Fürths Manager Rachid Azzouzi im Interview
»Es wird Störfeuer geben«
Interview: Ron Ulrich Bild: Imago
Fürth – ein unaufsteigbarer Provinzklub? Für die Reportage in unserem aktuellen Heft über Greuther Fürth sprachen wir mit Fürths Manager und langjährigem Spieler Rachid Azzouzi über die Identität des Vereins. Er sagt: »Wir haben uns jahrelang kleiner gemacht, als wir waren.«
Rachid Azzouzi, den meisten Fans in Deutschland fallen beim Thema »SpVgg Greuther Fürth« nur zwei Stichworte ein: Unaufsteigbar und Trolli-Arena. Wie sehen Sie das?
Rachid Azzouzi: Ich glaube, dass unser Ruf ein anderer ist. Wir haben uns in den vergangenen Jahren eine Identität aufgebaut, die uns als den etwas anderen Verein im Frankenland ausmacht. Wir setzen auf junge, deutsche Spieler. In der Fußball-Branche schätzt man uns für unser vernünftiges Wirtschaften in Verbindung mit sportlichem Erfolg. Und zum Thema »Unaufsteigbar«: Dem begegnen wir ja mit einer gewissen Selbstironie.
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In dieser Saison steht auf dem Mannschaftsbus und auf Plakaten in der Stadt: »Unaufsteigbar-Tour. Wir haben schließlich einen Ruf zu verlieren«.
Rachid Azzouzi: Die Idee stammt von den Fans. Die »Sportfreunde Ronhof« haben sich dieses Motto schon vor zwei Jahren auf T-Shirts drucken lassen. Ich fand das genial, doch wir als Verein waren insgesamt noch nicht so weit, das mitzutragen, sich selbst auf den Arm zu nehmen. Da gehört schon eine Portion Mut dazu. Vor dieser Saison haben wir das dann übernommen und anfangs auch die eine oder andere böse E-Mail erhalten. Doch generell kommt die Aktion sehr gut an.
Man fühlt sich an Mainz 05 erinnert. Die Mainzer waren vor ihrem Durchbruch auch nicht gerade ein Zuschauermagnet, sind dann sehr selbstironisch mit dem Spottgesang »Ihr seid nur ein Karnevalsverein« umgegangen.
Rachid Azzouzi: Klar, Mainz 05 kann ein Vorbild sein. Ich habe selbst noch gegen die Mainzer gespielt, als sie einen Zuschauerschnitt von gerade einmal 4.000 hatten. Sie galten damals als Verein, der nicht richtig wahrgenommen wird. Dann haben sie eine sensationelle Entwicklung hingelegt. Man kann Parallelen ziehen zwischen Mainz und uns, aber wir haben sie nicht bewusst kopiert. Mit einem großen Vereinwie dem 1. FC Nürnberg in der unmittelbaren Nachbarschaft haben wir es da auch etwas schwieriger als die Mainzer.
Der Zuschauerschnitt in Fürth lag in der Hinrunde knapp unter 10.000, obwohl die Mannschaft oben mitspielt. Wie sehen Sie diese Zahlen?
Rachid Azzouzi: Wir müssen etwas aufholen, ganz klar. Doch das geht nicht von heute auf morgen. Wenn ich hier in Franken aufgewachsen wäre, dann wäre die Wahrscheinlichkeit auch hoch gewesen, dass ich Nürnberg-Fan geworden wäre. Fürth war über lange Zeit einfach nicht so attraktiv für junge Leute. Doch das ändert sich mehr und mehr. Heute sind die Jugendlichen stolz auf unseren Verein, weil hier etwas entsteht, mit dem sie sich identifizieren können. Das ist für viele wichtiger als ein großes Stadion oder bekannte Spieler.
Als beim letzten Spiel vor der Winterpause gerade einmal 7.000 Zuschauer kamen, zeigten Sie sich sehr enttäuscht.
Rachid Azzouzi: Die 7.000 Zuschauer kommen immer und unterstützen uns super. Und an diesem Tag spielte es sicherlich eine Rolle, dass es in der Region an diesem Tag eine Unwetterwarnung gab. Doch es ist ein Unterschied, ob, wie in Düsseldorf, 30.000 Zuschauer Stimmung machen oder wie bei uns 7.000. Aber ich weise noch einmal darauf hin, dass man das Ganze langfristig sehen muss. Wir haben unseren Zuschauerschnitt in den vergangenen Jahren stetig erhöht.
Aus Heft#123 02/2012
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