Sind Sie der Bösewicht der Liga, Felix Magath?
»Ich bin der liebste Mensch der Welt«
Interview: Christoph Biermann und Tim Jürgens Bild: Johan Sebastian Hänel
Kein Bundesligatrainer polarisiert mehr als Felix Magath. Wie aber steht der Trainer des VfL Wolfsburg selbst zum Image des Schleifers, der Kritik an seiner Transferpolitik und dem Rosenkrieg auf Schalke? Für Ausgabe 121 sprachen wir ihm.
Felix Magath, Sie müssen mit einigen drastischen Klischees bezüglich Ihrer Person zurechtkommen. Wir würden mit Ihnen gerne mal Ihr Image auf seine Nähe zur Realität abklopfen.
Aha, jetzt kommen Sie auch mit der alten »Quälix«-Geschichte. Ich sage Ihnen gleich, mit dem Spitznamen hatte ich noch nie ein Problem, ich habe immer gerne Asterix gelesen.
Umso besser, dann lassen Sie uns doch mal die härtesten Vorwürfe nach und nach durchgehen. Machen Sie mit?
Na gut, dann schießen Sie mal los.
»Quälix«, »Saddam«, »Diktator« – kaum ein deutscher Coach hat von den Medien mehr zweifelhafte Spitznamen erhalten als Sie. Verbreiten Sie wirklich nur Angst und Schrecken?
Es wird mir immer unterstellt, dass ich so viel Furcht verbreite und Spieler unter Druck setze, dabei bin ich doch einer der liebsten Menschen der Welt. (lacht.)
Sie müssen uns nicht gleich vom Gegenteil überzeugen. Fakt ist doch, dass es kaum einen Trainer gibt, der nach Niederlagen eine deratige Laune ausstrahlt, dass jeder im Raum nur denkt: »Lass mich niemals schuld sein, dass dieser Mann ein Spiel verliert.«
Ich habe schon immer ein großes Problem mit dem Verlieren gehabt. Daraus habe ich auch nie einen Hehl gemacht…
Aber?
Ich habe auch schon früh und sehr bewusst die Entscheidung getroffen, meinen Zorn über Niederlagen oder dumme Fehler nach außen zu lassen. Allein schon aus gesundheitlichen Gründen.
Weil Sie Angst vorm Herzinfarkt haben?
Weil ich bei meinen Trainern Branko Zebec und Ernst Happel gesehen habe, was passiert, wenn man immer nur die Faust in der Tasche ballt. Bei denen hat es zu einem frühen Tod geführt, dass sie die Dinge immer in sich hineingefressen haben. Warum soll ich so ein Risiko eingehen? Die Öffentlichkeit kann ganz sicher damit leben, dass ich am Spielfeldrand gestikuliere und meine Spieler lautstark auf Fehler hinweise.
Kommen wir zu Ihren Herrschaftsritualen: Lukas Podolski haben Sie mal zum Rapport gerufen und dann minutenlang nur wortlos in der Teetasse gerührt.
Daran kann ich mich zwar nicht erinnern, aber es kommt immer wieder vor, dass ich mit Spielern rede, die gar nichts mitbekommen, weil sie sich offenbar mit ihren Gedanken ganz woanders sind. Da kann es schon mal passieren, dass ich ein, zwei Minuten überlege, ehe ich weiterspreche, damit mein Gegenüber auch versteht, was ich von ihm will.
Als Sie 2004 beim FC Bayern anheuerten, haben Sie Bastian Schweinsteiger beim ersten Training gefragt, wer er denn überhaupt sei.
Er war damals gerade Nationalspieler geworden. Selbst wenn es sich viele nicht vorstellen können, auch ich mache mir ab und an mal einen Spaß. Leider grübeln wohl mehr Profis dann darüber nach, als mir bewusst ist. Die Geschichte hatte auch einen Hintergrund. Er kam als Newcomer von der Europameisterschaft und war ein bisschen neben der Spur. Aber er hat die richtige Reaktion gezeigt. Nach zwei Wochen bei den Amateuren hat er sich wieder voll reingehängt.
Sie können aber nicht erwarten, dass jeder Profi Ironie versteht.
Manchmal habe ich den Eindruck, Jan Age Fjörtoft ist der einzige Spieler, der mich adäquat wahrgenommen hat.
Als Sie Eintracht Frankfurt im Jahr 2000 vor dem Abstieg retteten, hat er gesagt: »Ich weiß nicht, ob Magath die Titanic vorm Untergang bewahrt hätte, aber die Überlebenden wären topfit gewesen.«
Der Junge hat einige gute Sprüche drauf.
Ein junger Wolfsburger Spieler hat gesagt: »Ich habe es mir unter Magath immer schlimm vorgestellt, aber es war noch schlimmer.«
Jeder weiß, dass ich großen Wert auf körperliche Fitness lege. Man muss an seine Grenzen gehen und darüber hinaus, wenn man ein höheres Leistungsniveau erreichen will. Sie sollten solche Aussagen nicht so ernst nehmen. Ich glaube, der Spieler hat das eher humorvoll gemeint.
Aus Heft#121 12/2011
Das große Interview mit Felix Magath
---
News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Bayern München, Schalke 04, VfB Stuttgart, VfL Wolfsburg, Werder Bremen







