Gladbach-Legende Winnie Hannes über den Klassiker gegen die Bayern
»Die Borussia braucht den Dosenöffner«
Interview: Alex Raack Bild: Imago
Wilfried »Winnie« Hannes hat nur ein Auge – und trotzdem 261 Spiele für Borussia Mönchengladbach gemacht. Vor dem Klassiker gegen die Bayern (Freitag, 20.30 Uhr) sprachen wir mit ihm über Marco Reus, Lothar Matthäus und Andy Möller.
Winnie Hannes, am Freitag startet Borussia Mönchengladbach gegen Bayern München in die Rückrunde. Kein guter Zeitpunkt für einen so prominenten Gegner, bei der Borussia ist man immer noch geschockt vom angekündigten Wechsel des Überfliegers Marco Reus zu Borussia Dortmund. Jetzt ist es an Ihnen die Anhänger des Klubs zu beruhigen, für den Sie 261 Spiele gemacht haben.
Winnie Hannes: Niemand muss in Panik ausbrechen. Die Situation, dass ein kommender Superstar den Verein verlässt, kennen wir doch.
Sie meinen die Saison 1983/84, als Lothar Matthäus erst einen Elfmeter im Pokalfinale gegen die Bayern verschoss und dann ausgerechnet nach München wechselte?
Winnie Hannes: Genau. Zugegeben, damals war ich auch geschockt, als ich erfahren habe, dass unser bester Spieler den Verein verlassen wird. Das Pokalfinale 1984 hat dann dem ganzen die Krone aufgesetzt: Schon in der ersten Halbzeit brach ich mir bei einem Zweikampf mit Dieter Hoeneß die Elle und spielte unter Schmerzen mit einer Bandage weiter. Mein Arm war stark angeschwollen, ich sah aus wie Popeye. Wir verloren das Elfmeterschießen gegen die Bayern und dann auch noch Lothar. Nicht unbedingt ein Tag, an den ich mich gerne zurückerinnere.
Kann man denn den Lothar Matthäus von 1984 mit Marco Reus im Jahr 2012 vergleichen?
Winnie Hannes: Mit Lothar würde ich Marco Reus nicht vergleichen, er erinnert mich vielmehr an einen anderen Fußballer aus der Generation Matthäus: Andy Möller! Auch Möller hat man manchmal 85 Minuten nicht gesehen, dann hat er seinen Turbo angeworfen und Spiele im Alleingang entschieden. Diese Gabe, Spiele mit Einzelaktionen zu dominieren, hat auch Marco Reus. Er ist wahnsinnig schnell, im Kopf und in den Beinen. Das macht ihn zu einer echten Waffe.
Borussia-Manager Max Eberl hat bereits angekündigt, die 17 Millionen Euro Ablöse, die Borussia Dortmund für Marco Reus zahlen muss, in neue Spieler investieren zu wollen. Reicht das, um die Lücke zu füllen?
Winnie Hannes: Das wird sehr schwer. Marco Reus ist ja nun nicht irgendein talentierter Spieler. Ich habe ihn schon mehrfach spielen gesehen und der Junge ist schon á la bonne heure. Allein mit Geld lässt sich da kein adäquater Ersatz finden.
Sie wollten die Gladbacher Fans doch beruhigen!
Winnie Hannes: Das will ich auch gerne tun. Die Last der Verantwortung muss eben in der neuen Saison auf verschiedene Schultern verteilt werden. So wie wir das damals nach dem Abgang von Lothar Matthäus getan haben: Plötzlich hat Uwe Rahn Tore am Fließband geschossen und unser Libero, Hans-Günther Bruns, spielte noch dominanter, als er das bereits zuvor getan hatte.
Ist die Mannschaft der Gegenwart gut genug, um den Wechsel von Marco Reus zu kompensieren?
Winnie Hannes: Ich denke schon. Viele vergleichen die aktuelle Mannschaft ja schon mit den legendären »Fohlen«-Teams der siebziger Jahre. Das ist allerdings Quatsch. Das Mönchengladbach der Siebziger spielte fast zehn Jahre lang um den Titel mit, eine solche Konstanz muss die Truppe von Lucien Favre erst einmal beweisen. Dennoch: Der Verlust von Marco Reus sollte Mönchengladbach nicht ins Tal der Tränen stürzen.
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Frisches Blit für die »Fohlen«: Udo Lattek präsentiert im Sommer 1975 seine Neuzugänge. Unten ganz links: Winnie Hannes.





