1860 München und das Nazi-Problem
Angriff von Rechts
Text: Erik Peter Bild: Imago
Zweitligist 1860 München hat ein Problem und das kommt von rechts. In der Fankurve machen sich immer mehr Nazis breit. Inzwischen ist das Problem zu groß, um es einfach weiter zu ignorieren. Eine große Verantwortung tragen die Ultras.
Im Block 132 stehen die Nazis. Manchmal sind es nur zehn, häufig aber auch um die 50 Personen. In der Nordkurve der Allianz-Arena, Heimat der Fans von 1860 München, haben sie sich seit langem eingerichtet. Im Nachbarblock der Ultras versammeln sie sich, ohne ein Hehl aus ihrer Einstellung zu machen, aber auch ohne strafrechtlich in Erscheinung zu treten. Viele tragen rechtsextreme Erkennungszeichen, wie Kleidung der Modemarke »Thor Steinar«. Und auch einen Fanklub haben sie mittlerweile gegründet. Sie nennen sich »Outsiders«.
Doch die Rechten stehen nicht soweit abseits, wie der Name suggeriert. Im Verein haben sich in der Vergangenheit viele mit ihnen arrangiert, indem sie sie einfach ignoriert haben. Die Vereinsverantwortlichen, die argumentieren, ihnen seien die Hände gebunden, so lange nicht gegen die Stadionordnung verstoßen wird. Die umstehenden Fans, für die nur zählt, dass jemand ein »Löwe« und nicht etwa ein »Roter« ist. Und die Ultras, die sich »unpolitisch« nennen und sich öffentlich nicht positionieren. Eine Ausnahme sind die »Löwenfans gegen Rechts«, eine Initiative, die seit 17 Jahren gegen die Ignoranz ankämpft.
Bei Nazi-Aufmärschen werden stolz Fan-Utensilien gezeigt
Ihr Sprecher Herbert Schröger sagt im Gespräch mit 11FREUNDE: »In jüngster Zeit hat das Problem an Dramatik zugenommen, allein schon wegen ihrer schieren Anzahl.« Auch stehen nicht etwa nur ein paar verirrte Jugendliche und Mitläufer in der Kurve, sondern führende rechtsextreme Kader. Regelmäßig kommt es vor, dass »Größen« der lokalen Naziszene bei Aufmärschen und öffentlichen Auftritten stolz ihre Fanutensilien präsentieren.
Im Dezember erörterte Schrögers Initiative dem Aufsichtsrat der Sechziger das Problem und stieß erstmals auf offene Ohren. Geschäftsführer Robert Schäfer versprach im Anschluss endlich etwas »zu unternehmen«. Ein Maßnahmenkatalog wurde entworfen, künftig wolle man sich eindeutig positionieren. Unterstützung erhielten die Bemühungen auch durch die öffentliche Diskussion nach der Veröffentlichung eines Artikels auf Spiegel Online.
Als die Ultras protestierten, kamen die Nazis
Dass es höchste Zeit wird, den Nazis etwas entgegen zu setzen, beweisen Vorfälle aus der jüngsten Vergangenheit. Als im April die Ultra-Gruppe »Cosa Nostra« bei einem Heimspiel gegen Energie Cottbus aufgrund der bevorstehenden Übernahme des Vereins durch einen jordanischen Investor einen Stimmungsboykott startete, waren die Rechten sofort zur Stelle. Sie stimmten die Fangesänge an und versuchten die Kurve hinter sich zu bringen. Anscheinend berauscht von der Vorstellung, nun die neuen Hausherren zu sein, folgte im selben Spiel noch ein Angriff auf die Ultras, als Mitglieder der Jugendgruppe »Giasinga Buam« ein vereinskritisches Transparent entrollten. Zahlreiche Gegenstände flogen auf die Ultras, es kam zu einem Handgemenge, das erst durch den Einsatz von Ordnern und Polizei beendet werden konnte. In »Kurvenpate«, dem Fanzine der »Cosa Nostra« heißt es dazu später lapidar: »Es gab ein kurzes Scharmützel zwischen uns und den Nationalen Sozialisten im Block 132.«
---
News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: 1860 München, Alemannia Aachen, Eintracht Braunschweig, Hannover 96, Werder Bremen






