Thomas Broich über das Rheinderby, Mozart und Brisbane
»Ich habe mir mein eigenes Grab geschaufelt«
Interview: Erik Peter Bild: Imago
Heute erscheint die Langzeit-Dokumentation »Tom Meets Zizou – Kein Sommermärchen« auf DVD. Wir sprachen mit Thomas Broich über sein Scheitern in der Bundesliga, den Neuanfang in Australien und das Derby zwischen seinen Ex-Klubs Köln und Gladbach.
Thomas Broich, in Deutschland galten Sie lange Jahre als der etwas andere Fußballer, weil Sie sich abseits des Platzes auch für Kunst und Literatur interessierten. Wissen Ihre Mitspieler in Brisbane davon?
Thomas Broich: Ein paar Jungs haben zwar herausgefunden, dass man mich früher in der Bundesliga »Mozart« genannt hat. Aber das spielt absolut keine Rolle. Niemand hat damit ein Problem.
Hat sich in Australien schon ein neues Image etabliert?
Thomas Broich: Ich bin hier ein recht unbeschriebenes Blatt und habe kein Image verpasst bekommen. Das ist auch gut so. Die Wahrnehmung beschränkt sich überwiegend darauf, was ich auf dem Fußballplatz mache. Ich gebe zwar auch mal ein kleines Interview, aber das schlägt keine Wellen.
Dabei sind sie in der vergangenen Saison mit den Brisbane Roar auf Anhieb australischer Meister und zudem zum zweitbesten Spieler der Saison gewählt worden. Sie sind kein Superstar?
Thomas Broich: Nein. Es ist hier eben so herrlich unaufgeregt, alles ist eine Nummer kleiner. Und das ist für mich wichtig.
Wie können wir uns diese »Nummer kleiner« vorstellen?
Thomas Broich: Es gibt nur einen Journalisten hier beim Verein, der auch nicht jeden Tag eine Story macht. In der Stadt kann ich mich völlig frei bewegen, nur ab und an werde ich mal erkannt, was auch kein Problem ist. Die Kehrseite ist allerdings, dass die Stadien eher leer sind. Wir spielen im Schnitt vor 10.000 Zuschauern. Erst in den Finals (Playoffs um die Meisterschaft, d. Red.) wird das Interesse spürbar größer. Aber das ist ein Preis, den ich gern zahle.
Wie läuft es aktuell bei Ihnen?
Thomas Broich: Ich habe hier die Leidenschaft für den Fußball wiederentdeckt, weil wir extrem erfolgreich sind und ich jede Woche spielen darf. Wir knüpfen in dieser Saison nahtlos an unsere Leistung der vergangenen Spielzeit an. Nach acht Spieltagen sind wir Tabellenerster mit sechs Punkten Vorsprung. Wir dominieren die Liga also wieder und es macht genauso viel Spaß wie im vergangenen Jahr. Ich spiele eine neue Rolle, mehr im Mittelfeld und habe auch schon wieder fünf Scorerpunkte angehäuft.
Mit ihrem Wechsel nach Australien endete auch ihr Portrait des Filmemachers Aljoscha Pause. Dieser hat Sie für die Langzeitdokumentation »Tom Meets Zizou – Kein Sommermärchen« acht Jahre lang begleitet. Vermissen Sie ihn und die Dreharbeiten?
Thomas Broich: Den Aljoscha vermisse ich als Typen, weil wir uns über die Jahre angefreundet haben. Die Kamera vermisse ich nicht. So interessant das Ganze war, es bedeutete auch eine Menge Druck. Es ist ganz schön, dass das Ganze ein Ende gefunden hat.
Ab heute auf DVD im Handel erhältlich: »Tom meets Zizou - Kein Sommermärchen«
Waren Ihnen die Aufnahmen, in denen Sie viel von sich preisgegeben haben, manchmal unangenehm?
Thomas Broich: Unangenehm ist nicht da richtige Wort. Aber man kann sich ja vorstellen, dass es schwierig ist, wenn einem ein Journalist so auf den Zahn fühlt. Ich musste in für mich schwierigen Situationen ihm und der Kamera gegenüber Rechenschaft ablegen. Das war nicht immer einfach.
Ursprünglich war geplant, die Dokumentation zur WM 2006 zu beenden. Nun stammen die letzten Bilder aus diesem Jahr vom Gewinn der Meisterschaft mit Brisbane. Fehlte vorher der richtige Moment, um aufzuhören?
Thomas Broich: Mein Wechsel nach Australien war das logische Ende dieses Projekts, denn schon früh im Film hatte ich davon gesprochen, dass ich gern einmal im Ausland spielen möchte. Und mit diesen Szenen des maximalen sportlichen Erfolges aufzuhören, war ein Happy End, mit dem wir beide gar nicht mehr gerechnet hatten.
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