Die Geschichte der Fußballfans

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20.12.2011

Dienstagskolumne: Lässt der DFB den Ostfußball ausbluten?

Begnadigt Dynamo!

Text: Frank Willmann  Bild: Imago

Unser Kolumnist Frank Willmann ist eigentlich ein lieber netter Mensch. Aber wenn er an die gealterten Entscheider beim DFB und deren Verhalten gegenüber den Fußball-Teams im Osten denkt, kann er ziemlich wütend werden. Und wenn ihr das nicht glaubt, lest es doch nach!

Dienstagskolumne: Lässt der DFB den Ostfußball ausbluten? - Begnadigt Dynamo!


willDie 11FREUNDE-Dienstagskolumne: Jede Woche machen sich Frank Willmann, Lucas Vogelsang, Titus Chalk und Frank Baade im Wechsel Gedanken über den Fußball, die Bundesliga und was sonst noch so passiert. Dass unser heutiger Kolumnist, der Buchautor und Ostfußball-Experte Frank Willmann überhaupt noch Zeit für eine Kolumne hat, ist ein Wunder. Sein neuestes Werk heißt »Zonenfußball« (»Verlag Neues Leben«.)


Schrecken in Deutschland! In Bälde ruhet der Ball komplett, und blonde deutsche Maiden mit dicken Knarren hasten auf Brettern durch den Schwarzwald. W-I-N-T-E-R-P-A-U-S-E - heißt das Unwort des distinguierten Fußballfreundes. Welcher weiche Freak hat diese Scheiße erfunden? Unsere Erdenzeit ist knapp bemessen. Ich falle zurück in pränatales Siechtum!



Die Glotze wird beherrscht von zufriedenen urbayerischen Weiberlein. Mit dicken Pullis an. Sie glotzen blöd und dauerfidel aus dem Heimkino und palavern Unverständliches. Uns galanten Hengsten des Fußballsports bleibt nur der Blick in die Glaskugel.

Die Bundesliga bleibt Ostfußballbefreite Zone

Und was sagt uns Beutegermanen mit der Impertinenz des falschen Geburtsorts das Kügelchen? Eins ist sicher: es wird auch 2012 so weiter gehen. Die Bundesliga bleibt Ostfußballbefreite Zone. Die Fans zwischen Saßnitz und Suhl sind im einundzwanzigsten Jahr nach der Wende vom großen Fußball abgeschnitten.

Sind wir dafür auf den Boulevard gegangen, um auf ewig zweiter Sieger sein zu dürfen?, frage ich biestig und knirsche mit den Zähnen, wenn ich mir die Tabellen der höchsten deutschen Spielklassen anschaue. Die brave Tante Hertha liegt im inneren Auge des Brandenburger Bären und möchte gern Hauptstadtklub sein. Als Ostklub versteht sie sich nicht, das könnte unter Umständen an ihrer Verwurzelung im alten Westberlin liegen.

Brotkörbe und Wasserkrüge statt Sekt und Kaviar

Sie ist Lichtjahre davon entfernt ein Spitzenklub zu sein. Schafft es ja nicht mal den eigenen Trainer bei Laune zu halten. Aber sie kicken in der Bundesliga, dem Paradies wo Ruhm und Euro fließen. Und der Rest der ostdeutschen Gemeinde? Nichts als zweit- bis drittklassige Trübsal. Einige der ruhmreichen Vereine, die vierzig Jahre den Fußball im Osten prägten und groß machten, sind komplett aus der kunterbunten Fußballwelt verschwunden. Brotkörbe und Wasserkrüge statt Sekt und Kaviar.

Und wenn dann heute mal einer in Dresden, Rostock oder Leipzig austickt, kommen die Paten des Mammons sofort mit der chemischen Keule. Als hätten DFB und DFL nicht genug vom Ostfußball profitiert. Von 1990 bis 1991 ausdauernd mit der Dampfwalze drüber, bis auch das letzte Talent die verbrannte Erde verlassen hatte und in den Westen gegangen war. Nach endlosem Nichtstun seitens des DFB wurde – viele, viele Monde nach der politischen Wende – der Fußball erst Ende 1990 wieder gesamtdeutsch. Ab der Saison 1991/1992, als sich kaum noch etwas im Fußballosten regte, wurden barmherzig ganze zwei DDR-Klubs in die Bundesliga aufgenommen. Sechs weitere kamen in die 2. Bundesliga, die sie alsbald wieder durch die Hintertür verließen. Der Rest verschwand einfach im fußballerischen Nichts. Erübrigt sich jede Frage nach grandiosen ostdeutschen Sympathien für den Großen Fußballbruder DFB.


weiterlesen [1] [2]



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Kommentare

  • User
  • 20.12.2011 10:49:48 PittiTrueffelschwein

    Ein paar Wochen später gab es beim Derby zwischen Schalke und Dortmund Ausschreitungen inklusive Schalker Pyroshow im Stadion. Schwer bestraft dafür wurde keiner der Vereine. Wieso eigentlich?

    Herr Willmann, mit Verlaub, die Diskussion wird seit mehreren Wochen geführt, ich würde fast sagen, seit fast nem Monat. Wir haben hier ungefähr acht verschiedene Threads zum Thema. Aber mal ganz davon abgesehen, dass dieses Thema eben seit nem Monat durchgekaut und wieder hochgewürgt und wieder durchgekaut wird, so sollten Sie doch als fußballinteressierter Journalist irgendwo in den unzähligen Meinungen, Aussagen und Kolumnen zu diesem Thema eine Antwort auf Ihre Frage bekommen haben. Wenn das wirklich nicht der Fall ist:

    1. Dynamo Dresden (und Hansa Rostock) sind keine Einzeltäter und sie sind auch keine gemäßigten Fanszenen, wie Schalke, die in den sechs Monaten zwischen Supercup und Derby insgesamt drei Pyrovergehen im Stadion hatten. Der DFB berücksichtigt, wie auch andere Gerichte, die Vorstrafen der jeweiligen Vereine und da muss auch ich mittlerweile zugeben, dass die Vereine aus Ostdeutschland, im Vergleich und im Verhältnis zu den Vereinen aus Westdeutschland, deutlich aktiver sind und dementsprechend auch deutlich öfter bestraft werden. Nun frage ich also: Was ist daran verkehrt? Warum sollte man Schalke für drei Vergehen während eines halben Jahres genauso hart bestrafen, wie Dresden oder Rostock, die sich seit Jahren in steter Regelmäßigkeit, egal in welcher Form, uneinsichtig und vor allem machtlos gegen diese Szene zeigen?

    2. Das Spiel gegen Dortmund im DFB-Pokal war eine Liveübertragung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Jeder Mensch in Deutschland mit einem Fernseher, konnte dieses Spiel mitverfolgen. Meinen Sie ernsthaft, der DFB würde es sich jetzt gefallen lassen, dass der Grundtenor schlagartig in die Richtung geht, der DFB würde mit öffentlichen Geldern Gewalttätern eine Plattform im TV geben, seine erzieherische Verantwortung und Vorbildfunktion und die des Fußballs durch ein mildes Urteil vernachlässigen? Noch dazu bei einem mehrfach "vorbestraften" Verein?

    Zugegeben, mir wäre es auch lieber gewesen, man hätte mit diesen Ausschlüssen schon beim BFC Dynamo begonnen, die ja, mit einer überragenden Frechheit Zugang zum Gästeblock der Lauterer gefunden haben, und auf alles eingedroschen haben, was sich bewegt hat. Warum sollte man solche Vereine, bzw. Vereine, die solche Fans nicht in den Griff bekommen, trotzdessen am Honigtopf DFB-Pokal naschen lassen, während andere Vereine verzichten müssen, Landespokalfinalisten, Drittligisten, was auch immer. Auch diese Clubs haben Finanzprobleme, erst Recht in der 3. Liga.

    Und zu guter Letzt nochmal zum Grundtenor Ost-West: Im Ernst? Wollen Sie das Thema, nachdem wir hier auf Laien-Basis darüber diskutiert haben und dieser Diskussion langsam müde werden, wirklich noch zum Thema von journalistischem Interesse machen? Ich muss Ihnen ehrlich sagen, so langsam bin ich es Leid, dass man hier bei uns im Osten alles was aus dem Westen kommt erstmal kritisch beäugt. Bei meiner Freundin aus dem "Westen" (Wiesbaden) war der erste Grundtenor meiner Freunde und auch einiger weniger Verwandte "Die ist aus dem Westen, die ist bestimmt ganz anders als wir!", während ich in Wiesbaden einfach mit offenem Herzen und völlig vorurteilsfrei empfangen wurde. DAS wünscht man sich doch, egal wo, egal mit welcher "Herkunft".

    Beste Grüße aus Halle an der Saale

  • User
  • 20.12.2011 12:46:44 AbteilungAttacke

    haut euch mit den hervorragend abreitenden Fanprojekten

    Hübscher Verschreiber. Etwa freudscher Natur ?

  • User
  • 20.12.2011 13:15:30 GerdazM

    PittiTrueffelschwein

    gehts noch? peinlicher beitrag in allen belangen! sie dir die geschichte der verlogenen vereinigung der 2 verbände an.

  • User
  • 20.12.2011 14:11:17 GonzoKoslovski

    @Pitti

    Im Grunde hast du ja recht, jedoch fällt auch St. Pauli seit Jahren auf, ebenso wie "Randalemeister 2011" Frankfurt.
    Klar sollten Wiederholungstäter härter bestraft werden, jedoch hat der DFB verpasst von Anfang an so hart durchzugreifen.
    Jetzt das Prinzip einzusetzen "wer noch nicht so viel angesetellt hat wird noch nicht so hart bestraft" halte ich für einen falschen Weg. Das wäre ja eine Art Freifahrtschein für die Idioten so lange die Sau rauszulassen bis es dann eben härtere Strafen gibt.

    Ich versuche jetzt nicht meinen Verein rauzureden oder so, ich glaube einfach die Leute im Vorstand bei Hansa haben einfach keinen Plan wie sie konkret dagegen vorgehen sollen.

    Aber wenn ich jetzt die Pyro Attacken von Hansa mit den Platzstürmen von Frankfurt und Berlin vergleiche bei denen der ganze Block auf die Mannschaft los wollte (man stelle sich mal vor was passiert wäre wenn die die Spieler in die Hände bekommen hätten) und beide Vereine nicht mal annähernd gleichwertig bestraft wurden, denke ich darf man schon darüber nachdenken (!) ob es da nicht doch etwas unfair zugeht.

  • User
  • 20.12.2011 14:37:07 Ripuli

    Gibt es hier ernsthaft Leute, die der Meinung sind, die Bundesliga hätte 1991/92 mit vier, sechs oder acht Ostmannschaften an den Start gehen sollen? Aus ganz Norddeutschland kamen in der Saison auch nur zwei Bundesligisten; das ist nunmal das Los strukturschwacher Regionen. Und das Abschneiden von Rostock und Dresden spricht ja auch nicht gerade dafür, dass die Konkurrenz aus dem Osten damals bewusst klein gehalten wurden. Die waren einfach nicht besser; die Stichworte "Auflösung der Sportclubs", "Verkauf wichtiger Spieler" und "Ranschmeißen an komische Westunternehmer" dürften zur Begründung reichen.

  • User
  • 20.12.2011 14:40:51 Zetterberg

    Die Mauer in den Köpfen scheint noch sehr präsent zu sein, zumindest bei einigen Bürgern der Ex-DDR. Anders kann ich mir nicht erklären, wieso man den Führenden der Torschützenliste auf seine Frisur reduzieren und wieder besseres Wissen behaupten kann, Schalke wär für seine Pyro-Show nicht bestraft worden (12000€)
    Herr Willmann sollte seine Kolumnen demnächst eher im Neuen Deutschland veröffentlichen.

  • User
  • 20.12.2011 14:53:32 el muellero

    @ Zetterberg

    Präsent in so vielen Köpfen und das überall!!! Bei Dir leider auch!

  • User
  • 20.12.2011 14:58:53 Zetterberg

    Wie kommst du darauf, muellero?

  • User
  • 20.12.2011 15:31:24 GerdazM

    @Zetterberg: den Führenden der Torschützenliste auf seine Frisur reduzieren
    Das war ironisch gemeint, Mann ist das so schwer zu erkennen? 12.000 Mücken sind für Schalke ein Witz im Vergleich zu einer Pokalsperre. Denk mal bischen über deinen Tellerrand.

  • User
  • 20.12.2011 15:35:05 GerdazM

    @Ripuli

    Weil der Osten 90/91 schon völlig ausgeblutet war. Guck mal welcher Zoni damals für D kickte - und bei welchem Verein er spielte - im Osten war nur noch C-Ware, der Rest weggekauft. Nennst du das Solidarität? Für die der DFB hätte stehen müssen, mindestens der.

  • User
  • 20.12.2011 15:37:44 Zetterberg

    12000€ sind mehr als das, was Dynamo (bereits als Wiederholungstäter zaheln musste).
    Was an Haareschön Gomez ironisch sein soll, darfst du mir dann auch gleich erklären.
    Und: Komm mir bei der einseitigen Kolumne (die er sich nur geschrieben hat, um zum nachdenken anzuregen) bitte nicht mit: Denk mal bischen über deinen Tellerrand.

  • User
  • 20.12.2011 15:59:10 el muellero

    Herr Willmann sollte seine Kolumnen demnächst eher im Neuen Deutschland veröffentlichen.

    spricht doch für sich oder nich Herr Zetterberg?

    "neu, alt, hell, dunkel..." der einzige Unterschied der gemacht werden sollte die Farben der Trikots seines Vereins und die sollte man immer hochhalten egal woher man kommt. Und gerade wenn eigene Verein für das schlechte im Deutschen Fußball steht sollte jeder, der klar denken kann mit 'nem bisschen Grips immer versuchen Stellung zu beziehen und dagegen steuern!

    Für strukturschwache Regionen es immens wichtig, dass bspw. Rostock oder andere Ost-Clubs im Profifußball bleiben! Bei uns kann man leider nich fix ne 150Mio-Arena hinstellen um nebenbei durch andere Veranstaltungen immens die Kohle in die Taschen des Vereins zu spülen.

  • User
  • 20.12.2011 16:05:59 Zetterberg

    @el muellero: Vielen Dank, dass du die plakative Äußerung in meinem Posting noch mal hervorgehioben hast, die ich selbstredend nicht ohne Hintergedanken dahingesetzt hab.
    Jetzt musst du nur noch das Gequake von Herrn Willmann danach durchforsten, dann verstehst du meinen Standpunkt sicher besser.

  • User
  • 20.12.2011 17:43:35 PittiTrueffelschwein

    Ich versuche jetzt nicht meinen Verein rauzureden oder so, ich glaube einfach die Leute im Vorstand bei Hansa haben einfach keinen Plan wie sie konkret dagegen vorgehen sollen.

    RICHTIG! Aber, und das sage ich jedem Rostocker, und von denen kenne ich noch recht viele, sie verschlafen es auch immer wieder das in aller Deutlichkeit klarzumachen. Was macht man in HRO am Sonntag? Man demonstriert gegen Geisterspiele! Gegen eine Strafe, die ein Blinder mit Krückstock hätte voraussagen können. Und warum demonstriert man? Weil es gerade cool ist, weil die in DD das auch machen. Hansas Fanszene ist heute so kaputt, da weiß man gar nicht, wie und ob das zu retten sein soll. Das sag ich dir in aller Offenheit, obwohl ich Hansa wirklich sehr mag.
    Aber was macht man, statt sich endlich mal mit dem DFB zusammenzusetzen und ne Lösung zu finden? Man demonstriert GEGEN den DFB und schimpft auf die bösen Wessis.

    Und Pauli, so ungern ich es sage, fällt aus dem Raster, weil sich der Verein im Gegenzug zu Pyro und dem einen oder anderen Riot, durchaus öffentlich für soziale Dinge einsetzt und medial wie in der öffentlichen Wahrnehmung als "guter" Verein gesehen wird.
    Wie es um Frankfurt steht, kann ich schwer sagen, da haben sicherlich Leute im Hintergrund ihre Hände mit drin.

    Aber selbst wenn dem so wäre, sind es nicht die Leute vom DFB, die Hansa und Dynamo und den Ostfußball zerstören, sondern es sind die Leute, die für diese Strafen verantwortlich sind. Würde in Rostock keiner randalieren, gäbe es auch keine Strafe, was gibt es da nicht zu verstehen?

  • User
  • 20.12.2011 18:17:47 me87

    Aber wenn ich jetzt die Pyro Attacken von Hansa mit den Platzstürmen von Frankfurt und Berlin vergleiche bei denen der ganze Block auf die Mannschaft los wollte (man stelle sich mal vor was passiert wäre wenn die die Spieler in die Hände bekommen hätten) und beide Vereine nicht mal annähernd gleichwertig bestraft wurden, denke ich darf man schon darüber nachdenken (!) ob es da nicht doch etwas unfair zugeht.

    ich glaube, dass auch vereine aus dem westen hart für vergehen bestraft werden. ich stimme dir aber zu, dass hier der dfb früher ein signal hätte setzen müssen.
    die strafe für dynamo ist nicht willkürlich gesetzt wurden weil dynamo ein ost verein ist. zu dieser zeit war bereits zu erahnen, dass es bei der nächst besten krawalle ein exempel statuiert wird. dresden hatte halt das pech, dass es ihre anhänger waren. es hätte aber eben so gut auch rostock, frankfurt, st. pauli und andere treffen können, wenn deren anhänger ein solches feuerwerk abgefackelt hätten.
    außerdem darf man nicht vergessen auch st. pauli hat ein geisterspiel als strafe bekommen, in deren fall wegen eines becherwurfes. sorry aber für mich steht diese strafe in keinem verhältnis zur strafe für dresden, denn st. pauli ist vorher nicht so negativ aufgefallen wie dresden.
    ein becherwurf - geisterspiel
    massenweise pyrotechnik + angriffe auf polizisten (man mag von deren auftreten halten was man will) + pyrotechnik, die auf das spielfeld geworfen wurden.
    aus meiner sicht wurde st. pauli wegen einer, im vergleich zu oben beschriebenen aktionen von dynamo anhänger, lappalie bestraft. hier ist das argument, "die ostclubs werden härter bestraft, als die westclubs", nicht angebracht.

  • User
  • 20.12.2011 19:00:57 el muellero

    Grundsätzlich finde ich die Aussagen in Ordnung, die Herr Willmann zum Besten gibt, obwohl ein wenig geschwollen und sicherlich schon des öfteren dar geboten.

    @ Pitti
    Du hast Recht, im Prinzip ein echt leidiges Thema, aber im Endeffekt geht's um den Verein und um nix anderes und jeder "normale Fan" möchte seinen Verein nicht die Klippe runter stoßen, deswegen werden mit Sicherheit weitere Threads Folgen, ob nun erwünscht oder nicht.

    Leider fällt mir auch keine Pauschal-Lösung für bzw. gegen, in nenne es mal, "kaputte Krawall-Gruppierungen" ein. Sich mit Fru un Gör 25 Idioten entgegenzustellen halte ich für Unklug!

    Am besten noch mit Heugabel und Fackeln die Nachbarsburschen zusammentrommeln und dann gegen Gewalttäter vorgehen?!? Nee ehrlich keine Ahnung...

    @ me87

    Verhältnismäßigkeit hier und da... es gibt sicher auch Beispiele wo St. Pauli auch nicht ganz ohne war und man Froh sein konnte Gesund und Munter nachhause zu kommen... jedoch geht es nich darum dass die einen Bösen besser sind als die anderen Bösen!

    Das doch ein allgemeines Problem... nee nee nee... jedesmal die Aussagen... ick versteh dat nich...

  • User
  • 20.12.2011 19:04:59 Marco Polo

    Kapitalisten mit menschlichem Antlitz
    Schöner Ausdruck^^

    Ach macht euch doch keine Sorgen. Der Rasenballsportclub kommt ja langsam in Fahrt...wer weiß vielleicht sehen wir ihn eines Tages in der BuLi. Und spätestens dann setzen wir uns alle zusammen und sinnieren darüber WAS bei der Eingliederung des Ostfußballs falsch gemacht wurde und nicht OB.
    Man hat die Marktwirtschaft auf den Osten losgelassen, wie einen Wolf auf eine Herde Schafe. Und ich will damit nicht die Planwirtschaft verteidigen. Dass unsere Wirtschaftsform besser ist steht außer Frage. Aber sie erfordert gewisse Kompetenzen, die die Leut eim Osten kaum hatten. Und zwar nicht weil sie dumm oder faul sind, sondern weil sie schlichtweg in einem anderen System aufgewachsen sind. Der DFB hätte damals in irgendeiner Form die Ostclubs unterstützen können. an hätte ihnen erfahrene Manager/Funktionäre zuweisen können, die vor Ort die Clubs auf fordermann gebracht hätten. Oder eine 12 monatige Transfersperre für Spieler aus dem Osten. Oder die Ostclubs schneller in den Gesamtdeutschen Fußball integrieren sollen, damit wenigstens faire Transfersummen für die Spieler hätten erzielt werden können...oder überhaupt Transfersummen. Das sind alles nur Vorschläge die mir spontan einfallen und sie haben alle ihre Probleme. Aber ich bin nicht der DFB, der hätte sich irgendwas einfallen lassen können. Hat er aber nicht, weil er kein Interesse hatte. Gut das ist legitim...aber dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn sich eines Tages ein Rasenballsportclub im deutschen Oberhaus wiederfindet.


    Zu Dynamo: Man kann mir erzählen was man will, ich finde die Strafe überzogen, weil damit der Verein bestraft wird, der nur bedingt für das Handeln von Fans verantwortlich gemacht wird. Desweiteren werden die Spieler bestraft, die man dafür überhaut nicht verantwortlich machen kann.
    Ja ich weiß der Verein muss letztlich dafür geradestehen, weil sich sonst niemand kümmert, das ist schon richtig. Aber es ist ein gewaltiger Unterschied ob ich eine Mannschaft von einem Wettbewerb ausschließe oder eine deftige Geldstrafe erlassen.
    Aber wahrscheinlich steht irgendwo im DFB-Reglement, dass ein Ausschluss unter den gegebenen Umständen notwendig ist. WENN dem so sein sollte, ja dann sag ich auch nichts mehr dagege. Habe das Regelment aber nicht gelesen.

  • User
  • 20.12.2011 19:14:28 Marco Polo

    Was die Gewalt ganz allgemein anbelangt: Gewalt entsteht in der Gesellschafft und nicht im Fußball, sagte einst der Titan in einem 11Freunde Interview.
    Hier werden die Ostclubs doppelt bestraft. Denn die sozialen Probleme die es im osten gibt sind nicht nur auf die Mangelwirtschaft der DDR zurückzuführen. Man kann genauso die UdSSR dafür verantwortlich machen, die die DDR nach Strich und Faden ausgenommen hat. Und natürlich die Tatsache, dass die Integrierung der Ostwirtschaft in den Westen mindestens genauschlecht von statten ging, wie die Integrierung des Ostfußballs.

    Nur so mal als Anregung um etwas über den Tellerrand Fußball hinauszublicken. Und ich will hier nicht auf eine Ost-West Debatte im Sinne des faulen Ossis und des egoistischen Wessis hinaus. Ich stelle mir einfach allgemein die Frage inwieweit, das Feindbild, das über Jahrzehnte aufgebaut wurde noch heute wirksam ist und zwar auf beiden Seiten. Und ich beziehe das nicht auf die konkrete Entscheidung gegen Dynamo. Mir geht es vielmehr um die allgemeine Entwicklung und Wahrnehmung des Problems. Der Spruch, dass die Mauer in den Köpfen noch steht trifft die Wahrheit nicht ganz...ich denke, dass die Propaganda von damals noch in den Köpfen rumspukt. Die Mauer war ja unser aller Feind. Die Propaganda hingegen machte aus den anderen den Feind.

  • User
  • 20.12.2011 19:32:18 me87

    jedoch geht es nich darum dass die einen Bösen besser sind als die anderen Bösen

    so meinte ich das auch nicht. es ging mir lediglich darum die ursachen für die strafen zu vergleichen, dabei ist mir dieser punkt halt aufgefallen.


    allerding muss ich mich selbst korrigieren, st. pauli bekam gar kein geisterspiel als strafe, pauli mußte das spiel auf einem neutralen platz austragen.
    in sofern ist mein vergleich hinfällig!

    @marco polo

    Zu Dynamo: Man kann mir erzählen was man will, ich finde die Strafe überzogen, weil damit der Verein bestraft wird, der nur bedingt für das Handeln von Fans verantwortlich gemacht wird. Desweiteren werden die Spieler bestraft, die man dafür überhaut nicht verantwortlich machen kann.

    klar trifft es auch die falschen, aber die diskussion hatten wir schon. wie will man sonst reagieren? die leute verhaften und einsperren? dann müsste man sie direkt heraus kristallisieren und ihnen die straftat zweifelsfrei nachweisen. eine sehr schwierige und vor allem langwierige angelegenheit, zumal die täter bis zur urteils sprechung wohl auf freiem fuß blieben und sich ungestört im stadion bewegen könnten, da man ihnen auch kein stadionverbot aufzwingen kann, wenn die verhandlung noch läuft.
    strafe für den verein und alle anhänger ist zurzeit die lösung und wird sie bleiben! es gibt nur die möglichkeit, dass verein, sponsoren , mitglieder und andere fans sich gemeinsam positionieren und diese leute aus dem stadion verbannen.
    selbsregulierung wäre dies und wurde von pitti schon einmal thematisiert.
    anscheinend funktioniert es nur wenn man rücksichtslos vorgeht, schade aber dialoge reichen wohl nicht mehr bei allen, einige haben es begriffen, andere eben nicht. siehe rw ef am letzten wochenende.

  • User
  • 20.12.2011 19:51:41 PittiTrueffelschwein

    siehe rw ef am letzten wochenende.

    Blitzknaller genau vor dem Kopf eines Ordners...völlig kaputter Scheiß!

  • User
  • 20.12.2011 19:59:08 GerdazM

    au backe, das ist böse... aber man kann dafür nur den idioten verantwortlich machen... wie bei st. pauli den kassenrollenwerfer

  • User
  • 20.12.2011 21:27:18 GonzoKoslovski

    Selbstregulierung ist ja an sich ne schöne Sache. Nur wie soll das funktionieren? Bei Pastörs hats ganz gut geklappt als man den aus den block geschrien hat. Aber bei einer Gruppierung, ich weiß nicht. Man kann kaum erwarten dass auf einmal auf die hools eingedroschen wird wenn die wieder scheiße bauen. Es wäre zwar wohl das deutlichste Zeichen aber das wären ja dann ebenfalls Straftaten. Kann natürlich auch sein dass ich eine komplett falsche Vorstellung von Selbstregulierung habe und lasse mich da gern belehren :)

  • User
  • 20.12.2011 21:56:53 einrudithömmes

    Schätze ich mal.

    Fußball und Gesellschaft, ja... ja... nee, da wird's immer irgendwie zu schwammig. Ganz konkret am Vorfall bleiben, da weiß man doch, was man hat. Ohne Beschönigung, Relativierung oder Aufrechnen.

    Zur Ost/West Thematik ist genug/zu wenig geschrieben worden, darauf mag ich nicht mehr so recht kommen. Aber das Verhalten der einzelnen Täter, das kannste diskutieren. Und wenn's dann auch noch so einfach ist, dass eine ganze Gruppierung den Idioten auch mal raus gibt, dann zeigt das, dass die Jungs "eigentlich" überhaupt keinen Bock auf die Scheisse haben. Leider isses wohl manchmal echt zu cool, es "denen" mal wieder gezeigt zu haben. Und dann wird geschwiegen.

  • User
  • 20.12.2011 23:05:11 gelsenkirchen

    selbstregulierzzzZZZzzzZZZzzzZZZzzz

  • User
  • 20.12.2011 23:48:32 PittiTrueffelschwein

    Selbstregulierung ist eben kein Lösungsansatz, sondern eher ne wünschenswerte Nebenerscheinung. Die Probleme kann man aber nicht beseitigen, indem man 10-20 Leuten eindringlich sagt: "Jungs, kümmert euch selbst um die Ordnung im Block". Da spielt in gewisser Weise auch Zivilcourage eine Rolle und dass es in Deutschland oftmals an dieser mangelt, ist bekannt. Ich will da aber nicht den Finger in die Wunde bohren, auch ich würde nicht bei jeder Gelegenheit den Mund aufreißen. Ein schönes Beispiel, wie sowas auch schieflaufen kann, ist ja vor kurzem erst Aachen gewesen.

    Nee, was wirklich sinnvoll wäre, wäre ne Versammlung zum Thema, ein runder Tisch aus DFB, DFL, Vereinen, Spielern, Fans und Polizei. Sodass jeder mal seine Sicht auf die Dinge vorstellen kann. Gerade die Spieler äußern sich für meine Verhältnisse viel zu pomadig zu solchen Themen, dabei geht es ja irgendwie auch sie was an.

  • User
  • 21.12.2011 15:41:44 suppenteller

    Merkt ihr nicht, dass ihr den Ostpöbel mit euer Politik der neunschwänzigen Katze direkt in die Arme des Gegners treibt? Wenn einer immer nur die letzte Laterne in die Hand gedrückt bekommt, ist nur noch Fasching im Gehirn.

    schuld sind immer die anderen, vor allem die bösen wessis., mit denen man ja unbedingt fusionieren musste und sich dann ganz erstaunt die augen reibt, wenn der sieger die am boden liegenden reste des verlierers fleddert, dabei wollte man doch genau diese freiheit haben, die nichts anderes als der stärkere nimmt alles bedeutet. und jetzt sind auch noch die unsympathischen gestalten in frankfurt für die fans von dynamo, hansa und co verantwortlich... absolut lächerlich. ostdeutschland du opfer, heul doch!

  • User
  • 21.12.2011 18:28:03 GerdazM

    Bin gespannt wie Nürnberg bestraft wird... muss ja mindestens ein Ausschluss aus dem Pokal werden, nach dem Platzsturm gegen Fürth, oder???

  • User
  • 22.12.2011 09:04:16 GonzoKoslovski

    @suppenteller
    Ich war da zu der zeit noch nicht dabei aber man "wollte" mit dem Westen fusionieren?
    Musste es nicht zwangsläufig dazu kommen, so von wegen Vereintes Deutschland = Vereinte Liga?
    Wäre es damals überhaupt möglich gewesen die Ligen getrennt zu halten?
    Verstehe es nicht wirklich warum man als Ostdeutscher nicht mal konstruktiv Kritik anbringen darf ohne dann gleich als Jammerlappen dazustehen. Klar immer nur die Schuld auf andere schieben ist wirklich bescheuert, aber so was ich bis jetzt immer so herausgefunden habe ist der Osten wohl nicht alleine Schuld an der Misere.

  • User
  • 22.12.2011 20:39:26 dynapower

    @suppenteller

    Ein Kommentar der Deinem Usernamen gerecht wird..Respekt vor so viel Scharfsinn und geschichtlich fundierter Aufklärung. Also wenn jemals eine Fusionierung gewollt war, dann bestimmt nicht mit Pfeifen wie Dir. Seit wann bedeutet Freiheit "der stärkere nimmt alles"? Oh man, so ein Schwachsinn habe ich selten gelesen.
    Es geht doch in Wahrheit nicht um Ost oder West, es geht auch nicht darum die Schuldfrage für solche Vorkommnisse bei irgendwelchen Sesselfurzern in FFM zu suchen. Es müssen endlich Lösungen angestrebt werden, die den Vereinen mit problematischen Fanszenen in Ost UND West, weiterhelfen. Die Wurzel der Gewalt entspringt ja nicht bei den Vereinen, sondern treiben aus der Erde in der unserere gesamte Gesellschaft verankert ist. Die Gründe dafür sind vielschichtig!
    Was hat die tolle Task Force in FFM denn bis heute, außer einer tollen politischen Außendarstellung erreicht? Welche Ergebnisse wurden erzielt? Endlich alle an einen Tische..Funktionäre, Vereine, Polizei, Politiker und Fanbetreuer!!!

  • User
  • 22.12.2011 20:55:59 Hotte80

    ich frage mich immer wieder, wieso immer nach frankfurt gezeigt wird, wieso immer wieder erwartet wird, das der dfb was unternimmt, sich was schlaues einfallen lässt. komisch, der eigene club bleibt immer erst mal schön aussen vor.

  • User
  • 29.12.2011 15:22:44 suppenteller

    hey dynapower,

    extra angemeldet für die paar zeilen, suppenteller und suppenkasper durcheinander werfend und sich dann selber MachtMacht nennen, gratulation du sprachgenie!

    und kapitalismus bedeutet nicht freiheit des stärkeren, die schwächeren zu fressen? ich dachte solche basics hätte selbst die leninistische verfallsform des marxismus noch vermitteln können. das zumindest war die freiheit, die ein großteil 89/90 laut bejubelt und gefordert hat und sich dann irgendwann verwundert die augen rieb, als neben dem konsum auch die kehrseite auf einmal aufblitzte. welch überraschung, der ost fussball blutete aus. hätte man ja auch gar nicht ahnen können, darum jammert ja man bis heute rum. hat was von zauberlehrling, wobei gerade diejenigen die zuerst in leipzig ihre runden drehten noch etwas mehr durchblick hatten, als die ossimehrheit in ihrem nationalistischen taumel. die haben, neben anderen, durchaus frühzeitig auf die auswirkungen einer überstürzten vereinigung hingewiesen. das diese auswirkungen auch den ostfussball treffen werden, logisch.

    also bedankt euch bei euren mauerstürmern, die ihre eigenen henker herbeigesehnt haben und zeigt nicht mit dem finger immer auf die wessis oder nach FFM.

    tschüß, dein Dr. P.O. Lemik



    @GonzoKoslovski
    ja genau, die west-ost vereinigung wollte ja wohl die mehrheit. dass infolge dessen auch die fussballligen fusionieren und zwar unter dem diktat des westens, ist nur die logische folge, oder? und waren es nicht gerade auch die stars des ostfussballs, die nicht schnell genug in den westen kommen konnten?

    was mit dem ostfussball passiert ist, ist eine schweinerei, keine frage. aber so zu tun, als ob man daran keinen anteil hatte, wird langssam langweilig und peinlich.

  • User
  • 29.12.2011 15:57:21 AntiMöller

    Naja, wir Westler leiden ja auch unter Schluchz-Reflexen ("Ouuuw! Farfan liebt Schalke gar nicht durchunddurch, sondern will einen besseren Vertrag, egal wo...")

  • User
  • 29.12.2011 16:34:50 mehmetwirdankendir

    Als Wessi sag ich:

    Mehr Willi Lemkes, weniger Rolf-Jürgen Ottos.

    Wir waren zum größten Teil schuld. Aber wie Suppenteller erwähnte, nicht allein.

    Es wird vielen besser gehen, neimanden dafür aber schlechter.

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  • 29.12.2011 19:40:31 AntiMöller

    Willi Lemke, der Karrierist, hör ma uff!

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  • 30.12.2011 08:07:54 mehmetwirdankendir

    So weit ich weiß Anti, hat er den Rostockern den Kapitalismus erklärt und Uwe Reinders be- entsorgt.

    Telekolleg Lemke

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  • 30.12.2011 09:05:09 PittiTrueffelschwein

    So weit ich weiß Anti, hat er den Rostockern den Kapitalismus erklärt und Uwe Reinders be- entsorgt.

    Die Geschichte war trotz allem eher holprig. Man kann es den Westclubs wohl nicht vorwerfen, aber prinzipiell haben die Vereine, die den Ostclubs seinerzeit "den Kapitalismus erklärt haben" diese eher als Farmteams gesehen, deren ordentliche Jugendarbeit man sich seinerzeit sichern wollte. Selbst ein ruhiger und beinahe väterlicher Verhandlungspartner wie Rainer Calmund hat selber ja mal angedeutet, wie scharf die Westmanager auf die Osttalente waren. Allerdings waren diese wiederum, wie suppenteller sagt, ebenso scharf auf den Westen und die Kohle.

    Es war eben ne wechselseitige Geschichte. Der Westen ist nicht schuld, dass die Ostclubs so blind in den Kapitalismus gestolpert sind und der Ostclubs sind nicht Schuld, dass die Westvereine daraus auch irgendwie ihren nutzen ziehen wollten.
    Klar, man könnte jetzt "aus Prinzip" das Thema vertiefen, aber das ginge dann eher in diese Richtung.

  • User
  • 30.12.2011 09:57:17 mehmetwirdankendir

    @ Pitti
    Danke für einen der wenigen differenzierten Beiträge zu diesem Thema.
    Tatsache ist, der Osten ist verramscht worden.

    Natürlich waren wir technologisch weiter. Nichtsdestotrotz hätten gewisse Dinge gefördert werden müssen. Die Treuhandanstalt war eine Bande dreckiger Lobbyistenschweine. Euphemistisch ausgedrückt.

    Und falls Besipiele gefordert werden:

    Die DDR war damals schon weiter was Kühlschränke angeht. Ich sag nur FCKW und so. Auf den Hund sind wir erst Jahre später gekommen.

  • User
  • 30.12.2011 10:16:02 Gruni

    Die DDR war damals schon weiter was Kühlschränke angeht. Ich sag nur FCKW und so. Auf den Hund sind wir erst Jahre später gekommen.

    Vergiss den Trabant 601 nicht. Bei entspannter Fahrweise, also 80 km/h, nur 3 Liter Verbrauch. Ist heute der heilige Gral!

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  • 30.12.2011 11:23:43 AntiMöller

    ...und hat Sigmund Jähn nicht die Teflonpfanne erfunden?

  • User
  • 30.12.2011 11:26:43 giselher

    Nicht zu vergessen: Das Ampelmännchen. Und die tolle Emanzipation. Jaaaa, die hatten schon was im Osten ....

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  • 30.12.2011 11:32:15 Jim Panse

    Apropos Ampelmännchen ... den Sinn des 'Grünen Pfeils' raffen manche immer noch nicht, dabei ist das mal was wirklich nützliches von düben.

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  • 31.12.2011 02:36:27 Walter Baseggio

    Ich bin kein Freund des Ostfußballs, aber wenn ich mir mal ansehe, dass nur zwei ostdeutsche Vereine in die Buli kamen zur Saison 1991/1992, Rostock und Dresden, dann frag ich mich schon, wie sehr die Ostclubs vom DFB verarscht wurden.

    Ich sag mal, 4-6 Teams aus dem Osten wäre ja wohl fairer gewesen.
    Zur Not hätte man auch ne Buli - Quali ausspielen können mit den 4-6 Ostteams und den schlechtesten westdeutschen Clubs.

    Hätte der DFB sich drüber hinwegsetzen müssen, wenn sich Clubs wie Bochum, Wattenscheid etc mokiert hätten, trotz sportlich erreichtem Klassenerhalt ne Art Quali spielen zu müssen.

  • User
  • 05.01.2012 14:03:09 Statistikfreund

    @ 22.12.2011 09:04:16 von GonzoKoslovski
    [...]Ich war da zu der zeit noch nicht dabei aber man "wollte" mit dem Westen fusionieren?[...]
    Ja. Das war ab 1990 breiter gesellschaftlicher Konsens in der ehemaligen DDR. Es gab hinreichend Menschen, die eine "neue DDR" wollten und keinen "Beitritt". Aber sowohl die Voten der politischen/ gesellschaftlichen Player auf der Mikroebene (z.B. Demoteilnehmer) wie auch auf der Mesoebene (Verbände, Kirchen, Ministerialbürokratie) waren sich mit der Makroebene (politische Staatsführung) mehrheitlich einig beizutreten. Das sollte man mal so festhalten.

    [...]Musste es nicht zwangsläufig dazu kommen, so von wegen Vereintes Deutschland = Vereinte Liga?[...]
    Zwangsläufig nicht. Der DFV hätte -ähnlich den britischen Verbänden- auch erstmal Mitglied in der UEFA, FIFA bleiben können. Das ist ziemlich sicher überliefert und wurde seinerzeit auch so diskutiert.

    [...]Wäre es damals überhaupt möglich gewesen die Ligen getrennt zu halten?[...]
    Theoretisch also: ja.
    Aber auch "wir Fans" haben Anteil daran, dass es nicht dazu kam. Zum einen lag das daran, dass kaum noch jemand da war bzw. Interesse daran zeigte. Zum anderen daran, was dann in den Stadien veranstaltet wurde. Wohlgemerkt zu einer Zeit als Taylor-Report und bundesdeutsche Exekutive die Gewalt langsam aber stetig in den Stadien zu bekämpfen begann.

    Nicht zu vergessen: die "ominösen Westberater" und Sonnenprinzen, die wir Fans nicht ausreichend kontrollierten.

    Und genau HIER ist aber meines Erachtens das Versagen des DFB zu verorten: Er hätte dem Einhalt gebieten müssen, z.B. hätte er Zwangsverwalter bestellen müssen (zum einen wegen der Abschreckung, zum anderen gab es auch im Osten genügend, die sich nun die Taschen füllten).

    Ob das rechtlich möglich gewesen wäre? Nun ja: wenn der DFB gesagt hätte, ohne diesen "Verwalter" keine Lizenz, dann hätte damals keiner geklagt. Da bin ich mir sicher, es war eine andere Zeit. Und wenn dann der Übergang geschafft worden wäre, dann hätte das auch aufgehört.

    ABER: Nimm mal einen Verein wie Stahl Brandenburg. Mit ihrer 80er Mannschaft -und was war das für eine geile Elf!- hätten sie locker in der 2.BuLi gespielt. Aber es gab eben nur einen "2t-Ligatauglichen" Sponsor: das Stahlwerk. Und die hatten nach der Wende erstmal andere Sorgen, das war der Beginn vom stetigen Abstieg.

    Nur sei eben bemerkt, dass Brandenburg eine Stadt von 94.872 Einwohnern war (1988) und heute 71.778 Einwohner hat mit einer entsprechenden Wirtschaftsstruktur. Und wie viele Städte in den alten Ländern ähnlicher Kategorie gab/ gibt es, die mal einen Zweitligisten an den Start bringen konnten?

    Das besondere ist doch "lediglich", dass Stahl eben mal EC spielte, für eine solche Stadt schon einen repektablen Zuschauerschnitt hatte und so eben auch eine so ganz eigene Tradition hatte, die man aus verstehbaren Gründen in den alten Ländern nur schwer nachvollziehen konnte/ kann und somit auch schwerlich die Sentimentalität, die man als gelernter DDR Bürger dieser Thematik entgegenbringt, verstehen und lässt so mitunter die Sensibilität vermissen.

    30.12.2011 09:57:17 von mehmetwirdankendir
    [...]Tatsache ist, der Osten ist verramscht worden.[...]

    Ja. Jedem, den das interessiert, sei der Einigungsvertrag in seiner kommentierten Fassung als Lektüre empfohlen, wie die Abhandlungen Prof. Dr. Wolfgang Merkels zu diesem Thema, als auch die "Bilanz der Treuhand".

    Aber das ändert nichts daran:

    [...]Natürlich waren wir technologisch weiter.[...]
    Jein.
    Der Hauptgrund war, dass die durch das Computerzeitalter anstehenden Innovationen zwar erkannt und ausgeplant waren aber nicht finanziert werden konnte,-weshalb die DDR zwar nicht pleite im "betriebswirtschaftlichen", aber eben doch im "volkswirtschaftlichen Sinne" war: sie war nicht mehr in der Lage sich adäquat und vor allem in der Breite zu regenerieren und technologisch Anschluss zu halten, wie sie es hätte tun müssen.

    Ich z.B. hatte bei einer Firma gelernt in Thüringen, die schon seit den 1960er Jahren Maschinen u.a. für England herstellte und in den 1980er Jahren schon so etwas wie state of the art war. Heute ist sie es immer noch-aber nur weil die englische Vertriebsfirma Mutterhaus wurde und Anfang der 1990er Jahre richtig Geld in die Hand nahm -was im Werk aus den unterschiedlichsten Gründen nie und nimmer da gewesen wäre-, um im Computergesteuerten Maschinenzeitalter anzukommen. Und als dann Osteuropäer -vor allem Russen- wieder konvertierbares Geld in der Tasche hatten, war die Firma endgültig gerettet. Dieses "Glück" hatten nicht alle bzw. u.a. diese "Durststrecke" überstanden nicht alle.

    Das beste Bsp. zur Illustration ist meiner Ansicht nach Simson Suhl: Sie waren unangefochten Marktführer im RGW für Kleinkrafträder, dazu war man eine Hausnummer in Südostasien sowie in Zentralasien mit China. Sie verkauften 1989 200000 Kleinkrafträder, 1991 noch 5000. Es ging ja dann noch irgendwie weiter, bis eben auch gravierende Managementfehler dazu führten, dass endgültig Schluss war.

    Einen "Fehler" will ich Dir einmal aus meiner Sicht skizzieren, der diese ganze Problematik skizziert:
    1. Simson konnte (und musste) jeder halbwegs technisch begabte 16jährige selbst reparieren. Bei den Nachwendemodellen war das nicht mehr der Fall.
    Damit wollte man die Vertragswerkstätten -die das ähnlich dem Autohausmodell forderten- bzw. das Vertriebsnetz stärken-außerdem ist das bei Yamaha, Honda, usw. Standard.

    2. Man glich sich zwangsläufig den Preisen von "westlichen" Kleinkrafträdern an, weil jede Menge Schnickschnack verbaut wurde, teils aus gesetzlicher Verpflichtung, teils weil es nachgefragt wurde.

    Problem: warum sollte man jetzt noch Simson kaufen, wenn es preislich keinen Unterschied gibt, man nichts mehr selbst dran machen konnte und Yamaha/ Honda eben einfach besser waren? Und nun: warum hätten Yamaha/ Honda einen Konkurrenten bzw. eine Produktionskapazität aufbauen und durchfüttern sollen für einen Markt, der erst (wieder) entsteht?

    Ähnliches kann man z.B. schreiben über SKET in Magdeburg-und bitte die Küchenherdherstellung war der "Rest, sprich die zwangsweise Konsungüterproduktion, SKET war schon ein qualitativ und quantitativ hochwertiger Player im Schwermaschinenbereich.

    [...] Nichtsdestotrotz hätten gewisse Dinge gefördert werden müssen. [...]
    Jein.
    Sicher war/ ist es zu verurteilen, was die Treuhand tlw. vom Stapel lies, dass Hermes-Bürgschaften tlw. bewusst nicht vergeben wurden, usw.

    Aber grundsätzlich ist auch mal folgendes zu bedenken: Einmal angenommen, es wären alle Firmen durch management by out privatisiert wurden. Dann hätte man in Konkurrenz zum richtigen Weltmarkt treten müssen. Und da war eben der Teil des Marktes, der in den 1990er Jahren Geld einbrachte, aufgeteilt und die neuen Märkte hatten entweder kein konvertierbares Geld bzw. zu wenig konvertierbares Geld, bzw. wollten die "neuen Produkte"-siehe Bsp. Simson.

    5 Sachen zum Schluss:
    1. Es ist mir grundsätzlich egal, ob ein Westdeutscher die unmittelbare Zeit/ Lage im Osten vor und nach 1990, meine Biographie, usw. nachvollziehen will. Es interessiert mich nicht, was dieser darüber denkt, wie er das bewertet, wenn er mit belehrendem Duktus vorgeht. Letzteres meint dieser oftmals können zu dürfen, weil er ja gewonnen hat oder aus intellektuell unredlichen Gründen, aber er kann es ohne interessiertes Nachfragen genau so wenig, wie ich es im umgekehrten Fall könnte.

    2. Selbsterklärte Könner aus dem Westen, Sonnenkönige, Abzocker aus dem "Westen": alles richtig, aber: Vieles im Osten haben wir Ostdeutschen höchstselbst versaut.

    3. In die Geschichte zu blicken, sie aufzuarbeiten ist richtig und wichtig, die gemachten Fehler zu erkennen und zu benennen ebenfalls. Aber wer meint so ein toller Typ zu sein, um den Protagonisten von einst heute die Welt erklären zu müssen und zu können, dem schreibe ich: Nachmachen! Besser machen!

    Nun gut, das ist schwerlich möglich, aber etwas Empathie dafür, was das für eine Zeit war und das es eben schon eine Herausforderung war, sich Knall auf Fall in einer gänzlich neuen Zeit/ in einem gänzlich neuen System zurechtfinden zu müssen, erscheint mir nicht verkehrt.

    4. Sozioökonomische Lage in den Neuen Ländern hin oder her: NIEMAND, niemand zwingt die Fans von Hansa, BFC, Dynamo Dresden, usw. gewalttätig zu sein und regelmäßig durch unakzeptables Verhalten aufzufallen. Niemand!

    5. Sozioökonomische Lage im Osten hin oder her: Niemand verbietet einem hart zu arbeiten oder beim Empfang von Transferleistungen, trotz einer zugegeben gewissen mitunter auszumachenden Perspektivlosigkeit, einfach mal eine Grundzufriedenheit darüber zu haben, dadurch nicht verrecken zu müssen, wie das in weiten Teilen der Welt -auch der "zivilisierten und westlichen"- der Fall ist.

    Mit Verlaub und allem Verständnis für sozialwissenschaftliche Erklärungsmodelle: Armut in jeglicher Hinsicht muss nicht in politische Radikalisierung, muss nicht in Neid, muss nicht in Gewalt, muss nicht in eine "wir wurden zu Verlierern gemacht"-Rhetorik münden und in politischen Extremismus schon dreimal nicht.

  • User
  • 24.01.2012 13:48:31 Yvy

    geht hier noch was ?

    die mauer im kopf scheint bei den ehemaligen DDR-Bürgern noch präsent, bei uns in der ehemaligen BRD eher nicht

    hört sich vielleicht profan an, aber nachdem Kohl, als die Wende quasi fast vollzogen war, plötzlich auf den Zug aufsprang und sich als "Kanzler der Einheit" feiern ließ (obwohl er wie gesagt nichts damit zu tun hatte), haben damals alle die "Ossis" gewarnt, bei der nächsten Wahl nicht die CDU zu wählen, da die Gefahr groß sei, über den Tisch gezogen zu werden.

    Statt sich zu informieren, haben viele (völlig ahnungslos) geantwortet "wir wählen keine SPD, da steht ein "S" für "sozialistisch" davor.

    Tja, selber schuld, kein Mitleid

  • User
  • 24.01.2012 17:30:14 oberhofer

    Was soll hier noch gehen? Dein Beitrag, Yvy, ist unbedeutend, aber ich bin Dir zu Dank verpflichtet, dass Du den Fred hochgeholt hast, und ich so den Beitrag des werten Statistikers lesen konnte.

    Wow! Und Applaus. Ganz grosser Sport!

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