»Wegen erwiesener Unschuld eingestellt« – Ist die TSG Hoffenheim unschuldig?
Der Fall Pieeep
Text: Alex Raack Bild: Imago
Die »Akustik-Attacke« eines Mitarbeiters der TSG Hoffenheim gegen Dortmunder Fans hat keine strafrechtlichen Folgen. »Wegen erwiesener Unschuld«, wurde das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft eingestellt. Viele Fragen bleiben trotzdem unbeantwortet.
Samstag, 13. August 2011. Die TSG Hoffenheim empfängt im ersten Heimspiel der neuen Saison den Deutschen Meister Borussia Dortmund im Rhein-Neckar-Stadion. Nach neun Minuten schießt Hoffenheims Sejad Salihovic das 1:0. Die Reaktionen einiger Dortmunder Zuschauer sind deutlich zu hören: Altbekannte Schmähgesänge auf TSG-Mäzen Dietmar Hopp. Plötzlich stört ein schrilles Geräusch, dass erst dann nachlässt, als auch die Beleidigungen verstummen. Noch mehrfach klingelt es in den Ohren der Auswärtsfans- Störgeräusche gegen Schmähgesänge? Das hat es auch im deutschen Fußball in dieser Form noch nicht gegeben.
Am Tag nach dem Spiel tauchen Videos und Fotos auf, die nicht nur das schrille Piepen dokumentieren, sondern auch einen offenbar selbst gebauten Apparat mit zwei Lautsprechern zeigen, der, verdeckt von einer Werbeplane, in einem kleinen Zugang unterhalb des Auswärtsblocks postiert ist. Ein Vorwurf wird laut: Hoffenheim und vor allem Dietmar Hopp versuchen die Anfeindungen aus der gegnerischen Kurve akustisch zu übertönen. Und zwar systematisch. Die Medien stürzen sich auf das Thema, Hoffenheim beschneide die Meinungsfreiheit im Stadion. So laut und unerträglich sei das Geräusch gewesen, dass gleich mehrere Personen anschließend über Ohrenschmerzen klagen. Thilo Danielsmeyer, Mitarbeiter im »Fanprojekt Dortmund e.V.« sagt in einem Video-Interview mit »bild.de«: »Einer hat definitiv einen Hörsturz erlitten.«
»Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren eingestellt«
Den Klub aus Sinsheim erreichen erste Beschwerdeschreiben, in denen offenbar hörgeschädigte Dortmund-Fans Schmerzensgelder einfordern. Über seinen Anwalt Johannes Knorz lehnt der Verein jegliche Ansprüche ab. Drei Fans schalten ihre Anwälte ein, jetzt muss sich die Staatsanwaltschaft Heidelberg mit dem Vorfall befassen. Doch schon bald versackt der Störfall von Hoffenheim im Treibsand der täglichen Meldungen. Der »Fall Pieeep« interessiert bald niemanden mehr.
Bis gestern. Da verschickte die Staatsanwaltschaft Heidelberg eine kurze Pressemitteilung. Inhalt: »Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat das Ermittlungsverfahren [...] wegen erwiesener Unschuld eingestellt. Ein von der Staatsanwaltschaft eingeholtes Sachverständigengutachten hat ergeben, dass die von verschiedenen Zuschauern berichteten gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht auf dem Einsatz der Anlage beruhen können.« Damit ist der Fall eigentlich abgeschlossen. Wenn es nicht noch so viele offene Fragen geben würde. 11FREUNDE versucht, Antworten zu geben.
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