Hertha BSC trennt sich von Markus Babbel
Nichts als die Lüge
Text: 11FREUNDE Bild: Imago
Nach dem Spiel gegen Hoffenheim hatte Hertha-Coach Markus Babbel verkündet, dass er seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängert wird. Danach wurde ausgiebig mit Schlamm geworfen – und der Trainer entlassen.
Kurz bevor sie wieder in den Katakomben der Rhein-Neckar-Arena verschwanden, ergiff Hoffenheims Trainer Holger Stanislawski noch einmal das Wort. »Herr Babbel, glauben Sie, dass Sie bei der Weihnachtsfeier noch da sind?« Die TSG Hoffenheim und Hertha BSC hatten sich gerade friedlich 1:1 getrennt. Für Hertha war dies ein akzeptables Ergebnis, schließlich fiel der Ausgleich erst in der 91. Minute. Der Aufsteiger überwintert nun auf dem 11. Tabellenplatz. Zeit, endlich mal durchzuatmen. Zeit, im Ohrensessel auf ein erfolgreiches Jahr 2011 zurückzublicken. Die Hertha ist nach nur einem Jahr in Liga 2 wieder in der Bundesliga angekommen.
Doch Pustekuchen. Der Frieden ist in der Hauptstadt seit einigen Wochen gestört, und auch weil die Fragen nach dem Verbleib von Markus Babbel nicht abbrechen wollten, erlaubte sich Stanislawski diesen Wink, diese kleine Persiflage auf die Hysterie des modernen Fußballs. Markus Babbel stand danach auf, drehte sich zum Trainerkollegen und konterte flapsig: »Arschloch!« Dann verließen beide Arm in Arm die Pressekonferenz. Zwei, die sich verstehen.
Drei, die sich nicht verstehen, trafen sich auf der Rückfahrt nach Berlin: Werner Gegenbauer, Michael Preetz und Markus Babbel. Wenige Stunden zuvor hatte Markus Babbel erstmals öffentlich gesagt, was seit längerem viele ahnten: Er wollte seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Preetz hätte er dies bereits Anfang November mitgeteilt und auf dessen Wunsch die Sache bis zur Winterpause geheim gehalten.
»Nicht mit Baron-Münchhausen-Geschichten kommen«
»Das entspricht nicht dem, was Michael Preetz Stein und Bein schwört«, entgegnete Herthas Präsident Werner Gegenbauer. »Jetzt sollte man nicht mit Baron-Münchhausen-Geschichten kommen.« Auch Michael Preetz sagte: »Diese Information ist schlicht falsch.« Babbel wiederum fand es »ein bisschen enttäuschend, dass ich jetzt als Münchhausen hingestellt werde«. Von Preetz sei er »menschlich enttäuscht«.
Preetz wiederholte, dass er mit Babbel nie über dieses Thema gesprochen habe. »Da hat er vielleicht nicht richtig zugehört«, sagte Babbel. Preetz widersprach auch hier und sagte: »Wenn es um so zentrale Sachen geht, sind meine Ohren auf Empfang geschaltet.« Und Gegenbauer fügte hinzu: »Weder ich noch Michael Preetz sagen die Unwahrheit.« Beide seien, so Gegenbauer, erst am vergangenen Dienstag von Babbels Berater informiert worden. Einen Zeugen gebe es auch. Einen Namen indes nicht. Und so ging es weiter hin und her. Stundenlang. Der Klub schaffte es innerhalb eines Tages, sich in einem riesigen Konstrukt aus Lügen, Vorwürfen und Halbwahrheiten zu verknoten. Das ideale Script für ein groteskes Kammerspiel mit drei Personen.
Es geht um »andere, private Gründe«
Zwischenzeitlich wurde auch publik, warum Markus Babbel seinen Vertrag nicht verlängern will, nämlich aus Gründen, »die ich nicht näher bringen will«. Es gehe weder um Geld noch um neue Spieler. Dem Tagesspiegel sagte er: »Ich war mit dem zufrieden, was ich hatte. Die Mannschaft ist intakt. Das hat andere, private Gründe.«
Zu den Vorwürfen von Gegenbauer und Preetz sagte Babbel beim Sonntagmorgentraining: »Ich habe es nicht nötig, irgendwelchen Scheiß zu erzählen. Mir tut es leid, dass es die Mannschaft aus den Medien erfahren musste. Aber ich kann nicht akzeptieren, dass es dieses Gespräch nicht mehr gegeben haben soll.« Es war das letzte Training, das er leitete. Vier Stunden später wurde er entlassen. Laut Preetz sei das Vertrauen »einfach dahin« gewesen.
Michael Skibbe als Nachfolger?
Der 39-jährige Babbel stand seit 1. Juli 2010 in Diensten des Hauptstadtklubs. Medien spekulieren nun über Michael Skibbe als neuen Hertha-Coach. Dieser betreut derzeit noch den türkischen Erstligisten Eskisehirspor. Letzte Station des 46 Jahre alten Skibbe in Deutschland war Eintracht Frankfurt. Bei den Hessen wurde er am 22. März dieses Jahres nach ausbleibenden Erfolgen entlassen. Das ist übrigens die Wahrheit.
(Mit Material vom SID)
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