Felix Magath ist der Pate der Bundesliga
Ein Trainer ist nicht ein Idiot!
Text: Andreas Bock Bild: Imago
Felix Magath ist mal wieder auf Einkaufstour und verpflichtet Spieler von Vereinen, von denen wir bis dato nicht wussten, dass es sie gibt. Man kann das absurd nennen oder großartig finden – und darüber lächeln wie Magath selbst.
»Ein Trainer ist nicht ein Idiot«, sagte Giovanni Trapattoni einmal. Ein Fußballtrainer, so dachte der Italiener jedenfalls bis dahin, ist ein Mann des geistreichen Wortes, des stilvollen Auftritts, des überlegten Handelns. Mister nennen sie die Trainer in Trapattonis Heimat. In England heißen sie Boss, Manager oder Gentleman, manchmal werden sogar zum Sir geadelt.
Und in Deutschland? Felix Magath nennen sie Idiot, weil er sich vor allem in der spielfreien Zeit recht seltsam verhält. Er wirkt in den Winter- und Sommermonaten wie ein Sonderling aus einer amerikanischen Highschool-Fernsehserie der achtziger Jahre. Er ist der Nicht-Dazugehörige.
Junmin Hao, Danilo Alevar, Tianjin Teda, Karpaty Lwiw
Beinahe 80 Spieler hat der Coach in den vergangenen vier Jahren für Schalke 04 und den VfL Wolfsburg verpflichtet. Er holte Altstars in die Bundesliga zurück wie Angelos Charisteas oder Ali Karimi. Und er holte – merken Sie sich diese Namen nicht! – Junmin Hao oder Danilo Alevar von Vereinen wie Tianjin Teda und Karpaty Lwiw.
Gelegentlich wurde gerätselt, wie Felix Magath sich über Spieler, sagen wir mal, von Tianjin Teda informierte. Hatte er dort seine asiatischen Scouts sitzen? War er selbst nach Tianjin geflogen? Hatte er sich die Nächte mit Youtube-Zusammenschnitten um die Ohren gehauen? Manchmal, so schien es jedenfalls, gefielen ihm einfach die Namen der Spieler. Einmal kaufte er etwa Tore Reginiussen, ein anderes Mal Anthony Annan. Ein sprechender Name, ein wohlklingender Name. Es war die alte Geschichte von Schall und Rauch.
In diesem Winter schlägt Felix Magath wieder zu. Er verpflichtete jüngst Petr Jiracek von Viktoria Pilsen, Slobodan Medojevic von Fudbalski Klub Vojvodina oder Ferhan Hasani von Skendija Tetovo. Es werden weitere folgen, denn Magath kündigte an, dass er 40 Spieler mit ins Trainingslager nehmen will.
Bist du der exotische Wunderstürmer aus Samoa oder Gabun?
Wenn Magath solche Sätze sagt, wirkt er wie ein von der großen weiten Welt träumender Mann, der aus der deutschen Provinz entflieht, indem er mit geschlossenen Augen seinen Zeigefinger auf einen drehenden Globus legt. Man ist drauf und dran, seine eigene Vita ein bisschen zu schönen und einen pfiffigen Berater zu engagieren, um sich selbst als Wunderstürmer aus Samoa oder Gabun anzupreisen.
Dabei hat Felix Magath auch eine andere Geschichte. Er hat den Hamburger SV einst zum Europapokalsieger gemacht, mit Bayern und Wolfsburg wurde er Deutscher Meister, mit dem VfB Stuttgart zog er in die Champions League ein und mit Schalke feierte er die Vizemeisterschaft. Außerdem holte er Raul und Klaas-Jan Huntelaar in die Bundesliga. Doch das zählt im Moment nicht.
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