Michael (44) ahnt nichts
»Man spürt einfach, dass Vertrauen da ist«
Text: Ron Ulrich Bild: Imago
Bei Hertha BSC tobt ein Rosenkrieg. Doch wie jetzt bekannt wurde, handelt es sich dabei um eine neue RTL-Show. Der Sender versucht derzeit, mit seinen Scripted-Reality-Produktionen auch im Fußball anzukommen. Mit verheerenden Folgen.
Es klingt alles echt. Lügen, Vorwürfe, Trennung. Bei Hertha BSC schimpfen Manager Michael Preetz, Trainer Markus Babbel und Präsident Werner Gegenbauer drauf los, als gäbe es kein Morgen. Die noch im Sommer heile Welt in der Hauptstadt zerbricht. Gerüchte gab es schon länger, dass der Streit um die Vertragsverlängerung von Babbel zu absurd wurde, um wirklich wahr zu sein. Jetzt kam heraus: Alles ist von RTL inszeniert. Hertha BSC ist nur ein weiteres Opfer des Kölner Senders, der mit miesen Reality-TV-Shows sein Nachmittagsprogramm bestreitet. Darin werden die Dialoge vorgeschrieben und die Protagonisten verfremdet dargestellt.
Alles nur gespielt
Zuletzt hatte die erfolgreiche TV-Mami Katja Saalfrank den Sender dafür kritisiert, dass in die angeblich dokumentarischen Sendungen eingegriffen werde. Saalfrank gab ihren Ausstieg bekannt. So wie sie kritisieren viele Experten, dass etliche TV-Sozialdramen inszeniert werden. Schockierend: Knapp die Hälfte der Zuschauer zwischen sechs und acht Jahren glaubt, dass es sich um echte Fälle handelt. Einer neuen Studie zufolge glaubten gar 76 Prozent der deutschen Fußballfans, dass die Show um Markus Babbel wirklich so passiert wäre.
Immerhin wendeten die restlichen 24 Prozent ein, das Ganze sei doch relativ unrealistisch und viel zu überzeichnet. In der seit Wochen andauernden Produktion der Sendung hatte ein Trainer angeblich dem Manager seinen Abschied mitgeteilt, der Manager das aber erst Wochen später realisiert und der Präsident von »Münchhausen« gesprochen. Ein Großteil der Zuschauer fiel darauf herein.
Knebelvertrag unterschrieben
Es wird vermutet, dass Hertha wie so viele Opfer vorher in die Falle der Privatsender getappt ist. Wohl schon unter dem vorherigen Manager hatte man in finanzieller Schieflage einen Knebelvertrag unterschrieben, um an Geld und eine Beziehung zu kommen. Doch im Kleingedruckten des Vertrages steht, dass der Sender frei über die Bilder verfügen kann und die Geschichten selbst schreibt.
Die 23-jährige Doro F. aus Meinerzhagen wurde in der Sendung »Frauentausch« und bei »Mitten im Leben« fälschlicherweise als fettleibige, faule Schmarotzerin dargestellt, der Streit mit ihrem Mann Bruno V. (52) war frei erfunden. Sie sagt: »Ich weiß, wie Hertha sich jetzt fühlt. Man wendet sich in seiner Not an einen TV-Sender und dann stellt der so etwas mit einem an. Schrecklich.«
Damit nicht genug: Die gesamte Ausstrahlung der Hertha-Show steht noch aus. Noch ist nicht ganz klar, ob dies in der Sendung »Familien im Brennpunkt« oder »Berlin Tag und Nacht« passieren soll. Im TV verspricht man sich so oder so einen Quotenanstieg. Das Script der Sendung liegt 11FREUNDE vor und wird auf der folgenden Seite in Auszügen abgedruckt.
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