Hertha-Idol Erich »Ete« Beer wird 65
»Wir feierten mit Campari-O«
Interview: Gareth Joswig Bild: Imago
Die Hertha-Legende Erich »Ete« Beer wird 65. Im 11FREUNDE-Interview wünscht er sich einen Heimsieg gegen Schalke 04 und erzählt von seiner Zeit als Publikumsliebling bei der Hertha, Besuchen in Ost-Berlin und dem Aufputschmittel von Franz Beckenbauer.
Erich Beer, Sie werden heute 65 Jahre alt. Stimmt es, dass Sie während Ihrer Zeit als Spieler von Hertha BSC mit Ihren Kollegen gerne feucht-fröhliche Nächte verbrachten?
Erich Beer: Meistens lief alles ganz gesittet ab. Eine Ausnahme war, als wir 1975 vor voller Kulisse dicht vor der Meisterschaft standen und mit Borussia Mönchengladbach einen direkten Gegner besiegt hatten. Nach dem Spiel ging es hoch her in unserer Stammkneipe – da blieb es nicht bei einem Campari Orange. Vor fünf Uhr war keiner zu Hause!
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Sie waren bei der Hertha lange Jahre Publikumsliebling und sind auch heute noch Teil der Vereinsfolklore. Wie erklären Sie sich diese Beliebtheit?
Erich Beer: Ich habe in den acht Jahren (1971-1979, d. Red.), die ich für die Hertha gespielt habe immer 90 Minuten Dampf gemacht und mich nie hängen lassen. Wenn ich angeschlagen war, lief ich trotzdem auf und spielte mit eben mit Tapeverband an den Gelenken. Ich weiß bis heute nicht, was ein Syndesmoseband sein soll. Bei uns gab es nur Leiste oder Zerrung. Meine 95 Tore haben natürlich ihr Übriges dazu beigetragen, dass ich mich in die Herzen der Fans spielen konnte.
Sie sind bei den Fans als »Ete« zur Legende geworden. Wer hat Ihnen diesen Spitznamen verpasst?
Erich Beer: Ich bekam den Namen von Arno Steffenhagen, unserem Linksaußen. Ein waschechter Berliner aus Reinickendorf. Er sagte: »Bei uns bist du der Ete!« Von den Journalisten wurde ich zwar später »Berliner Beer« getauft, aber mannschaftsintern und bei den Fans blieb ich Ete. Berliner Mundart eben.
Was bedeutet Ihnen Hertha BSC?
Erich Beer: Für mich ist die Hertha viel mehr als nur mein Arbeitgeber gewesen. Auf ewig unvergessen bleiben mir die jubelnden Ränge, nachdem wir 1975 Bayern München mit 4:1 aus dem Stadion gefegt hatten – mit zwei Toren von mir. Noch schöner war mein Gastspiel Jahre später, als ich als Spieler des TSV 1860 München ins Berliner Olympiastadion zurückkehrte: Die Fans hatten mich nicht vergessen und begrüßten mich mit Standing Ovations – ich war zu Tränen gerührt!
Nach Ihrer Ankunft wurde jedoch zunächst der halbe Bundesliga-Kader von Hertha BSC gesperrt aufgrund der Verwicklungen in den Bundesliga-Skandal 1970/71.
Erich Beer: Ich hab trotzdem der Hertha die Treue gehalten und schlug ein Angebot der Bayern aus. Der damalige Präsident Wolfgang Holst und wir verbliebenen Spieler wollten eine komplett neue Mannschaft aufbauen, es kamen 13 neue Spieler, die meisten aus der zweiten Liga. Wir konnten im ersten Jahr mit Ach und Krach die Klasse halten. In den folgenden Jahren steigerten wir uns stetig und wurden 1975 sogar Vizemeister.
Kamen Ihnen keine Zweifel, als der Bundesliga-Skandal auflog?
Erich Beer: Nach meinem ersten Spiel für Hertha wusste ich sofort, dass ich bleiben will: Das fand noch in der Plumpe (ehemalige Spielstätte von Hertha BSC, d. Red.) statt und war ein Spiel im Intertoto Cup gegen die tschechische Mannschaft Jednota Trencin. Ich machte zwei Dinger, wir gewannen 2:1. Ete und Berlin – das passte einfach.
Wie sind Sie damit zurecht gekommen, dass Sie sich nur in West-Berlin bewegen konnten, also West-Berlin de facto eingemauert war?
Erich Beer: Ich hab das nie als Belastung empfunden. Im Grunde war die Mauer für die Auswärtsspiele sogar ein Vorteil: Wir sind bequem zu allen Bundesligaspielen geflogen und mussten nie lange in einem Mannschaftsbus sitzen. Bloß nach Braunschweig mussten wir mit dem Bus.
Und wie war die Auswärtsfahrt durch die DDR?
Erich Beer: Als unser Bus inspiziert wurde, legten wir Autogrammkarten für die Grenzer auf die Sitze. Wir waren ja durchaus auch in Ost-Berlin und der DDR populär – trotzdem trauten die Grenzer sich nicht, die Karten mitzunehmen.
Wir war Ihre Beziehung zu den Ost-Berliner Fans?
Erich Beer: Wenn wir im Osten spielten, waren stets auch ostdeutsche Hertha-Fans im Stadion. Ich hab sogar zwei, dreimal im Jahr Fans in Ost-Berlin besucht und Ihnen Wimpel und Autogrammkarten mitgebracht. An der Grenze musste meine Frau immer die Fan-Artikel nehmen, denn sie wurde nie gefilzt, während ich wegen meines bekannten Gesichts jedes Mal mindestens eine halbe Stunde schikaniert wurde.
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Erich »Ete« Beer erzielte in 342 Bundesliga-Spielen 95 Tore. Er spielte sich als Wasserträger und Kämpfer in die Herzen der Fans.





