Die Geschichte der Fußballfans

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06.01.2012

Olympiasieger Dieter Baumann über seine Beinahe-Karriere als Profi

»Im Fußball entscheidet nicht immer die Leistung«

Interview: Alex Raack  Bild: Imago

Sein Goldlauf bei Olympia 1992 in Barcelona hat ihn zu einer deutschen Sportlegende gemacht. Doch nur wenige wissen, dass Dieter Baumann beinahe Fußballer geworden wäre. Ein Interview über »Franzl« Beckenbauer, die Sensation von Geislingen und Mario Basler.

Olympiasieger Dieter Baumann über seine Beinahe-Karriere als Profi - »Im Fußball entscheidet nicht immer die Leistung«


Dieter Baumann, mögen Sie Fußball?

Dieter Baumann: Eine geradezu lächerliche Frage, wenn Sie meine Biografie kennen würden.

War doch auch nur eine Fangfrage. Klären Sie uns auf?

Dieter Baumann: Meine Familie, jedenfalls der männliche Teil, ist vollkommen fußballverrückt. Mein Vater Jakob war in den sechziger Jahren selber Fußballer, unter anderem hat er beim SSV Ulm mit dem späteren Nationaltorwart Wolfgang Fahrian gespielt. Später wurde er Trainer. Er hat mich und meinen Bruder Rolf quasi von Geburt an mit dem Fußballvirus infiziert. Meine Kindheit und Jugend bestand nur aus Fußball, Fußball, Fußball.



Hatten Sie Idole?

Dieter Baumann: Natürlich! Ich bin 1965 geboren, klar, dass meine Helden Franz Beckenbauer und Günter Netzer hießen. Mein großes Vorbild war allerdings mein zwei Jahre älterer Bruder Rolf. Rolf war bei uns in der Heimat, in der Schwäbischen Alb (Baumann ist in Blaustein bei Ulm geboren, d. Red.) jahrelang ein gefeierter Torschütze. Später schaffte er sogar den Sprung von der Oberliga-Mannschaft des SC Geislingen in die Bundesliga zum VfB Stuttgart. Immerhin kann er heute von sich behaupten, drei Bundesligaspiele für den VfB absolviert zu haben. (Später wurde Rolf Baumann u.a. Co-Trainer beim SSV Ulm unter Ralf Rangnick, siehe Foto)

rolf

Wollten Sie nicht auch Fußballer werden?

Dieter Baumann: Mehr als alles andere! Aber erstens war ich auf meiner Position im defensiven Mittelfeld nicht gut genug und zweitens entdeckte ich irgendwann die Leichtathletik für mich. Oder besser gesagt: Die Leichtathletik entdeckte mich für sich.

Was meinen Sie?

Dieter Baumann: Ich muss 15 gewesen sein, als mich mein Sportlehrer vor den Bundesjugendspielen fragte, ob ich lieber über 100 Meter oder 1000 Meter starten wollen würde. Die 100 Meter kannte ich schon, als versuchte ich es mal über 1000 Meter. Im ersten Training rannte ich eine Zeit von etwas über drei Minuten. Mein Lehrer sagte: »Wenn du unter drei Minuten bleibst, ist es eine gute Zeit.« Ich antwortete: »Warum haben sie das nicht gleich gesagt. Geben sie mir zehn Minuten Pause.« Eine Viertelstunde später hatte ich die 1000 Meter unter drei Minuten geschafft. Mein Lehrer sagte: »Du musst unbedingt Leichtathlet werden.« Was ich dann auch tat.

Aber die schöne Fußball-Karriere!

Dieter Baumann: Mich vom Traum des Profifußballers zu verabschieden, fiel mir tatsächlich ganz schön schwer. Aber als ich nur ein Jahr später über 3000 Meter bei den Deutschen Jugendmeisterschaften an den Start ging, wusste ich, dass meine Entscheidung für die Leichtathletik richtig gewesen war.

Als Sie 1988 Silber über 5000 Meter bei den Olympischen Spielen von Seoul holten, war Ihr Bruder gerade vom VfB Stuttgart zum FC Basel gewechselt. Nach nur einem Jahr. Hätte er vielleicht auch Leichtathlet werden sollen?

Dieter Baumann: Nein. Aber an Rolf konnte ich erkennen, dass im Fußball nicht immer die Leistung des Einzelnen entscheidend ist, sondern auch viel über zwischenmenschliche Beziehungen geschieht. Die Entscheidung, meinen Bruder zum VfB Stuttgart zu holen, war noch von Egon Coordes getroffen worden. Als Rolf dann im Sommer 1987 in Stuttgart begann, war Coordes bereits entlassen, neuer Trainer war Arie Haan. Der sagte gleich vor dem ersten Training: »Alle Spieler, die Egon Coordes geholt hat, spielen bei mir nicht.« So ein Quatsch wäre in der Leichtathletik ja gar nicht möglich. Da geht es darum, wer schneller rennt, höher springt oder weiter wirft. Und nicht, wer vom Trainer gemocht wird.


weiterlesen [1] [2] [3]



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Kommentare

  • User
  • 07.01.2012 10:41:37 Yvy

    "Ich bin 1965 geboren, klar, dass meine Helden Franz Beckenbauer und Günter Netzer hießen"


    hö hö kann ich 1:1 unterschreiben, incl. Geburtsdatum

  • User
  • 07.01.2012 15:06:51 EgilSkallagrimsson

    Zudem habe ich Hochachtung vor Uli Hoeneß. Ich bewundere seine Arbeit und aus all diesen Gründen finde ich eben auch den FC Bayern toll.


    Das ist doch kein Grund, n Verein zu mögen?!
    Hochachtung vor Hoeness' Arbeit hab ich auch, find den FCB aber trotzdem nicht toll. Ganz im Gegenteil.

  • User
  • 07.01.2012 15:17:31 giselher

    ...würde ich mich noch als großer Fan des FC Bayern München bezeichnen .... Wegen dem Franzl! Beckenbauer war, wie gesagt, eines meiner Idole.... Zudem habe ich Hochachtung vor Uli Hoeneß ... aus all diesen Gründen finde ich eben auch den FC Bayern toll.

    Wer lesen kann, ist echt im Vorteil. Der hat eben mehrere Gründe, den GFCB toll zufinden. Auch, aber eben nicht nur wegen Uli Hoeneß.

    (Geht ja den meisten so.)

  • User
  • 08.01.2012 10:48:03 AntiMöller

    Ich mag Baumann trotzdem nicht. Doch, auch ich putze mir täglich die Zähne.

    So viel Nachträglichkeit (?) muss sein.

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