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06.12.2011

Aleksandar Ristic über Düsseldorfs Aufschwung

»Fortuna spielt beinahe perfekt«

Interview: Andreas Bock  Bild: Imago

Als einziger deutscher Profiklub ist Fortuna Düsseldorf noch ungeschlagen. Klappt es dieses Mal mit dem Aufstieg? Wir fragten einen, der es wissen muss: Aleksandar Ristic. Ein Gespräch über Diplomatie, fiese Sprüche und Felix Magath.

Aleksandar Ristic über Düsseldorfs Aufschwung - »Fortuna spielt beinahe perfekt«


Aleksandar Ristic, wir haben lange nichts von Ihnen gehört. Was machen Sie gerade?

Aleksandar Ristic: Ich bin Rentner und lebe in Düsseldorf. Momentan bin ich allerdings in Dubrovnik. Wir haben hier ein Haus. Gut zum Erholen, wissen Sie. Kurzum: Ich genieße das Leben. Ich erhole mich vom Fußball.



Ihr Herzensverein Fortuna Düsseldorf steht momentan ungeschlagen an der Spitze der Zweiten Liga. Sie können uns doch nicht erzählen, dass Sie den Fußball nicht vermissen?

Aleksandar Ristic: Ich will jedenfalls nicht mehr als Trainer arbeiten. Damit bin ich fertig. Ich schaue mir die Spiele gerne im Fernsehen an. Manchmal, wenn mich meine Frau lässt, gehe ich auch ins Stadion. Zuletzt vor einem Monat gegen Dynamo Dresden. Wir gewannen 2:1.

Wie groß ist die Euphorie aktuell im Stadion und in der Stadt?

Aleksandar Ristic: Groß, ganz klar. Wenn ich vor die Tür gehe, sprechen mich ständig Leute an. »Aleks«, fragen sie. »Aleks, kann die Fortuna wirklich aufsteigen?« Ich habe ja Anfang der neunziger Jahre drei Aufstiege mit Düsseldorf mitgemacht: Von der Ober- bis in die Bundesliga. Das war für mich übrigens der größte Erfolg meiner Trainerlaufbahn. Größer noch als die Meisterschaft mit dem HSV. 

Und was sagen Sie als Aufstiegsexperte: Kehrt Fortuna Düsseldorf zurück in die Bundesliga?

Aleksandar Ristic: Sicher. Ich sehe nur fünf oder sechs Mannschaften, die um den Aufstieg spielen. Blöd nur, dass jetzt die Winterpause kommt. Doch die Mannschaft spielt sehr stabil, ich denke, sie wird ihre Form beibehalten. Gerade weil Norbert Meier so gute Arbeit leistet. Es war gut, dass der Klub vor einem Jahr an ihm festgehalten hat. 

Vorige Saison startete die Fortuna mit sechs Niederlagen in die Saison. Was macht Meier denn heute anders?

Aleksandar Ristic: Man spricht häufig davon, wie wichtig die Handschrift eines Trainers ist. Bei Norbert zeigt sich das besonders. Die Mannschaft spielt keinen blinden Fußball, sondern mit verstärkter Abwehr, sehr durchdacht. Sie spielt momentan beinahe perfekt.

Können Sie jemanden aus der Mannschaft hervorheben?

Aleksandar Ristic: Sascha Rösler hat einen tollen Lauf. Ich kenne ihn noch aus meiner Zeit bei Rot-Weiß Oberhausen. Schon im ersten Spiel übertrug ich ihm viel Verantwortung. Er sollte sämtliche Standards schießen, die Freistöße und die Ecken. Viele Mitspieler haben das gar nicht gut aufgenommen. Sie befürchteten, dass der neue Spieler, noch dazu so ein junger, ihnen den Rang abläuft. Doch Rösler ist technisch einfach sehr beschlagen. Zudem ein Kämpfer. Früher war er gelegentlich ein wenig zu nervös, heute hat er das aber in den Griff bekommen. Mit der Zeit wirst du eben reifer.

Wie ist das bei Ihnen? Würden Sie als Trainer heute immer noch die Konfrontation mit dem Vorstand oder den Spielern suchen?

Aleksandar Ristic: Natürlich habe ich früher gelegentlich mal einen Spruch rausgehauen. Doch letztendlich habe ich mich auch immer vor meine Spieler gestellt und versucht, sie zu schützen. Wenn ich wusste, dass einer meiner Jungs Schwächen in der Defensive hatte, stellte ich ihm einen Wadenbeißer zu Seite. Wenn einer Probleme im Spielaufbau hatte, bekam er einen technisch versierten Spieler an die Seite. Das hing ich allerdings nie an die große Glocke.


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