Zum Zehnjährigen: Weltpokalsiegerbesieger-Party auf St.Pauli
»Bayern ist nervös...!«
Text: Moritz Herrmann Bild: Moritz Herrmann
Vor zehn Jahren sorgte der FC St. Pauli für eine der größten Sensationen in der Geschichte des Vereins. Keine Frage, dass der 2:1-Sieg gegen den frisch gebackenen Weltpokalsieger ein Jahrzehnt danach gebührend gefeiert werden musste. Wir waren vor Ort.
Heiseres Rufen, ein Pfiff schneidet durch die Luft, Bierglas splittert. Dann wieder Ruhe. Der Mann am Urinal späht über die Schulter, er legt die Stirn in Falten, lauscht. »Hoffentlich fällt jetzt kein Treffer.« Das alte Fandilemma. Wann auf Klo gehen, ohne etwas zu verpassen? Die Frage ist fast so alt wie das Spiel selbst.
>>> Oh, wie war das schön: Die Fotos zum Spiel in der Bildergalerie!
Allein, heute stellt sie sich nicht. Es wird kein Treffer fallen, jedenfalls nicht jetzt, nicht mehr vor der Halbzeit. Der FC St. Pauli führt schon mit zwei Toren gegen Bayern München. Natürlich weiß das der kleine Mittvierziger, mittlerweile zum Waschbecken gewechselt, auch. Er grinst in den Spiegel. An diesem Abend im »Knust« gehört Ironie zum guten Ton.
Noch 25 Minuten bis »Play«
Das Projekt Fanräume e.V. hat in den kleinen Club an der Feldstraße geladen, um auf den Tag genau das zehnjährige Jubiläum der Weltpokalsiegerbesieger zu begehen. Die gemeinnützige Spenden-Initiative engagiert sich für selbstverwaltete Fan-Räumlichkeiten im neuen Millerntor. Eigentlich sollte das Event auch am Millerntor steigen, aber die zweistelligen Minusgrade wollte man den Anhängern dann doch nicht zumuten. Im »Knust«, Luftlinie 150 Meter, staut sich die Wärme. 19:35 Uhr, fünfundzwanzig Minuten bis zum Spiel. 25 Minuten bis »Play«.
Stadionsprecher Rainer Wulff liest die Ergebnisse des 20. Spieltags aus der Saison 2001/02 vor. Hansa Rostock gegen FC St. Pauli 1:0, FC Bayern München gegen Bayer Leverkusen 2:0. Für die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld damals das Fanal zur Aufholjagd auf die Spitze, das enteilte Dortmund sollte eingeholt werden. »Die Vorzeichen stehen also nicht eben gut«, unkt Wulff auf der kleinen Bühne. Der Mann mit dem Timbre kettet sich an seine Rolle, verzieht keine Miene. Die Menge im »Knust« johlt. Hier soll ein zweites Erleben konstruiert werden, das dem ersten zur Ehre gereicht. Auch die Preise sind den einstigen nachempfunden, Bier kostet 1,80 Euro. Ironie und Nostalgie. Wer nicht sentimental werden will, muss sich zynisch geben. So ist das nun mal.
Anstoß. Hellmut Krug pfeift das Spiel an
20:01 Uhr, die Technik spielt die DVD ab. Hellmut Krug pfeift, die Hosen bis an die Brust gezogen, an. Als Thorsten Fink über die Leinwand trabt, buhen die Sitzreihen laut. Fink, mittlerweile Trainer beim Hamburger SV, hat der »Mopo« am selben Tag gesagt, er verstehe die Aufregung auf dem Kiez nicht: »Ich weiß nicht, ob das ein Riesengrund zu feiern ist. Eigentlich war das nur ein Bundesliga-Duell, das kann man ja mal verlieren.«
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