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08.02.2012

Uli-Borowka-Kolumne: »Die Axt« haut dazwischen

»Anleitung zum Grätschen? Der Unsinn des Jahres!«

Text: Uli Borowka  Bild: Imago

Dass die englische FA eine »Anleitung zum Grätschen« an ihre Spieler herausgeben will, bringt unseren Kolumnisten Uli Borowka erwartungsgemäß auf die Palme. Er sagt: »Was kommt als Nächstes? Anleitung zum tödlichen Pass durch den DFB-Präsidenten?«

Uli-Borowka-Kolumne: »Die Axt« haut dazwischen - »Anleitung zum Grätschen? Der Unsinn des Jahres!«


Das ist für mich schon jetzt der Unsinn des Jahres: Die englische FA will eine Anleitung zum Grätschen für ihre Spieler veröffentlichen, damit die Herren Fußballer in Zukunft ordnungsgemäß ins Tackling gehen. Ja, sind die denn noch ganz sauber? Männer in Anzügen, die das letzte Mal vor 40 Jahren auf dem Bolzplatz um die Ecke gegen den Ball getreten haben, wollen den Profis vorschreiben, wie sie ihre Arbeit zu tun haben? Manchmal bin ich wirklich froh, dass meine Karriere bereits beendet ist.



Jetzt bin ich gespannt, ob auch unsere Funktionäre auf die glorreiche Idee kommen, so eine Anleitung für die Bundesliga anzufertigen. So wie ich unsere Führungsetage einschätze, ist der Gedanke daran gar nicht mal so absurd, wie man zunächst vermuten könnte.

Ball gespielt, Gegenspieler getroffen? Foulspiel!

Dabei ist der Sport vor lauter Vorschriften ja ohnehin schon kompliziert genug geworden. Jede Woche pfeifen die Schiedsrichter Dinge, von denen zumindest ich gar nicht mehr weiß, warum die nun richtig oder falsch waren. Genauso ist es bei der guten alten Grätsche. Wenn zum Beispiel ein Mats Hummels – für mich einer der drei besten Verteidiger Europas – zu einer Grätsche ansetzt, den Ball sauber trifft, aber anschließend noch seinen Gegenspieler berührt, ist das nach heutigen Maßstäben ein Foul. Warum nur?

Kein Wunder, dass unsere Abwehrspieler häufig extrem vorsichtig zu Werke gehen. Kaum treffen sie den Gegner, droht eine gelbe oder sogar eine rote Karte. Deutsche Defensivspezialisten wie Winnie Hannes oder Karl-Heinz Förster, die heute von der Öffentlichkeit zu Recht glorifiziert werden, würden 2012 mit ihrer Spielweise höchstens zehn Minuten ohne Platzverweis auskommen. Und es ist ja nun mal nicht so, dass beispielsweise meine Generation heute nur noch auf Krücken laufen kann, weil früher so hart getreten wurde. Daran sollten Funktionäre mal denken, wenn sie einerseits die Vergangenheit preisen und andererseits das Regelwerk dermaßen aufweichen.


weiterlesen [1] [2]



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Wunderbar, wie sich in dieser Szene beim Europapokal-Endspiel zwischen Atletico Madrid und Bayern München der Schnäuzer von Gerd Müller (rechts) symetrisch zur Grätsche verbiegt.


Fotostrecke

  • Wunderbar, wie sich in dieser Szene beim Europapokal-Endspiel zwischen Atletico Madrid und Bayern München der Schnäuzer von Gerd Müller (rechts) symetrisch zur Grätsche verbiegt.
  • Eingesprungene Fluggrätsche von Erich Obermayer (Österreich, rechts) gegen den bedauernswerten Rene van de Kerkhof (Niederlande).
  • Eine herrliche Beinschere setzt hier Hans-Heinrich Pahl (Braunschweig) gegen Klaus Allofs (Köln) an. Bestnoten gibt es für die elegante Armhaltung. Eindrucksvoll.
  • Die Doppelgrätsche, sitzend, formvollendet ausgeführt von Johan Neeskens (Holland) im WM-Finale 1974. Zu Fall gebracht: Rainer Bonhof.
  • Fred Hesse (Düsseldorf, links) grätscht dem Lauterer Wolfgang Seel in die Parade. Freunde der Anatomie werden begeistert sein von der wunderbaren Aufnahme sämtlicher Oberschenkelmuskeln.
  • Welcome back, Kaiser! Jürgens Gelsdorf (links, Leverkusen) und Jürgen Glowacz nehmen Franz Beckenbauer nach seiner Rückkehr in die Bundesliga freundschaftlich in die Mangel.


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Kommentare

  • User
  • 08.02.2012 10:44:52 Saarbremer

    So unsinnig ist diese Idee nicht. Die NHL hat vor dieser Saison eine ähnliche Regel eingeführt um Verletzungen vorzubeugen und zu mindern. Dabei wurde den Spielern anhand Videos aus vergangenen Spielzeiten gezeigt, welcher Körperkontakt erlaubt ist und welcher Körperkontakt automatisch eine Strafe und/oder Sperre nach sich zieht. Also um Verletzungen zu vermeiden finde ich diese Regel gar nicht mal so unsinnig, wenn den Spielern auch in diesem Fall Anschauungsmaterial zur Verfügung gestellt wird.

  • User
  • 08.02.2012 11:30:51 Yvy

    Die NHL ist a) nordamerikanisch und b) eine Eishockeyliga. Mit Grätschen thematisch also null verwandt.

    Diese zunehmende Verweichlichung im deutschen Fußball, wo bei jedem Ausrutscher oder Balleroberung im 16er die Sky-Kommentatoren tröten "DAS HÄTTE ELFMETER GEBEN MÜSSEN !" führt, und hier gebe ich Felix Magath ausnahmsweise recht, zu einer mangelnden Konkurrenzfähigkeit auf internationalem Niveau.
    Kann man auch gut z.B. in der Champions League beobachten, oder bei Deutschland gg. Spanien die letzten beiden Mal.

    Selbst die Schiedsrichter und ein Großteil der Fans geben sich der Illusion hin, eine Balleroberung durch körperlichen Einsatz sei regelwidrig. Völliger Unsinn ist das !!!

    Früher war gewiß nicht alles besser, aber die Verteidiger durften noch verteidigen.

  • User
  • 08.02.2012 12:09:59 pandrodor

    Saarbrenner schrub auch gar nicht von Grätschen.

    Auch schön die latent rassistische Unterscheidung zwischen dem dummen Nordamerika und den stahlharten Teutonen, die verweichlichen.

  • User
  • 08.02.2012 13:32:41 pathologe

    Und da isse mal wieder, die (latente) Rassismus-Keule...ich weiss ehrlich gesagt nicht, wo er von dummen Nordamerikanern schreibt!? Mir ist echt schleierhaft, wie man jmd. latenten Rassismus vorwerfen kann, der nur darauf hinweist, das die NHL nun mal so garnicht als Vegleich taugt bzgl. des Grätschen. Zumal es unterschiedliche Sportarten sind, was den Vergleich generell schwierig macht. Und es wird auch keine Unterscheidung zwischen Deutschen und US Bürgern gemacht. Der 1. und der 2. Absatz haben keinen Bezug zueinander!? Aber erst einmal wieder laut Rassismus schreien...'tschuldigung, 'latenter' Rassismus, was es auch nicht besser macht....

  • User
  • 08.02.2012 13:36:44 giselher

    Wer in Yvys Beitrag Rassismus verortet, hat einen an der Klatsche. Und sei es nur, weil es keine "nordamerikanische Rasse" gibt. So wenig wie eine "europäische Rasse" übrigens.

    Aber Hauptsache mal wieder moralisiert....

  • User
  • 08.02.2012 23:03:50 Manzi

    Schade das die dämliche Rassismus-Keule jedwede Diskussion schon im Keim erstickt hat.

    Trotzdem noch ein Versuch:

    1. Natürlich grätscht niemand im Eishockey, zumindest nicht so wie Roy Keane im Video 2:
    www.11freunde.de/international/149 005
    Würde ja auch eine Amputation nach sich ziehen!

    2. Ich versteh die Aufregung nicht. Warum soll es keine "Video-Tutorial" geben was man darf und was nicht? Was glaubt ihr, wie wohl sonnst Schiris geschult werden?
    Das hat der Uli doch wohl eher absichtlich was missverstanden, um sich künstlich aufregen zu dürfen, oder?

  • User
  • 09.02.2012 00:33:16 bergomi

    kann mal jemand dem borowka sagen, dass er nicht solchen schwachsinn verzapfen soll? danke.

  • User
  • 09.02.2012 09:04:05 currygoi

    Kommt nur mir das so vor, oder versucht Borowka auf dem Bild lasziv-erotisch zu gucken?

  • User
  • 09.02.2012 12:23:28 Saarbremer

    Ich meinte nicht, dass das Grätschen oder Körperkontakt verboten werden sollen, sondern dass mit so einem Videotutorial genauer gezeigt werden kann, wo die Grenze zwischen erlaubten und unerlaubten Körperkontakt liegt. Das wäre meiner Meinung nach auch wichtig für Grätschen, v.a. die Auslegung, ob eine Grätsche von der Seite oder von hinten kam.

  • User
  • 09.02.2012 12:34:02 giselher

    Meines Wissens (?) ist in der BL schon lange üblich, die Vereine/Spieler regelmäßig in Regelauslegungsfragen zu schulen. Meist in der Sommerpause kommen dann BL-Schirris zu den Vereinen ins Training/Trainingslager, um über die neusten Regel-Themen zu informieren (Am Rande: Es fährt immer ein Schirri zu dem Verein, den er in Pflichtspielen NICHT pfeifen wird wg. gleicher Landesverband und so.)

    Da kommt dann sicher auch das ein oder andere "bewegte Bild" zum Einsatz.

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