Benzinbanner und Bierbecher beim Spiel HSV-Werder?!
»Einzelne bisher unbelehrbare Fans«
Interview: Andreas Bock Bild: Imago
Angeblich wurde beim Spiel HSV-Werder ein mit Benzin getränktes Banner ins Stadion geschmuggelt. Vorher soll es massive Leibesvisitationen gegeben haben. Was war da denn los? Wir fragten nach bei der HSV-Fanbeauftragten Nicole Fister.
Nicole Fister, die Fans berichten von guter Stimmung beim Spiel HSV gegen Werder Bremen. Einige Zeitungen schreiben hingegen von Zwischenfällen. Was stimmt denn nun?
Nicole Fister: Die Stimmung war gut, die Mannschaft wurde nach dem Spiel sogar mit Beifall verabschiedet. Große Auseinandersetzungen zwischen den Fangruppen gab es nicht. Die Berichte in den Zeitungen beziehen sich auf gefundene pyrotechnische Mittel und einen Vorfall, der sich mit Werder Anhängern im VIP-Bereich abgespielt haben soll.
Es soll vor dem Spiel massive Leibesvisitationen gegeben haben. Die Fans mussten sich komplett ausziehen. Ist so etwas nötig?
Nicole Fister: Richtig ist, dass es aufgrund der Pyrovorfälle beim letzten Heimspiel verschärfte Einlasskontrollen im Block 25A gab. Diese wären an diesem Wochenende aber auch durchgeführt worden, wenn der Gegner VfB Stuttgart oder SC Freiburg geheißen hätte. Verdächtige Personen wurden dabei in Container gebeten, wo sie abgetastet wurden. Falsch ist allerdings, dass sich diese ausziehen mussten.
Mehrere Fans sollen allerdings in Unterhose in die Kurve gekommen sein.
Nicole Fister: Die Ultragruppe »Poptown«, die zu diesem Spiel ein Materialverbot auferlegt bekommen hatte, wusste von den Kontrollen. Also stiegen sie aus Protest nur in Unterhose bekleidet in den Shuttlebus und erschienen so bei der Kontrolle. Ihre Klamotten hatten sie in Tüten gepackt.
Trotzdem sollen mit Benzin getränkte Banner ins Stadion geschmuggelt worden sein. Wie war das möglich?
Nicole Fister: Die Banner wurden in einer Tüte an einem Zaun entdeckt. Sie waren zusammengefaltet und frisch bemalt. Es stank bestialisch, so dass man berechtigt annahm, es sei mit einer leicht entflammbaren Flüssigkeit eingerieben worden. Eine genaue Untersuchung durch einen Gutachter läuft noch.
Schließlich wurde ein Becher, gefüllt mit Wasser und einem Feuerzeug, auf Marko Marin geworfen. Nicht die erste Tat dieser Art in der laufenden Saison. Kann man so etwas überhaupt unterbinden?
Nicole Fister: Wir hoffen in solchen Fällen auf umstehende Personen, die einen potenziellen Werfer zur Räson bringen. Ebenso ist es bei Pyrotechnik und Böllern. Unser Fanprojekt weist in öffentlichen Schreiben immer wieder darauf hin, dass solche Aktionen nicht nur dem Image des Klubs schaden, sondern letztlich auch sehr viel Geld kosten. Denn jede Strafe vom DFB wird an den Täter weitergeleitet – sofern er denn ermittelt werden kann.
Haben die Köpfe der Ultra-Gruppen nicht die Macht solche Aktionen von vornherein zu tadeln?
Nicole Fister: Das Problem ist, dass viele Delikte auch von Einzelpersonen verübt werden. So sind etwa die Böller beim Spiel in Berlin nicht im Kreis der Gruppen gezündet worden, sondern an anderen Stellen.
Doch wer sind denn die Übeltäter?
Nicole Fister: Ich will nicht ausschließen, dass auch mal jüngere Mitglieder der Ultragruppen aus der Reihe tanzen. Die glauben, dass sie sich so ein Standing erarbeiten können. Dabei lehnen unsere Ultragruppen Böller strikt ab. In der Mehrheit sind es einzelne bisher unbelehrbare Fans, die für solche Aktionen wie den Becherwurf oder das Zünden von Böllern verantwortlich sind. Diese müssen wir ausfindig machen und mit Gesprächen zurückholen. Und klar, wenn nichts mehr weiterhilft, müssen auch Strafen verhängt werden.
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