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20.12.2011

Reutlingens Ultras zwischen Einfluss und Abstieg

»Wenn es knallt, knallt es halt«

Text: Dominik Drutschmann  Bild: Dominik Drutschmann

Keiner spricht über den SSV Reutlingen, aber viele über ihre Fans. Die Ultras der »Szene E« sind in der Fanszene bundesweit bekannt. Unser Autor Dominik Drutschmann hat die »Szene E« einen Spieltag lang begleitet.

Reutlingens Ultras zwischen Einfluss und Abstieg - »Wenn es knallt, knallt es halt«


Noch fünf Minuten bis zum Anpfiff. Die letzten Klänge der Rolling Stones plärren aus den Boxen. Paint it black, singt Mick Jagger. Dann ist Ruhe. Der schwarz-gekleidete Haufen im »Block E« übernimmt das musikalische Zepter. Die erste Trommel erklingt, tok-tok-tok. Die zweite steigt ein. Aus 60 Kehlen erklingt der erste Schlachtruf: »Wir sind die letzten Reutlinger – tok-tok-tok – wir sind immer da!«



Die Ultras des schwäbischen Oberligisten SSV Reutlingen bilden die einzige ernsthafte Ansammlung von Menschen im Stadion an der Kreuzeiche. Die Tribünen bieten Platz für 15.000 Zuschauer, 600 verlieren sich an diesem Samstag im weiten Rund – die gesamte Südtribüne unter der Anzeigetafel ist gesperrt. Das Stadion liegt da wie ein schöner Mantel, der sechs Nummern zu groß ist.

Ihr Capo heißt Fabian Maier und hat früher Philosophie studiert

Die Spieler laufen ein. Fabian Maier dreht ihnen den Rücken zu. Er steht am Fuße von »Block E«. In einer Mischung aus Dirigent und Vorarbeiter brüllt er seine Kollegen an. Er rudert mit den Armen, als wolle er über das Stadiondach hinwegfliegen.
Fabian Maier, 29, ist Kopf und Capo der »Szene E«. Auch von der Gegengerade ist er noch deutlich zu erkennen: 1,90 groß, athletische Figur, sonnengegerbte Haut. Früher hat er Philosophie studiert, heute arbeitet er als Montageleiter. Er wirft einen Blick über seine Schulter, das Spiel hat begonnen. Maier gibt den Trommlern ein Zeichen, holt tief Luft und setzt an: »REUT-LIN-GEN«. Die schwarzen Schäfchen vor ihm steigen ein. Immer schneller. »REUT-LIN-GEN/REUT-LIN-GEN«.

Der SSV Reutlingen war mal eine Adresse im deutschen Fußball. In den 1960ern war der Klub auf Augenhöhe mit Bayern München, kämpfte um den Aufstieg in die Bundesliga. Zur Jahrtausendwende spielte der Klub in Liga zwei. Nach Abstiegen, Misswirtschaft und der Insolvenz im vergangenen Jahr heißen die Gegner heute nicht mehr VfL Bochum und Hannover 96, sondern Normannia Gmünd und FV Illertissen. Für die »Szene E« ist das Fluch und Segen zugleich. »Ohne den sportlichen und wirtschaftlichen Abstieg, wären wir als Ultras heute nicht in der Position, in der wir sind«, sagt  Maier. Wer eine Karte für »Block E« haben will, muss sich an die »Szene E« wenden, nicht an den Verein.


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Kommentare

  • User
  • 18.12.2011 11:01:11 AbteilungAttacke

    Sehr interessanter Artikel. Vielen Dank dafür.

  • User
  • 18.12.2011 12:40:43 Autobahnkreuz

    Jau, sehr guter Artikel. Danke! Bitte mehr davon!

  • User
  • 18.12.2011 12:50:51 Jim Panse

    Was machen die denn bei Stuttgart-Dortmund, obwohl Bundesliga die nicht interessiert?

  • User
  • 18.12.2011 13:02:04 knoxville

    "Keiner spricht über den SSV Reutlingen.." und so sollte es auch weiter gehandhabt werden.

    Scheiß Dorfdeppen.

  • User
  • 18.12.2011 13:05:37 Don Paul

    Du musst dir diese ganzen schwäbischen Käffer als Speckmantel von Stuttgart (dem Mekka Schwabens) vorstellen, daher muss man für so ziemlich jede Route durchs Ländle den dortigen Kopfbahnhof passieren.

    Dennoch: Zufälle gibts! Da da einfach so andere Fans rumlaufen, mit denen man sich ja mal prügeln könnte. Die Welt ist doch wunderbar bunt.

  • User
  • 18.12.2011 14:07:15 gelsenkirchen

    so wie sich das mir hier beschreibt hätte man angesprochenen nazi vorrangig aus der gruppe entfernt um schaden von der gruppe abzuwenden, nicht etwa weil dieser in einer verbotenen rechtsextremen organisation aktiv war.
    wahnsinn...

  • User
  • 18.12.2011 14:54:51 rseifert

    Der Artikel - danke im Übrigen - beschreibt meine Gefühle gegenüber Ultras treffend, obwohl er sie nicht direkt beim Namen nennt.

    Eine These, die mir noch von keinem Ultra widerlegt wurde:

    Der Großteil der Ultras nutzt den Fußball als Bühne sich selbst.
    Fußball als "Therapie" der Profilneurose.
    Das Spiel rückt in den Hintergrund. Ich schätze Menschen, die das Spiel an sich bewahren wollen und der puren Ergebnisarithmetik abgeneigt sind. Aber in diesem Fall wurde eine Parallelwelt erschaffen, die in keiner Verbindung mehr zu realen Tabellen oder Spielständen steht. Bestens zeigt sich dabei, dass die Unterstützung der eigenen Mannschaft nicht spielbezogen ist, sondern einer Dauerschleife gleicht.

    Und der Typ da oben liefert die Persiflage auf sich selbst und hätte mir mit seinen grenzdebilen Aussagen nicht besser in die Karten argumentieren können:

    Hamburger SV gegen den VfL Wolfsburg. Die Ultras interessiert das nicht. Nur einmal dreht sich Fabian Maier um. »Ich habe nur geschaut, ob ich die Fahne der HSV-Ultras sehe«, sagt Maier

    »Ohne den sportlichen und wirtschaftlichen Abstieg, wären wir als Ultras heute nicht in der Position, in der wir sind«

    Maier sagt, die Dortmunder hätten angefangen, seine Jungs hätten sich nur verteidigt.

  • User
  • 18.12.2011 16:47:14 gelsenkirchen

    die fremdschamkurve innerhalb des artikels ist eklatant exponentiell, das ist richtig.

  • User
  • 18.12.2011 17:48:32 Earthgrazer

    @Jim Panse:

    Die Szene E hat ne enge Fanfreundschaft zum Commando Cannstatt (Ultras vom VfB), die sind oft beim VfB im Stadion.

  • User
  • 18.12.2011 21:12:30 MadjerundSolskjaer

    @Jim Panse:

    Die Reutlinger hatten an dem Tag ein Auswärtsspiel in Schwäbisch Gmünd. Und wenn die mit dem Zug nach Reutlingen zurück fahren wollen, steigen sie am besten in Stuttgart-Bad Cannstatt um. Wie praktisch, dass zur gleichen Zeit die Dortmunder nach dem VfB-Spiel am gleichen Bahnhof auf den Zug warteten...

  • User
  • 18.12.2011 21:15:37 currygoi

    Wie hieß eigentlich nochmal dieser Kameruner, der für Reutlingen in der RL über 30mal getroffen hat?

  • User
  • 18.12.2011 23:37:11 Jim Panse

    Aaaargh, Djappa, der hat immer gegen die Kickers getroffen. Genauso schrecklich wie der Erfurter Hebestreit.

  • User
  • 19.12.2011 01:23:43 Gandalf

    Das ist aber auch mal wieder typisch für dieses Süd-Deutschland: keine Perspektiven, strukturschwache Regionen und dadurch empfänglich für Sub-Kulturen.

    Die können sich ja nicht mal Pyro-Shows, geschweige denn richtige Faschos leisten...mei mei mei.

  • User
  • 19.12.2011 22:19:37 332eier

    Oh je, was für ein unnützer Artikel.
    Was ist denn an dieser "Szene e" so Besonderes im Vergleich zu anderen Ultra-Gruppen in Deutschland?
    Diese "Legendenbildung" vom philosophischen Montageleiter....also geh fort, damit kann man auch nur in einem Provinzstädtchen beeindrucken :-D

    Als Löwenfan hab ich vor 2-3 Jahren erlebt,wie beeindruckend diese Fanszene sein kann: etwa 5 Auswärtsfans bei einem Spiel hier im GWS unter der Woche. Wow!

    Mir fallen sofort 20 Fanszenen ein,die unterhalb der 3.Liga spielen und mit ähnlichen Situationen umzugehen haben (und das Ganze meistern, ohne sich selbst zu feiern).

    Ständige Selbstbeweihräucherung nervt. Reutlingen nervt.

  • User
  • 20.12.2011 16:24:11 rumpler

    Und "Löwen" nerven.

  • User
  • 20.12.2011 16:27:40 mehmetwirdankendir

    Haben aber keine aktive Ultraszene mehr. Wenn du die Giesinger Bauern meinst.

  • User
  • 20.12.2011 16:28:41 rumpler

    Stimmt, eher wieder 'n paar "gepflegte" Nazis.

  • User
  • 20.12.2011 16:28:55 rumpler

    (wie man so liest)

  • User
  • 20.12.2011 16:32:46 mehmetwirdankendir

    Ein echtes 90er-Revival also. Oder 30er. Wie man will.

    Aber auch die Kutten mischen wieder mit. Find ich irgenwie lieb, dass sich alles wieder so zusammentut, was sich vor dem Einzug der Ultras so im Stadion getummelt hat.

  • User
  • 22.12.2011 16:40:28 Wer

    "[...]Kopf und Capo[...]"
    Gut, wenn man die Begrifflichkeiten kennt, über die man schreibt ...

    Allgemein: Dummes Pack.
    Und bitte - Eloquent? Hallo? Dieser nette Herr, der da wie bei den Ultras eben üblich stolz Titel eines KZ Funktionshäftlings trägt, erklärt an ein und demselben Tag:
    - Das man sich Erfolg ja schon wünscht
    - Das man sich gleichzeitig scheinbar bewusst ist, dass man nur wegen dem Niedergang des Vereins zu seiner Machtfülle gekommen ist
    - Das das geilste an der eigenen Bewegung ist, dass man es geschafft hat den Verein erpressbar zu machen, so das jetzt Ex-Philosophie Studenten und amtierende Montageleiter über das Präsidium bestimmen (Stichworte "Niedergang" und "wieder Erfolg haben" - ist, das man ausgerechnet nach der Fahne der HSV Ultras guckt da eigentlich ne absichtliche Anspielung oder Zufall?)
    - Das man sich eigentlich gar nicht für Fußball interessiert
    - Das man "nicht sehen will" wie jemand Schlägereien aus dem Weg geht
    - Aber die anderen haben angefangen!
    - Die Polizisten sind die bösen

    Das ist nicht eloquent, das ist genauso dämlich wie der Typ selber ist, wenn man genug Verstand hat auch das zu SEHEN, was da steht. Dieser ganze um sich selbst kreisende Ultra-Driss ist soweit von Fußball entfernt, wie das überhaupt nur möglich ist.

  • User
  • 22.12.2011 20:27:27 mehmetwirdankendir

    Ich werd hier immer in die Ultraecke geschoben, obwohl ich ihnen ambivalent gegenüberstehe. Ich mag einfach diese 100%-Scheiße-Mentalität nicht. Ein bisschen differenzierter dürte es dann schon sein, Leute.
    Tatsache ist, dass die Ultras sich selbst feiern. Und v.a. das geht auch mir brutal auf die Eier. Wenn ich feindselige Blicke ernt, weil ich mich mal für ne Minute aufs Spiel konzentrieren will. Wer die englsiche Mentalität im Stadion erlebt hat, weiß was ich mein. Es gibt zu fast jedem Spieler einen Chant und jede Aktion bringt eine Gegenreaktion des Publikums mit sich. Herrlich.

    Auf der anderen Seite sind die Choreographien der Ultras nicht zu verachten. Vereine sind sich dann nicht zu schaden "ihre" tollen hervorzuheben, Fernsehkanäle nicht voll draufzuhalten um die "einzigartige Stimmung" einzufangen.

    Mir fällt zum Beispiel ein, dass sich "unsere Schickeria" (Ihr seht es expandiert) negativ zum Sponsoring von Schäffler geäußert hat und sich auch dementsprechend zeigen wollte.
    Jegliche Äußerung in dieser Richtung wurde verboten und mit Stadionverbot als erste Konsequenz gedroht.

    Mein Statement bleibt:
    Ultras sind auch Menschen. Und man sollte sie auch wie solche behandeln. Die ein oder andere Aussage grenzt an pauschalem Hass gegenüber einer Bewegung. Das Leben ist aber ein bisschen komplizierter als ein Schulhof voller Teenager.

    Und zu denen da oben im Artikel. Das sind Grenzdebile. tut mir leid.

  • User
  • 23.12.2011 09:21:12 bobby171

    Sauer-Gurken-Zeit oder Winterpausenloch=Zeit für Ultras-Berichte aus der Provinz. Wer braucht das? Außer den Ultras jetzt, die ja eine Plattform benötigen. Riecht echt n bischen nach "Fantreff"-zeiten.

  • User
  • 13.01.2012 15:01:48 noggel

    nur der ssv! und zwar der SSV ULM 1846! FORZA ULMER! scheiß reutlingen!

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