Linken-Politiker Diether Dehm über sein Meisterwerk: Die Torhymne von Hoffenheim
»Ich würde Dietmar Hopp enteignen«
Interview: Erik Peter Bild: Frank Schwarz
Diether Dehm, Bundestagsabgeordneter der Linkspartei, Liedermacher und Musikproduzent erklärt, wie sein Lied »Was wollen wir trinken...« nach Hoffenheim kam, wie viel Geld er damit verdient und warum er als Kind auf dem Schoß von Herberger saß.
Diether Dehm, die TSG Hoffenheim verwendet den von Ihnen komponierten Song »Was wollen wir trinken...« als Tormusik. Drücken Sie Hoffenheim die Daumen?
Diether Dehm: Ich bin kein richtiger Hoffenheim-Fan, auch wenn ich für jedes Heimtor des Klubs 17 Cent an Tantiemen bekomme.
Sie sind also nicht enttäuscht, dass die TSG in dieser Saison erst 15 Tore in Heimspielen geschossen hat?
Diether Dehm: Nein. Bisher habe ich etwas über zwei Euro verdient. Aber selbst, wenn Sie mehr Tore hätten, würde das keinen großen Unterschied machen.
Wie ist es dazu gekommen, dass Ihr Lied in Hoffenheim gespielt wird?
Diether Dehm: Offensichtlich hat Dietmar Hopp das Lied ins Herz geschlossen. Vielleicht weiß er nichts von meinen politischen Ansichten, und dass ich ihn als SAP-Chef gern enteignen würde.
Ihr Lied ist nicht nur ein Trinklied, sondern sogar politisch. Es geht um die Solidarität der Arbeiter. Hat man in Hoffenheim den Text nicht verstanden?
Diether Dehm: Das Lied läuft ja auf allen möglichen Partys und befindet sich auch auf CDs wie »20 rattenscharfe Partyhits«. Das ist das Schicksal eines Volksliedes, das quasi missverstanden werden muss. Es ist eines von vielen Beispielen von Liedern mit revolutionärem Ursprung, die später nicht mehr über ihr ursprünglich politisches Engagement hinauswachsen.
Wie ist die Entstehungsgeschichte des Liedes?
»7 Tage lang« haben Hans Sanders, der verstorbene Chef der »bots«, und ich zunächst die Drehleierversion von Alan Stivell in Popmusik transformiert, dann für »Rock gegen Rechts« anlässlich eines NPD-Parteitages in Frankfurt 1979 umgeschrieben. Das Lied sollte den Nazis unsere eigene Lebensfreude entgegensetzen. Ursprünglich basiert es auf einem uralten bretonischen Volkslied über den Cidre. Wir wollten ein antifaschistisches Trink- und Feierlied mit einem Hauch des Bauernmalers Brueghel.
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