»Unsere Kurve«-Sprecher Ben Praße über seinen Auftritt im Bundestag
»Das kann nur der Startschuss sein«
Interview: Marius Gutowski Bild: Imago
Ben Praße ist stellvertretender Sprecher der Fanvereinigung »Unsere Kurve« und der einzige, geladene Fanvertreter zur öffentlichen Anhörung des Sportausschusses im Bundestag am Mittwoch. Ein Gespräch über realistische Erwartungen und seine Außenseiterrolle.
Ben Praße, diesen Mittwoch gibt es eine öffentliche Anhörung im Sportausschuss des Bundestages zum Thema »Gewalt in und um Fußballstadien«. Worum wird es dort konkret gehen?
Ben Praße: In erster Linie geht es darum, die anwesenden Politiker auf den Status quo der Debatte zu bringen und auf die Fragen der Abgeordneten einzugehen. Das ist keine Sitzung, bei der irgendetwas entschieden wird, sondern eine reine Informationsveranstaltung. Ich bin als Sachverständiger eingeladen und soll Unklarheiten aus dem Weg räumen. Wir sehen es als unsere Aufgabe, aufzuklären und wollen den Politikern andere Sichtweisen anbieten.
Das klingt ein wenig nach trockenem Geplänkel. Was erwarten Sie dennoch?
Ben Praße: Ich erwarte, dass die Politik Verständnis für uns Fans zeigt und sich noch mehr informiert. Denn eins ist klar: Mit einem einzigen Termin kann man eine so vielschichtige Thematik nicht angehen, geschweige denn, verstehen. Natürlich ist das oberste Ziel, dass es so wenig Gewalt wie möglich gibt. Aber die, die es gibt, muss auch richtig bewertet werden.
Wie kann das funktionieren?
Ben Praße: Wir wollen im Dialog mit allen Parteien bleiben, gerade mit der Polizei. Die Politik soll nicht nur über die Fans, sondern vor allem mit den Fans sprechen. Dafür wollen wir erster Ansprechpartner sein. Auf der anderen Seite dürfen sich die Fans nicht zu sehr vor den Gesprächen mit der Polizei verschließen. Wir dürfen nicht nur fordern, sondern müssen uns auch selbst bewegen.
Auf der Teilnehmerliste finden sich neben »Hardliner« Heribert Bruchhagen auch zwei verschiedene Verbände der Polizei. Einen weiteren Fanvertreter sucht man neben Ihnen vergeblich. Fühlen Sie sich eingeengt?
Ben Praße: Sicher wäre es schön gewesen, wenn dort noch mehr Fanvertreter sitzen würden, für den Anfang ist es aber okay. Dennoch hat man mit Vertretern von Dynamo Dresden und Eintracht Frankfurt auch Verantwortliche aus Vereinen eingeladen, die sich kompetent zur Thematik äußern können, weil Sie hinreichende Erfahrungen mit gewalttätigen Fans gemacht haben.
Die angesprochenen Ausschreitungen sind mittlerweile Monate her.
Warum setzt man die Anhörung im Sportausschuss des Bundestags erst jetzt an?
Ben Praße: Ich vermute, dass es feste Termine für die Anhörungen gibt. Da ist vermutlich nicht viel Spielraum für spontane Anhörungen. Dass es erst jetzt dazu kommt, ist schade, aber besser zu spät als nie.





