Mein Highlight 2011: Sommernachts-Krimi um die Existenz
Chaostage in Babelsberg
Text: Katharina Dahme Bild: imago
Ende Mai 2011 droht dem SV Babelsberg die Insolvenz. Zudem werden dubiose Verbindungen zwischen Vorstand und Sponsoren bekannt. Ein Schlag ins Gesicht der Fans, die sich wehren und die Rettung organisieren. Protokoll einer Geschichte mit Happy End.
Montagabend, der 23. Mai, Potsdam. Der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Paffhausen tritt von seinem Amt zurück. Er war zugleich Geschäftsführer des Hauptsponsors des SV Babelsberg 03, der Energie- und Wasserwerke Potsdam. Wie sich später herausstellen wird, hatte er ohne Kenntnis des Aufsichtsrates Bürgschaften für den Verein zugesagt. Es werden Ermittlungen wegen Verdachts auf Untreue aufgenommen.
Am selben Abend informiert Präsident Rainer Speer den Vorstand, dass der notwendige Etat von 2,7 Millionen Euro für eine weitere Drittliga-Saison nur zur Hälfte zusammengekommen ist. Einige Sponsoren hätten sich zurückgezogen, weil im Falle von Ausfällen keine Bürgschaften durch den Hauptsponsor mehr zugesagt werden können. Die Nachricht kommt aus dem Nichts, ohne Vorwarnung. Es droht die Insolvenz und Auflösung des Vereins.
Babelsberg droht Zwangsabstieg
Es ist Dienstag, der 24. Mai. Der Verein und die Fans starten Spendenaktionen. Innerhalb der ersten 24 Stunden kommen über 10.000 Euro zusammen. Viel für einen Verein, zu dessen Heimspielen durchschnittlich 2.000 Fans kommen.
Mittwoch, 25. Mai, später Abend. Der Aufsichtsrat kommt zusammen. Es fehlen rund eine Million Euro für den Etat. Der Aufsichtsrat empfiehlt einen Neustart in der Oberliga, da die Anforderungen in der Regionalliga fast genauso hoch sind wie in der Dritten Liga. Es sei aussichtslos, nahezu unmöglich, die Lizenzvoraussetzungen des DFB zu erfüllen.
Forderung nach Rücktritt des Vorstandes
Die Fans werfen dem Vorstand vor, lieber dubiose Netzwerke zu knüpfen als sich für den Verein einzusetzen. Sie rufen zu einer Demonstration auf. Am Samstag, den 28. Mai, Treffpunkt Rathaus Babelsberg. 1000 Fans fordern den Rücktritt des Vorstandes und mehr Unterstützung von Stadt und Land. Man träumt von einem »sauberen Neuanfang«.
Beim anschließenden Benefiz-Stadionfest im Karl-Liebknecht-Stadion wird auf dem heiligen Rasen gepicknickt, die Biereinnahmen werden gespendet. Morgens, mittags, abends steht der Besuch Babelsberger Dönerbuden an. Auch sie spenden für jeden verkauften Döner an den SVB. Ganze Familienausflüge werden unternommen. Die benötigte Million kommt dabei zwar nicht zusammen. Aber allein 1.105 Euro werden gesammelt, um einen Ultra von einer neuen Frisur zu überzeugen. Die Haare sind ab. Jedes Mittel ist recht. Für den Kiezverein, für die Dritte Liga.
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