Reus' Ex-Trainer Christian Wück im Interview
»Marco muss sich wohlfühlen«
Interview: Ron Ulrich Bild: Imago
Als man sie in Dortmund nicht mehr wollte, gingen Marco Reus und Kevin Großkreutz zu RW Ahlen. Ihr damaliger Trainer Christian Wück erzählt von Liegestützen und Gesängen auf der Südtribüne.
Herr Wück, wie beurteilen Sie den Wechsel Ihres ehemaligen Schützlings Marco Reus zu Borussia Dortmund?
Christian Wück: Ich kann Marco verstehen, er ist in seiner Entwicklung so weit, den nächsten Schritt zu machen. In den letzten Jahren hat er unglaublich viel erreicht, einen echten Sprung gemacht. Ob die Entscheidung richtig ist oder nicht, will ich aber nicht beurteilen.
Er hätte auch nach München gehen können.
Christian Wück: Marco muss sich wohl fühlen, damit er gute Leistung bringt. Er kommt aus der Region in Dortmund, seine Familie wohnt dort. In München wäre es für ihn schon eine enorme Umstellung gewesen.
Sie trainierten sowohl Reus als auch Kevin Großkreutz in Ahlen. Meinen Sie, dass die Freundschaft der beiden auch zum Transfer beigetragen hat?
Christian Wück: Das war mit Sicherheit schon ein kleiner Baustein. Wir waren damals in Ahlen insgesamt ein verschworener Haufen. Die beiden waren gleich alt und vom Typ her sehr ähnlich – auf und neben dem Platz. Schon damals hatten sie sehr viel Kontakt miteinander.
Und beide wurden in der Jugend von Borussia Dortmund weggeschickt. Wie erklären Sie sich das?
Christian Wück: Das kann nur körperliche Gründe gehabt haben. Beide haben erst viel später ihre körperlichen Defizite wettmachen können, indem sie viel im Kraftraum gearbeitet haben. Dafür hatten wir auch nicht unbedingt die Mittel. Spielerisch jedenfalls hatten sie schon immer herausragende Qualitäten.
Aber körperliche Defizite haben doch die meisten Nachwuchsspieler, wenn sie in den Seniorenbereich wechseln.
Christian Wück: Ja, aber ganz ehrlich: Bei den beiden war es schon krass. Da waren manchmal schon drei oder vier Liegestütze eine echte Herkulesaufgabe. (lacht) Gerade Kevin hat sich davor sehr gedrückt.
Zurück zu den sportlichen Qualitäten: Wann haben sie gemerkt, dass die beiden herausstechen?
Christian Wück: Marco zum Beispiel hat mit einer unglaublichen Direktabnahme in Oberhausen sein erstes Profitor geschossen – das war in seinem ersten Spiel von Beginn an. Schon als ich ihn in der A-Jugend spielen sah, wurde mir klar, dass er ein außergewöhnlicher Spieler ist. Sowohl Marco als auch Kevin waren flink und zielstrebig. Sie konnten den Ball mit einem unglaublichen Tempo mitnehmen. Das sind echte Vollblutfußballer. Und bei uns bekamen sie aufgrund der dünnen Personaldecke genügend Einsatzzeit.
Gerade Reus übernimmt in seinen jungen Jahren bei Mönchengladbach auf dem Platz sehr viel Verantwortung.
Christian Wück: Ich habe damals zu Kevin und Marco gesagt: »Wenn ihr gut spielt, spielt die Mannschaft gut.« Sie mussten sich bewusst machen, dass sie die anderen mitreißen können. Da spielte keine Rolle, dass sie die Jüngsten waren. Es ist auch ein Verdienst von Trainern wie Lucien Favre oder Jürgen Klopp, dass sie den beiden das nötige Selbstvertrauen vermittelt haben. Das brauchen sie.
Von Großkreutz ist bekannt, dass er von jeher echter Dortmund-Fan ist. War das bei Reus auch so?
Christian Wück: Er war schon für den BVB, aber natürlich nie so extrem wie Kevin. Der ist einmal leistungstechnisch in ein Loch gefallen, da haben wir mal gefragt, ob er seine Spielvorbereitung nicht etwas umstellen wolle. Wenn wir mit Ahlen sonntags spielten, stand Kevin samstags auf der Südtribüne in Dortmund und hat sich die Lunge aus dem Leib gebrüllt. Das ist für einen Profi nicht unbedingt förderlich.
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