Die Geschichte der Fußballfans

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13.01.2012

Dr. Martin Thein, Mitbegründer des ersten Instituts für Fankultur

»Warum ist Fußball so wichtig geworden?«

Interview: Alex Raack  Bild: Imago

Dr. Martin Thein heißt der Mann, der gemeinsam mit zwei Kollegen das Institut für Fankultur gegründet hat. Ab dem Sommersemester 2012 sollen Studenten die Entwicklung der deutschen Fanszene erforschen. Wir sprachen mit ihm.

Dr. Martin Thein, Mitbegründer des ersten Instituts für Fankultur - »Warum ist Fußball so wichtig geworden?«


Martin Thein, im Sommersemster 2012 beginnt das Institut für Fankultur seine Arbeit in Würzburg. Kann man das Fansein in Zukunft also studieren?

Martin Thein: Ein eigenes Studium zum Fansein ist nicht das Ziel. Unser Institut bietet Studenten der unterschiedlichster Studiengänge die Möglichkeit, sich intensiv mit der deutschen Fußball-Fankultur zu beschäftigen. Wir wollen gemeinsam herausfinden, warum der Fußball für die Deutschen so wichtig geworden ist. Und welche immense gesellschaftliche Bedeutung Fußball-Fans inzwischen haben.



Gemeinsam mit Jannis Linkelmann veröffentlichen Sie demnächst das Buch »Ultras im Abseits? Portrait einer verwegenen Fankultur«. Was haben die Studenten zu erwarten: Referate über Ultra-Gruppierungen?

Martin Thein: Ultras nehmen in der öffentlichen Wahrnehmung immer wieder eine wichtige Stellung ein. Bei uns sollen jedoch alle Fans im Mittelpunkt stehen. Vor allem wollen wir uns mit den 98 Prozent der Fans beschäftigen, die am Spieltag nicht im Ultra-Block stehen, sondern mit Freunden oder der Familie zum Fußball gehen, oder sich in der Kneipe treffen. Das ist ja eigentlich das wirklich unerforschte Klientel – die »ganz normalen« Fans. Wie kommt es, dass die Stadien und Kneipen seit Jahren voll sind, wenn Fußball läuft? Dass die Leute ausrasten, wenn eine WM oder EM gespielt wird? Wir wollen herausfinden, wie sich dieses Klientel in den vergangenen Jahren verändert hat.

Ist die deutsche Fankultur denn tatsächlich ein so unerforschtes Gebiet?

Martin Thein: Allerdings. Es gab in den vergangenen Jahren immer mal wieder gute und richtige Ansätze. Zu dem Thema sind auch einige wirklich gute Bücher erschienen. Häufig lagen die Schwerpunkte jedoch auf den aktuellen subkulturellen Gruppen, wie Hooligans oder nun den Ultras. Wir wollen jedoch vielmehr nachzeichnen, wie sich die Fanszenen in den vergangenen 20 Jahren entwickelt haben. Noch vor zehn Jahren wäre die Gründung eines solchen Instituts völlig unmöglich gewesen, damals hatte Fußball in Deutschland noch gar nicht die gesellschaftliche Bedeutung, wie wir es heute kennen.

Wie ist Ihrer Meinung nach die Wahrnehmung der Fans bei den Entscheidern von DFB oder DFL?

Martin Thein: Beim Thema »Fußball-Fans« herrscht beim DFB, der DFL und auch in der deutschen Öffentlichkeit aktuell häufig Schwarz-Weiß-Denken. Entweder geht es um den Kommerz-Fan oder den gewaltbereiten Fan. Kommerz und Gewalt, über alles andere wird viel zu selten gesprochen. Aber die absolute Mehrheit der Fußball-Fans findet sich genau dazwischen. So gesehen sind wir mit dem IfF einsame Rufer in der Wüste.

Wie ist die Resonanz der Studierenden auf das Projekt?

Martin Thein: Bislang sehr positiv. Die Institutsgründung ist sogar das Ergebnis der positiven Resonanz von Studierenden aus ganz Deutschland. Wir wären auch gar nicht auf die Idee gekommen, dieses Institut ins Leben zu rufen, wenn uns nicht täglich Studenten über unsere Webseite fankultur.com angeschrieben hätten, um zu fragen, ob wir nicht mal Seminare zum Thema anbieten würden oder ob sie bei uns mitarbeiten können (Thein ist gemeinsam mit Jannis Linkelmann Gründer der Plattform, d. Red.).

Herr Thein, nehmen Sie mir das nicht übel, aber so ein Uni-Seminar über Fankultur kann doch als reine Schreibtischarbeit schnell mal langweilig werden.

Martin Thein: Deshalb wollen wir unsere Studenten dazu ermutigen, Feldforschung zu betreiben. Sprich, sie sollen sich möglichst im Stadion aktiv mit den Fans beschäftigen. Die Studierenden können sich im Rahmen ihrer Seminar- und Abschlussarbeiten beispielsweise mit Fangruppierungen, Fangesängen, Choreographien aber auch den Verbänden und Vereinen auseinandersetzen. Schon jetzt freuen wir uns auf die vielen Ideen der jungen Leuten. Das ist ja auch der spannendste Teil unserer Arbeit.






Oktober 2010: Auf der Fandemo in Berlin demonstrieren über 10.000 Menschen für den »Erhalt der Fankultur«. Dabei geht es auch um die Reform der Regionalliga. Mit ihrer Forderung nach zwei Regionalligen ohne Zweitvertretungen der Profivereine scheiterte die Initiative »Pro Regionalliga-Reform«. Der DFB beschloss, die Spielklasse in fünf Staffeln aufzuteilen.

Interview auf 11freunde.de
Nach der Fandemo in Berlin: Christian Bieberstein im Interview
»Wir warten auf ein Zeichen«



Fotostrecke

  • Oktober 2010: Auf der Fandemo in Berlin demonstrieren über 10.000 Menschen für den »Erhalt der Fankultur«. Dabei geht es auch um die Reform der Regionalliga. Mit ihrer Forderung nach zwei Regionalligen ohne Zweitvertretungen der Profivereine scheiterte die Initiative »Pro Regionalliga-Reform«. Der DFB beschloss, die Spielklasse in fünf Staffeln aufzuteilen.<br />
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<b>Interview auf 11freunde.de</b><br />
<a href="http://www.11freunde.de/bundesligen/133211" target="_blank">Nach der Fandemo in Berlin: Christian Bieberstein im Interview<br />
»Wir warten auf ein Zeichen«</a><br />
  • Oktober 2010: Nach dem massiven Einsatz von Pyrotechnik beim Gastspiel in Dresden muss Hansa Rostock seine Gastspiele in Wiesbaden und Sandhausen ohne Gästefans bestreiten.
  • November 2010: In Chemnitz kommt der Verein seinen Fans entgegen und erlaubt den kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik. Gemeinsam mit Fanvertetern und szenekundigen Beamten schreibt der Verein einen Brief an den DFB, in dem für den sogenannten »Chemnitzer Weg« geworben wird.
  • Dezember 2010: Die bundesweite und vereinsübergreifende Fankampagne »Pyrotechnik legalisieren - Emotionen respektieren« geht mit vielfältigen Aktionen an den Start.<br />
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<b>Interviews/Artikel auf 11freunde.de</b><br />
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<i>Dezember 2010</i><br />
<a href="http://www.11freunde.de/bundesligen/134772" target="_blank">Pyrotechnik-legalisieren-Sprecher Jannis Busse<br />
»Ein Stilmittel der Kurve«</a><br />
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<i>August 2011</i><br />
<a href="http://www.11freunde.de/bundesligen/141957" target="_blank">Wird Pyrotechnik in deutschen Stadien legalisiert?<br />
Like a burning ring of Feier</a><br />
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<i>November 2011</i><br />
<a href="http://www.11freunde.de/bundesligen/145450" target="_blank">»Pyrotechnik legalisieren«-Sprecher Jannis Busse<br />
»Pyro ist nicht gleich Gewalt«</a><br />
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  • Januar 2011: Auf St. Pauli formieren sich die Gegner des modernen Fußballs. Die »Sozialromantiker« fordern etwa die Verbannung von Table-Dance aus einer VIP-Loge.<br />
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<b>Interviews auf 11freunde.de</b><br />
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<a href="http://www.11freunde.de/bundesligen/135277" target="_blank">St. Paulis Sozialromantiker<br />
»Wir wollen keine Separées!«</a><br />
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<a href="http://www.11freunde.de/bundesligen/135578" target="_blank">St. Paulis Geschäftsführer über die »Sozialromantiker«<br />
»Ich erwarte aus der Fanszene kein Lob«<br />
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  • Februar 2011: Eine Kampagne von Amnesty International, die eine Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte fordert, stößt bei Fußballfans auf große Resonanz.


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