbrücken 1993 fuhr er in Christa Paas' Ex-Porsche Cabrio in Badelatschen und Trainingsanzug vor dem Arbeitsamt vor - eine der wenigen Aktionen, die er heute bereut.
April 96 - September 97: 1.FC Köln
"Ich kassiere mein Gehalt bis Juni '98 ganz normal weiter. Ich freue mich über jede Siegprämie, die mein Nachfolger gewinnt," grinste Neururer, stieg in seinen Ford-Jeep und ließ 17 Monate FC hinter sich. Neururer hatte in Köln um die 50.000 DM pro Monat verdient, seine Worte dürften Kölns Manager Rühl den Magen umgedreht haben. Das Verhältnis zwischen Neururer und Rühl war ohnehin nicht wetterfest: "Wir brauchen wieder Leidenschaft im Klub", hatte Rühl medienwirksam nach einer Heimniederlage gefordert, und noch eine Schippe Galle draufgelegt: "Wir brauchen einen fleißigen Trainer, der der Truppe Disziplin und Ordnung beibringt." Harte Kost - Neururer blieb danach fast eineinhalb Jahre ohne Job.
Ergänzung zu Heft #62 01 / 2007








