Christoph Biermann über den Fankongress 2012
Kirchentag mit weißem Elefanten
Text: Christoph Biermann Bild: Kai Senf
Der Fankongress 2012 ist Geschichte – und hat auch Geschichte geschrieben. Christoph Biermann über einen Kongress zwischen Kirchentag, der Endlos-Diskussion Pyrotechnik und Fans, die auch mal über sich selber lachen können.
Es gehört zu den üblichen Ritualen von Kongressen, dass deren Veranstalter sie hinterher stolz als »vollen Erfolg« loben und die stattgefundenen Diskussionen als »differenziert, ernsthaft und reflektiert«. Das war auch zum Abschluss des Fan-Kongresses 2012 so, aber man kann die Organisatoren keiner Vorspieglung halbwahrer Tatsachen bezichtigen. Ihr Kongress war wirklich ganz schön ernsthaft, und ganz schön erfolgreich war er auch.
Nie zuvor fand hierzulande ein so großer unabhängiger Fan-Kongress statt. Gut 550 Anhänger von über 60 Vereinen aus dem ganzen Land kamen, und die 30.000 Euro für die Organisation brachte die Szene selber auf. Sie lehnte sogar eine externe finanzielle Unterstützung ab, wie sie etwa von der Deutschen Fußball Liga angeboten worden war.
Die Vereinsvertreter haben in Berlin etwas verpasst
In Berlin saßen Vertreter stark rivalisierender Gruppierungen an einem Tisch und diskutierten erstmals miteinander. Zugleich war der Kongress als Dialogangebot nach Außen gemeint, an die Entscheider des Spiels. Das wurde zwar nur leidlich angenommen, aber viele Vereinsmanager oder andere Offizielle dürfen sich den Vorwurf machen, etwas verpasst zu haben. Denn wer, wie DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus, Hannovers Präsident Martin Kind oder dem DFB-Sicherheitsbeauftragten Hendrik Große Lefert nach Berlin kam, fuhr angesichts des hohen organisatorischen Standards, vor allem aber der Qualität der Debatten ziemlich beeindruckt nach Hause.
Eine unverhoffte Aufwertung erfuhr der Kongress zudem im fernen Mainz, wo es am Samstagabend eine Sternstunde des Sportjournalismus zu bestaunen gab. Das »Aktuelle Sportstudio« widmete nicht nur seine gesamte Sendung der verzwickten Diskussion um das Verbot von Pyrotechnik und die Situation in den Kurven allgemein. Durch die ausgezeichnete Moderation von Michael Steinbrecher und eine klug zusammengestellte Gesprächsrunde dürften viele Fernsehzuschauern, die zuvor vage Ängste vor einer Gewaltwelle in deutschen Stadien hatten, mit einem veränderten Bild ins Bett gegangen sein. Dass nämlich zur Hysterie kein Anlass besteht und sich die Fans in der Pyro-Debatte durchaus berechtigter Weise vom Deutschen Fußball Bund verschaukelt vorkommen durften.





