Die Geschichte der Fußballfans

11FREUNDE-Spezial: Nr. 1

Die Geschichte der Fußballfans

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
12.01.2012

Ein Tag mit der Polizei beim Risikospiel

Katz und Maus

Text: Ron Ulrich  Bild: Imago

Selten zuvor wurden so viele Begegnungen als »Hochrisikospiel« eingestuft wie in dieser Saison. Wie verlaufen diese Partien für die Polizei? Wir haben die szenekundigen Beamten beim Spiel Frankfurt gegen Rostock einen Tag lang begleitet.

Ein Tag mit der Polizei beim Risikospiel - Katz und Maus


Am kommenden Wochenende findet in Berlin der Fankongress 2012 statt. Der Grundgedanke lautet: »Wie schaut der Fußball in der Zukunft aus und welche Rolle spielen die Fans dabei?« Am Samstag und Sonntag wird es Podiumsdiskussionen und Workshops zu Themen wie 50+1, Pyrotechnik, Anstoßzeiten, Selbstbestimmung in der Kurve, Soziale Verantwortung, Eintrittspreise etc. geben. Diskussionsteilnehmer sind u.a. Martin Kind (Präsident von Hannover 96), Jonas Gabler (Autor von »Die Ultras«), Dirk Grosse (Sky Deutschland AG), Holger Hieronymus (Geschäftsführer DFL), Hendrik Große Lefert (Sicherheitsbeauftragter DFB) oder Kevin Miles (Football Supporters Federation). Weitere Infos findet ihr auf www.fankongress-2012.de.

Für unsere Reportage »Das Ende der Eskalation« aus dem Heft #120 begleiteten wir einen Tag lang Szenekundige Beamte wie den Frankfurter Ulf Stamer bei einem Risiskospiel. Da es sich eben um ein solches handelte, geben die Schilderungen mitnichten alltägliche Vorkommnisse in allen deutschen Stadien bei allen Spielen wider.

7:00 Uhr: Mainufer

Es ist der Morgen vor dem Zweitligaspiel zwischen Eintracht Frankfurt und Hansa Rostock – bis zum Anpfiff der Partie sind es noch elf Stunden. Doch Frankfurter und Rostocker haben sich verabredet, zu einem »Match«, wie sie es nennen, einer Schlägerei am Mainufer. Mitten in der Nacht sollen sich bereits um die 50 Personen aus Mecklenburg-Vorpommern auf den Weg nach Frankfurt gemacht haben, die Polizei hat einen Tipp bekommen. Wenig später heißt es »Zugriff«, die rund 80 versammelten Frankfurter werden festgehalten, von Rostockern ist nichts zu sehen. »Polizei verhindert Hooligan-Schlacht«, titelt die »Bild« am nächsten Tag. Doch der frühmorgendliche Einsatz ist nur der Auftakt eines unruhigen Tages.



11:00 Uhr: Frankfurter Hauptbahnhof

Bei der WM 1998 wurde der französische Polizist Daniel Nivel von deutschen Hooligans fast totgeschlagen. Diejenigen, die damals in Lens vor Ort waren, berichten, dass schon den ganzen Tag über die Gewalt in der Luft lag, die aufgeheizte Atmosphäre beinahe körperlich spürbar gewesen war. Auch die heutige Zweitligapartie ist kein gewöhnliches Spiel, sondern ein »Hochrisikospiel« – das verdeutlicht nicht nur die Polizeipräsenz am Frankfurter Hauptbahnhof. Die Frankfurter reklamierten in der vergangenen Saison per Spruchband den Titel »Randalemeister« für sich, in vielen Rostocker Internetforen war vor dem Spiel die Rede davon, sich jenen Titel zurückzuholen. »Es geht ihnen darum zu zeigen, wer tatsächlich die härteste Szene hat«, sagt Ulf Stamer.

Eine Gemengelage aus Gerüchten, Infos und Meldungen

Dann ertönt der Klingelton seines Handys: »Born in the USA« von Bruce Springsteen. Es werden an diesem Tag selten fünf Minuten vergehen, in denen Stamers Handy nicht klingelt.  Springsteen selbst wäre wohl von seinem eigenen Intro ermüdet. Doch Kommunikation ist an diesem Tag alles – Stamer muss aus einer Melange aus Gerüchten, Infos und Meldungen eine Fährte der Gegenseite erkennen. Wo trifft sich der Mob? Ein Kollege aus Göttingen hat einen Neunsitzer mit aus der Szene bekannten Gesichtern auf einem Rastplatz ausgemacht, einige Informanten wähnen potenzielle Gewalttäter in einem Zug aus Berlin, und ein Beamter will gar davon gehört haben, dass sich ein ganzer LKW mit Pyrotechnik von Rostock aus auf den Weg gemacht hat. »Man braucht Erfahrung, um zu wissen, welchen Informationen man vertrauen kann und nachgehen sollte«, sagt Stamer.



Aus Heft#120 11/2011

Das große Interview mit Bernd Schuster


weiterlesen [1] [2] [3] [4]





Ähnliche Artikel

Kommentare

  • User
  • 13.01.2012 00:05:52 hanspeterdaniel

    spätestens nachdem ich gelesen habe, dass der so angsteinflößende mob mit dem normalen zug angereist sein soll, hatte sich der wahrheitsgehalt des artikels für mich erledigt.

    phasenweise ja schön erzählt, doch irgendwie an der wirklichtkeit in vielen fällen total vorbei. glückwunsch, hast eine tolle reportage geschrieben?

    du warst nicht auch zufällig bei horst seehofer im eisenbahnkeller?

    ahoi!

zum Forum

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Und bei euch so?

Chaos dahoam!
Trauer dahoam!
Freude dahoam!
Wut dahoam!
Lasst mich mit diesem »dahoam« endlich in Ruhe!




Best of 2011: Erich Ribbeck über Fußball 2000 und Stielikes Sakko


Wie heißen noch mal die Söhne von Martin Jol?

  • Cock
  • Dick

Das Tagesticker-Archiv

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER