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02.02.2012

1982, Sensation im Emsland: Maradona vs. SV Meppen!

»Wie Woodstock und Schützenfest«

Interview: Jörn Lange  Bild: Helmut Kemme

Am 3. August 1982 wird Meppen zum Nabel der Fußballwelt. Denn Diego Maradona gibt sein Europa-Debüt für den FC Barcelona! Der damalige Meppen -Trainer Hans-Dieter Schmidt erinnert sich an Bratwurst mit Diego und furchtlose Emsländer.

1982, Sensation im Emsland: Maradona vs. SV Meppen! - »Wie Woodstock und Schützenfest«


Hans-Dieter Schmidt, der große Diego Maradona im beschaulichen Meppen – wie kam es dazu?

Hans-Dieter Schmidt: Das Spiel hatten wir eigentlich Udo Lattek zu verdanken. Udo ging gerade in seine zweite Saison als Barca-Trainer und war mit seinem Team zur Vorbereitung in den Niederlanden. Er hatte aber Angst vor der »Einsatzfreude« unserer Nachbarn, anstatt dessen wollte er lieber gegen eine norddeutsche Amateur-Mannschaft spielen.



Wie haben Sie sich auf das Spiel vorbereitet?

Hans-Dieter Schmidt: Sportlich haben wir uns genauso vorbereitet wie immer. Aber ansonsten stand ganz Meppen Kopf!

Das müssen Sie erklären.

Hans-Dieter Schmidt: Die Kartennachfrage war so groß, dass sich der Verein seinen ersten Anrufbeantworter kaufen musste. Unser Präsident Wolfgang Gerstmann strich eigenhändig die Tribünenwände, und am Spieltag wurde sogar ein Fahrer zur spanischen Botschaft nach Bonn geschickt, weil es in Meppen keine spanische Flagge gab.

Wie müssen wir uns das Szenario im »Hindenburgstadion« vorstellen?

Hans-Dieter Schmidt: Wie eine Mischung aus »Woodstock« und Schützenfest. Die Zuschauer saßen bis direkt an den Spielfeldrand, auf der Laufbahn standen improvisierte Bänke aus Bierkästen und Holzbolen. Das Holz war allerdings frisch geschnitten – ich habe später viele Menschen gesehen, die sich ihre schönen Sommerhosen mit Harz versaut hatten (lacht).

Das Spiel hält bis heute den Zuschauerrekord in Meppen…

Hans-Dieter Schmidt: Richtig, offiziell wurden 18 000 Besucher gezählt.

Wie viele waren es wirklich?

Hans-Dieter Schmidt: Eher 22 000. Das Stadion platzte aus allen Nähten, selbst auf den umliegenden Bäumen gab es keine freien Plätze mehr. Maradona, Bernd Schuster, Allan Simonsen – das wollte sich niemand entgehen lassen. Dazu kamen die vielen Journalisten. Allein aus Spanien reisten gefühlte 100 Medienvertreter an. Und jeder wollte wissen: Wer spielt gegen Maradona? 

Und, wem wurde diese Ehre zuteil?

Hans-Dieter Schmidt: Wir spielten damals schon eine Raumdeckung, aber einer sollte sich trotzdem um Maradona kümmern. Hermann Eiting, damals gerade Anfang zwanzig, aber ein zuverlässiger Mittelfeldspieler. Ich habe ihm gesagt, dass er fair spielen soll – und das hat er auch gemacht.

Hat er keine schlotternden Knie bekommen?

Hans-Dieter Schmidt: Hermann ist richtiger Emsländer – das sind gestandene Kerle, die kennen keine Angst. Er hat sein Bestes gegeben und sich super geschlagen. Überhaupt hat die ganze Mannschaft phantastisch gespielt.

Hat Maradona sein Aufwärmprogramm damals schon so zelebriert, wie man es später von ihm kannte?

Hans-Dieter Schmidt: Das war ein Spektakel! Er musste von Polizisten aufs Spielfeld eskortiert werden, dann schnappte er sich einen Ball und fing an zwischen Sechzehner und Mittellinie hin und her zu dribbeln. Fuß, Oberschenkel, Kopf, Nacken – alle möglichen Tricks. Innerhalb kürzester Zeit folgte ihm ein Schwarm aus gut 100 Fans. Immer wenn er wieder in die Gegenrichtung lief, bildete sich kurz eine Gasse. Maradona tänzelte hindurch und anschließend hängte sich die Menschentraube wieder geschlossen an seine Fersen. Ein unglaubliches Bild!



Aus Heft#123 02/2012

70 Jahre Sir Alex Ferguson!


weiterlesen [1] [2]





Weltmeisterschaft der U-20-Junioren 1979. Erstmals taucht das junge Wunderkind Diego Armando Maradona auf der großen Welt-Bühne auf. In Lanus geboren, auf dem Bolplatz sozialisiert und bei den Argentinos Juniors ausgebildet, wird Maradona in Japan zum besten Spieler des Turniers gekürt. Schwacher Trost: Zur WM 1978 im eigenen Land war er nicht nominiert worden, beim Titelgewinn darf er nur zuschauen.


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  • Weltmeisterschaft der U-20-Junioren 1979. Erstmals taucht das junge Wunderkind Diego Armando Maradona auf der großen Welt-Bühne auf. In Lanus geboren, auf dem Bolplatz sozialisiert und bei den Argentinos Juniors ausgebildet, wird Maradona in Japan zum besten Spieler des Turniers gekürt. Schwacher Trost: Zur WM 1978 im eigenen Land war er nicht nominiert worden, beim Titelgewinn darf er nur zuschauen.
  • Blumenkind mit unter 20. Sein Ligadebüt hat »El pibe« da schon längst hinter sich. Er debütiert am 20. Oktober 1976, mit 16 Jahren und zehn Tagen.
  • Ein Jahr später. Segeltörn für Anfänger mit Karl-Heinz Rummenigge. Für das Shirt ginge der heute wieder schon als Styler durch
  • Fürs Familienalbum am Strand. Diego mit Diego Armando senior und Mutter Dalma Franco.
  • Könnte aus jedem x-beliebigen Teenager-Zimmer Anfang der achtziger Jahre stammen, ist aber der beste Fußballer aller Zeiten.
  • Januar 1981, Argentinien gegen Uruguay. Das Debüt hat er da längst hinter sich: 27. Feburar 1977 gegen Ungarn (5:1)


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Kommentare

  • User
  • 02.02.2012 21:54:29 ColePorter

    Wow, die Story kannte ich noch gar nicht!
    Dass Maradona tatsächlich mal nur knapp 40 km entfernt gezaubert hat, erstaunt mich doch nun sehr!

  • User
  • 02.02.2012 22:38:09 Esteban Cantate

    Aaaah - alter Hut. Hättste mich ma gefragt!

  • User
  • 02.02.2012 22:40:01 ColePorter

    Esteban, werd ich dann grundsätzlich bei allen Dingen tun, die ich im vornherein nicht weiß!

  • User
  • 02.02.2012 23:00:56 Esteban Cantate

    Leider zu spät, fürchte ich. Mit obiger Anekdote ist mein Spezialwissen ausgeschöpft.
    Das einzige, was ich jetzt noch anbieten kann, ist, dass Stefan Brasas maln Tor erzielt hat gegen Robert Enke. Mitte der 90er soll das gewesen sein.. Ist aber ohne Gewähr, mir wurde das nur zugetragen und n (halbherziger) Verifizierungsversuch via Innernay ist fehlgeschlagen.

  • User
  • 02.02.2012 23:08:21 ColePorter

    Mit dem SV Meppen kannste mich als Cloppenburger jagen. Is halt Emsland. Mag man nicht sonderlich.

  • User
  • 03.02.2012 07:57:52 Hotte80

    Nanana! 94/95 war für die gesamte region zwischen ems und weser, lingener höhe und küste eine magische saison und kaum jemand, der nicht mit dem SVM mitfieberte und in verzückung geriet angesichts des zum greifen nahen bundesligaaufstiegs. das emsland- ex. hindenburgstadion wurde zur fast uneinnehmbaren festung, wolfsburg, hannover, st. pauli, rostock, hertha, mainz wurden mit zum teil deutlichen niederlagen auf die heimreise geschickt, eine karte zu bekommen war fast schon gleichzusetzen mit einem sechser im lotto. eine ähnliche euphorie in der region weser/ems gabs zuvor und danach nur einmal, 91/92, als der VfB Oldenburg den Aufstieg in die bundesliga um lediglich einen punkt verpasste - ausgerechnet gegen die absteiger BW 90 und Stahl Brandenburg verspielte man mit zwei 0:0-heimremis entscheidene punkte.
    dem SVM wurde vor allem die geringe ausbeute in auswärtsspielen zum verhängnis, da konnte auch ein sieg in - Stinki und zabo werden sich erinnern - nürnberg nichts ändern.

  • User
  • 03.02.2012 08:36:40 Hotte80

    unglaubliches spiel. in dieser saison gabs noch so ein ding, ein 5:4 gegen mainz.

  • User
  • 03.02.2012 13:03:42 FNGR2911

    SV Meppen.. warum wird mir da direkt schlecht?

    Trotzem nette Geschichte, wusste ich ebenfalls nicht bisher.

  • User
  • 03.02.2012 13:29:14 alterzabo

    Meppen? Ich kenne kein Meppen.

    Das war die Durchreichsaison, im folgenden Jahr stieg der Club sogar in die Regionalliga ab.

    Der eigentliche Nürnberger 2:0 Sieg (Eichin/Zietsch) wurde später am grünen Tisch 0:2 gewertet, weil Nbg 4 Ausländer einsetzte.

  • User
  • 03.02.2012 13:40:17 Hotte80

    eben drum war ich mir sicher, dasses in erinnerung geblieben is, hehe...

  • User
  • 04.02.2012 21:52:16 Esteban Cantate

    Schön, dass zumindest einige noch ehrliches Fußballhandwerk zu schätzen wissen. Hier noch n kleines Leckerchen für ebendiese. Etwas älter als das obige Schmuckstück, aus der Anfangszeit der Meppener Dynastie.

    Es hält sich, auch das will ich gerne in die Runde weiterreichen, auch hartnäckig die Theorie, Meppen sei ein Opfer der Einführung der 3-Punkte-Regel - denn dem geplegten Unentschieden, das ja infolge der Neureglung an Wert verlor, war man in Meppen traditionell sehr zugeneigt

  • User
  • 05.02.2012 18:22:00 alterzabo

    Klasse! Berentzen gegen Arbeiterohlfahrt!! Und lecker Bier nach dem Abpfiff. PRO RETROFUSSBALL. ;)

  • User
  • 05.02.2012 23:37:33 valenciano

    Das schoene ist doch wirklich, dass da Bier fuer den Gegner auch ne Selbstverstaendlichkeit ist.
    Aber das die Fans da einfach am Bier vorbei laufen? Wuerd mir nicht passieren.

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