Die Geschichte der Fußballfans

11FREUNDE-Spezial: Nr. 1

Die Geschichte der Fußballfans

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
25.11.2011

Hans-Uwe Pilz über Dresdens Pokalausschluss

»Ich verstehe diese Chaoten nicht«

Interview: Manuel Schumann  Bild: Imago

Zweimal DDR-Meister und dreimal FDGB-Pokal-Sieger –  Hans-Uwe Pilz hat mit Dynamo Dresden Geschichte geschrieben. Momentan schaut der heutige Berufsschullehrer voller Sorge auf seinen Ex-Klub. Ein Gespräch über die Krawalle in Dortmund und die Folgen.

Hans-Uwe Pilz über Dresdens Pokalausschluss - »Ich verstehe diese Chaoten nicht«


Hans-Uwe Pilz, hat Sie der Ausschluss Dynamo Dresdens aus dem DFB-Pokal überrascht?

Hans-Uwe Pilz: Ja, absolut! Das ist ein harter Schlag. Meiner Meinung nach: zu hart. Jeder weiß, dass Dynamo nicht auf Rosen gebettet ist. Und es ist auch kein Geheimnis, dass man im Pokal den einen oder anderen Euro dazuverdienen kann.



In der laufenden Runde sollen es  1, 5 Millionen Euro gewesen sein.

Hans-Uwe Pilz: Das ist nicht nur für Dynamo viel Geld!  Diese Sanktion trifft den Klub gewaltig.  Wir alle sollten diese Entscheidung aber akzeptieren – auch wenn es schmerzhaft ist.

Die Verantwortlichen sehen das offensichtlich anders; sie prüfen nach eigenen Angaben alle rechtlichen Möglichkeiten, um gegen den Ausschluss vorzugehen.

Hans-Uwe Pilz: Dass die Verantwortlichen alle Möglichkeiten ausschöpfen, um für den Klub das Beste rauszuholen, ist normal.  Es geht –wie gesagt – möglicherweise um Millionen. Und ich wiederhole mich gern: Dresden kann jeden Euro gebrauchen.

Haben Sie sich das Pokalspiel Ihres Ex-Klubs gegen Dortmund angeschaut?

Hans-Uwe Pilz: Na klar. Ich habe mich auf ein tolles Pokalspiel gefreut – und insgeheim auf einen Überraschungssieg gehofft.

Was war Ihr erster Gedanke, als Sie die Bilder randalierender Dynamo-Anhänger gesehen haben?

Hans-Uwe Pilz: Dass das nichts mit Fußball zu tun hat! Ich saß vor dem Fernseher und habe mir natürlich meine Gedanken gemacht. Die Szenen, speziell die Aktionen rund ums Stadion, sahen schlimm aus. Erwachsene Menschen sollten in der Lage sein, zu reflektieren, was sie gerade tun. Ich verstehe diese Chaoten nicht. Verständnis dagegen habe ich für die Wut und Enttäuschung der vielen friedlichen Dynamo-Fans; sie haben sich nichts zu Schulden kommen lassen, stehen nun aber – mal wieder – am Pranger. Das ist schade. Ich hatte nämlich den Eindruck, dass die bekannten Probleme in Dresden inzwischen kleiner geworden sind und mittlerweile etwas Ruhe eingekehrt ist. Aber das war offenbar ein Trugschluss.

Dynamo Dresden hat nach den Krawallen angekündigt, einen zusätzlichen Fanbetreuer einzusetzen – ein Tropfen auf den heißen Stein?

Hans-Uwe Pilz: Nein, eher ein Schritt in die richtige Richtung. Ich sehe jedoch weiteren Handlungsbedarf. Es ist an der Zeit, weitere Fanbetreuer einzustellen. Dann wären die Erfolgschancen wesentlich höher. Ein Mann alleine kann nicht viel ausrichten. Es ist aber richtig, auf dieser Ebene aktiv zu werden; mit Kommunikation kann man sehr viel erreichen. Man sollte offensiv auf die Szene zugehen. Dass solche Schritte Geld kosten, ist doch klar. Diese Investition würde sich allerdings lohnen.

Manche Anhänger schmunzeln vermutlich über diese Schritte…

Hans-Uwe Pilz: Der Verein muss auf jeden Fall versuchen, auch diese Leute zu erreichen, irgendwie. Ich weiß, dass das äußerst schwierig ist, aber: wer bitteschön sagt, dass es ausgeschlossen ist?  Nur so wäre es überhaupt möglich, miteinander ins Gespräch zu kommen. Wir müssen an die Vernunft appellieren. Wegschauen und Resignieren wäre fahrlässig.  Eins ist aber auch klar: Ein Verein allein kann die Probleme nicht lösen. Gefordert sind auch der DFB und die Politik. Alle drei Akteure müssen gemeinsam Lösungen erarbeiten – und zwar: schnell. Dass man nicht um Strafen herumkommt, ist klar, Sanktionen sind aber eindeutig kein Heilmittel. Es muss insgesamt viel mehr getan werden.

Wo sehen Sie die Ursachen für die Probleme?

Hans-Uwe Pilz: Ganz ehrlich: Auf diese Frage habe ich keine Antwort parat. Es ist mir ein Rätsel. Diese Geschichte ist definitiv ein großer Imageschaden. Gäbe es klare Lösungen, hätte der Verein das Gewaltproblem schon längst in den Griff bekommen. Es ist offensichtlich kompliziert. Fest steht: Der Sport muss so schnell wie möglich wieder in den Mittelpunkt rücken.

Sind Sie zuversichtlich, dass dies zeitnah gelingt?

Hans-Uwe Pilz: Es wäre tragisch, wenn sich die Aufregung nun auf die Mannschaft übertrüge. Das Team steht auch so schon enorm unter Druck. Um im Abstiegskampf bestehen zu können, brauchen die Spieler einen klaren Kopf. Da ist es sicherlich auch eine Schwächung, am Sonntag ohne Fans im Rücken zum Auswärtsspiel nach Hamburg fahren zu müssen.  Dass die Gästekarten zurückgegeben worden sind, ist sehr bitter für die Mannschaft.

Schafft Dynamo den Klassenerhalt?

Hans-Uwe Pilz: Das Auftreten der Mannschaft hat mir zuletzt gut gefallen;  ich drücke aus der Ferne die Daumen. Für die Region wäre der Ligaverbleib jedenfalls enorm wichtig. Ich wünsche mir positive Schlagzeilen.




---
News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Dynamo Dresden






Ähnliche Artikel

Kommentare

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Und bei euch so?

Chaos dahoam!
Trauer dahoam!
Freude dahoam!
Wut dahoam!
Lasst mich mit diesem »dahoam« endlich in Ruhe!




Kriminologe Thomas Feltes über Gewalt im Fußball


Wie heißen noch mal die Söhne von Martin Jol?

  • Cock
  • Dick

Das Tagesticker-Archiv

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER