Die Geschichte der Fußballfans

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15.01.2012

Fotos und Bericht: Fankongress 2012 in Berlin

Hört die Signale!

Text: Andreas Bock und Erik Peter  Bild: Kai Senf

Auf dem Fankongress blieb die erhoffte Diskussion auf Augenhöhe zwischen Fans und Funktionären aus. Dennoch war die Veranstaltung in Berlin ein Erfolg, denn nie zuvor bekamen die Anliegen der Kurve einen solch großen Widerhall.

Fotos und Bericht: Fankongress 2012 in Berlin - Hört die Signale!


Der Tag beginnt um 10:37 Uhr mit Musik und einem Video. Es gibt Synthie-Beats, es gibt einen Rap über »korrupte Polizisten« und die Wichtigkeit der Fankultur und es gibt Bilder vom Pokal-Spiel Dortmund gegen Dresden. Das heißt: Rauch, Pyro, der Dynamo-Block in Flammen. Aus dem Off die Stimme von Wolf-Dieter Poschmann. Er spricht von »Unverbesserlichen«, »Fans spezieller Sorte« und von »Stadionverboten«. Schließlich: Aufeinander gestapelte Fernseher, und auch Heribert Bruchhagen flimmert über einen Bildschirm. Er sagt: »Wir haben Glück, dass niemand getötet wurde.« Noch während er spricht, werden die Fernseher von einer Pressmaschine zerdrückt. Am Ende steht auf dem Schirm der Slogan »Schluss mit Populismus!« Der Fankongress 2012 beginnt mit einem Knall. Der Fankongress beginnt mit: Erst einmal durchatmen.



Knapp 500 Besucher sind am Samstagmorgen im alten Berliner Kino »Kosmos« erschienen. Fans aus München, Fürth, Braunschweig, Hamburg, Dresden oder Aue sind gekommen. Ultras vornehmlich. Aktive Fans. Junge Fans. Absagen gab es aus Hoffenheim, Leverkusen, Mönchengladbach, Frankfurt, Cottbus und Ingolstadt. Die Idee für diesen selbstorganisierten Fankongress wurde vor einem Jahr geboren, auf einem Treffen der Initiative »Pro Fans« in Aachen. Es gilt das alte Motto: Getrennt in den Farben, geeint in der Sache.

Die besten Bilder vom Fankongress 2012 >>

In zehn Kinosälen diskutieren heute Fanvertreter, Wissenschaftler, Journalisten, Ultras und Fußballfunktionäre unter der Fragestellung: »Wie sieht der Fußball in der Zukunft aus und welche Rolle spielen die Fans?« Nach der letzten großen Fandemonstration im Oktober 2010 setzt man nun auf Dialog statt Monolog. Dafür wurden zahlreiche wichtige Funktionäre eingeladen, auch solche, die man in der Vergangenheit scharf kritisiert hat. Gekommen sind: Hannovers Präsident Martin Kind, DFB-Sicherheitschef Hendrik Große Lefert und DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus.

»Man kann auch eine Doktorarbeit drüber schreiben«

Immerhin sind das die drei Personen, die in der jüngeren Vergangenheit zu den konkreten Gegenspielern der modernen Fankultur stilisiert wurden. Große Lefert hat unlängst die Pyro-Debatte für beendet erklärt, Hieronymus ist für die Vermarktung der Bundesliga verantwortlich und Kind fordert die Abschaffung der 50+1-Regel. »Das kann man so knapp formulieren, man kann aber auch eine Doktorarbeit drüber schreiben«, sagt Kind, väterlich.

In der Runde, an der Kind teilnimmt, zeigt sich genau diese Schwierigkeit. Es gibt zu viel zu sagen. Und so stellen nacheinander die Teilnehmer, etwa Robert Pohl von »Unsere Kurve« oder Fananwalt René Lau, ihre Schwerpunkte anhand von Powerpoint-Präsentationen vor. Das ist gut gemeint. Das sind aber in Gänze 90 Minuten Frontalunterricht. Ein Dschungel voller Details. Ist das der gewünschte Dialog?

Kurve, Cliquen, Freundschaften

Andere Veranstaltungen gehen ihre Themen offener an. Wirklich gelungen ist etwa die Diskussion um Identifikation im modernen Fußball. Hier sitzen unter anderem der Journalist Alexander Cierpka oder Volker Goll von der KOS (Koordinationsstelle Fanprojekte) vor einem diskussionsfreudigen Publikum. Die große Frage: Kann man sich noch mit seinem Verein identifizieren, wenn kaum ein Spieler länger als eine Saison bleibt und das Gebilde Fußballklub zunehmend einem abstrakten Wirtschaftunternehmen gleicht? Man spricht über die Sozialisierung in der Kurve, Cliquen, Freundschaften. Man spricht über die gute alte Zeit. Ein guter Beitrag kommt aus dem Publikum: Haben sich die Fans denn nicht immer schon über die Kurve und weniger über Vereinstraditionen und alte Werte identifiziert? Das angeführte Beispiel des FC St. Pauli, der sich im Dritten Reich in das NS-System einbinden ließ, spricht jedenfalls für die erste These.


weiterlesen [1] [2]





Martin Kind bei seiner Ankunft im ehemaligen Kino »Kosmos«, das heute als Veranstaltungszentrum genutzt wird.
(Bild: Kai Senf)


Fotostrecke

  • Martin Kind bei seiner Ankunft im ehemaligen Kino »Kosmos«, das heute als Veranstaltungszentrum genutzt wird.<br />
<i>(Bild: Kai Senf)</i>
  • Knapp 500 Besucher sind beim Fankongress in Berlin-Friedrichshain erschienen...<br />
<i>(Bild: Kai Senf)</i>
  • Fans von 63 Vereinen haben den Weg nach Berlin gefunden.<br />
<i>(Bild: Kai Senf)</i>
  • Aus der Bundesliga fehlen lediglich Fans aus Hoffenheim, Leverkusen und Mönchengladbach, aus der zweiten Liga von Eintracht Frankfurt, Energie Cottbus und dem FC Ingolstadt. <br />
<i>(Bild: Kai Senf)</i>
  • Der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Lefert spricht zum Thema Pyrotechnik: »Wir haben uns dagegen entschieden. Wir wollen keine Experimente mit der Sicherheit.«<br />
<i>(Bild: Kai Senf)</i>
  • Martin Kind auf der Diskussion um 50+1. <br />
<i>(Bild: Kai Senf)</i>


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Kommentare

  • User
  • 15.01.2012 12:28:12 Lederfresse

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