Jakob Falk von »Pro Fans« über Ultras, Pyro und den Fankongress
»Die Medien haben Öl ins Feuer gegossen«
Interview: Andreas Bock Bild: Imago
Am kommenden Wochenende findet in Berlin ein vereinsübergreifender Fankongress statt. Wir sprachen mit Organisator Jakob Falk von »Pro Fans« über Gewalt im Fußball, die Pyro-Debatte und die Hysterie der Medien.
Am kommenden Wochenende findet in Berlin der Fankongress 2012 statt. Der Grundgedanke lautet: »Wie schaut der Fußball in der Zukunft aus und welche Rolle spielen die Fans dabei?« Am Samstag und Sonntag wird es Podiumsdiskussionen und Workshops zu Themen wie 50+1, Pyrotechnik, Anstoßzeiten, Selbstbestimmung in der Kurve, soziale Verantwortung, Eintrittspreise etc. geben. Diskussionsteilnehmer sind u.a. Martin Kind (Präsident von Hannover 96), Jonas Gabler (Autor von »Die Ultras«), Dirk Grosse (Sky Deutschland AG), Holger Hieronymus (Geschäftsführer DFL), Hendrik Große Lefert (Sicherheitsbeauftragter DFB) oder Kevin Miles (Football Supporters Federation). Weitere Infos findet ihr auf www.fankongress-2012.de.
Im Laufe dieser Woche lest hier auf der 11FREUNDE-Homepage Interviews und Berichte zum Thema Fankultur. Ihr findet alle Berichte gesammelt unter www.11freunde.de/fans.
Jakob Falk, im Oktober 2010 fand in Berlin eine große Fan-Demonstration mit über 10.000 Teilnehmern statt, die ein breites mediales Echo hervorrief. Wieso wird es am kommenden Wochenende einen Fan-Kongress geben? Ist das der Wunsch nach mehr Dialog?
Jakob Falk: Es stimmt, die Demo war medial sehr präsent, sogar die »Tagesschau« hat darüber berichtet. Bestimmte Initiativen wären ohne die Fandemo nie entstanden, für die Kampagne »Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren« war sie eine Art Katalysator. Und trotzdem: Auf Verbandsebene hat sich seitdem relativ wenig getan. Die DFB-Statuten sind in punkto Fankultur ähnlich wie im Oktober 2010.
Was ist denn das Anliegen des Fankongresses?
Jakob Falk: Wir möchten ein differenziertes Bild von Fankultur zeichnen. Dabei wollen wir nicht nur meckern und einfordern, sondern uns selbstkritisch geben und zeigen, wie wichtig Fankultur für den Fußball, für Verbände und die Vereine ist.
Als kalkulierbare Größe im großen modernen Fußball-Event.
Jakob Falk: Auch wenn es so ist, finde ich es wichtig, dass man sich von Verbands- oder Vereinsseite überhaupt mit Fan-Anliegen beschäftigt. Bestes Beispiel: Der FC Arsenal. Dort hat sich vor einiger Zeit ein Komitee aus Vereinsfunktionären gegründet, das die Frage erörtert, warum keine Stimmung mehr im Stadion ist. So weit soll es in Deutschland nicht kommen. Deshalb möchten wir uns zeigen, wir möchten sagen: Wir sind Fans, das wünschen wir uns, das möchten wir gerne realisieren. Kurz: Wir wollen uns vorstellen.
Das muss man noch tun? Ist es nicht so, dass Fankultur im Gegensatz zu den Achtzigern längst im Mainstream angekommen ist?
Jakob Falk: Natürlich haben wir heute ein größeres Forum und eine andere Basis als Fußballfans in den siebziger oder achtziger Jahren. Dennoch sind die Gefahren für unsere Fankultur nach wie vor vorhanden. Man muss dafür nicht mal die ewigen Negativbeispiele England, Italien oder Spanien beleuchten. Auch hier ist der Motor der Kommerzialisierung voll im Gang. Auch hier nimmt die Sanktionierung der Fans stetig zu.
Bei der Fandemo im Oktober 2010 haben einige Ultraszenen, zum Beispiel die von Borussia Mönchengladbach, nicht teilgenommen. Wie ist es dieses Mal?
Jakob Falk: Gewisse Szenen kritisierten damals die angebliche Doppelmoral. Der Vorwurf: Man verbrüdere sich in diesem Rahmen, bekriegt sich aber in einem anderen. Dieses Mal scheint es anders, jedenfalls hat sich bis jetzt noch niemand öffentlich gegen eine Teilnahme beim Fankongress ausgesprochen. Ich werde den Hut vor den Leuten ziehen, die ihre Rivalitäten für zwei Tage hinten anstellen.






